Der Feldhase ist ein Tarnkünstler mit eingebautem Sprintmodus. Eben liegt er noch unsichtbar zwischen Gras und Erdklumpen, im nächsten Moment rast er übers Feld. Trotzdem ist er kein großes Wildkaninchen: Er wohnt anders, zieht seinen Nachwuchs anders auf und bleibt auch im Winter aktiv. Hier erfährst du, woran du einen Feldhasen erkennst, was es mit der Sasse auf sich hat und warum ein allein liegendes Hasenbaby meistens keine Rettungsaktion braucht.
Der Feldhase im Steckbrief
| Merkmal | Feldhase |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Lepus europaeus |
| Tiergruppe | Hasentiere, Familie der Hasen |
| Kopf-Rumpf-Länge | Etwa 42–68 cm, ohne Schwanz |
| Gewicht | Etwa 2,5–6,5 kg, oft ungefähr 4–5 kg |
| Typische Merkmale | Lange Ohren mit schwarzen Spitzen, lange Hinterbeine, braunes Tarnfell |
| Ruheplatz | Sasse: flache Mulde an der Erdoberfläche |
| Nahrung | Gräser, Kräuter und andere Pflanzenteile |
| Nachwuchs | Mehrere Würfe pro Jahr, Jungen kommen behaart und mit offenen Augen zur Welt |
| Winter | Aktiv, kein Winterschlaf |
| Rote Liste Deutschland | Gefährdet, Kategorie 3 |
Größe und Gewicht schwanken unter anderem mit Alter und Herkunft. Ein kleiner Feldhase muss deshalb kein Kaninchen sein. Für die Bestimmung sind mehrere Merkmale zusammen deutlich hilfreicher.
Wie sieht ein Feldhase aus?
Ein ausgewachsener Feldhase wirkt langbeinig und gestreckt. Besonders auffällig sind die langen Hinterläufe und die beweglichen Ohren, oft „Löffel“ genannt. Ihre schwarzen Spitzen helfen beim Erkennen. Das Fell zeigt unterschiedliche Braun-, Grau- und Gelbtöne, der Bauch ist hell. Der kurze Schwanz ist oben dunkel und unten weiß.
Im Gras funktioniert dieses Farbgemisch hervorragend als Tarnung. Ein ruhender Hase legt die Ohren an und drückt sich flach an den Boden. Damit verschwinden ausgerechnet die Merkmale, die auf einem aufmerksamen Hasen so auffällig wirken. Aufgerichtet sieht er aus wie ein Tier mit Empfangsantennen, zusammengekauert eher wie ein unauffälliger Erdklumpen.
Seine seitlich sitzenden Augen verschaffen ihm ein sehr großes Blickfeld. Die drehbaren Ohren helfen, Geräusche und ihre Richtung wahrzunehmen. Das ist für ein Tier nützlich, das Gefahren rechtzeitig erkennen muss und häufig auf Flucht statt auf Gegenwehr setzt.
Feldhase oder Wildkaninchen: Die wichtigsten Unterschiede
Beide gehören zu den Hasentieren, sind aber unterschiedliche Arten und sogar unterschiedliche Gattungen. Ein Hauskaninchen ist die domestizierte Form des Wildkaninchens, kein zahmer Feldhase.
| Merkmal | Feldhase | Wildkaninchen |
|---|---|---|
| Körper | Größer, gestreckt, lange Hinterbeine | Kleiner und kompakter, kürzere Hinterbeine |
| Ohren | Sehr lang, auffällige schwarze Spitzen | Kürzer und ohne die charakteristischen schwarzen Spitzen |
| Wohnplatz | Oberirdische Sasse | Unterirdischer Bau |
| Zusammenleben | Überwiegend einzeln, zeitweise mehrere Tiere zusammen | Gesellige Kolonien |
| Neugeborene | Behaart, Augen offen, beweglich | Nackt und blind, zunächst im Nest im Bau |
Am besten prüfst du Körperform, Ohren und Verhalten gemeinsam. „Er sitzt auf einer Wiese“ genügt nicht, denn dort können beide Arten vorkommen. Umgekehrt ist ein Hase in einem Stadtpark nicht automatisch ein Kaninchen.
Ein Geweih gehört übrigens zu keiner der beiden Arten. Solche Zusatzteile führen eher zum erfundenen Jackalope. Für einen echten Feldhasen bleiben lange Ohren und kräftige Beine die bessere Erkennungshilfe.

Wo lebt der Feldhase und was ist eine Sasse?
Der Feldhase stammt aus offenen Landschaften und lebt heute häufig in unserer Feldflur. Besonders geeignet sind abwechslungsreiche Äcker und Wiesen mit Säumen, Brachen, Deckung und verschiedenen Nahrungspflanzen. Auch lichte Wälder, Stadtränder, Parks und andere Grünflächen können besiedelt werden.
Sein Ruheplatz ist die Sasse, eine flache Mulde an der Erdoberfläche. Sie kann zwischen Ackerfurchen, im Gras oder an einem geschützten Rand liegen. Der Hase ruht darin mit angelegten Ohren und verlässt sich auf sein Tarnfell. Ein unterirdischer Bau gehört nicht zu seinem normalen Wohnprogramm.
Meist ist er in der Dämmerung und nachts aktiv. Zur Fortpflanzungszeit kann er jedoch auch tagsüber auffallen. Mehrere Hasen auf einer Fläche bedeuten deshalb nicht, dass dort eine Kaninchenkolonie lebt. Nahrung und Paarungsaktivität können Tiere am selben Ort zusammenbringen.
Siehst du einen Hasen regungslos am Boden, gehe weiter mit Abstand. Stillhalten ist ein normales Schutzverhalten. Du solltest es nicht als Aufforderung verstehen, die Tarnung aus der Nähe zu testen.
Was frisst ein Feldhase?
Der Feldhase ist ein Pflanzenfresser. Gräser und Wildkräuter bilden einen wichtigen Teil seiner Nahrung. Dazu kommen je nach Jahreszeit Feldfrüchte, Blätter, Knospen und Triebe. Im Winter kann er auch an Rinde und jungen Zweigen knabbern.
Eine abwechslungsreiche Landschaft bietet ihm mehr als eine große Fläche mit nur einer Pflanzenart. Säume und Brachflächen können zugleich Nahrung und Deckung liefern. Beides muss über das Jahr verfügbar sein, auch nach einer Ernte.
Beim Verdauen nutzt der Hase einen besonderen Umweg: Er nimmt weiche, nährstoffreiche Ausscheidungen aus dem Blinddarm erneut auf. Das wird Caecotrophie genannt und hilft, wertvolle Stoffe aus der Pflanzenkost zu verwerten. Es geht dabei um besondere Blinddarmausscheidungen, nicht darum, wahllos jedes Kotkügelchen zu fressen.
Für einen freilebenden Feldhasen ist daher ein geeigneter Lebensraum wichtiger als eine von uns zusammengestellte Futterschale. Süßigkeiten und Reste vom Picknick gehören selbstverständlich nicht ins Hasenmenü.
Wie schnell ist ein Feldhase?
Für kurze Fluchten werden in naturkundlichen Steckbriefen Spitzengeschwindigkeiten von ungefähr 70 bis 80 km/h genannt. Solche Angaben beschreiben den Sprint, kein Tempo, das jeder Hase längere Zeit durchhält. Die kräftigen Hinterbeine sorgen für den nötigen Schub.
Geschwindigkeit allein ist aber nicht sein einziger Trick. Bei Gefahr verlässt sich der Feldhase zunächst häufig auf Tarnung und bleibt liegen. Erst wenn es nötig wird, springt er auf und flieht. Abrupte Richtungswechsel, das bekannte Hakenschlagen, erschweren einem Verfolger die Jagd.
Das schnelle Losrennen wirkt für Menschen manchmal überraschend. Der Hase hat deine Annäherung aber möglicherweise längst bemerkt und nur gehofft, unentdeckt zu bleiben. Deshalb solltest du einem ruhenden Tier Raum geben, statt es absichtlich zum Sprint zu bringen.
Hasenhochzeit: Warum Feldhasen im Frühjahr boxen
Während der Fortpflanzungszeit werden die sonst unauffälligen Tiere deutlich lebhafter. Sie verfolgen sich über die Felder, richten sich auf und schlagen mit den Vorderpfoten. Beim Hasenboxen können Rivalen aneinandergeraten, aber auch Häsinnen aufdringliche Männchen abwehren. Das Bild vom stets kämpfenden Männerduo erklärt also nicht jede Szene.
Die Tragzeit beträgt ungefähr sechs Wochen. Eine Häsin kann mehrere Würfe im Jahr bekommen, häufig drei bis vier. Pro Wurf kommen meist nur wenige Junge zur Welt. Die Fortpflanzung erstreckt sich über einen langen Teil des Jahres und ist nicht auf ein paar Ostertage beschränkt.
Dass Feldhasen gerade im Frühjahr so auffällig werden, passt gut zu ihrer späteren Karriere als Osterhase. Zoologisch endet die Zuständigkeit allerdings bei der Aufzucht junger Hasen. Für Eier sind andere Tiere zuständig.
Die Jungen sind Nestflüchter: Sie haben bereits Fell und offene Augen. Dennoch sind sie keineswegs sofort selbstständig. Ihre Mutter säugt sie und hält sich zwischen den kurzen Besuchen meist von ihnen fern. So wird aus einem vermeintlich verlassenen Hasenkind schnell ein Tier mit einem ganz normalen Tagesablauf.

Jungen Feldhasen gefunden: Wann braucht er Hilfe?
Ein allein liegender Junghase ist meist kein Notfall. Gesund wirkende Jungtiere, die sich ruhig ducken, lässt du an ihrem Fundort. Entferne dich, halte einen Hund fern und gib der Mutter die Möglichkeit, ungestört zurückzukehren.
Fachhilfe ist nötig, wenn ein Tier offensichtlich verletzt ist, von Hund oder Katze gebracht wurde, krank wirkt oder in unmittelbarer Gefahr sitzt. Auch wenn die Mutter nachweislich tot in direkter Nähe liegt, sollte eine fachkundige Stelle den Fall einschätzen. Eine kurze Beobachtung ohne sichtbare Mutter beweist dagegen keine Verwaisung.
Kontaktiere eine Wildtierstation, einen örtlichen Tierschutzverein oder eine tierärztliche Praxis und beschreibe Fundort und Zustand. Der Deutsche Tierschutzbund erklärt den Umgang mit Wildtierfunden und nennt geeignete Ansprechpartner. Bei Feldhasen sollte auch die örtlich zuständige Jagdverantwortung einbezogen werden. Wenn du sie nicht erreichst oder nicht kennst, kann die Polizei den Kontakt vermitteln.
Versuche keine Aufzucht auf eigene Faust und gib ohne fachliche Anweisung weder Milch noch andere Nahrung oder Flüssigkeit. Gut gemeinte Hilfe ist bei einem Wildtier erst dann hilfreich, wenn sie zu dessen tatsächlichem Bedarf passt.
Was macht der Feldhase im Winter?
Der Feldhase hält keinen Winterschlaf. Er bleibt aktiv, sucht Nahrung und ruht weiter in oberirdischen Sassen. Sein Winterfell wirkt häufig grauer und etwas heller, wird aber normalerweise nicht schneeweiß. Ein weißes Winterkleid gehört eher zu anderen Hasenarten wie dem Schneehasen.
Der Hase kann sich in einer geschützten Mulde sogar einschneien lassen. Das bedeutet nicht, dass er dort einen monatelangen Winterschlaf beginnt. Zum Fressen muss er weiterhin hinaus.
Auch die Winterruhe des Eichhörnchens lässt sich nicht einfach auf den Feldhasen übertragen. Ähnlich große Tiere können sehr unterschiedliche Strategien für die kalte Jahreszeit haben.
Ist der Feldhase bedroht?
In der deutschen Roten Liste der Säugetiere von 2020 wird der Feldhase als „gefährdet“ geführt. Geeignete Lebensräume sind vielerorts verloren gegangen. Weniger Brachen, Säume und abwechslungsreiche Pflanzenbestände bedeuten weniger Nahrung und Verstecke. Hinzu kommen Straßenverkehr, landwirtschaftliche Arbeiten und Wetterrisiken für den Nachwuchs.
Die Entwicklung ist trotzdem nicht überall gleich. Der Deutsche Jagdverband veröffentlichte im März 2026 vorläufige Ergebnisse der Zählungen aus dem Frühjahr 2025: durchschnittlich 19 Feldhasen pro Quadratkilometer Feld und Wiese, wie in den beiden Vorjahren. Grundlage waren mehr als 400 Referenzgebiete, es ist keine vollständige Zählung aller Hasen in Deutschland.
Ein stabiler jüngerer Monitoringwert hebt die längerfristige Gefährdungseinstufung nicht automatisch auf. Regionale Bestände können sich außerdem ganz unterschiedlich entwickeln. Für den Schutz bleibt eine vielfältige, gut vernetzte Feldlandschaft entscheidend.
Du kannst dazu beitragen, indem du Tiere nicht aufscheuchst und Hunde bei Wildtierbegegnungen sicher bei dir hältst. Im eigenen Garten sind weniger häufig gemähte Bereiche und heimische Blütenpflanzen eine sinnvolle Ergänzung für die Natur. Ein paar Stauden ersetzen jedoch keine zusammenhängende Feldflur für Hasen.
FAQ: Häufige Fragen zum Feldhasen
Ist der Feldhase ein Nagetier?
Nein. Er gehört zur Ordnung der Hasentiere. Auch Kaninchen zählen zu dieser Gruppe, obwohl beide im Alltag häufig zusammen mit Nagetieren genannt werden.
Gräbt der Feldhase einen Bau?
Normalerweise nicht. Er ruht in einer Sasse an der Erdoberfläche. Unterirdische Baue sind typisch für Wildkaninchen.
Wie alt wird ein Feldhase?
Einzelne Tiere können bis zu etwa zwölf Jahre alt werden. Viele erreichen dieses Alter nicht. Erwachsene Tiere leben häufig nur einige Jahre, und besonders für Jungtiere ist das erste Lebensjahr riskant.
Wie heißt ein weiblicher Feldhase?
Das Weibchen heißt Häsin, das Männchen wird Rammler genannt. Ihre äußeren Unterschiede sind viel weniger auffällig als bei zahlreichen Vogelarten.
Kann man einen Feldhasen als Haustier halten?
Ein Feldhase ist ein Wildtier und kein Hauskaninchen. Seine Bedürfnisse und sein Fluchtverhalten passen nicht zur üblichen Heimtierhaltung. Gefundene hilfsbedürftige Tiere gehören in fachkundige Hände.
Für Feldhasenfans: Tierwissen, Wiesenblüten und ein kleiner Spaß
Ein Feldhase gehört in seine Landschaft. Für zu Hause gibt es trotzdem passende Ideen: ein Sachbilderbuch, heimische Wiesenblüten und eine kleine Hasen-Nascherei für Menschen. Alles ist optional, vorhandene Bücher und Wildblumen dürfen selbstverständlich bleiben.
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