Warum feiert man Karneval und woher kommen die Bräuche?

Warum feiert man Karneval? Ursprünglich wurde vor der christlichen Fastenzeit noch einmal ausgiebig gegessen, getrunken und gefeiert. Daraus entwickelten sich über Jahrhunderte Maskenspiele, Umzüge, Spottreden und regionale Traditionen. Heute machen auch viele Menschen mit, die anschließend keineswegs fasten. Geblieben ist die Idee einer begrenzten Ausnahmezeit: Der Alltag wird auf den Kopf gestellt, Mächtige werden veralbert und ein Erwachsener darf als Brokkoli durch die Innenstadt laufen, ohne dafür eine längere Erklärung abgeben zu müssen.

Was hat Karneval mit der Fastenzeit zu tun?

Karneval gehört historisch zur Zeit unmittelbar vor dem vorösterlichen Fasten. Mit dem Aschermittwoch begann im westlichen Christentum eine Phase der Enthaltsamkeit. Je nach Epoche und geltenden Regeln betraf das unter anderem Fleisch, Eier und Milchprodukte.

Vorher wurde deshalb noch einmal aufgetischt. Lebensmittel, die während des Fastens nicht gegessen werden sollten, ließen sich gemeinsam verbrauchen. Aus einem letzten üppigen Essen konnte ein größeres Fest werden, bei dem Musik, Tanz und Verkleidungen hinzukamen. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt die Fastnacht als historisches Schwellenfest vor der Osterfastenzeit. Damit wird verständlich, warum Feiern und Fasten so eng zusammengehören.

Auch süßes Fettgebäck passt in diesen Zusammenhang. Krapfen, Berliner und rheinische Mutzen sind bis heute typische Begleiter der närrischen Tage. Die Namen und Rezepte wechseln von Region zu Region. Beim Puderzucker herrscht dagegen bemerkenswert viel Einigkeit.

Woher kommen Karneval, Fastnacht und Fasching?

Die drei Bezeichnungen gehören zum selben Festkreis, haben aber unterschiedliche Wortgeschichten und regionale Schwerpunkte. Du kannst deshalb nicht immer allein am Namen erkennen, welche Bräuche dich erwarten.

BezeichnungHerkunft und Verwendung
KarnevalÜber das italienische „carnevale“ ins Deutsche gelangt. Besonders im Rheinland gebräuchlich. Die weitere Wortherkunft ist nicht abschließend geklärt, wird aber häufig mit dem Fleischverzicht vor Ostern verbunden.
Fastnacht, Fasnacht, FasnetBezieht sich auf die Nacht beziehungsweise Zeit vor dem Fasten. Die unterschiedlichen Formen sind unter anderem im Südwesten, in Teilen des Rhein-Main-Gebiets und in der Schweiz verbreitet.
FaschingGeht auf ein mittelalterliches Wort für den Ausschank vor dem Fasten zurück. Besonders in Bayern, Österreich und Teilen Ostdeutschlands üblich.

Oft wird „Karneval“ schlicht mit „Fleisch, lebe wohl“ übersetzt. Das ist eine eingängige Erklärung, aber sprachgeschichtlich keine endgültig gesicherte Lösung. Auch ein lateinischer Ausdruck für die Wegnahme des Fleisches wird als mögliche Wurzel diskutiert. Die Verbindung zum Fasten ist für das Fest insgesamt wesentlich besser belegt als eine einzige hübsche Wortableitung.

Die schwäbisch-alemannische Fasnet hat eigene Figuren, Masken und Abläufe. Sie ist daher mehr als ein anderer Name für eine Kölner Sitzung. Umgekehrt gibt es auch innerhalb des rheinischen Karnevals zahlreiche örtliche Unterschiede. Eine strenge Grenze auf der Landkarte würde dieser Vielfalt nicht gerecht.

Ist Karneval ein heidnisches Fest zur Wintervertreibung?

Eine pauschale Erklärung als uraltes heidnisches Wintervertreibungsfest greift zu kurz. Für die europäische Fastnacht sind der mittelalterliche christliche Jahreslauf und die bevorstehende Fastenzeit entscheidende historische Bezugspunkte.

Masken, Lärm und ausgelassene Feste gibt es zwar in sehr unterschiedlichen Kulturen. Ähnliche Formen beweisen aber noch keine ununterbrochene Überlieferung von der Antike oder von vorchristlichen Germanen bis zum heutigen Rosenmontagszug. Einzelne örtliche Bräuche können zudem verschiedene Einflüsse aufgenommen haben.

Wichtig war die zeitweise verkehrte Ordnung. Menschen stellten gesellschaftliche Rollen auf den Kopf und machten Schwächen sichtbar. Der Narr konnte dabei für Unvernunft, Maßlosigkeit und eine Welt stehen, die ihre Regeln verloren hatte. Das erklärt manche seltsame Figur besser als die Vorstellung, jede Maske müsse ursprünglich einen Wintergeist erschreckt haben.

Blaues Fragezeichen neben einem Teller mit puderzuckerbestäubten Mutzen und zwei gefüllten Berlinern zur Fastnacht.
Süßes Fettgebäck wie Mutzen gehört in vielen Regionen zur Fastnacht und passt zum historischen Feiern vor der Fastenzeit.

Warum beginnt die Session am 11. November um 11:11 Uhr?

Der 11. November ist heute vor allem im organisierten Karneval ein fester Auftakt, aber kein überall gültiger Beginn sämtlicher Fastnachtstraditionen. Im Rheinland eröffnen viele Vereine an diesem Tag ihre neue Session.

Die auffällige Elf passt gut zur närrischen Selbstdarstellung und begegnet beispielsweise auch beim Elferrat. Warum gerade sie zur Karnevalszahl wurde, lässt sich jedoch nicht mit einer einzigen sicher belegten Geschichte beantworten. Erklärungen über Zahlensymbolik oder französische Revolutionsparolen werden oft weitererzählt. Eine unterhaltsame Deutung ist noch kein Herkunftsnachweis.

In vielen Orten der schwäbisch-alemannischen Fasnet spielt stattdessen der Dreikönigstag am 6. Januar eine wichtige Rolle. Dann werden etwa die Narrenutensilien abgestaubt. Zwischen dem Auftakt im November und den eigentlichen tollen Tagen liegt außerdem die Advents- und Weihnachtszeit. Die Session ist also kein Auftrag, drei Monate ohne Unterbrechung Konfetti zu werfen.

Welche Tage gehören zu Karneval?

Der Höhepunkt liegt in vielen Regionen zwischen dem Donnerstag vor Aschermittwoch und dem Fastnachtsdienstag. Welche Veranstaltungen an welchem Tag stattfinden, bestimmt die örtliche Tradition.

  • Weiberfastnacht: Im Rheinland beginnt vielerorts der Straßenkarneval. Rathausstürme und symbolische Machtwechsel gehören dazu. In Bonn-Beuel gründeten Wäscherinnen 1824 ein eigenes Damenkomitee. Hier ist das Fest auch mit der Geschichte weiblicher Selbstbehauptung verbunden.
  • Karnevalswochenende: Sitzungen, Bälle, Kinderveranstaltungen und örtliche Umzüge verteilen sich auf mehrere Tage. Ein kleiner Ortsumzug kann dabei genauso fest zur Tradition gehören wie ein großer Fernsehzug.
  • Rosenmontag: In Städten wie Köln, Düsseldorf und Mainz ziehen große Umzüge durch die Straßen. Er ist besonders bekannt, aber nicht überall der wichtigste Fastnachtstag.
  • Fastnachtsdienstag: Er wird regional auch Veilchendienstag oder Faschingsdienstag genannt und ist der letzte Tag vor dem Aschermittwoch. In manchen Orten liegt hier der eigentliche Höhepunkt.
  • Aschermittwoch: Mit ihm beginnt die vorösterliche Fastenzeit. Der närrische Ausnahmezustand ist nach diesem Kalender beendet.

Die Stadt Bonn erläutert die Beueler Weiberfastnacht und ihre Wurzeln bei den Wäscherinnen. Das Beispiel zeigt, wie ein allgemeiner Festtermin vor Ort eine eigene Geschichte entwickeln kann.

Warum ist Karneval jedes Jahr an einem anderen Datum?

Die tollen Tage verschieben sich, weil die Fastenzeit und damit das Ende des Karnevals vom Osterdatum abhängen. Aschermittwoch liegt 46 Kalendertage vor Ostersonntag, Rosenmontag entsprechend 48 Tage davor.

Die oft genannten 40 Fastentage widersprechen dieser Rechnung nicht: In der traditionellen Zählung werden die Sonntage zwischen Aschermittwoch und Ostern nicht als Fastentage mitgezählt. So entsteht der längere Zeitraum im Kalender. Auch Pfingsten richtet sich nach Ostern, liegt aber auf der anderen Seite des Festes.

Termin20272028
Weiberfastnacht4. Februar24. Februar
Rosenmontag8. Februar28. Februar
Fastnachtsdienstag9. Februar29. Februar
Aschermittwoch10. Februar1. März

Ein später Ostertermin bringt meist eine längere Session, ein früher Ostertermin eine kürzere. Der feste Auftakt am 11. November bleibt dabei gleich. Für die Basler Fasnacht und andere örtliche Sondertraditionen gelten eigene Abläufe. Die Tabelle beschreibt die verbreiteten Termine des westlichen vorösterlichen Karnevals.

Warum verkleidet man sich und trägt Masken?

Verkleidungen ermöglichen den spielerischen Rollenwechsel, während traditionelle Masken oft zu einer bestimmten örtlichen Figur gehören. Beides kann ähnlich aussehen, hat aber nicht genau dieselbe Funktion.

Ein frei gewähltes Kostüm lässt dich für einen Tag jemand anderes sein. Bei einer überlieferten Narrenfigur sind dagegen Maske, Gewand, Bewegungen und Auftritt häufig genau festgelegt. Solche Figuren werden innerhalb von Familien und Narrenzünften weitergegeben. Zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehören etwa aufwendig geschnitzte Holzmasken und sorgfältig gestaltete Gewänder.

Eine traditionelle Maske ist deshalb nicht einfach ein zufälliges Gruselgesicht. Sie kann einen Namen, eine Geschichte und einen festen Platz im Festablauf haben. Wer einen Umzug besucht, entdeckt mehr, wenn er auf wiederkehrende Figuren und ihre unterschiedlichen Bewegungen achtet.

Auch außerhalb Deutschlands entstanden eigene Formen. In Venedig prägen traditionelle Masken wie die Bauta und aufwendige Kostüme das Bild. In Rio de Janeiro stehen neben Straßenfesten besonders die Paraden der Sambaschulen im Sambódromo im Mittelpunkt. Die gemeinsame Festzeit macht daraus keine weltweit einheitliche Feier. Musik, Masken, Rollen und Organisation haben jeweils ihre eigene örtliche Geschichte.

Rotes Fragezeichen neben zwei geschnitzten Fastnachtsmasken mit Narrenkappen und einem Ledergürtel mit Schellen.
Traditionelle Masken können zu festen örtlichen Narrenfiguren gehören. Karneval und Fastnacht kennen zahlreiche unterschiedliche Formen.

Was bedeuten Büttenreden, Orden und Umzüge?

Viele Karnevalsbräuche verbinden Unterhaltung mit Spott auf gesellschaftliche Macht und menschliche Schwächen. Die Bühne dafür kann eine Sitzung, eine Straße oder ein ganzer Festwagen sein.

Eine Büttenrede ist eine oft gereimte, pointierte Rede, in der Alltagsärger und Politik aufs Korn genommen werden. Das besondere Rednerpult heißt Bütt. Nicht jede Rede ist politisch, aber die Möglichkeit, öffentlich über Autoritäten zu lachen, gehört zum Selbstverständnis vieler Karnevalstraditionen.

Uniformen, Garden und Orden spielen zugleich mit militärischen und staatlichen Formen. Aus einem Zeichen strenger Rangordnung kann eine närrische Auszeichnung werden. Der im 19. Jahrhundert organisierte bürgerliche Karneval entwickelte dafür eigene Regeln. In Köln wurde 1823 der erste vom Festordnenden Comité organisierte Rosenmontagszug veranstaltet. Das war ein wichtiger Neubeginn dieser Form des Karnevals, nicht die Erfindung aller Fastnacht.

Bei Umzügen kommen Musik, Vereine, Kostüme und manchmal bissige Persiflagewagen zusammen. Dazu fliegen im Rheinland Kamelle, also Süßigkeiten, und teilweise kleine Blumensträuße. Hinter dem kurzen Auftritt stecken häufig Monate ehrenamtlicher Arbeit. Der Scherz fährt nur deshalb pünktlich vorbei, weil vorher jemand sehr unnärrisch geplant hat.

Warum ruft man mal „Alaaf“ und mal „Helau“?

Die Rufe zeigen örtliche Zugehörigkeit und unterscheiden sich ebenso wie Dialekte oder Vereinsfarben. In Köln ist „Kölle Alaaf“ üblich, in Düsseldorf und Mainz begegnet dir vor allem „Helau“.

Daneben gibt es viele weitere regionale Narrenrufe. Du musst also keinen deutschlandweit einheitlichen Karnevalswortschatz lernen. Wenn du neu dabei bist, hörst du am besten kurz zu. Das ist meist zuverlässiger als die Vorstellung, jeder Ort zwischen Nordsee und Alpen wolle mit demselben Ruf begrüßt werden.

Wie endet der Karneval?

Vielerorts markiert ein bewusst inszenierter Abschied den Übergang von der Ausgelassenheit zur Fastenzeit. In Köln wird in der Nacht zum Aschermittwoch beispielsweise der Nubbel verbrannt.

Diese Strohpuppe übernimmt im Spiel die Schuld für die Verfehlungen der närrischen Tage. An anderen Orten werden Fastnachtsfiguren begraben, verbrannt oder symbolisch verabschiedet. Die Formen sind verschieden, die Botschaft ist ähnlich: Die Ausnahmezeit hat ein Ende. Genau diese feste Grenze gehört zum Fest, auch wenn heute längst nicht alle Feiernden anschließend religiös fasten.

Für die Karnevalszeit

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