Pottwal: Größe, Nahrung und das Leben in der Tiefsee

Der Pottwal ist der größte Zahnwal der Welt: ein tonnenschwerer Meeressäuger mit kantigem Kopf, erstaunlichem Orientierungssinn und einem ausgeprägten Familienleben. Zur Nahrungssuche verschwindet er für lange Zeit in der Tiefe. Dort jagt er vor allem Tintenfische, während oben längst wieder Ruhe auf dem Wasser herrscht. Doch wie groß wird ein Pottwal wirklich, wie tief taucht er und was steckt hinter den Geschichten über Riesenkalmare, laute Klicks und schlafende Wale? Dieser Meeresriese hat auch ohne Seemannsgarn einiges zu bieten.

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Der Pottwal im Steckbrief

MerkmalDas Wichtigste
Wissenschaftlicher NamePhyseter macrocephalus
TiergruppeSäugetiere, Zahnwale
GrößeMännchen im Mittel etwa 16 Meter, Weibchen etwa 11 Meter
GewichtAusgewachsene Männchen als grobe Orientierung etwa 45 Tonnen, Weibchen etwa 15 Tonnen
AlterEtwa 60 bis 70 Jahre möglich
NahrungVor allem Tintenfische, außerdem Fische
LebensraumTiefe Meeresgebiete in fast allen Ozeanen
TauchenHäufig mehrere Hundert Meter tief und rund 45 Minuten lang
BesonderheitenGrößter Zahnwal, riesiger Kopf, Echoortung und enge soziale Bindungen

Die Zahlen sind Orientierungswerte. Geschlecht, Alter und Herkunft machen einen erheblichen Unterschied. Ein Jungtier ist schließlich auch dann noch kein ausgewachsener Bulle, wenn es schon ziemlich viel Wal mitbringt.

Beim Entdecken mit Kindern helfen bebilderte Erklärungen über Wale zum Aufklappen*, Körperbau und Größenunterschiede anschaulich zu vergleichen. Ein vorhandenes Tierbuch oder ein Exemplar aus der Bücherei tut es natürlich ebenfalls.

Bei Größe und Gewicht unterscheiden sich Pottwal-Männchen und Weibchen deutlich

Ein erwachsenes Pottwal-Männchen ist wesentlich größer und schwerer als ein Weibchen. Große Bullen können etwa 18 Meter oder mehr erreichen. Für außergewöhnlich große Tiere werden knapp 20 Meter und rund 57 Tonnen angegeben. Das sind obere Größenordnungen, keine Maße, die jeder Pottwal irgendwann erreicht.

Schon ein rund 16 Meter langer Bulle übertrifft einen üblichen zwölf Meter langen Stadtbus. Sein Gewicht verteilt sich allerdings auf einen kräftigen, nach hinten schmaler werdenden Körper. Den größten Eindruck macht der Kopf, der ungefähr ein Drittel der Körperlänge ausmachen kann.

Der Pottwal ist der größte Zahnwal, aber nicht der größte Wal überhaupt. Der Blauwal wird deutlich größer und gehört zu den Bartenwalen. Auch der Buckelwal ist ein Bartenwal und damit eine andere Walart mit einer anderen Ernährungsweise.

Als größtes bezahntes Raubtier wird der Pottwal ebenfalls häufig bezeichnet. Der größere Blauwal ernährt sich zwar auch von Tieren, filtert seine Beute aber mit Barten aus dem Wasser.

Kopf, Zähne und Blas machen den Pottwal unverwechselbar

Von der Seite wirkt der Kopf lang und fast rechteckig. Darunter sitzt ein überraschend schmaler Unterkiefer. Hinzu kommen kurze Brustflossen, eine breite Schwanzflosse und ein niedriger Rückenbuckel mit weiteren kleinen Höckern dahinter. Die Haut ist meist grau bis bräunlich und häufig deutlich faltig.

Ein hilfreiches Erkennungsmerkmal auf See ist der schräg nach links vorn gerichtete Blas. Das einzige Blasloch liegt vorn auf der linken Kopfseite. Beim Ausatmen entsteht die sichtbare Wolke aus Atemluft, kondensierender Feuchtigkeit und mitgerissenen Wassertröpfchen. Der Wal spritzt dabei kein Wasser aus seiner Lunge.

Die großen Zähne sitzen im Unterkiefer

Pottwale besitzen gewöhnlich 20 bis 26 große Zähne auf jeder Seite des Unterkiefers, zusammen also etwa 40 bis 52. Beim geschlossenen Maul passen sie in Vertiefungen des Oberkiefers. Dort angelegte Zähne bleiben normalerweise im Zahnfleisch verborgen.

Ein Mahlwerk wie unsere Backenzähne ist dieses Gebiss nicht. Pottwale verschlucken ihre Beute weitgehend unzerkaut und können sie auch einsaugen.

Im Kopf steckt mehr als ein großes Gehirn

Der Pottwal besitzt das schwerste Gehirn heutiger Tiere. Daraus lässt sich allerdings keine Rangliste nach dem Motto „meiste Kilos, höchste Intelligenz“ ableiten.

Viel Platz beansprucht außerdem der Schallapparat. Dazu gehört das Spermaceti-Organ mit einer öl- beziehungsweise wachsartigen Substanz, dem Walrat. Diese Strukturen helfen, die Klicklaute des Wals zu formen und zu bündeln. Der riesige Kopf ist somit auch ein hoch spezialisiertes akustisches Werkzeug.

Pottwale tauchen zur Nahrungssuche Hunderte Meter tief

Typische Jagdtauchgänge führen Pottwale in mehrere Hundert Meter Tiefe, häufig ungefähr 300 bis 800 Meter. Sie können dabei rund 45 Minuten unter Wasser bleiben. Je nach Tier, Region und Beute fallen die Tauchgänge unterschiedlich aus.

Auch Tiefen um 2.000 Meter und Tauchzeiten von mehr als einer Stunde sind möglich. Solche Extremleistungen sind nicht mit gewöhnlichen Jagdtauchgängen gleichzusetzen.

Der Pottwal speichert viel Sauerstoff in Blut und Muskulatur. Während des Tauchens passt er außerdem seinen Kreislauf an. Er lebt dabei von seinen Vorräten, denn als Säugetier muss er zum Atmen an die Oberfläche zurückkehren.

Der Titel „tiefster Taucher unter allen Säugetieren“ gehört ihm übrigens nicht. Bei Schnabelwalen wurden noch extremere Tauchleistungen gemessen. Beeindruckend bleibt ein Pottwal trotzdem. Er braucht keinen Pokal, um in völliger Dunkelheit sein Abendessen zu finden.

Ein Pottwal taucht in dunkleres Wasser hinab, begleitet vom gelben Question-King-Fragezeichen.

Die Nahrung des Pottwals besteht vor allem aus Tintenfischen

Auf dem Speiseplan stehen zahlreiche Tintenfischarten und je nach Lebensraum auch Fische. Welche Beute besonders wichtig ist, unterscheidet sich zwischen Regionen und Tiergruppen. Der berühmte Riesenkalmar ist daher nicht automatisch die tägliche Standardportion.

Das zeigt eine Untersuchung gestrandeter Pottwale durch GEOMAR: Unter den untersuchten Kalmarresten aus den Mägen der 2016 an deutschen Nordseeküsten gestrandeten Tiere stammten mehr als 95 Prozent vom Nordischen Köderkalmar. Das Ergebnis beschreibt diese untersuchten Tiere, nicht den Speiseplan sämtlicher Pottwale weltweit.

Der Riesenkalmar ist Beute und kein gleich schwerer Gegner

Dass Pottwale auch Riesenkalmare fressen, belegen Überreste in ihren Mägen. Narben von Saugnäpfen zeigen, dass sich Kalmare zur Wehr setzen können. Das bekannte Bild vom gleich starken Duell zweier Meeresmonster führt trotzdem in die Irre.

Ein großer Kalmar erreicht durch seine langen Fangtentakel eine beachtliche Gesamtlänge. Ein ausgewachsener Pottwal bringt jedoch ein Vielfaches seiner Körpermasse auf die Waage. Über den genauen Ablauf solcher Begegnungen in der Tiefe wissen wir weiterhin wenig. Dramatische Zeichnungen sind keine Unterwasservideos.

Klicklaute helfen bei der Jagd und beim Zusammenleben

In der Tiefe ist Sehen nur begrenzt hilfreich. Ein Tiefsee-Anglerfisch lockt Beute mit einem Leuchtorgan an. Der Pottwal nutzt dagegen Schall: Er sendet Klicks aus und wertet die zurückkehrenden Echos aus. Damit kann er Beute auch in dunklem Wasser aufspüren.

Diese Echoortung ist vom sozialen Austausch zu unterscheiden. Zur Verständigung verwenden Pottwale unter anderem kurze, rhythmische Klickfolgen, die Codas heißen. Verschiedene soziale Verbände besitzen unterschiedliche Muster. Auch beim Beluga-Wal spielen Laute sowohl für die Orientierung als auch für Kontakte zu Artgenossen eine wichtige Rolle.

Forschende untersuchen bei Pottwalen beispielsweise das Tempo, den Rhythmus und zusätzliche Klicks innerhalb solcher Folgen. Die Kommunikation ist komplexer als ein immer gleiches Knacken. Ein Wörterbuch, mit dem sich Walgespräche zuverlässig ins Deutsche übersetzen lassen, haben wir deshalb noch lange nicht.

Lautstärkeangaben brauchen einen passenden Maßstab

Pottwalklicks gehören zu den stärksten bekannten tierischen Schallsignalen. Im Internet kursieren dazu hohe Dezibelzahlen und Vergleiche mit Düsenflugzeugen. Das Problem: Dezibelwerte unter Wasser und in Luft sind nicht direkt vergleichbar, weil unterschiedliche Bezugsgrößen verwendet werden.

Außerdem sind Abstand, Richtung und Messmethode entscheidend. Eine Zahl allein beweist deshalb weder, dass ein Pottwal Menschen mit einem Klick tötet, noch dass jede Begegnung ungefährlich wäre. Die verbreitete Geschichte von der gezielt eingesetzten tödlichen „Schallkanone“ ist keine gesicherte Beschreibung seines Jagdverhaltens.

Pottwal-Weibchen ziehen ihre Jungen im Familienverband auf

Weibchen und Jungtiere leben meist in länger bestehenden sozialen Gruppen. Sie halten Kontakt, berühren einander und können sich bei der Betreuung der Kälber unterstützen. Junge Männchen verlassen diese Verbände später. Große Bullen sind häufiger allein unterwegs und ziehen auch in kühlere Gewässer.

Nach ungefähr 14 bis 16 Monaten Tragzeit kommt normalerweise ein einzelnes Kalb zur Welt. Es ist bereits etwa vier Meter lang und wird mehrere Jahre gesäugt. Zwischen zwei Geburten liegen oft fünf bis sieben Jahre. Pottwale können Verluste deshalb nicht innerhalb kurzer Zeit durch viel Nachwuchs ausgleichen.

Die Gruppe ist auch ein Schutzraum. Orcas können Pottwale angreifen, wobei Kälber und kleinere Tiere besonders gefährdet sind. Erwachsene Pottwale können sich schützend zusammenschließen. Wer bei „Pottwal gegen Orca“ nur die Körperlänge vergleicht, übersieht deshalb sowohl den Nachwuchs als auch die gemeinsame Jagd mehrerer Angreifer.

Illustration einer Pottwal-Mutter mit ihrem Kalb und dem gelben Question-King-Fragezeichen.

Schlafende Pottwale können senkrecht im Wasser stehen

Manche Aufnahmen sehen aus, als hätte jemand riesige graue Baumstämme im Meer aufgestellt. Tatsächlich wurden Pottwale beobachtet, die nahe der Oberfläche nahezu bewegungslos und oft mit dem Kopf nach oben im Wasser trieben.

Messgeräte und Verhaltensbeobachtungen sprechen dafür, dass solche kurzen Ruhephasen dem Schlaf dienen. Dabei zeigten die Tiere zeitweise nur geringe Reaktionen auf ihre Umgebung. Die senkrechte Haltung ist also kein Beweis für Krankheit oder eine bevorstehende Strandung.

Ob bei diesen Ruhephasen beide Gehirnhälften schlafen, lässt sich aus der Körperhaltung allein nicht erkennen. Auch ein fester täglicher Schlafplan für alle Pottwale lässt sich aus einzelnen Beobachtungen nicht ableiten.

Der Lebensraum des Pottwals liegt im tiefen Meer

Pottwale kommen in weiten Teilen der Weltmeere vor, auch im Mittelmeer. Besonders geeignet sind tiefe Gewässer mit ausreichend Beute, etwa an Kontinentalhängen und unterseeischen Schluchten. Weibchen mit Jungtieren halten sich überwiegend in wärmeren Breiten auf, während Männchen weiter in kalte Meeresregionen ziehen.

Die südliche Nordsee und die Ostsee sind keine typischen Lebensräume des Pottwals. Gerade flache Küstengewässer können für einen auf tiefe Jagdgebiete spezialisierten Wal problematisch werden.

Für Pottwal-Strandungen gibt es nicht die eine Erklärung

Geraten Tiere in ungeeignete flache Gebiete, können Orientierung, Gezeiten, Küstenform und fehlende Nahrung zusammenwirken. Hinzu kommen je nach Fall Krankheiten oder andere Belastungen. Die Ursache einer konkreten Strandung lässt sich erst durch Untersuchungen eingrenzen.

Bei den Nordsee-Strandungen von 2016 wurde kein einzelner Auslöser gefunden. Die Forschenden hielten ein Zusammenwirken verschiedener Umweltfaktoren für wahrscheinlich. „Das war bestimmt ein Schiffssonar“ wäre ohne passende Belege ebenso voreilig wie jede andere pauschale Erklärung.

Wer einen gestrandeten Wal entdeckt, sollte Abstand halten und die zuständige Küstenwache, Polizei oder das regionale Strandungsnetzwerk verständigen. Ein großes Tier eigenständig zurückzuschieben oder ins Wasser zu ziehen, kann Mensch und Wal zusätzlich gefährden.

Pottwale brauchen Schutz und respektvollen Abstand

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gilt der Pottwal weltweit als gefährdet. Der frühere kommerzielle Walfang hat die Bestände stark beeinträchtigt. Heute gehören Verwicklungen in Fischereigerät, Zusammenstöße mit Schiffen, Unterwasserlärm und Verschmutzung zu den Gefahren.

Wer Pottwale beobachten möchte, sollte auf Anbieter achten, die Abstand halten, Tiere nicht verfolgen und Mutter-Kalb-Gruppen nicht bedrängen. Eine Sichtung lässt sich bei frei lebenden Walen nicht garantieren. Ein verantwortungsvoller Ausflug darf deshalb auch einmal ohne Wal enden.

Für Menschen sind Pottwale keine typischen Fressfeinde. Das macht sie aber nicht zu Tieren für eine spontane Schwimmrunde mit Körperkontakt. Schon eine unabsichtliche Bewegung eines tonnenschweren Wals kann gefährlich werden. Aus sicherem Abstand bleibt die Begegnung für beide Seiten entspannter.

Schwanzflosse eines abtauchenden Pottwals über dem Meer neben dem gelben Question-King-Fragezeichen.

FAQ: Häufige Fragen zum Pottwal

Warum heißt der Pottwal auf Englisch „sperm whale“?

Der Name geht auf den Walrat im Kopf zurück. Frühere Walfänger hielten die helle Substanz irrtümlich für Samenflüssigkeit. Tatsächlich gehört sie zum spezialisierten Schallapparat. Die englische Bezeichnung beschreibt also einen historischen Irrtum und sagt nichts über eine angeblich riesige Spermamenge aus.

Welcher Duftstoff stammt vom Pottwal?

Gemeint ist Ambra, auch Ambergris genannt. Die seltene, wachsartige Masse entsteht im Darm mancher Pottwale und wurde in der Parfümherstellung verwendet. Sie ist nicht dasselbe wie Walrat aus dem Kopf. Die verbreitete Bezeichnung „Walkotze“ führt deshalb in die Irre.

Warum können tote Pottwale aufplatzen?

Bei der Verwesung entstehen Gase, die den Kadaver aufblähen können. Entweichen sie plötzlich, kann das Gewebe aufreißen. Ein toter Wal ist deshalb kein geeigneter Ort für ein Foto aus nächster Nähe. Absperrungen und Anweisungen der Einsatzkräfte gelten auch dann, wenn das Tier reglos wirkt.

Ist Moby Dick ein Pottwal?

Ja. Der weiße Wal in Herman Melvilles Roman „Moby-Dick“ ist ein Pottwal. Er ist allerdings eine literarische Figur. Der Roman erzählt von Walfang und menschlicher Besessenheit, nicht vom üblichen Verhalten eines Pottwals gegenüber Menschen.

Pottwale weiterentdecken: drei Leseideen

Falls aus einer Walfrage gleich zehn neue geworden sind, kannst du hier weiterlesen. Die Bücher richten sich an unterschiedliche Interessen. Du brauchst natürlich nicht alle drei, und Ausleihen in der Bibliothek ist genauso eine Möglichkeit.

FÜR KINDER AB 4 JAHREN

Walwissen zum Aufklappen

Bilder, Klappen und kurze Erklärungen machen die Lebensweise verschiedener Wale anschaulich. Das passt zum gemeinsamen Entdecken, wenn Kinder wissen möchten, was ein Pottwal frisst oder wie Walbabys aufwachsen.

Das Walbuch mit Klappen ansehen*

ZUM VERTIEFEN UND VERGLEICHEN

Walarten unterscheiden

Ein Bestimmungsbuch hilft dir, Körperformen, Verhalten und Verbreitungsgebiete verschiedener Walarten zu vergleichen. Die Artporträts mit Fotos und Zeichnungen sind auch interessant, wenn du eine Walbeobachtung vorbereitest.

Im Wal-Bestimmungsbuch stöbern*

FÜR LITERATURFANS

Den weißen Wal kennenlernen

Wenn dich interessiert, wie ein Pottwal zur berühmten Romanfigur wurde, führt die Lesereise zu Kapitän Ahab und Moby Dick. Der Klassiker erzählt von Walfang und Besessenheit und ist ausdrücklich Literatur, kein moderner Naturführer.

Den Roman „Moby Dick“ ansehen*

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