Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der FIFA und damit eine der einflussreichsten Figuren im Weltfußball. Der Schweizer mit italienischen Wurzeln entscheidet nicht allein über Turniere, steht aber für eine FIFA, die Milliarden bewegt, Weltmeisterschaften organisiert und politisch immer sichtbarer wird. Deshalb geht es bei ihm nicht nur um Herkunft, Gehalt oder Familie, sondern um die größere Frage: Wie viel Macht hat der FIFA-Präsident wirklich?
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist ein Schweizer Fußballfunktionär mit italienischen Wurzeln und seit dem 26. Februar 2016 Präsident des Weltfußballverbands FIFA. Offiziell heißt er Giovanni Vincenzo Infantino, bekannt ist er aber fast überall als Gianni Infantino. Er wurde in Brig in der Schweiz geboren, studierte Jura und arbeitete vor seiner FIFA-Zeit lange bei der UEFA.
Für viele Fußballfans war Infantino früher vor allem „der Mann bei den Auslosungen“. Bei Champions-League- und Europapokal-Ziehungen stand er auf der Bühne, öffnete Umschläge, erklärte Regeln und wirkte wie der sehr gut vorbereitete Beamte des europäischen Fußballs. Heute ist er deutlich mehr als das: Er steht an der Spitze einer Organisation, die Weltmeisterschaften organisiert, Verbände beeinflusst und die Richtung des internationalen Fußballs entscheidend prägt.
Gianni Infantino im Steckbrief
| voller Name | Giovanni Vincenzo Infantino |
| bekannt als | Gianni Infantino |
| geboren | 23. März 1970 |
| Geburtsort | Brig, Schweiz |
| Amt | Präsident der FIFA |
| im Amt seit | 26. Februar 2016 |
| Vorgänger | Sepp Blatter |
| beruflicher Hintergrund | Jurist, früher UEFA-Generalsekretär |
| Staatsangehörigkeit | Schweizer, italienische Wurzeln, inzwischen auch libanesischer Pass |
| Familie | verheiratet, vier Kinder |
Infantino wurde 2023 ohne Gegenkandidaten für die Amtszeit bis 2027 wiedergewählt. Beim FIFA-Kongress 2026 kündigte er außerdem an, 2027 erneut kandidieren zu wollen.
Welche Nationalität hat Gianni Infantino – und kann er Deutsch?
Gianni Infantino ist Schweizer, hat italienische Wurzeln und spricht Deutsch. Geboren wurde er in Brig im Kanton Wallis, also in der Schweiz. Seine Eltern kamen aus Italien, weshalb Infantino auch stark italienisch geprägt ist. Genau diese Mischung erklärt, warum viele Menschen fragen, ob er Schweizer oder Italiener ist: Die einfache Antwort lautet, dass beides zu seiner Biografie gehört.
Deutsch kann Infantino ebenfalls. Er spricht mehrere Sprachen und nutzt diese Fähigkeit seit Jahren geschickt auf internationalen Bühnen. Das ist im Fußball nicht unwichtig: Wer mit Verbänden aus Europa, Südamerika, Afrika, Asien und Nordamerika verhandelt, kommt mit einer Sprache allein nicht besonders weit.
2026 kam ein weiterer Punkt hinzu: Bei einem Besuch in Beirut erhielt Infantino einen libanesischen Pass. Hintergrund ist unter anderem seine Verbindung zum Libanon durch seine Ehefrau.
Wie wurde Gianni Infantino FIFA-Präsident?
Gianni Infantino wurde 2016 FIFA-Präsident, nachdem der Weltverband durch die Korruptionsskandale der Blatter-Ära schwer beschädigt war. Er kam damals nicht als weltberühmiger Ex-Spieler, sondern als Verwaltungsprofi aus dem europäischen Fußball. Sein großer Vorteil: Er kannte die Regeln, die Verbände, die Machtmechanik – und vermutlich auch ziemlich viele Telefonnummern.
Vor seiner Wahl war Infantino UEFA-Generalsekretär. Dort hatte er sich als Jurist, Organisator und mehrsprachiger Verhandler einen Namen gemacht. Als bei der FIFA nach Sepp Blatter ein Neuanfang versprochen wurde, trat Infantino als Reformfigur an. Genau das macht seine heutige Wahrnehmung so interessant: Er startete als Symbol für Aufräumen und Transparenz, wird inzwischen aber selbst oft als Symbol für die neue Machtfülle der FIFA kritisiert.
Was macht der FIFA-Präsident eigentlich?
Der FIFA-Präsident ist nicht einfach der „Chef der Fußball-WM“, sondern die wichtigste politische Figur im Weltfußball. Er repräsentiert die FIFA nach außen, arbeitet mit dem FIFA-Rat, dem Kongress und den Mitgliedsverbänden zusammen und steht an der Spitze eines Verbands, der Turniere, Regeln, Geldflüsse und Entwicklungsprogramme beeinflusst.
Besonders wichtig ist der FIFA-Rat. Laut FIFA ist er das wichtigste Entscheidungsgremium zwischen den FIFA-Kongressen. Dort geht es nicht um Kleinigkeiten wie „Welche Farbe hat der Spielball?“ und „Dürfen die Schuhe der Spieler pink sein?“, sondern um große Linien: Turniere, Vergaben, Budgets und strategische Entscheidungen.
Die Macht des FIFA-Präsidenten entsteht aber nicht nur durch Titel und Sitzungen. Sie entsteht auch durch Geld. Die FIFA plant für den Zyklus 2027 bis 2030 Einnahmen von 14 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sollen die Investitionen über das FIFA-Forward-Programm auf 2,7 Milliarden US-Dollar steigen. Wer solche Summen an 211 Mitgliedsverbände verteilt, hat im Weltfußball enormes Gewicht.
Wie viel verdient Gianni Infantino?
Gianni Infantino verdient als FIFA-Präsident mehrere Millionen pro Jahr. Laut Sportschau blieb sein Grundgehalt 2025 bei 2,6 Millionen Schweizer Franken, während sein Bonus von 1,65 Millionen auf 2,2 Millionen Schweizer Franken stieg. Insgesamt kommt damit eine sehr hohe Jahresvergütung zusammen.
Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen Gehalt und Vermögen. Das Gehalt ist durch FIFA-Berichte und Medienberichte vergleichsweise gut belegbar. Sein genaues Privatvermögen ist dagegen nicht offiziell bekannt. Wenn irgendwo konkrete Zahlen auftauchen, sollte man vorsichtig sein. Solche Schätzungen klingen oft genauer, als sie wirklich sind.
Kurz gesagt: Ja, Gianni Infantino ist durch seine Position und seine Vergütung sehr wohlhabend. Wie reich er privat genau ist, lässt sich seriös aber nicht auf den Euro oder Franken beziffern.
Ist Gianni Infantino verheiratet und hat er Kinder?
Gianni Infantino ist verheiratet und hat vier Kinder. Seine Ehefrau wird in Medien meist als Leena oder Lina Al Ashqar genannt und stammt aus dem Libanon. Das Familienleben des FIFA-Präsidenten steht aber deutlich weniger im Rampenlicht als seine Auftritte bei Turnieren, Kongressen oder politischen Terminen.
Hat Gianni Infantino selbst Fußball gespielt?
Gianni Infantino hat Fußball gespielt, wurde aber nie als Profi-Fußballer bekannt. Seine Karriere führte nicht über den Rasen, sondern über Jura, Verwaltung und Sportpolitik. Laut einem Porträt von Le Monde träumte er als Jugendlicher durchaus vom Fußball, räumte aber selbst ein, sportlich eher begrenzt begabt gewesen zu sein.
Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Viele mächtige Figuren im Fußball waren keine großen Spieler. Infantinos Stärke lag offensichtlich nicht im Dribbling, sondern im Verstehen von Regeln, Netzwerken und Mehrheiten. Man könnte sagen: Er hat den Fußball nicht mit dem Fuß erobert, sondern mit Aktenordner, Sprachen und politischem Instinkt.
Warum wird Gianni Infantino kritisiert?
Gianni Infantino wird kritisiert, weil sich bei ihm viele Streitfragen des modernen Fußballs bündeln: Geld, Macht, Politik, Turnierexpansion und die Rolle der FIFA. Seine Unterstützer sehen in ihm einen erfolgreichen Modernisierer. Kritiker sehen in ihm einen Präsidenten, der den Fußball immer stärker kommerzialisiert und die Nähe zu politischen Machthabern sucht.
Die wichtigsten Kritikpunkte sind:
- Nähe zur Politik: Infantino wird immer wieder vorgeworfen, sich zu eng mit Staats- und Regierungschefs zu zeigen.
- Donald Trump: Besonders seine Nähe zu Trump sorgt seit der WM 2026 und dem FIFA-Friedenspreis für Kritik.
- Kommerzialisierung: Größere Turniere, mehr Spiele, neue Wettbewerbe und hohe Ticketpreise nähren den Eindruck, dass Geld immer wichtiger wird.
- WM-Vergaben: Russland 2018 und Katar 2022 wurden zwar vor Infantinos Amtszeit vergeben, doch er musste beide Turniere als FIFA-Präsident vertreten. Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sowie Saudi-Arabien 2034 fallen dagegen in seine Amtszeit und sorgen ebenfalls für Debatten über Geld, Politik, Menschenrechte und die Rolle der FIFA.
- Machtstrukturen: Kritiker fragen, wie unabhängig FIFA-Gremien wirklich sind, wenn der Präsident so viel Einfluss besitzt.
- Gehalt: Infantinos Millionenvergütung sorgt immer wieder für Diskussionen, gerade weil die FIFA sich gern als Förderer des weltweiten Fußballs präsentiert.
Besonders der FIFA-Friedenspreis für Donald Trump wurde scharf kritisiert. Die Sportschau berichtete, dass bei der Ausrufung des Preises weder FIFA-Rat noch FIFA-Kongress beteiligt gewesen seien und es keine klaren Kriterien oder Jury gegeben habe.
Aktueller Stand: Was hat Gianni Infantino mit Trump und Balogun zu tun?
Aktuell steht Gianni Infantino wegen des Falls Folarin Balogun bei der WM 2026 besonders stark in der Kritik. Balogun hatte eine Rote Karte gesehen und hätte eigentlich gesperrt fehlen sollen. Dann wurde die Sperre ausgesetzt – und kurz darauf bestätigte Donald Trump, dass er Infantino wegen der Roten Karte kontaktiert hatte.
Infantino räumte den Anruf ein, wies aber eine Einflussnahme zurück. Er betonte, dass die zuständigen FIFA-Gremien unabhängig entschieden hätten. Genau daran entzündet sich jedoch die Debatte: Wenn ein US-Präsident den FIFA-Präsidenten anruft und kurz danach eine Sperre eines US-Spielers ausgesetzt wird, sieht das für viele Beobachter zumindest erklärungsbedürftig aus.
Die UEFA kritisierte die Entscheidung scharf und sah laut Sportschau eine rote Linie überschritten. Auch Belgien legte Einspruch ein, blieb damit aber erfolglos. Für einen normalen Fußballfan klingt das erstmal wie ein Regelstreit. In Wahrheit geht es um etwas Größeres: Darf Politik auch nur den Anschein erwecken, sportliche Entscheidungen zu beeinflussen?
Was sagen Unterstützer über Gianni Infantino?
Unterstützer sehen in Gianni Infantino vor allem einen Präsidenten, der die FIFA wirtschaftlich stark gemacht und den Fußball global ausgebaut hat. Die Einnahmen steigen, die Turniere werden größer, und über Programme wie FIFA Forward fließt mehr Geld an Mitgliedsverbände auf der ganzen Welt. Gerade kleinere Fußballnationen profitieren davon, wenn mehr Mittel für Infrastruktur, Nachwuchsarbeit und Wettbewerbe bereitstehen.
Das ist der Grund, warum Infantino trotz aller Kritik politisch stark bleibt. Bei der FIFA zählt jedes Mitgliedsland. Ein kleiner Verband hat im Kongress ebenfalls Gewicht. Wenn viele dieser Verbände unter Infantino mehr Geld, mehr Aufmerksamkeit und mehr Turnierchancen bekommen, entsteht Unterstützung. Für Fans in Europa kann eine größere WM wie Überdehnung wirken. Für kleinere Fußballländer kann sie aber bedeuten: Endlich eine realistische Chance, dabei zu sein.
Man muss Infantino also nicht mögen, um seine Macht zu verstehen. Er verteilt nicht nur schöne Worte, sondern konkrete Vorteile. Und im Weltfußball sind konkrete Vorteile oft überzeugender als elegante Sonntagsreden.
Wie lange bleibt Gianni Infantino FIFA-Präsident?
Gianni Infantino ist regulär bis 2027 gewählt und will erneut kandidieren. Er kündigte beim FIFA-Kongress 2026 an, bei der Wahl 2027 wieder antreten zu wollen.
Ob er danach wirklich weiter Präsident bleibt, hängt von der Wahl und möglichen Gegenkandidaten ab. Stand jetzt spricht aber vieles dafür, dass Infantino weiterhin sehr gute Chancen hat. Er ist umstritten, aber innerhalb der FIFA offenbar weiterhin stark vernetzt.
Das ist ein wichtiger Unterschied: In der Öffentlichkeit kann jemand massiv kritisiert werden und intern trotzdem fest im Sattel sitzen. Bei der FIFA entscheidet nicht die Kommentarspalte, sondern der Kongress.
Warum ist Gianni Infantino so wichtig für den modernen Fußball?
Gianni Infantino ist so wichtig, weil sich an ihm zeigt, wohin sich der Fußball bewegt. Früher fragte man bei der FIFA vor allem: Wer bekommt die nächste WM? Heute geht es zusätzlich um globale Milliardenmärkte, politische Allianzen, Menschenrechte, TV-Rechte, Ticketpreise, neue Turniere und die Belastung der Spieler.
Infantino steht dabei nicht am Rand. Er steht mittendrin. Er ist Präsident einer FIFA, die größer, reicher und sichtbarer werden will. Genau das macht ihn für die einen erfolgreich – und für die anderen gefährlich mächtig.
Der Fußball ist längst nicht mehr nur ein Spiel mit 22 Spielern, einem Ball und einem Schiedsrichter. Er ist Bühne, Geschäft, Politik und manchmal auch ziemlich großes Theater. Gianni Infantino ist einer der Hauptdarsteller dieses Theaters. Nicht immer beliebt, selten langweilig – und wahrscheinlich noch lange nicht fertig.