Am Nikolaustag, dem 6. Dezember, erinnern Christen an den heiligen Nikolaus von Myra. Aus Erzählungen über seine Hilfsbereitschaft entwickelte sich der Brauch, Kinder heimlich zu beschenken. Deshalb stehen in vielen Familien am Abend des 5. Dezember geputzte Schuhe oder Stiefel bereit. Morgens liegen darin Nüsse, Obst, Süßigkeiten oder kleine Geschenke. Hinter dem freundlichen Mann mit Bischofsmütze steckt also mehr als die vorgezogene Prüfung, ob der Weihnachtsmann den richtigen Hauseingang findet.
Wer war der heilige Nikolaus?
Das wichtigste historische Vorbild ist ein Bischof namens Nikolaus, der im 4. Jahrhundert in Myra wirkte. Die antike Stadt lag in Lykien an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei, im Gebiet des heutigen Demre.
Über sein Leben ist nur wenig sicher bekannt. Viele Angaben zu Geburt, Kindheit, Reisen und Wundern stammen aus späteren Erzählungen. In der Überlieferung vermischten sich außerdem Geschichten über Nikolaus von Myra mit solchen über Nikolaus von Sion, einen Geistlichen des 6. Jahrhunderts.
Deshalb lässt sich der heutige Nikolaus nicht wie eine moderne Person mit lückenlosem Lebenslauf beschreiben. Historischer Bischof, Heiligenverehrung und Brauchfigur gehören zusammen, sind aber unterschiedliche Ebenen. Die Legenden erzählen vor allem, wofür der Heilige stehen soll: Menschen in Not helfen, teilen und sich für andere einsetzen.
In Darstellungen erkennst du ihn häufig an der Mitra, der hohen Bischofsmütze, einem Bischofsgewand und dem gebogenen Hirtenstab. Drei Goldkugeln oder drei goldene Äpfel können auf seine bekannteste Legende hinweisen. Ein weißer Bart allein ist dagegen kein zuverlässiger Ausweis. Den tragen im Dezember beruflich ziemlich viele Männer.
Warum feiern wir Nikolaus am 6. Dezember?
Der 6. Dezember ist der kirchliche Gedenktag des heiligen Nikolaus und gilt als sein überlieferter Todestag. Anders als Ostern fällt das Datum jedes Jahr auf denselben Kalendertag.
Die Verehrung des Heiligen verbreitete sich über viele Jahrhunderte und in unterschiedlichen christlichen Kirchen. Nikolaus wurde unter anderem zum Schutzpatron von Kindern, Schülern und Seeleuten. Sein Fest wurde dadurch zugleich zu einem Termin, an dem die Hilfe für andere sichtbar werden sollte.
| Jahr | Stiefel bereitstellen | Nikolaustag |
|---|---|---|
| 2026 | Samstag, 5. Dezember | Sonntag, 6. Dezember |
| 2027 | Sonntag, 5. Dezember | Montag, 6. Dezember |
| 2028 | Dienstag, 5. Dezember | Mittwoch, 6. Dezember |
Wenn in einer Kita oder Familie an einem anderen Tag gefeiert wird, ist das eine praktische Verlegung der Feier. Der Gedenktag selbst bleibt der 6. Dezember. Er liegt innerhalb der Adventszeit, deren Beginn sich dagegen von Jahr zu Jahr verschiebt.
Warum stellen Kinder Schuhe oder Stiefel vor die Tür?
Die Schuhe dienen als Platz für die heimlichen Gaben des Nikolaus. Volkskundlich wird diese Form des Schenkens als Einlegebrauch bezeichnet.
Der Brauch wird mit der Geschichte von drei jungen Frauen verbunden, deren verarmter Vater ihre Zukunft nicht sichern konnte. Nikolaus soll ihnen unbemerkt Gold gegeben haben, damit sie heiraten konnten und vor einem Leben in Not bewahrt wurden. In verbreiteten Fassungen warf er das Gold nachts durch ein Fenster ins Haus.
Spätere Varianten erzählen vom Kamin und von Strümpfen, in denen sich das Gold verfing. Die Überlieferungen unterscheiden sich. Daraus lässt sich kein einzelner historischer Abend rekonstruieren, an dem jemand erstmals einen Stiefel vor die Tür stellte.
Das Erzbistum Paderborn erläutert den Brauch der am Vorabend aufgestellten Stiefel und beschreibt daneben persönliche Nikolausbesuche. Heimliche Gaben und der Besuch einer verkleideten Person sind unterschiedliche Formen derselben Tradition.
Geputzte Schuhe gehören heute in vielen Familien dazu. Eine religiöse Vorschrift oder ein historisch belegtes Sauberkeitsgesetz für Süßigkeiten ist das nicht. Ein sauberer Schuh ist allerdings als Aufbewahrungsort deutlich überzeugender als ein Stiefel direkt vom Matschspielplatz.

Welche Geschichten erklären seine Hilfsbereitschaft?
Die Nikolauslegenden erzählen von Hilfe in ausweglos erscheinenden Situationen. Sie sind religiöse und volkstümliche Überlieferungen, keine unabhängig überprüften Berichte über Wunder.
Die heimliche Gabe für drei Töchter
Die Geschichte von den drei jungen Frauen erklärt, weshalb Nikolaus oft mit drei Goldkugeln dargestellt wird. Ihr Kern ist die Hilfe, die ohne öffentliche Belohnung für den Helfenden geschieht. Nikolaus gibt etwas ab, damit andere eine Zukunft haben.
Die Rettung von Seeleuten
Eine andere Legende erzählt, Nikolaus sei einem Schiff in Seenot zu Hilfe gekommen und habe den Sturm beruhigt. Diese Überlieferung passt zu seiner Bedeutung als Schutzpatron der Seeleute. In Hafenstädten tragen deshalb zahlreiche Kirchen seinen Namen.
Das Kornwunder
Beim Kornwunder soll Nikolaus während einer Hungersnot Schiffsleute dazu bewegt haben, von ihrer Getreideladung abzugeben. Am Bestimmungsort habe dennoch nichts gefehlt. Auch diese Geschichte handelt vom Teilen unter schwierigen Bedingungen, nicht von einer nachprüfbaren Methode zur Vermehrung von Vorräten.
Für Kinder genügt häufig eine einzige verständlich erzählte Legende. Danach lässt sich darüber sprechen, wer Hilfe gebraucht hat und was Nikolaus getan hat. Man muss nicht sämtliche Wunder in eine Geschichte packen. Sonst ist der Stiefel leer, bevor der Vortrag zu Ende ist.
Was unterscheidet Nikolaus und Weihnachtsmann?
Nikolaus geht auf die Verehrung eines christlichen Heiligen zurück. Der Weihnachtsmann ist eine später gewachsene Geschenkefigur, deren heutiges Bild durch unterschiedliche europäische und nordamerikanische Traditionen geprägt wurde.
| Merkmal | Nikolaus | Weihnachtsmann |
|---|---|---|
| Üblicher Termin in Deutschland | 6. Dezember, häufig mit Vorbereitung am Vorabend | Weihnachten, je nach Familie am 24. Dezember |
| Typische Kleidung | Bischofsgewand, Mitra und Hirtenstab | Meist roter Mantel oder Anzug mit weißem Besatz und weicher Mütze |
| Hintergrund | Heiliger Nikolaus und Erzählungen über Hilfe für Menschen in Not | Weltliche Brauchfigur mit verschiedenen kulturellen Vorbildern |
| Verbindung | Seine Überlieferung beeinflusste spätere Gabenbringer. | Santa Claus ist auch sprachlich mit dem niederländischen Sinterklaas verbunden. |
Der Weihnachtsmann wurde übrigens nicht von Coca-Cola erfunden. Die Firma ließ Haddon Sundblom ab 1931 bekannte Weihnachtswerbung gestalten und trug damit zur Verbreitung eines bestimmten Erscheinungsbilds bei. Weihnachtsmänner gab es vorher bereits. Ein roter Mantel ist somit weder der Beweis für einen historischen Bischof noch die Erfindung einer Getränkefirma.
Auch die Geschichte des Weihnachtsbaums zeigt, dass sich vertraute Festbräuche über längere Zeit entwickelt haben. Mehrere Einflüsse und spätere Veränderungen sind bei solchen Traditionen eher die Regel als die Ausnahme.
Wie kam der Nikolaus persönlich ins Haus?
Beim sogenannten Einkehrbrauch besucht eine als Nikolaus verkleidete Person die Kinder. Diese Besuchsform entwickelte sich neben dem heimlichen Einlegen der Geschenke und wurde regional unterschiedlich ausgestaltet.
Zu älteren Traditionen gehört auch das Kinderbischofsspiel: An Schulen übernahm ein Schüler zeitweise die Rolle eines Bischofs. Im Laufe der Geschichte verbanden sich Schenken, Lob, religiöse Unterweisung und die Prüfung des kindlichen Verhaltens.
Der Besuch wurde mitunter als Erziehungsmittel benutzt. Ruten, Drohungen und die Vorstellung, ein Kind werde in einen Sack gesteckt, gehören ebenfalls zur Geschichte des Brauchs. Dass etwas überliefert ist, macht es jedoch nicht zu einer notwendigen Zutat für einen schönen Nikolaustag.
Heute kann der Gast freundlich erzählen, eine kleine Aufmerksamkeit überreichen und sich für Dinge interessieren, die dem Kind Freude machen. Ein Gedicht darf ein Angebot sein. Wer schüchtern ist oder keinen fremden Mann im Wohnzimmer haben möchte, hat damit keine Nikolausregel verletzt.

Wer sind Knecht Ruprecht, Krampus und Sinterklaas?
Die Namen gehören zu unterschiedlichen regionalen Traditionen. Dabei ist Sinterklaas selbst der niederländische Nikolaus, während Knecht Ruprecht und Krampus meist als Begleiter auftreten.
- Knecht Ruprecht: Ein Begleiter in Teilen des deutschen Sprachraums, häufig mit dunklem Mantel, Sack und früher auch Rute. Er ist nicht mit dem Bischof Nikolaus identisch.
- Krampus: Eine oft furchteinflößend gestaltete Begleitfigur aus Teilen des Alpenraums. Regionale Läufe und öffentliche Veranstaltungen haben eigene Formen und Termine.
- Samichlaus: Der schweizerische Name des Nikolaus. Je nach Region gehört Schmutzli als Begleiter dazu.
- Sinterklaas: Der niederländische Gabenbringer. Ein wichtiger Höhepunkt ist dort der Geschenkabend am 5. Dezember, der Pakjesavond.
Begleiter, Kostüme und Geschichten lassen sich nicht überall gleichsetzen. Manche überlieferten Darstellungen werden heute außerdem wegen rassistischer Bilder und Ausgrenzung kritisiert. Für eine Familienfeier braucht es weder eine bedrohliche Figur noch die Nachahmung solcher Stereotype.
Die Unterschiede erklären auch, weshalb ein Kind aus den Niederlanden schon am 5. Dezember feiert, während anderswo erst am nächsten Morgen der Schuh untersucht wird. Beide Familien können ihre jeweilige Nikolaustradition richtig verstanden haben.
Wie lässt sich Nikolaus mit Kindern sinnvoll gestalten?
Ein überschaubares Ritual mit einer Geschichte und einer kleinen Überraschung genügt, um den Nikolaustag besonders zu machen. Der Gedanke des Teilens lässt sich dabei gut mit dem vertrauten Stiefelbrauch verbinden.
- Am Vorabend gemeinsam vorbereiten: Schuhe putzen und einen geeigneten Platz auswählen. Ein Teller oder Körbchen funktioniert ebenfalls.
- Eine Geschichte auswählen: Erzähle etwa von der heimlichen Hilfe für die drei Töchter. Passe schwierige Einzelheiten an das Alter und die Fragen des Kindes an.
- Wenige passende Gaben bereitlegen: Obst, etwas Süßes oder eine kleine persönliche Aufmerksamkeit reichen. Ein Nikolausstiefel muss keine Konkurrenz zum Weihnachtsfest werden.
- Selbst etwas weitergeben: Gemeinsam jemandem helfen, Gebäck verschenken oder sich Zeit für einen einsamen Menschen nehmen. Das greift die Botschaft des Brauchs auf.
Ein Gebäckstück zum gemeinsamen Essen kann genauso dazugehören. Stollen passt zur Adventszeit, muss aber nicht in den Schuh gequetscht werden. Wer eine schwere Scheibe herausbalanciert, denkt sonst womöglich zuerst an Schuhgröße und erst danach an Nächstenliebe.
Das Bonifatiuswerk greift den sozialen Gedanken beispielsweise mit seiner Aktion Tat.Ort.Nikolaus auf. Die Idee dahinter lässt sich auch im Kleinen umsetzen: Eine Aufmerksamkeit zählt durch ihren Bezug zum anderen Menschen, nicht durch die Menge des Verpackungsmaterials.
FAQ: Weitere Fragen zum Nikolaustag
Dürfen auch Erwachsene etwas bekommen?
Natürlich. Obwohl in vielen Familien vor allem Kinder beschenkt werden, können auch Partner, Freunde oder Nachbarn eine Aufmerksamkeit bekommen. Zum historischen Grundgedanken passt besonders etwas, das Freude macht oder konkret hilft.
Ist Nikolaus nur etwas für katholische Familien?
Nein. Der Heilige hat einen christlichen Hintergrund und wird in verschiedenen Kirchen verehrt. Der Stiefelbrauch wird heute auch außerhalb religiöser Familien gepflegt. Du kannst die christliche Herkunft erklären und zugleich entscheiden, welche Form für eure Familie passt.
Für den Nikolaustag
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