Dürfen Ballkinder den Ball wieder zuwerfen? Das Multiball-System im Fußball erklärt

Ja. Seit der Saison 2026/27 dürfen Ballholer in Bundesliga und 2. Bundesliga wieder gelegentlich einen Ball zuwerfen. Unzulässig ist es, wenn sie systematisch mit Spielern interagieren und dadurch den Spielfluss beschleunigen oder verlangsamen. Das Multiball-System mit 18 festen Ballstationen bleibt bestehen. Die Verwirrung ist verständlich: Erst wurde das Zuwerfen verbindlich untersagt, wenige Monate später lockerte die Liga die Vorgabe wieder. Was die Helfer heute dürfen und warum Spieler den Ball trotzdem meistens selbst vom Hütchen nehmen, klären wir hier.

Stand: 29. August 2026

Ballkinder dürfen seit 2026/27 wieder gelegentlich zuwerfen

In der Spielordnung heißen die Ballkinder offiziell Ballholer. Eine feste Obergrenze für Zuwürfe gibt es nicht. Der entscheidende Wortlaut der aktuellen Spielordnung der Lizenzligen steht in Anlage IV, § 3 Nr. 8. Entscheidend ist, ob die Helfer nach einem wiederkehrenden Muster handeln und dadurch den Spielfluss beeinflussen. Das wäre etwa der Fall, wenn nur der Heimverein regelmäßig sofort einen Ball erhält.

Vereinfacht sieht die Grenze so aus:

Typischerweise erlaubtNicht erlaubt
einen Ball gelegentlich zu einem Spieler werfenSpieler systematisch direkt bedienen und dadurch das Tempo beeinflussen
den ausgegangenen Spielball einsammelneinen Ball zurückhalten, verstecken oder wegnehmen
die zuständigen Ballstationen wieder auffüllenStationen verschieben oder absichtlich leer lassen
den Bereich zwischen Werbebande und Spielfeldbegrenzung betreten, wenn dies zum Auffüllen zwingend nötig istdas Spielfeld betreten oder den Randbereich ohne zwingenden Grund betreten

Beim Multiball-System liegen 18 Ersatzbälle rund um den Platz bereit

Beim Multiball-System im Fußball wartet niemand darauf, dass genau der Ball zurückkommt, der eben auf die Tribüne, vor die Werbebande oder in Richtung Bratwurststand geflogen ist. Rund um das Spielfeld liegen 18 weitere Bälle desselben Modells bereit. Der Spieler verwendet den ursprünglichen Spielball oder den Ersatzball von der nächstgelegenen Station. Warum ein Fan den Ball auf der Tribüne trotzdem nicht in allen Fällen einfach behalten darf, erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Was im Fernsehen wie ein Hütchen, ein Ballring oder eine kleine Ballauflage aussieht, nennt die Spielordnung schlicht Ballstation. Verwendet werden einheitliche Plastikhütchen oder andere Markierungen, auf denen der Ball sicher liegen bleibt. Sie müssen sich farblich deutlich von Ball, Rasen und Spielfeldlinien abheben.

Mindestens 19 Bälle, 18 Stationen und mindestens acht Ballholer sind vorgeschrieben

MerkmalVorgabe in Bundesliga und 2. Bundesliga
Bälle während des Spielsmindestens 19: ein Spielball und 18 Ersatzbälle
Ballstationen18
Stationen an den Seitenliniensieben je Seite, ungefähr 17,5 Meter voneinander entfernt
Stationen an den Torlinienzwei je Torlinie, ungefähr 7,5 Meter vom jeweiligen Pfosten entfernt
Abstand zum Spielfeldmindestens zwei Meter hinter der Seiten- beziehungsweise Torlinie
Ballholermindestens acht
Zuständigkeithöchstens drei Stationen je Ballholer
Zeitpunktalle Ersatzbälle liegen spätestens 15 Minuten vor dem Anpfiff bereit

Zu Beginn ist jede Station mit einem Ersatzball bestückt; anschließend werden geleerte Stationen wieder aufgefüllt. Außerdem hält der Heimclub weitere Reservebälle bereit, falls ein Ball verschwindet oder nicht mehr spieltauglich ist.

So läuft ein Ausball ab:

  1. Der Spielball überquert die Seiten- oder Torlinie vollständig und ist aus dem Spiel.
  2. Der Spieler verwendet zur Fortsetzung entweder diesen Ball oder den Ersatzball der nächstgelegenen Station. An der Seitenlinie folgt ein Einwurf nach den üblichen Regeln.
  3. Nimmt der Spieler einen Stationsball, sammelt ein Ballholer den bisherigen Spielball ein und legt ihn auf eine der betreuten Stationen. Verwendet der Spieler den ursprünglichen Ball, bleiben die Stationen unverändert.

Das vollständige Zuwerfverbot galt nur wenige Monate

Dass viele Zuschauer noch von einem strikten Wurfverbot ausgehen, ist verständlich. Innerhalb weniger Monate wurde die Vorgabe zweimal geändert.

ZeitpunktWas galt?
August 2025Die DFL empfahl das Multiball-Konzept den 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga.
6. März 2026Ab dem 25. Spieltag wurde das Konzept verpflichtend. Ballholer durften nicht mit Spielern interagieren und ihnen ausdrücklich keinen Ball zuwerfen.
Fassung vom 4. August 2026Das pauschale Zuwerfverbot entfiel. Untersagt blieb die systematische Interaktion, die den Spielfluss beeinflusst.

Einen Tag später erläuterte die Liga den Clubs, wie die neue Formulierung gemeint ist. Wie der Kicker zur Lockerung des Multiball-Konzepts berichtete, ist gelegentliches Zuwerfen wieder möglich. Die Ballstationen bleiben trotzdem der Kern des Systems. Ein Spieler soll nicht davon abhängig sein, ob ein Ballkind gerade schnell genug reagiert oder ihm besonders wohlgesonnen ist.

Ballstationen sollen Heimvorteil und Zeitspiel begrenzen

Ballkinder werden vom gastgebenden Club eingesetzt. Damit konnten sie das Tempo zumindest theoretisch beeinflussen: Lag das Heimteam zurück, konnte der eigene Spieler blitzschnell einen neuen Ball erhalten. Führte es knapp, konnte die Rückgabe plötzlich mit der Ruhe eines Sonntagsausflugs erfolgen. Nicht jedes Ballkind handelte so, doch schon die Möglichkeit sorgte regelmäßig für Diskussionen.

Feste Stationen schaffen für beide Mannschaften denselben Zugriff. Zugleich verkürzen sie die Pause, wenn ein Ball weit wegfliegt. Verzögert sich die Spielfortsetzung trotzdem, kann der Schiedsrichter die verlorene Zeit bei der Nachspielzeit berücksichtigen.

Ein bekanntes Beispiel lieferte der damals 15-jährige Balljunge Noel Urbaniak im März 2025. Beim Nations-League-Spiel gegen Italien warf er Joshua Kimmich sofort einen Ball zu. Kimmich führte den Eckstoß aus, während die italienische Abwehr noch nicht sortiert war, und Jamal Musiala traf. Der Treffer wurde anerkannt. Für die Szene galten nicht die Bundesliga-Bestimmungen, weil sie sich in einem Länderspiel ereignete. Sie zeigt aber eindrucksvoll, wie stark ein Zuwurf das Tempo beeinflussen kann.

Ballholer übernehmen weiterhin eine wichtige Aufgabe

Die Ballkinder wurden durch das Multiball-System nicht abgeschafft. Sie sammeln ausgegangene Bälle ein und füllen die ihnen zugewiesenen Stationen wieder auf. Jeder Ballholer betreut höchstens drei davon.

Das Spielfeld dürfen die Helfer nicht betreten. In den Bereich zwischen Werbebande und Spielfeldbegrenzung dürfen sie nur gehen, wenn dies zwingend nötig ist, um eine Station aufzufüllen. Der Heimclub muss außerdem sicherstellen, dass sie die maßgeblichen Regeln und Vorgaben kennen und einhalten.

Ballholer legt einen Fußball auf eine gelbe Ballstation außerhalb des Spielfelds, begleitet vom Question-King-Fragezeichen.

Wer selbst einmal so nah am Spielfeld stehen möchte, erfährt in unserem Ratgeber, wie man Balljunge oder Ballmädchen wird, welche Voraussetzungen die Vereine festlegen und wo eine Bewerbung möglich ist. Wer dagegen nur vor dem Anpfiff gemeinsam mit den Mannschaften auf den Rasen möchte, kann sich als Einlaufkind bewerben.

Die Bundesliga-Vorgabe ist keine allgemeine Fußballregel

Die genaue Anordnung mit 18 Ballstationen steht nicht in den weltweit geltenden Fußballregeln des IFAB. Diese erlauben grundsätzlich zusätzliche Bälle rund um das Spielfeld, sofern sie den Anforderungen an den Spielball entsprechen und unter der Kontrolle des Schiedsrichters verwendet werden. Wie viele Bälle bereitliegen, wo sie stehen und wie Ballholer damit umgehen, bestimmt der jeweilige Wettbewerb.

Die hier beschriebenen Durchführungsbestimmungen gelten für:

  • 1. Bundesliga
  • 2. Bundesliga
  • die Relegation zur Bundesliga und 2. Bundesliga
  • den Franz-Beckenbauer-Supercup.

Seit der Saison 2026/27 nutzt auch der DFB-Pokal ein an der Bundesliga orientiertes Multiball-System. Das bedeutet nicht, dass jeder Amateurverein und jede internationale Liga dieselben 19 Bälle, Abstände und Wurfregeln verwenden muss. Ob Ballkinder in einem bestimmten Wettbewerb zuwerfen dürfen, steht in dessen Durchführungsbestimmungen.

Ballkinder dürfen wieder werfen, aber nicht das Spiel steuern

Seit 2026/27 dürfen Ballholer in Bundesliga und 2. Bundesliga wieder gelegentlich zuwerfen. Systematisch mit Spielern interagieren und dadurch das Tempo verändern dürfen sie nicht. Kurz gesagt: Gelegentlich werfen ja, systematisch steuern nein.

FAQ: Häufige Fragen zum Multiball-System

Dürfen Ballkinder einem Torwart einen Ball zuwerfen?

Die Vorschrift unterscheidet nicht zwischen Feldspielern und Torhütern. Damit gilt nach der Auslegung der Liga auch für Torhüter: Ein gelegentlicher Zuwurf ist nicht automatisch verboten, eine systematische Beeinflussung des Spielflusses dagegen schon.

Wird ein Tor nach einem unerlaubten Zuwurf aberkannt?

Allein wegen eines unerlaubten Zuwurfs wird ein Tor nicht aberkannt. Entscheidend ist, ob die anschließende Spielfortsetzung nach den Fußballregeln korrekt war.

Was passiert, wenn zwei Bälle gleichzeitig auf dem Spielfeld liegen?

Ein zweiter Ball führt nur dann zur Unterbrechung, wenn er das Spiel beeinflusst. Danach wird in der Regel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt. Ohne Einfluss lässt der Schiedsrichter weiterspielen und entfernt den zusätzlichen Ball so schnell wie möglich. Selbst eine Berührung macht einen Treffer nicht automatisch ungültig: Das Tor kann zählen, sofern kein Verteidiger behindert wurde und der Eingriff nicht vom angreifenden Team ausging. Bringt ein Spieler, Auswechselspieler oder Teamoffizieller den zusätzlichen Ball absichtlich ins Spiel, sind andere Spielfortsetzungen und persönliche Strafen möglich.

Wer wird bei einem Verstoß gegen das Multiball-Konzept bestraft?

Die Bundesliga-Gruppe kann den Heimclub dazu auffordern, den Verstoß zu beenden, oder eine Vertragsstrafe gegen ihn verhängen. Greift eine auf dem Spielbericht aufgeführte Person unsportlich ein, etwa indem sie einen Ball absichtlich wegschiebt, kann außerdem der Schiedsrichter handeln. Die Folgen richten sich also gegen den verantwortlichen Club beziehungsweise die beteiligte Person – nicht automatisch gegen das Spielergebnis.