Thanksgiving ist in den USA ein nationaler Feiertag am vierten Donnerstag im November. Viele Familien kommen zu einem gemeinsamen Essen zusammen und nehmen sich Zeit, Dankbarkeit auszudrücken. Zum vertrauten Bild gehören Truthahn, Kürbiskuchen und Paraden. Die Geschichte dahinter ist allerdings komplizierter als die oft erzählte freundliche Begegnung zwischen englischen Siedlern und indigenen Menschen. Das heutige Fest entstand über mehrere Jahrhunderte. 2026 wird Thanksgiving in den USA am 26. November gefeiert.
Was bedeutet Thanksgiving?
Thanksgiving bedeutet wörtlich „Danksagung“ und bezeichnet heute vor allem das große amerikanische Familienfest im November. Seine Wurzeln liegen in unterschiedlichen religiösen Danktagen, Erntefeiern und späteren nationalen Traditionen.
Für viele Menschen steht inzwischen die gemeinsame Zeit im Mittelpunkt. Familienmitglieder reisen an, Freunde werden eingeladen, und ein festliches Essen schafft den Anlass, an einem Tisch zusammenzukommen. Manche Familien beten oder erzählen vor dem Essen, wofür sie dankbar sind. Andere gestalten den Tag ohne religiöses Ritual.
Das macht Thanksgiving weder zu einem christlichen Fest mit überall gleichem Ablauf noch zu einem bloßen Truthahnessen. Religiöse, familiäre und nationale Bedeutungen überlagern sich. Zugleich wird der Tag nicht von allen Menschen gleich gefeiert oder positiv bewertet. Gerade seine historische Erzählung ist Gegenstand begründeter Kritik.
Wann ist Thanksgiving in den USA?
In den USA fällt Thanksgiving immer auf den vierten Donnerstag im November. Das konkrete Datum liegt damit zwischen dem 22. und dem 28. November.
| Jahr | Thanksgiving in den USA |
|---|---|
| 2026 | 26. November |
| 2027 | 25. November |
| 2028 | 23. November |
| 2029 | 22. November |
| 2030 | 28. November |
Ein einfacher Merksatz ist deshalb hilfreicher als ein einzelnes Datum: der vierte Donnerstag, nicht der letzte. In einem November mit fünf Donnerstagen liegt Thanksgiving schon eine Woche vor dem Monatsende.
Der amerikanische Tag des Kuchens bleibt dagegen auf den 26. November festgelegt. 2026 fallen beide Anlässe zusammen, 2027 liegen sie einen Tag auseinander. Die zeitliche Nähe belegt keine gemeinsame Entstehungsgeschichte.
Thanksgiving gehört zu den US-Bundesfeiertagen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass sämtliche Geschäfte oder Betriebe geschlossen haben. Für einen Besuch, eine Reise oder einen geplanten Einkauf zählen die Öffnungszeiten des jeweiligen Angebots.
Was geschah 1621 in Plymouth?
Im Herbst 1621 gab es in der englischen Siedlung Plymouth ein mehrtägiges Erntefest, an dem auch Wampanoag unter ihrem Anführer Ousamequin teilnahmen. Er ist in vielen englischen Darstellungen unter dem Titel Massasoit bekannt.
Die Siedler waren 1620 mit der Mayflower in Nordamerika angekommen und hatten einen schweren ersten Winter erlebt. Sie errichteten ihre Siedlung auf dem Gebiet von Patuxet, einer Wampanoag-Gemeinschaft, deren Bevölkerung zuvor durch eine Epidemie stark dezimiert worden war. Es handelte sich somit nicht um eine unbewohnte Landschaft, in der erst mit der Ankunft der Europäer Geschichte begann.
Ein kurzer Bericht des Siedlers Edward Winslow beschreibt die Feier. Er nennt etwa 90 Männer, die Ousamequin begleiteten, eine Dauer von drei Tagen und fünf erlegte Hirsche, welche die Wampanoag mitbrachten. Das Museum Plimoth Patuxet erläutert diesen frühen Bericht und die Grenzen dessen, was daraus sicher hervorgeht.
Das genaue Datum, die Gründe für die Teilnahme der Wampanoag und viele Einzelheiten des Ablaufs sind nicht eindeutig überliefert. Die Bezeichnung „First Thanksgiving“ wurde für dieses Ereignis erst deutlich später populär. Aus dem Erntefest von 1621 entstand also nicht unmittelbar eine jährlich fortgeführte amerikanische Feiertagstradition.
Warum ist die Geschichte vom „ersten Thanksgiving“ umstritten?
Umstritten ist vor allem die spätere Darstellung des Festes als harmonischer Beginn einer dauerhaften Freundschaft. Sie lässt die politischen Interessen, Machtverhältnisse und die folgende koloniale Gewalt weitgehend verschwinden.

Die Wampanoag hatten eigene Gemeinschaften, Anführer und diplomatische Ziele. Ihre Unterstützung der Siedler war mit politischen Bündnissen verbunden. Sie waren keine namenlosen Helfer, die nur kurz auftauchten, damit eine europäische Erfolgsgeschichte weitergehen konnte.
Das National Museum of the American Indian beschreibt, wie sich die romantisierte Thanksgiving-Erzählung besonders im 19. Jahrhundert verbreitete. Bilder, Schulmaterialien und Feiertagsdarstellungen machten aus einem historisch begrenzten Zusammentreffen eine nationale Gründungsgeschichte.
Zur weiteren Geschichte gehören Landverlust, Verfolgung und Kriege. Das bekannte Festbild sollte deshalb nicht mit der gesamten Beziehung zwischen indigenen Gemeinschaften und Kolonisten verwechselt werden. Ebenso wenig wäre es richtig, sämtliche indigenen Menschen auf eine einzige heutige Meinung zum Feiertag festzulegen. Gemeinschaften und einzelne Familien gehen unterschiedlich mit ihm um.
Seit 1970 versammeln sich indigene Menschen und Unterstützer am US-Thanksgiving in Plymouth zu einem National Day of Mourning, einem nationalen Trauertag. Sie erinnern an koloniale Gewalt und anhaltende Kämpfe um Rechte und Land. Der Gedenktag macht sichtbar, warum Thanksgiving nicht für alle Menschen ein unbeschwertes Fest ist.
Wie wurde daraus ein nationaler Feiertag?
Zum landesweit prägenden Feiertag entwickelte sich Thanksgiving vor allem im 19. Jahrhundert. Eine wichtige Rolle spielte die Schriftstellerin und Zeitschriftenredakteurin Sarah Josepha Hale, die sich über Jahre für einen gemeinsamen nationalen Danktag einsetzte.
1863 rief Präsident Abraham Lincoln während des amerikanischen Bürgerkriegs zu einem Thanksgiving am letzten Donnerstag im November auf. Das war ein politisch und religiös aufgeladener Appell an Dankbarkeit und Zusammenhalt in einem gespaltenen Land. Es war nicht die erstmalige Erfindung eines Danktages.
Danach festigte sich das jährliche Fest im November. Der heute verbindliche vierte Donnerstag wurde 1941 gesetzlich festgelegt, nachdem es unter Präsident Franklin D. Roosevelt Streit und unterschiedliche Termine gegeben hatte. Der vierte und der letzte Donnerstag sind eben nicht in jedem Jahr derselbe Tag.
Für eine übersichtliche Einordnung helfen drei voneinander getrennte Schritte:
- 1621: das später berühmt gewordene Erntefest in Plymouth.
- 1863: Lincolns Proklamation als wichtiger Schritt zum nationalen Novemberfest.
- 1941: gesetzliche Festlegung des vierten Donnerstags im November.
Diese Entwicklung erklärt, weshalb heutige Bräuche nicht automatisch auf eine Mahlzeit im 17. Jahrhundert zurückgeführt werden können. Der Feiertag hat unterwegs zahlreiche neue Bedeutungen und Gewohnheiten aufgenommen.
Warum isst man an Thanksgiving Truthahn?
Truthahn wurde über lange Zeit zum typischen Festbraten von Thanksgiving und besonders im 19. Jahrhundert zu einem festen Bestandteil seiner öffentlichen Darstellung. Ein großer Vogel eignet sich zudem für eine Mahlzeit mit vielen Gästen.

Dass 1621 tatsächlich Truthahn aufgetragen wurde, ist möglich, aber im erhaltenen Augenzeugenbericht nicht ausdrücklich belegt. Dort ist von Wildgeflügel und Hirschfleisch die Rede. Wildtruthähne gab es in der Region. Daraus folgt jedoch noch keine vollständige Speisekarte des Erntefestes.
Sarah Josepha Hale beschrieb Truthahn in ihren Texten als wichtigen Bestandteil eines Thanksgiving-Essens. Spätere Kochbücher, Familiengewohnheiten und öffentliche Festbilder verfestigten diese Verbindung. „So kocht man schon immer“ bezeichnet bei Feiertagsgerichten häufig mehrere Schichten von Tradition.
Zum heutigen Essen gehören oft die folgenden Speisen:
- Roasted turkey: gebratener Truthahn als Hauptgericht.
- Stuffing oder dressing: eine herzhafte Mischung, häufig auf Brotbasis, die je nach Zubereitung im Vogel oder separat gegart wird.
- Cranberry sauce: eine fruchtige, süß-säuerliche Beilage.
- Kartoffelpüree und gravy: Kartoffeln mit Bratensauce.
- Pumpkin pie: ein würziger Kürbiskuchen in einer Teighülle.
Nicht jede Familie serviert alles davon. Herkunft, Region, Geschmack und Ernährungsweise verändern das Menü. Ein vegetarisches Thanksgiving ist ebenso eine heutige Festgestaltung. Der Truthahn kontrolliert schließlich nicht die Gästeliste.
Kürbiskuchen, gezuckerte Cranberrysauce und die heute vertrauten Beilagen lassen sich nicht einfach geschlossen auf den Tisch von 1621 setzen. Das moderne Menü ist über Jahrhunderte gewachsen.
Welche Bräuche gehören außerdem dazu?
Familientreffen, Paraden und Sport gehören für viele Menschen zum heutigen Thanksgiving. Welche davon im eigenen Haushalt wichtig sind, unterscheidet sich erheblich.
Besonders bekannt ist die Macy’s Thanksgiving Day Parade in New York. Große Ballons, geschmückte Wagen, Musik und Auftritte machen sie zu einem Fernsehereignis weit über die Stadt hinaus. Ein Auftritt von Santa Claus gehört zur Tradition und markiert symbolisch den Übergang in die Weihnachtssaison.
Damit begegnet der Weihnachtsmann vielen Amerikanern schon an Thanksgiving öffentlich. Das bedeutet nicht, dass Thanksgiving selbst ein Weihnachtsfest wäre. Die Parade verbindet zwei aufeinanderfolgende Abschnitte der amerikanischen Fest- und Einkaufssaison.
American Football ist ebenfalls seit vielen Jahrzehnten mit dem Feiertag verbunden. Für manche Familien läuft ein Spiel neben der Vorbereitung des Essens, andere interessieren sich überhaupt nicht dafür. Ein gemeinsames Fest muss nicht überall dieselbe Fernbedienungsordnung haben.
Der folgende Freitag ist als Black Friday mit Sonderangeboten des Handels bekannt. Dieser kommerzielle Anschluss ist vom eigentlichen Gedanken des Danktages zu unterscheiden. Wer Thanksgiving feiert, muss daraus weder ein Einkaufswochenende noch ein besonders aufwendiges Veranstaltungsprogramm machen.
Ist Thanksgiving dasselbe wie deutsches Erntedank?
Thanksgiving und das deutsche Erntedankfest haben das Danken und historische Bezüge zur Ernte gemeinsam, sind aber eigenständige Feste. Termine, Entwicklung und gesellschaftliche Bedeutung unterscheiden sich.
In Deutschland ist Erntedank vor allem ein kirchlicher Anlass, bei dem für die Ernte und die Lebensgrundlagen gedankt wird. Thanksgiving ist in den USA darüber hinaus ein sehr großes nationales Familienfest. Seine heutige Bedeutung geht deshalb weit über die landwirtschaftliche Ernte hinaus.
Auch Kanada feiert Thanksgiving, allerdings am zweiten Montag im Oktober. 2026 war das der 12. Oktober, 2027 ist es der 11. Oktober. Wer eine Einladung oder einen Termin liest, sollte deshalb zuerst auf das Land achten. Der Festname allein legt das Datum nicht fest.
In Deutschland ist der amerikanische Thanksgiving-Termin kein gesetzlicher Feiertag. Du kannst den Anlass privat aufgreifen, aber Schulen, Behörden oder Betriebe bekommen dadurch keinen zusätzlichen freien Tag.
Wie lässt sich Thanksgiving mit Kindern oder Freunden aufgreifen?
Ein gemeinsames Essen und ein ehrliches Gespräch über Dankbarkeit können Thanksgiving verständlich machen, ohne eine amerikanische Familienfeier nachspielen zu müssen. Ein kleiner Tisch reicht dafür genauso wie ein großer.
Wenn Kinder nach dem Ursprung fragen, kannst du erzählen, dass englische Siedler und Wampanoag 1621 an einem Erntefest beteiligt waren. Ergänze, dass die Wampanoag längst dort lebten und die weitere Geschichte von Konflikten und schwerem Unrecht geprägt war. Das ist genauer als eine Geschichte von „Pilgern und Indianern“, die sich getroffen und danach für immer gut verstanden hätten.
Für einen eigenen Abend lässt sich die Vorbereitung aufteilen. Eine Person bringt eine Beilage mit, eine kümmert sich um das Hauptgericht, jemand anderes um den Nachtisch. Wer möchte, kann vor dem Essen etwas nennen, das ihm in diesem Jahr wichtig war. Niemand muss eine besonders bewegende Antwort liefern.
Du kannst dabei auch unterschiedliche Erfahrungen stehen lassen: Ein Mensch freut sich über ein gutes Jahr, ein anderer hat gerade wenig Anlass zur Dankbarkeit. Ein gemeinsamer Abend muss beides aushalten können. So bleibt der Gedanke des Zusammenseins wichtiger als die möglichst fotogene Festtafel.