Der Weihnachtsmann ist eine Geschenkefigur, die sich aus europäischen Bräuchen und amerikanischen Weihnachtsgeschichten entwickelt hat. Sein bekanntes Aussehen mit weißem Bart und rotem Mantel entstand schrittweise. Coca-Cola hat ihn nicht erfunden. Die Werbung half allerdings dabei, eine bestimmte Darstellung weit zu verbreiten. Nikolaus, Santa Claus und Weihnachtsmann hängen historisch zusammen, sind im heutigen Brauch aber nicht einfach drei Namen für denselben Besuchstermin.
Wer ist der Weihnachtsmann eigentlich?
Der Weihnachtsmann ist der weltliche Geschenkebringer des Weihnachtsfestes. In vielen Familien bringt er an Heiligabend Geschenke, in anderen Erzählungen kommt er nachts und hinterlässt sie für den Morgen des 25. Dezember.
Damit unterscheidet sich seine Aufgabe vom kirchlichen Gedenken an den heiligen Nikolaus. Der Weihnachtsmann benötigt weder Bischofsmütze noch Hirtenstab. Sein Mantel, der Geschenkesack und ein langer weißer Bart sind Erkennungszeichen einer gewachsenen Brauchfigur.
Diese Figur hat keinen verbindlichen Lebenslauf. Bilderbücher, Filme und Familien erzählen Unterschiedliches über ihr Zuhause, ihre Helfer und ihre Transportmittel. Eine Weihnachtsmanngeschichte darf deshalb anders aussehen als die der Nachbarsfamilie. Für Weihnachtslogistik gibt es erfreulicherweise keine europaweit einheitliche Bedienungsanleitung.
Wie hängen Weihnachtsmann und Nikolaus zusammen?
Die Verehrung des heiligen Nikolaus gehört zu den wichtigen historischen Wurzeln des Weihnachtsmanns. Aus dem christlichen Gabenbringer wurde über viele Veränderungen eine weitgehend weltliche Figur.
Der Nikolaus wird am 6. Dezember gefeiert. Seine überlieferten Geschichten handeln besonders von heimlicher Hilfe und Großzügigkeit. Niederländische Traditionen um Sinterklaas gelangten nach Nordamerika und wurden dort weitererzählt und umgestaltet. Der englische Name Santa Claus hängt mit Sinterklaas zusammen.
Das bedeutet nicht, dass der heutige Nikolausbrauch auf dem Weg nach Amerika einfach abgeschafft wurde. Beide Formen bestehen nebeneinander: Schuhe vor der Tür Anfang Dezember, Bescherung an Weihnachten und amerikanische Strümpfe am Kamin gehören zu unterschiedlichen Traditionen.
Auch die deutsche Weihnachtsmannfigur entstand nicht allein durch einen späteren Import amerikanischer Werbung. Im deutschsprachigen Raum verbreiteten sich im 19. Jahrhundert eigene Darstellungen eines winterlich gekleideten Geschenkebringers. Das bekannte Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ stammt bereits aus dieser Zeit.
Welche Rolle spielte ein Gedicht von 1823?
Das Gedicht „A Visit from St. Nicholas“ machte zahlreiche Merkmale des amerikanischen Weihnachtsmanns bekannt. Es erschien am 23. Dezember 1823 zunächst anonym in einer Zeitung in Troy im US-Bundesstaat New York.
In der Geschichte fährt ein kleiner Gabenbringer mit einem Schlitten und acht Rentieren vor, gelangt durch den Kamin ins Haus und verteilt Geschenke. Der Besuch findet in der Weihnachtsnacht statt. Damit wurde eine anschauliche Szene verbreitet, die später unzählige Male illustriert und nacherzählt wurde.
Der Autor ist nicht völlig zweifelsfrei geklärt. Meist wird das Gedicht Clement Clarke Moore zugeschrieben, der die Urheberschaft später beanspruchte. Daneben gibt es eine konkurrierende Zuschreibung an Henry Livingston Jr. Für die Entwicklung der Figur ist vor allem wichtig, dass der Text seit 1823 öffentlich verbreitet wurde.
Dieser frühe Besucher war noch nicht exakt der große Mann aus heutigen Weihnachtsfilmen. Er wurde als kleine, fröhliche Gestalt beschrieben. Eine Illustration oder ein Gedicht kann also viele vertraute Einzelheiten liefern, ohne bereits das gesamte heutige Bild festzulegen.
Wie prägte Thomas Nast das Aussehen?
Der Zeichner Thomas Nast gab Santa Claus im 19. Jahrhundert ein besonders einflussreiches Erscheinungsbild. Seine Bilder für „Harper’s Weekly“ zeigten den bärtigen Geschenkebringer lange vor den berühmten Coca-Cola-Anzeigen.

Nast war in Landau in der Pfalz geboren worden und als Kind in die USA gekommen. Ab den 1860er Jahren zeichnete er Santa in unterschiedlichen Situationen. Die Figur wurde kräftiger und menschlicher, ihre Umgebung erhielt immer mehr erzählerische Einzelheiten.
Werkstatt, Wunschzettel und die Verbindung zum Nordpol gehören zu diesem ausgebauten Bilderkosmos. Der Nordpol war dafür ein geeigneter Fantasieort: fern, winterlich und für das damalige Publikum weitgehend unerreichbar.
Ein besonders bekanntes Porträt veröffentlichte Nast 1881. Es zeigt, wie weit der heutige Typus schon ausgearbeitet war, Jahrzehnte bevor Haddon Sundblom für einen Getränkekonzern zum Pinsel griff. Historische Weihnachtsmannbilder sind deshalb hilfreicher als die hartnäckige Behauptung, vorher habe es nur einen grünen Mantel gegeben.
Hat Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden?
Coca-Cola hat weder den Weihnachtsmann noch seinen roten Mantel erfunden. Das Unternehmen beauftragte den Illustrator Haddon Sundblom 1931 mit Weihnachtswerbung und trug damit zur Verbreitung eines bereits vorhandenen Figurentyps bei.
Sundbloms Santa wirkte freundlich, rundlich und nahbar. Weißer Bart, roter Anzug, helle Besätze und schwarze Stiefel passten zu Vorstellungen, die sich längst entwickelt hatten. Die über viele Jahre wiederkehrenden Anzeigen machten diese Kombination besonders einprägsam.
Das National Museum of American History ordnet den Zusammenhang als Werbe- und Konsumgeschichte ein. Die Firma wollte ihr Getränk auch im Winter verkaufen und nutzte dafür eine populäre Weihnachtsfigur. Aus einer wirksamen Kampagne wurde später die zu einfache Geschichte einer vollständigen Erfindung.
Der Unterschied ist wichtig: Werbung kann ein Bild vereinheitlichen und weltweit bekannter machen, ohne die zugrunde liegende Tradition geschaffen zu haben. Der Weihnachtsmann hatte seinen Bart also schon vor dem ersten entsprechenden Werbevertrag.
Warum bringt anderswo das Christkind die Geschenke?
Die Wahl zwischen Weihnachtsmann und Christkind folgt vor allem regionalen und familiären Traditionen. Einen bundesweit vorgeschriebenen Geschenkebringer gibt es nicht.
Der Weihnachtsmann ist besonders im Norden und Osten Deutschlands verbreitet. Im Süden und Westen sowie in Österreich und der Schweiz begegnet häufiger das Christkind. Sprachkarten zeigen solche großen Muster, keine festen Grenzen für jede Familie.
Die historische Konfession erklärt einen Teil dieser Verteilung, aber nicht jede heutige Gewohnheit. Das Christkind wurde im Zusammenhang mit der Reformation gefördert und später besonders in katholisch geprägten Gegenden heimisch. Der vom Nikolaus mitgeprägte Weihnachtsmann fand dagegen unter anderem in protestantischen Regionen Verbreitung. Die Geschichte ist also etwas verschlungener als „katholisch gleich Nikolaus, evangelisch gleich Christkind“.
Heute übernehmen Familien ihre Bräuche durch Herkunft, Partnerschaft, Umzüge oder persönliche Vorlieben. Deshalb können Kinder in derselben Klasse ganz verschiedene Besuchsdienste erwarten. Das ist Brauchvielfalt und kein Fehler im Weihnachtskalender.
Kommt der Weihnachtsmann am 24. oder am 25. Dezember?
In Deutschland gehört der Weihnachtsmann häufig zur Bescherung am 24. Dezember. In vielen amerikanischen und britischen Erzählungen bringt er die Geschenke in der Nacht auf den 25. Dezember, sodass sie morgens entdeckt werden.
Die Bezeichnung Santa Claus allein verrät deshalb noch nicht den genauen Ablauf einer Familienfeier. Manche Familien stellen Strümpfe bereit, andere legen Geschenke unter den Baum. Ein verkleideter Besucher kann dazugehören, ist aber keine Voraussetzung.
Der Heiligabend hat in Deutschland eine besondere Rolle als Festabend und Bescherungstermin. Warum der Vorabend so wichtig geworden ist, ist eine eigene Frage. Ein amerikanischer Weihnachtsfilm beantwortet sie nicht automatisch für eine deutsche Familienfeier.

Wo wohnt der Weihnachtsmann und wie viele Rentiere hat er?
Wohnort und Rentierzahl gehören zu den Erzählungen über den Weihnachtsmann und ändern sich mit der jeweiligen Geschichte. Der Nordpol ist eine bekannte amerikanische Vorstellung, andere Geschichten und touristische Angebote verorten den Weihnachtsmann beispielsweise in Finnland.
Diese Angaben sind keine geografischen Belege für eine reale Person. Ebenso sind Werkstatt und Helfer Teil der erfundenen Welt, mit der Filme und Bücher den heimlichen Geschenkebesuch erklären.
Im Gedicht von 1823 ziehen acht Rentiere den Schlitten. Das später berühmt gewordene Rentier Rudolph gehört nicht zu dieser ursprünglichen Acht. Seine Geschichte entstand erst 1939 als Werbebuch für das Kaufhaus Montgomery Ward. Wenn auf einem Bild nur vier Rentiere Platz haben, muss daraus aber kein Familienproblem werden. Illustratoren haben ebenfalls mit begrenzter Fläche zu kämpfen.
Kann man dem Weihnachtsmann wirklich schreiben?
Briefe an den Weihnachtsmann können an reale Weihnachtspostfilialen geschickt werden. Hinter den Antworten stehen Menschen, die das weihnachtliche Briefritual organisieren und mitgestalten.
Eine bekannte deutsche Anschrift lautet „An den Weihnachtsmann, 16798 Himmelpfort“. Wichtig ist der Unterschied zu Himmelpforten in Niedersachsen, wo Briefe an das Christkind beantwortet werden. Ein zusätzliches „en“ am Ortsnamen ändert hier tatsächlich den Empfänger.
Die Übersicht der Deutschen Post und DHL nennt die verschiedenen Weihnachtspostfilialen. Für einen eigenen Brief solltest du die aktuellen Einsendetermine prüfen und den Absender gut lesbar angeben. Eine Wunschliste muss übrigens keine Bestellung sein. Ein Bild, eine Frage oder ein Gruß passt ebenso in den Umschlag.
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