Der Blauwal ist das größte heute lebende Tier und ein Schwergewicht der Erdgeschichte. Große Exemplare erreichen rund 30 Meter Länge, außergewöhnlich schwere Tiere etwa 190 Tonnen. Ihr wichtigstes Futter passt trotzdem bequem auf einen Löffel: Krill. Wie funktioniert ein Körper mit solchen Ausmaßen? Warum schlägt sein Herz beim Tauchen so langsam? Und wie schwer ist eigentlich seine Zunge? Dieser Wal liefert genug Stoff zum Staunen, auch ohne jede Zahl zum Weltrekord aufzublasen.
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Der Blauwal im Steckbrief
| Merkmal | Das Wichtigste |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Balaenoptera musculus |
| Tiergruppe | Säugetier, Bartenwal, Familie der Furchenwale |
| Größe | Viele Erwachsene über 20 Meter, besonders große Tiere um 30 Meter, historische Höchstangaben etwa 33 Meter |
| Gewicht | Große Erwachsene oft über 100 Tonnen, außergewöhnliche Exemplare etwa 190 Tonnen |
| Nahrung | Vor allem Krill, also kleine garnelenähnliche Krebstiere |
| Lebensraum | Weite Teile der Weltmeere, besonders ergiebige Nahrungsgebiete |
| Alter | Etwa 80 bis 90 Jahre möglich, einzelne Tiere vermutlich älter |
| Nachwuchs | Meist ein Kalb nach ungefähr 10 bis 12 Monaten Tragzeit |
| Gefährdung | Weltweit als stark gefährdet eingestuft |
Die Größenangaben sind Orientierungen. Alter, Geschlecht und Unterart machen einen erheblichen Unterschied. Ein Zwergblauwal bleibt kleiner als ein Antarktischer Blauwal. „Zwerg“ ist hier allerdings eine ziemlich großzügige Bezeichnung.
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Größe und Gewicht machen den Blauwal zum Giganten
Ein großer Blauwal kann ungefähr so lang sein wie zwei zwölf Meter lange Stadtbusse hintereinander. Besonders große Tiere übertreffen sogar diese 24 Meter deutlich. Weibchen werden im Allgemeinen länger als Männchen, und die größten Blauwale kommen aus antarktischen Gewässern.
Für die oberen Größenordnungen nennt der Artenführer von WDC etwa 33 Meter und 190 Tonnen. Das sind keine Durchschnittswerte. Außerdem müssen die größte Länge und das höchste Gewicht nicht am selben Tier gemessen worden sein.
Gerade historische Rekordangaben unterscheiden sich. Viele stammen aus der Walfangzeit. Einen lebenden Blauwal stellt schließlich niemand auf eine Waage, und bei zerlegten Tieren lassen sich Körpermasse und Flüssigkeitsverluste nicht immer vollständig erfassen. Moderne Forschende nutzen unter anderem Fotos und Körpermaße, um die Größe zu bestimmen oder das Gewicht abzuschätzen.
Der Größenvergleich mit Menschen wird erst draußen anschaulich
Legst du gedanklich Menschen mit einer Körperlänge von 1,75 Metern hintereinander, passen etwa 17 davon in die Länge eines 30-Meter-Blauwals. Das ist eine Rechenhilfe, keine Einladung zum Probeliegen im Meer.
Noch anschaulicher wird es auf einem großen freien Platz: Miss dort 25 oder 30 Meter ab. Wer am einen Ende steht, bekommt ein Gefühl dafür, wie weit die Schwanzflosse vom Kopf entfernt wäre. Auf einem Handyfoto schrumpft dieser Abstand erstaunlich schnell zusammen.
Auch der Pottwal ist deutlich kleiner. Er hält den Größenrekord unter den Zahnwalen, während der Blauwal seine Nahrung mit Barten filtert. Ein Buckelwal ist ebenfalls ein Bartenwal, aber eine eigene, wesentlich kleinere Art mit auffallend langen Brustflossen.
Krill liefert dem Blauwal seine Nahrung
Blauwale fressen überwiegend Krill. Diese kleinen Krebstiere sammeln sich teilweise in riesigen Schwärmen. Sie gehören zum tierischen Plankton, obwohl sie selbst schwimmen können. Entscheidend für diese Einordnung ist, dass Meeresströmungen ihre großräumige Verteilung stark bestimmen.
Die Jagd funktioniert in mehreren Schritten:
- Der Wal beschleunigt auf einen dichten Krillschwarm zu und öffnet das Maul.
- Längsfurchen an Kehle und Bauch dehnen sich. Dadurch kann der Maulraum sehr viel Wasser samt Beute aufnehmen.
- Der Wal schließt den Kiefer und presst das Wasser wieder hinaus.
- Die Krilltiere bleiben an den fransigen Barten hängen und werden geschluckt.
Barten sind Hornplatten im Oberkiefer. Sie bestehen aus Keratin, dem Grundmaterial unserer Haare und Fingernägel. Erwachsene Blauwale haben somit keine Zähne zum Zerkauen ihrer Nahrung, sondern einen riesigen Filterapparat.
An ergiebigen Futtertagen kann ein Blauwal mehrere Tonnen Krill aufnehmen. Eine starre Tagesration für jedes Tier wäre trotzdem irreführend. Körpergröße, Region, Jahreszeit und Nahrungsangebot verändern den Bedarf und die tatsächlich gefressene Menge.
Der Trick liegt in der Dichte der Schwärme. Ein einzelner Krebs wäre den Aufwand kaum wert. Tausende auf einmal ergeben dagegen ein lohnendes Essen. Der größte Wal braucht deshalb nicht überall Nahrung, sondern vor allem genügend Nahrung am selben Ort.

Blaugraue Haut und eine kleine Rückenflosse verraten den Blauwal
Der Körper ist lang, stromlinienförmig und blaugrau gesprenkelt. Unter Wasser wirkt die Haut oft kräftiger blau. Am breiten, flachen Kopf sitzen zwei Blaslöcher. Die Brustflossen sind vergleichsweise schmal, die Rückenflosse überraschend klein und weit hinten am Körper.
Beim Auftauchen ist deshalb häufig erst einmal sehr viel Rücken zu sehen. Die kleine Flosse folgt später. Zusammen mit dem hohen, senkrechten Blas hilft diese Reihenfolge bei der Erkennung.
Der Blas ist keine Fontäne aus Wasser, das der Wal aus seiner Lunge pumpt. Er entsteht beim Ausatmen und enthält unter anderem kondensierende Feuchtigkeit und mitgerissene Wassertröpfchen. Blauwale atmen Luft. Sie sind Säugetiere und müssen dafür regelmäßig an die Oberfläche.
Die Zunge des Blauwals wiegt mehrere Tonnen
Für die Zunge großer Blauwale werden mehrere Tonnen angegeben, häufig etwa vier Tonnen oder mehr. Der bekannte Vergleich mit einem Elefanten beschreibt die Größenordnung, aber kein einheitliches Maß: Elefanten sind unterschiedlich schwer, Blauwale ebenfalls.
Die Zunge ist dabei weit mehr als ein kurioses Rekordorgan. Sie hilft, Wasser aus dem Maul zu drücken und die zurückgehaltene Nahrung zum Schlucken zu bewegen. Dafür braucht es einen kräftigen Muskelapparat.
Das Maul ist riesig, der Blauwal aber auf kleine Beute spezialisiert. Wer den geöffneten Kiefer sieht, denkt schnell an große Fische. Tatsächlich ist es die Masse winziger Krebse, die dieses Tier ernährt.
Das Herz des Blauwals arbeitet beim Tauchen im langsamen Takt
Ein Blauwalherz ist gewaltig. Ein vom Royal Ontario Museum untersuchtes und konserviertes Exemplar maß im ausgedehnten Zustand ungefähr 1,5 mal 1,2 Meter. Das ist anschaulicher als die oft wiederholte Behauptung „so groß wie ein Auto“, bei der weder Wal noch Auto näher festgelegt werden.
Noch spannender ist sein Rhythmus. Bei einer Messung an einem frei lebenden Blauwal sank die Herzfrequenz während der Tauchgänge zeitweise auf zwei Schläge pro Minute. Niedrige Werte lagen häufig bei etwa vier bis acht Schlägen. An der Oberfläche wurden beim Atmen dagegen bis zu 37 Schläge pro Minute registriert.
Das Herz läuft also nicht den ganzen Tag im gleichen Schneckentempo. Sein Takt verändert sich mit Tauchen, Nahrungssuche und Erholung. Die oft gesuchte Angabe „zwischen zwei und acht“ bezieht sich auf den langsamen Puls unter Wasser, nicht auf eine feste Herzfrequenz in jeder Situation. Die Zahlen stammen außerdem aus einer konkreten Untersuchung, nicht aus einer lückenlosen Überwachung aller Blauwale.
Der Lebensraum des Blauwals folgt ergiebigen Futtergebieten
Blauwale kommen im Atlantik, Pazifik, Indischen Ozean und im Südlichen Ozean vor. Das zentrale Nordpolarmeer gehört nicht zu ihrem regulären Verbreitungsgebiet. Häufig halten sie sich weit draußen auf See auf, können an geeigneten Futterplätzen aber auch näher an die Küste kommen.
Viele Populationen wechseln im Jahresverlauf zwischen verschiedenen Meeresregionen. Das einfache Schema „Sommer kalt, Winter warm“ passt jedoch nicht auf alle Tiere. Manche bleiben länger in einer Region, und zahlreiche Wanderrouten sind noch unvollständig bekannt.
Nordsee und Ostsee sind keine typischen Blauwalreviere. Eine Schlagzeile über einen Wal vor einer deutschen Küste bedeutet deshalb nicht automatisch, dass dort ein Blauwal schwimmt. Für die Bestimmung zählen Körperform, Flossen und weitere Merkmale.
Blauwale werden oft allein oder zu zweit beobachtet. Wo viel Krill vorkommt, können sich mehrere Tiere versammeln. Ein voller Speisesaal ist allerdings noch kein dauerhaft zusammenlebender Familienverband.
Ein Blauwalbaby startet bereits mit mehreren Tonnen
Nach ungefähr zehn bis zwölf Monaten Tragzeit bringt ein Weibchen normalerweise ein einzelnes Kalb zur Welt. Das Jungtier ist bereits etwa sechs bis sieben Meter lang und wiegt ungefähr zwei bis drei Tonnen. „Klein“ meint hier wirklich nur „kleiner als die Mutter“.
In den ersten Lebensmonaten trinkt es sehr gehaltvolle Muttermilch und wächst schnell. Nach rund einem halben Jahr beginnt die Entwöhnung. Zwischen zwei Geburten liegen meist etwa zwei bis drei Jahre.
Diese langsame Fortpflanzung erklärt mit, warum sich dezimierte Bestände nicht innerhalb weniger Jahre erholen. Eine lange Lebensdauer hilft der Art nur dann, wenn die Tiere auch lange genug überleben und Nachwuchs großziehen können.

Blauwale sind trotz ihrer Größe stark gefährdet
Der industrielle Walfang hat die Bestände im vergangenen Jahrhundert massiv verkleinert. Häufig genannte Schätzungen liegen bei weltweit etwa 10.000 bis 25.000 Tieren. Das ist eine grobe Größenordnung, keine aktuelle Vollzählung sämtlicher Ozeane. Die Art gilt weltweit als stark gefährdet, der Antarktische Blauwal sogar als vom Aussterben bedroht.
Heute gehören Zusammenstöße mit Schiffen und Verwicklungen in Fischereigerät zu den Gefahren. Hinzu kommen Unterwasserlärm und Veränderungen der Lebensräume. Weil die Tiere auf ergiebige Beuteansammlungen angewiesen sind, können Verschiebungen der Krillvorkommen für sie problematisch werden.
Wer Blauwale beobachtet, sollte deshalb auf Abstand, ruhige Annäherung und genügend Raum für die Tiere achten. Sie zu verfolgen oder Mutter und Kalb zu bedrängen, macht aus einer besonderen Begegnung unnötigen Stress. Für einen guten Blick müssen wir dem größten Tier der Erde nicht auf die Pelle rücken.
FAQ: Häufige Fragen zum Blauwal
Hat ein Blauwal mehrere Herzen?
Nein. Ein Blauwal hat ein Herz mit zwei Vorhöfen und zwei Herzkammern, wie andere Säugetiere auch. Die Behauptung, er besitze zehn Herzen, ist falsch. Seine enorme Körpergröße wird von einem einzigen entsprechend großen Kreislauforgan versorgt.
Wie schnell schwimmt ein Blauwal?
Beim ruhigen Schwimmen sind Blauwale wesentlich langsamer als bei kurzen Sprints. Häufig werden ungefähr acht Kilometer pro Stunde als Reise- und Suchtempo genannt. Kurzzeitig können sie über 30 Kilometer pro Stunde erreichen. Das ist keine Geschwindigkeit, die sie dauerhaft halten.
Wie lässt sich das Alter eines Blauwals bestimmen?
Bei toten Tieren lassen sich unter anderem die Schichten im Ohrpfropf untersuchen. Dieses wachsartige Material lagert sich im Lauf des Lebens schichtweise ab. Forschende können daraus das Alter abschätzen. Bei lebenden, wiedererkannten Tieren helfen außerdem langjährige Beobachtungen.
Haben Blauwale natürliche Feinde?
Ja. Orcas können Blauwale angreifen, besonders Kälber und kleinere Tiere. Die enorme Größe schützt einen Blauwal vor vielen Angreifern, macht ihn aber nicht unverwundbar. Welche Beute Orcas jagen, hängt stark von der jeweiligen Population ab.
Den Blauwal weiterentdecken: drei Ideen für zu Hause und unterwegs
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