Advent bedeutet „Ankunft“. Im Christentum bereitet diese Zeit auf die Geburt Jesu an Weihnachten vor und richtet den Blick zugleich auf seine erwartete Wiederkunft. Die vier Adventssonntage geben dem Warten einen Rhythmus. Adventskranz, Kalender, Lieder und gemeinsame Rituale machen ihn sichtbar. Dass heute auch Plätzchendosen dazugehören, ist eine erfreuliche Ergänzung. Ursprünglich war der Advent allerdings deutlich weniger süß und stärker von Besinnung und Verzicht geprägt.
Welche Bedeutung hat der Advent?
Der Advent ist eine christliche Zeit der Vorbereitung und der Hoffnung. Sein Name kommt vom lateinischen Wort adventus für Ankunft. Gemeint ist zunächst die Ankunft Jesu Christi in der Welt, an die Weihnachten erinnert. Zur christlichen Adventsbedeutung gehört außerdem die Erwartung seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten.
Deshalb geht es in den Gottesdiensten nicht von Anfang an nur um das Kind in der Krippe. Auch die Frage, wie Menschen leben, worauf sie hoffen und was sich verändern soll, hat ihren Platz. Die Evangelische Kirche in Deutschland beschreibt den Advent entsprechend als eine Zeit der Vorfreude, Vorbereitung, Stille und Erwartung. Das erklärt, warum diese Wochen kirchlich einen anderen Charakter haben als das anschließende Weihnachtsfest.
Im Alltag ist Advent zugleich eine kulturelle Jahreszeit geworden. Auch Menschen ohne religiöse Bindung stellen einen Kranz auf, backen oder treffen sich auf dem Weihnachtsmarkt. Religiöse Bedeutung und persönliche Familientradition können sich dabei ergänzen. Sie sind aber nicht automatisch dasselbe.
Wann beginnt der Advent und wie lange dauert er?
Der Advent beginnt im katholischen und evangelischen Kirchenjahr mit dem ersten Adventssonntag. Dieser fällt immer zwischen den 27. November und den 3. Dezember. Entscheidend sind die vier Sonntage vor dem Weihnachtsfest, nicht der erste Tag im Dezember.
Eine einfache Kalenderregel lautet: Suche den letzten Sonntag am oder vor dem 24. Dezember und gehe drei Wochen zurück. Dieser Tag ist der erste Advent. Wenn Heiligabend selbst ein Sonntag ist, fallen der vierte Advent und der 24. Dezember zusammen.
| Jahr | 1. Advent | 2. Advent | 3. Advent | 4. Advent |
|---|---|---|---|---|
| 2026 | 29. November | 6. Dezember | 13. Dezember | 20. Dezember |
| 2027 | 28. November | 5. Dezember | 12. Dezember | 19. Dezember |
| 2028 | 3. Dezember | 10. Dezember | 17. Dezember | 24. Dezember |
| 2029 | 2. Dezember | 9. Dezember | 16. Dezember | 23. Dezember |
Vom ersten Adventssonntag bis einschließlich Heiligabend sind es je nach Jahr 22 bis 28 Kalendertage. Vier Adventssonntage bedeuten also nicht automatisch vier vollständige Wochen. In der katholischen Liturgie beginnt die Adventszeit bereits mit dem Abendgebet am Vorabend des ersten Adventssonntags und endet vor dem ersten Abendgebet von Weihnachten.
Mit dem ersten Advent beginnt außerdem ein neues Kirchenjahr. Während das Kalenderjahr noch auf den Jahreswechsel zuläuft, startet kirchlich bereits ein neuer Festkreis. Der Adventskalender bleibt davon unbeeindruckt und öffnet sein erstes Türchen üblicherweise am 1. Dezember.
Warum gibt es vier Adventssonntage?
Die vier Adventssonntage gehören zur heute in Deutschland üblichen westkirchlichen Ordnung. Sie entstanden aus einer längeren Entwicklung verschiedener Vorbereitungszeiten auf Weihnachten. Schon in der Spätantike gab es in Teilen der westlichen Kirche solche Zeiten, deren Dauer zunächst unterschiedlich war.
Die Vierzahl war deshalb nicht von Anfang an überall festgelegt. Im ambrosianischen Ritus, der unter anderem im Raum Mailand gepflegt wird, hat der Advent bis heute sechs Sonntage. Für den Advent in katholischen und evangelischen Gemeinden in Deutschland sind dagegen vier Sonntage maßgeblich. Ihre biblischen Lesungen und Schwerpunkte unterscheiden sich teilweise zwischen den Konfessionen.

Woher kommt der Adventskranz mit seinen Kerzen?
Der Adventskranz geht auf Johann Hinrich Wichern zurück, der 1839 im Hamburger Rauhen Haus einen großen Lichterkranz verwendete. Der evangelische Theologe und Erzieher wollte den dort lebenden Kindern die Wartezeit bis Weihnachten anschaulich machen.
Seine Lösung war ein hölzernes Wagenrad mit einer Kerze für jeden Adventstag. Vier große weiße Kerzen standen für die Sonntage, kleinere rote für die Tage dazwischen. So wurde täglich eine weitere Kerze angezündet. Der Kranz beantwortete die Frage „Wie lange noch?“ durch Zählen statt durch die für Kinder wenig überzeugende Maßeinheit „bald“.
Die Geschichte des Adventskranzes beim Rauhen Haus zeigt auch einen wichtigen Unterschied zu heutigen Exemplaren: Anfangs war das Rad noch nicht mit Tannengrün umwickelt. Dieser Schmuck kam später hinzu. Für Wohnstuben setzte sich schließlich die kleinere Form mit nur vier Kerzen durch.
Bei einem heutigen Adventskranz wird an jedem Sonntag eine weitere Kerze entzündet. Das zunehmende Licht lässt die näher rückende Weihnachtsfreude sichtbar werden. Immergrüne Zweige können als Zeichen des Lebens und der Hoffnung verstanden werden. Welche zusätzliche Bedeutung Menschen dem Kreis geben, hängt von ihrer religiösen oder persönlichen Deutung ab.
Warum ist im Advent von Violett und Rosa die Rede?
Violett und Rosa sind Farben der kirchlichen Liturgie, keine verbindliche Farbvorschrift für deinen Wohnzimmertisch. Violett prägt den Advent als Zeit der Vorbereitung und Umkehr. In der katholischen Liturgie kann am dritten Adventssonntag, dem Gaudete-Sonntag, Rosa verwendet werden.
Gaudete bedeutet „Freut euch“. Die hellere Farbe betont die Freude über das näher kommende Fest. Daher stehen in manchen Kirchen drei violette Kerzen und eine rosa Kerze auf dem Adventskranz. Die rosa Kerze ist dann für den dritten Sonntag bestimmt.
Zu Hause sind ebenso vier rote, weiße oder andersfarbige Kerzen üblich. Für die Bedeutung des Adventskranzes ist das schrittweise Entzünden wichtiger als eine bestimmte Farbkombination. Ein Kranz aus der Familienkiste wird durch eine neue Dekorationsmode nicht plötzlich theologisch unbrauchbar.
Seit wann gibt es Adventskalender?
Adventskalender entwickelten sich im 19. Jahrhundert aus unterschiedlichen Methoden, die Tage bis Weihnachten zu zählen. Familien zeichneten beispielsweise Kreidestriche, die Kinder täglich wegwischten, oder ergänzten nach und nach kleine Bilder. Die Grundidee war dieselbe wie beim Lichterkranz: Eine abstrakte Wartezeit sollte sichtbar werden.
Gedruckte Formen verbreiteten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Verleger Gerhard Lang spielte dabei eine wichtige Rolle. Seine frühen Kalender bestanden aus Bildern und Versen, die zusammengefügt wurden. Die heute vertrauten Türchen waren eine spätere Entwicklungsstufe. Einen einzigen Erfinder sämtlicher Adventskalenderformen festzulegen, würde die vielen Vorläufer unterschlagen.
Dass die meisten Kalender vom 1. bis zum 24. Dezember laufen, ist eine praktische Vereinfachung. Sie zählen die Dezembertage bis Heiligabend und bilden nicht den jedes Jahr anders beginnenden Kirchenadvent ab. Ein Kalender mit 24 Türchen kann deshalb schon vor dem ersten Advent anfangen oder erst danach.
Was hinter den Türchen steckt, verändert den Kern des Brauchs nicht. Bilder, kleine Geschichten, ein gemeinsames Vorhaben oder Schokolade machen das tägliche Weiterzählen auf unterschiedliche Weise erlebbar. 24 größere Geschenke sind dafür nicht erforderlich.
Welche Bräuche gehören zur Adventszeit?
Zu den verbreiteten Adventsbräuchen gehören der Adventskranz, Adventskalender, Lieder, gemeinsame Backnachmittage und Besuche auf Weihnachtsmärkten. Hinzu kommen regionale und kirchliche Traditionen. Nicht jede Familie begeht alle davon und nicht jeder Brauch ist gleich alt.
- Gemeinsames Singen und Vorlesen: Wiederkehrende Lieder oder Geschichten verbinden die einzelnen Adventstage miteinander. Kirchliche Adventslieder handeln oft vom Warten und Hoffen, während Weihnachtslieder bereits die Geburt Jesu feiern.
- Gebäck teilen: Selbstgebackene Plätzchen und ein angeschnittener Stollen gehören für viele zur Adventskaffeetafel. Der gemeinsame Anlass ist dabei ebenso wichtig wie das Rezept.
- Nikolaustag: Am 6. Dezember wird des heiligen Nikolaus gedacht. Der Brauch mit den Nikolausstiefeln hat seine eigene Geschichte und ist vom Weihnachtsmann und der Bescherung an Heiligabend zu unterscheiden.
- Licht und Begegnungen: Fenstersterne, kleine Konzerte, Adventsbasare und Gottesdienste geben den Wochen einen besonderen Rahmen. Was davon passt, hängt auch von der jeweiligen Region und Gemeinschaft ab.
Auch ein festlicher Baumkuchen passt auf die Kaffeetafel, ohne deshalb ausschließlich ein Adventsgebäck zu sein. Viele heutige Traditionen verbinden ältere religiöse Motive mit Essen, Besuch und vertrauten Familiengewohnheiten.

Was unterscheidet Advent und Weihnachten?
Advent ist die Vorbereitung auf Weihnachten, Weihnachten selbst das Fest der Geburt Jesu. Im kirchlichen Verständnis beginnt die Weihnachtszeit deshalb erst, wenn die Adventszeit endet. Im Handel und auf vielen öffentlichen Plätzen laufen beide dagegen schon Wochen vorher ineinander.
Das merkst du auch beim Weihnachtsbaum. Manche Familien schmücken ihn bereits während des Advents, andere erst kurz vor Heiligabend. Beides ist als persönliche Gewohnheit verbreitet. Der Ursprung des Weihnachtsbaums ist jedoch eine eigene Brauchgeschichte. Er ist nicht der historische Ausgangspunkt des Advents.
Für den Alltag kann die Unterscheidung hilfreich sein: Du musst am ersten Advent noch nicht den gesamten Weihnachtsabend vorwegnehmen. Ein Brauch, der sich langsam entwickelt, lässt dem eigentlichen Fest einen eigenen Platz. Das ist eher eine Einladung als eine Regel darüber, wann jemand seine Lichterkette einschalten darf.
Wie wird der Advent zu einer schönen gemeinsamen Zeit?
Ein überschaubares, wiederkehrendes Ritual macht den Advent oft greifbarer als ein vollgepacktes Programm. Überlege, was ihr gerne gemeinsam macht und tatsächlich in euren Alltag einbauen könnt. Das kann jeden Sonntag eine Geschichte am Kranz sein oder ein einziger Nachmittag, an dem gemeinsam gebacken wird.
Für Kinder hilft es, den Kalender und den Kranz auseinanderzuhalten: Das tägliche Türchen zählt die Tage, die Kerzen markieren die Sonntage. Wenn beides am selben Tag beginnt, ist das Zufall. Die Kalenderregel lässt sich mit einem Blick auf den Monat gut erklären.
Du kannst außerdem den ursprünglichen Gedanken des Teilens aufgreifen. Gebäck für jemanden mitzubacken, eine Nachbarin einzuladen oder gemeinsam etwas für andere zu tun, gibt dem Advent einen Sinn über die eigene Geschenkewunschliste hinaus. Dafür braucht es keine perfekte Dekoration und keinen täglichen Höhepunkt.
Bei echten Kerzen gehört eine erwachsene Person in die Nähe. Ein Kranz mit frischen Zweigen trocknet im warmen Zimmer allmählich aus und wird dadurch leichter entzündlich. Stelle ihn standsicher und mit Abstand zu brennbaren Dingen auf. Wenn Kerzen gerade nicht zu eurer Situation passen, kann elektrisches Licht das gemeinsame Ritual genauso begleiten.
Für eine schöne Adventszeit
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