Der Ursprung des Weihnachtsbaums liegt vor allem im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Brauchtum des Oberrheingebiets. Aus winterlichem Grün, geschmückten Bäumen und christlichen Festtraditionen entwickelte sich nach und nach der Baum im Wohnzimmer. Einen eindeutig belegten Erfinder gibt es nicht. Gut greifbar sind dagegen einzelne historische Stationen, etwa eine Rechnung aus Sélestat von 1521 und eine Straßburger Beschreibung von 1605. Der erste geschmückte Baum stand jedenfalls lange vor der ersten Diskussion darüber, ob Lametta noch zeitgemäß ist.
Wo hat der Weihnachtsbaum seinen Ursprung?
Das Elsass und die benachbarten Gebiete am Oberrhein gelten als wichtige Entstehungsregion des Weihnachtsbaums. Dort belegen Quellen aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert die Verwendung von Tannengrün und geschmückten Bäumen zur Weihnachtszeit. Die heutige Form entstand aus mehreren Gewohnheiten und setzte sich erst allmählich durch.
Für einen Weihnachtsbaum reicht es historisch nicht, dass irgendwo ein Baum verehrt oder ein grüner Zweig aufgehängt wurde. Entscheidend ist die Verbindung mit Weihnachten, dem Aufstellen oder Aufhängen eines Baums und seinem Schmuck. Diese Merkmale erscheinen in den Quellen nicht alle gleichzeitig und nicht immer gleich eindeutig.
Deshalb ist die Frage nach dem allerersten Weihnachtsbaum schwieriger als sie klingt. Ein öffentlicher Festbaum, ein Baum in einer Zunftstube und ein geschmückter Familienbaum im Wohnraum sind verwandte Erscheinungen. Sie lassen sich aber nicht ohne Weiteres gegeneinander als derselbe Ersterfindungsrekord ausspielen.
Welche frühen Weihnachtsbäume sind belegt?
Zu den wichtigen frühen Quellen gehören die Sélestater Stadtrechnung von 1521 und die Beschreibung geschmückter Straßburger Stubenbäume von 1605. Sie zeigen unterschiedliche Entwicklungsstufen des Brauchs. Eine vollständige Geburtsurkunde mit Adresse und verantwortlichem Dekorateur ist keine davon.
| Ort und Zeit | Was die Quelle aussagt | Was daraus nicht automatisch folgt |
|---|---|---|
| Sélestat, damals Schlettstadt, 1521 | Die Stadtrechnung verzeichnet Geld für die Bewachung von „Meyen“, also dem weihnachtlich genutzten Tannengrün beziehungsweise den entsprechenden Bäumen. | Der Eintrag benennt keinen Erfinder und beschreibt keinen heutigen Familienbaum mit vollständigem Schmuck. |
| Bremen, 1570 | Eine häufig herangezogene Zunftüberlieferung berichtet von einem mit Essbarem und Papierblumen geschmückten Tannenbaum. | Eine Zunftfeier belegt noch keine allgemeine Verbreitung in privaten Haushalten. |
| Straßburg, 1605 | Eine Beschreibung nennt Tannenbäume in Stuben, an denen unter anderem Papierrosen, Äpfel, Oblaten und Zucker hingen. | Dass der Brauch beschrieben wurde, bedeutet nicht, dass er in genau diesem Jahr entstand. |
Auch Freiburg 1419, Riga und Reval, das heutige Tallinn, werden häufig als Ursprungsorte genannt. Dabei ist Vorsicht sinnvoll. Die frühe Freiburger Datierung wird quellenkritisch infrage gestellt. Bei den baltischen Überlieferungen geht es unter anderem um öffentliche Bäume und Feste von Kaufmannsbruderschaften. Solche Hinweise sind für die Brauchgeschichte interessant, liefern aber keinen unstrittigen Sieger für den ersten Weihnachtsbaum im Wohnzimmer.
Ist der Weihnachtsbaum ein heidnischer oder ein christlicher Brauch?
Der Weihnachtsbaum verbindet ältere Vorstellungen vom Immergrün mit christlichen und später auch weltlichen Festtraditionen. Die Behauptung, er sei unverändert aus einem einzigen heidnischen Ritual übernommen worden, lässt sich aus den frühen Weihnachtsbaumquellen nicht ableiten.
Grüne Pflanzen waren im Winter schon lange vor der Entstehung des Weihnachtsbaums bedeutsam. Sie konnten Leben und die Hoffnung auf den nächsten Frühling symbolisieren. Aus einer solchen Ähnlichkeit folgt jedoch noch keine lückenlose Entwicklungslinie von einem antiken Brauch zur Tanne mit Glaskugeln.
In christlichen Paradiesspielen kam außerdem ein mit Äpfeln geschmückter Baum vor, der an Adam und Eva erinnerte. Diese Tradition gehört zu den wichtigen Erklärungsansätzen für die Entwicklung des Baumschmucks. Die Deutsche Digitale Bibliothek zur Geschichte des Weihnachtsbaums unterscheidet entsprechend zwischen älteren grünen Festzeichen und dem eigentlichen Weihnachtsbaum. Im Laufe seiner Geschichte bekam dieser je nach Zeit, Ort und Familie unterschiedliche Bedeutungen.
Was hing an den ersten geschmückten Bäumen?
Früher Baumschmuck bestand häufig aus Essbarem und selbst angefertigten Verzierungen. Äpfel, Nüsse, Gebäck, Zuckerwerk, Oblaten und Papierblumen sind historisch überliefert. Der Baum war damit nicht nur ein Schmuckstück, sondern konnte zugleich ein Ort für kleine Gaben sein.
Die Straßburger Beschreibung von 1605 erwähnt auch „Zischgold“, dünnen glänzenden Metallschmuck. Leuchtend und festlich sollte es also schon damals aussehen. Eine einheitliche Farbpalette dürfte dabei weniger wichtig gewesen sein als die Frage, was verfügbar und bezahlbar war.
Mancherorts durften Kinder den essbaren Schmuck später vom Baum nehmen. Das sogenannte Plündern war Teil des Festbrauchs. Ein mit Süßigkeiten behängter Baum brauchte offenbar auch früher klare Absprachen darüber, wann sein Inhalt freigegeben wurde.

Warum kamen Glaskugeln an den Weihnachtsbaum?
Gläserner Christbaumschmuck entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer dauerhaften und vielseitig gestaltbaren Alternative zu essbarem Schmuck. Eine zentrale Rolle spielte dabei die thüringische Glasbläserstadt Lauscha.
In ihrer Darstellung der Lauschaer Stadtgeschichte beschreibt die Stadt für 1847 erste gläserne Früchte und Nüsse. Solche Formen standen dem älteren Baumbehang noch sichtbar nahe. Später kamen immer mehr Kugeln, Tiere, Vögel und andere Motive hinzu. Versilberung und Bemalung machten den Schmuck besonders glänzend.
Damit konnte ein Baum festlich aussehen, ohne jedes Jahr vollständig neu mit Lebensmitteln bestückt werden zu müssen. Gleichzeitig wurden Ornamente zu aufbewahrten Gegenständen, die Familien über viele Weihnachtsfeste begleiteten. Eine Kugel kann deshalb heute mehr Erinnerungswert als Materialwert haben.
Die verbreitete Erklärung „Jede Weihnachtskugel steht für einen Paradiesapfel“ ist als symbolische Deutung verständlich. Sie ist aber kein verbindlicher Schlüssel für sämtliche Kugelformen und sämtliche Familien. Weihnachtsbaumschmuck hat sich auch durch Handwerk, Handel und wechselnde Moden entwickelt.
Seit wann leuchten Kerzen und Lichter am Baum?
Kerzen kamen im 17. Jahrhundert an Weihnachtsbäume und wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einem wichtigen Bestandteil des Brauchs. Sie machten aus dem geschmückten Grün einen leuchtenden Mittelpunkt der Weihnachtsfeier.
In christlichen Deutungen lässt sich das Licht mit Jesus als Licht der Welt verbinden. Zugleich prägt Kerzenschein ganz unmittelbar die Atmosphäre eines dunklen Winterabends. Beides erklärt, warum die Beleuchtung für viele Menschen zum Baum dazugehört.
Welcher Baum als erster Kerzen trug, wird in historischen Darstellungen unterschiedlich angegeben. Sicherer als ein einzelner Erfindungsname ist die Entwicklung: Zunächst war der Lichterschmuck etwas Besonderes, später wurde er zum vertrauten Bestandteil der Familienweihnacht. Elektrische Beleuchtung brachte schließlich eine weitere Form des Lichterbaums hervor.
Für den heutigen Gebrauch ist die Unterscheidung praktisch wichtig. Ein trockener Nadelbaum und offene Flammen sind eine gefährliche Kombination. Elektrische Lichter machen das historische Vorbild sichtbar, ohne seine offene Flamme nachbilden zu müssen. Auch sie gehören nur so eingesetzt, wie es der Hersteller für den jeweiligen Innen- oder Außenbereich vorsieht.
Wie wurde aus dem Baum ein internationaler Weihnachtsbrauch?
Vor allem im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Weihnachtsbaum über immer mehr Regionen und gesellschaftliche Gruppen. Dazu trugen Adelshöfe, bürgerliche Familien, Auswanderer und die wachsende öffentliche Darstellung des Weihnachtsfestes bei.
Ein Baum im Innenraum war zunächst auch eine Frage von Platz und Geld. Nicht jeder Haushalt konnte sich einen ganzen Baum leisten oder einen Raum für das Fest freihalten. Mit der stärkeren Ausrichtung von Weihnachten auf Familie und Kinder wurde der geschmückte Baum jedoch immer mehr zum Mittelpunkt der häuslichen Feier.
Die Verbreitung verlief regional unterschiedlich. In vielen protestantisch geprägten Gegenden setzte sich der Baum früher durch, während in katholischen Familien die Krippe zunächst häufig die wichtigere Rolle hatte. Das war keine überall gültige starre Grenze. Heute stehen Krippe und Baum vielerorts selbstverständlich nebeneinander.
In Großbritannien ist der Brauch schon vor Königin Victoria und Prinz Albert am Hof belegt. Die aus Mecklenburg-Strelitz stammende Königin Charlotte gehört zu den frühen Vermittlerinnen der deutschen Weihnachtstradition. Victoria und Albert machten die Familienfeier am Baum später weithin bekannt. Es wäre daher zu kurz gegriffen, Albert allein zum Erfinder des britischen Weihnachtsbaums zu erklären.
Mit Menschen, die ihre Heimat verließen, reisten auch vertraute Festgewohnheiten. So wurde der Weihnachtsbaum in anderen Ländern aufgenommen, angepasst und mit den dortigen Traditionen verbunden. Ein weltweit erkennbares Symbol kann deshalb sehr unterschiedliche Familiengeschichten tragen.

Welche Bedeutung haben Stern, Kugeln und der grüne Baum?
Viele Schmuckelemente können religiös oder persönlich gedeutet werden, doch nicht jede Verzierung hat eine festgelegte Bedeutung. Der Stern an der Spitze wird oft mit dem Stern von Bethlehem verbunden. Immergrüne Zweige lassen sich als Zeichen für Leben und Hoffnung verstehen.
Bei anderem Schmuck entscheidet die konkrete Tradition. Ein geerbter Vogel kann an die Großeltern erinnern, ein selbst gebastelter Anhänger an die ersten Weihnachten eines Kindes. Wer jedes Jahr einen anderen Baumschmuck auswählt, pflegt ebenfalls eine Form des Brauchs. Entscheidend ist die wiederkehrende Handlung, nicht die Abnahme durch eine historische Dekorationskommission.
Zur häuslichen Weihnachtsfeier gehören für viele außerdem Musik, Bescherung und ein gemeinsames Essen. Ein Stück Christstollen auf dem Tisch hat dabei seine eigene Geschichte. Dass Bräuche nebeneinander auftreten, bedeutet nicht, dass sie alle gleichzeitig entstanden sind.
Muss ein Weihnachtsbaum wirklich eine Tanne sein?
Nein, ein Weihnachtsbaum kann auch eine Fichte, Kiefer oder eine andere geeignete Baumart sein. „Weihnachtsbaum“ bezeichnet seine Verwendung beim Fest und ist kein botanischer Artname. Auch „Christbaum“ und „Tannenbaum“ werden im Alltag für das weihnachtliche Symbol verwendet.
Die Nordmanntanne ist eine echte Tanne, die Blaufichte dagegen eine Fichte. Beide können als Weihnachtsbaum dienen. Ihre Nadeln, Zweige und Wuchsformen unterscheiden sich, ohne dass eine Art den historischen Brauch für sich allein beanspruchen könnte. Ein geschmückter Fichtenbaum ist daher kein Weihnachtsbaum zweiter Klasse.
Wann stellt man den Weihnachtsbaum auf und wann wird er abgebaut?
Für den Weihnachtsbaum zu Hause gibt es keinen allgemein verbindlichen Aufstell- oder Abbautag. In vielen Familien wird er traditionell kurz vor Heiligabend geschmückt. Andere holen ihn schon während des Advents ins Haus und genießen ihn länger.
Auch beim Ende unterscheiden sich Brauch und kirchlicher Kalender. Der Dreikönigstag am 6. Januar ist ein verbreiteter Anlass zum Abschmücken. Mancherorts bleibt der Baum länger stehen, gelegentlich bis Mariä Lichtmess am 2. Februar. Das ist eine regionale oder familiäre Gewohnheit und keine Vorschrift für jeden Haushalt.
Die katholische liturgische Weihnachtszeit endet heute mit dem Fest der Taufe des Herrn am Sonntag nach dem 6. Januar. Ein Abbautermin am 6. Januar bildet diesen kirchlichen Zeitraum daher nicht in jedem Jahr genau ab. Zu den kulturellen Vorstellungen rund um den Übergang zwischen Weihnachten und Januar gehören außerdem die Rauhnächte, deren Bräuche und Zählweisen ebenfalls regional variieren.
Für deinen Baum darf am Ende auch der tatsächliche Zustand den Ausschlag geben. Wenn er stark trocknet und nadelt, wird er nicht durch einen späteren Brauchtermin wieder frisch. Den Schmuck vorsichtig abzunehmen und für das nächste Jahr einzupacken, gehört für viele Familien ohnehin schon zum nächsten Durchgang derselben Geschichte.
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