Oktopus: Acht Arme, drei Herzen und erstaunlich viel Köpfchen

Ein Oktopus hat acht Arme, drei Herzen und ein Nervensystem, das einen großen Teil seiner Arbeit direkt in den Armen erledigt. Viele Arten können außerdem in Sekunden das Aussehen ihrer Haut verändern. Klingt nach einer ziemlich großzügig ausgestatteten Sonderedition der Natur. Tatsächlich sind Kraken aber vor allem geschickte Jäger, deren Körper hervorragend zu ihrem Leben im Meer passt. Wer genauer hinsieht, entdeckt hinter den berühmten Superlativen etwas noch Spannenderes: ein Tier, das seine Umwelt ganz anders wahrnimmt als wir.

Was ist ein Oktopus? Ein Krake, kein Fisch

Oktopusse gehören zu den Kraken und damit zu den Kopffüßern. Kopffüßer zählen zu den Weichtieren, genauso wie Schnecken und Muscheln. Die Verwandtschaft sieht man ihnen nicht unbedingt an. Ein beweglicher Krake auf Nahrungssuche hat mit einer gemütlich festgewachsenen Muschel schließlich wenig Ähnlichkeit.

Im Alltag wird „Oktopus“ meist als anderes Wort für Krake benutzt. Octopus ist außerdem der wissenschaftliche Name einer bestimmten Gattung. Nicht jede Krakenart gehört zu dieser Gattung, aber die bekannten Merkmale der achtarmigen Tiere lassen sich auch über diesen engen Namensbereich hinaus erklären.

Zu den Tintenfischen gehören neben Kraken auch Kalmare und Sepien. Ein Riesenkalmar besitzt einen anderen Körperbau und zusätzlich zwei lange Fangtentakel. Oktopus und Kalmar sind also Verwandte, keine austauschbaren Bezeichnungen.

Oktopus-Steckbrief: Die wichtigsten Merkmale

MerkmalEinordnung
TiergruppeKraken, wissenschaftlich Octopoda, innerhalb der Kopffüßer
ArmeAcht, bei einem unverletzten Tier
HerzenDrei, mit unterschiedlichen Aufgaben
KörperWeich, ohne Knochen, mit einem festen Schnabel
LebensraumMeere, je nach Art von Küstengewässern bis in die Tiefsee
NahrungTierische Beute, darunter Krebse, Muscheln und Schnecken
Größe und LebensdauerStark von der Art abhängig

Wie viele Arme hat ein Oktopus?

Ein Oktopus hat acht Arme. Sie sitzen rund um den Mund und sind bei vielen bekannten Arten mit langen Saugnapfreihen besetzt. Zoologisch heißen diese Körperteile Arme. Die Bezeichnung „acht Tentakel“ ist zwar verbreitet, verwischt aber den Unterschied zu den besonderen Fangtentakeln der Kalmare.

Die Arme können sich biegen, verlängern, verkürzen und um Gegenstände wickeln. Knochen und starre Gelenke würden dabei eher stören. Stattdessen arbeiten unterschiedliche Muskelrichtungen zusammen. Das ermöglicht Bewegungen, für die ein menschlicher Ellenbogen schon beim ersten Versuch kündigen würde.

Der große rundliche Teil hinter den Augen ist der Mantel, nicht einfach ein überdimensionierter Kopf. Darin liegen wichtige innere Organe. Der eigentliche Kopfbereich befindet sich zwischen Mantel und Armen.

Verliert ein Krake einen Arm, kann dieser nachwachsen. Trotzdem ist ein fehlender Arm keine praktische Methode zur Vermehrung und auch keine folgenlose Kleinigkeit. Regeneration benötigt Zeit und Energie.

Warum hat ein Oktopus drei Herzen?

Die drei Herzen bilden ein Kreislaufsystem mit verteilten Aufgaben. Zwei Kiemenherzen schicken Blut zu den Kiemen. Dort wird Sauerstoff aufgenommen. Das dritte Herz, das Körperherz, versorgt anschließend den übrigen Körper mit dem sauerstoffreichen Blut.

Der Oktopus hat also keine drei Herzen, weil er besonders romantisch veranlagt wäre. Die Anordnung gehört zur Versorgung seines beweglichen Körpers. Auch andere Kopffüßer besitzen diesen Aufbau.

Ungewöhnlich ist außerdem der Sauerstofftransport. Dafür nutzt das Tier Hämocyanin, einen kupferhaltigen Blutfarbstoff. In sauerstoffbeladenem Zustand wirkt dieser blau. Unser Blut arbeitet dagegen mit dem eisenhaltigen Hämoglobin. „Blaues Blut“ beschreibt beim Oktopus somit echte Biochemie und keinen adeligen Stammbaum.

Hat ein Oktopus wirklich neun Gehirne?

Die beliebte Aussage „Ein Oktopus hat neun Gehirne“ ist eine griffige Vereinfachung. Er besitzt ein Zentralhirn und ausgedehnte Nervensysteme in seinen Armen. Diese sind aber keine acht zusätzlichen Gehirne, die genauso aufgebaut sind und genauso arbeiten wie das zentrale Gehirn.

In den Armen sitzen sehr viele Nervenzellen. Dort können Sinnesinformationen verarbeitet und Bewegungen teilweise vor Ort gesteuert werden. Der Kopf muss also nicht jede einzelne Saugnapfbewegung bis ins letzte Detail organisieren. Das Zentralhirn bleibt an der Koordination des gesamten Tieres beteiligt.

Wie fein diese örtliche Steuerung aufgebaut ist, zeigt eine 2025 veröffentlichte Untersuchung zum Nervensystem der Oktopusarme. Beim Kalifornischen Zweipunkt-Oktopus fanden Forschende eine Gliederung des großen Armnervenstrangs in wiederkehrende Abschnitte. Die Anordnung verbindet die Nerven mit Muskeln und Saugnäpfen und hilft, den äußerst beweglichen Arm präzise zu kontrollieren.

Das macht den Oktopus zu einem faszinierenden Beispiel für verteilte Steuerung. Die Arme erledigen viele Aufgaben parallel und werden zugleich vom Zentralhirn koordiniert. Acht kleine Personen mit eigenen Plänen muss man dafür nicht in die Arme hineininterpretieren.

Nahansicht eines Oktopusarms mit Saugnäpfen beim Erkunden eines Gegenstands neben dem Question-King-Fragezeichen.
Saugnäpfe helfen nicht nur beim Festhalten. Sie liefern auch Informationen über Berührung und chemische Reize.

Ein Oktopus kann mit seinen Saugnäpfen schmecken

Saugnäpfe halten nicht nur Beute und geben Halt auf Felsen. Sie tragen auch Sinneszellen für Berührung und chemische Reize. Ein Krake kann damit erkunden, was er gerade anfasst. Forschende sprechen bei dieser Verbindung von Tasten und chemischer Wahrnehmung auch von „Schmecken durch Berührung“.

In Versuchen mit dem Kalifornischen Zweipunkt-Oktopus wurden entsprechende Rezeptoren an den Saugnäpfen nachgewiesen. Sie reagieren unter anderem auf Stoffe, die sich schlecht in Wasser lösen. Solche Informationen sind beim direkten Kontakt mit einer Oberfläche besonders nützlich.

Stell dir vor, deine Fingerspitzen könnten beim Griff in eine dunkle Schublade zugleich ertasten und chemisch prüfen, was darin liegt. Für einen Oktopus, der Felsspalten untersucht, ist genau diese Kombination hilfreich. Er muss einen Krebs nicht vollständig sehen, bevor er dessen Versteck genauer überprüft.

Wie tarnt sich ein Oktopus?

Viele Kraken können Hautfarbe und Muster sehr schnell verändern. Dazu dienen unter anderem Chromatophoren. Diese kleinen Pigmentorgane werden durch Muskeln vergrößert oder verkleinert, sodass mehr oder weniger Farbe sichtbar wird. Weitere Hautstrukturen beeinflussen, wie Licht zurückgeworfen wird.

Bei der Tarnung geht es deshalb um mehr als einen Farbwechsel. Flecken, Kontraste und die Haltung des Körpers helfen ebenfalls, die eigene Umrisslinie zwischen Steinen oder Algen verschwinden zu lassen.

Hinzu kommen Papillen, kleine bewegliche Hauterhebungen. Der Oktopus kann dadurch glatter oder deutlich unregelmäßiger wirken. Auf einem rauen Felsen ist eine perfekt glatte Oberfläche schließlich verräterischer als eine Haut mit passenden Unebenheiten.

Farbwechsel dienen allerdings nicht ausschließlich dem Verstecken. Sie können auch im Verhalten gegenüber anderen Tieren eine Rolle spielen. Ein bestimmtes Muster lässt sich daher nicht immer wie ein einfaches Schild mit der Aufschrift „entspannt“ oder „wütend“ übersetzen.

Wie intelligent ist ein Oktopus?

Kraken können lernen und Erfahrungen nutzen. In kontrollierten Versuchen lösen sie bestimmte Aufgaben, unterscheiden Reize oder finden Wege zu einer Belohnung. Einige lernen, Behälter zu öffnen. Solche Ergebnisse belegen konkrete Fähigkeiten, aber keinen allgemeinen menschlichen IQ.

Auch Werkzeuggebrauch wurde beobachtet. Der Ader-Oktopus Amphioctopus marginatus sammelt Kokosnussschalen, trägt sie über den Meeresboden und setzt sie später als Schutz zusammen. Diese transportierbaren Kokosnussverstecke sind besonders interessant, weil das Tier die Gegenstände zunächst mühsam mitnimmt, bevor sie ihm als Unterschlupf dienen.

Die Forschung unterscheidet dabei zwischen Beobachtungen, Versuchen und ihrer Interpretation. Ein Krake, der einen Gegenstand untersucht, muss nicht automatisch gelangweilt sein. Ein Tier, das auf verschiedene Menschen unterschiedlich reagiert, besitzt deshalb noch keine menschlichen Vorstellungen von Freundschaft.

Gerade ohne solche Zuschreibungen bleibt genug zum Staunen. Die Entwicklung komplexer Lernfähigkeit hat bei Kraken einen ganz anderen evolutionären Weg genommen als bei uns und anderen Wirbeltieren.

Wo lebt ein Oktopus und wie groß kann er werden?

Kraken kommen in den Weltmeeren vor. Viele bekannte Arten leben am Meeresboden, beispielsweise an Felsriffen, in Seegraswiesen oder auf sandigen Flächen. Spalten und Höhlen bieten Schutz. Andere Arten bewohnen die Tiefsee oder verbringen ihr Leben im freien Wasser.

Eine einzige Größenangabe für „den Oktopus“ wäre deshalb irreführend. Kleine Arten passen auf eine Handfläche. Der Pazifische Riesenkrake Enteroctopus dofleini kann dagegen eine Armspannweite von mehreren Metern erreichen. Er lebt in kühlen Gewässern des Nordpazifiks, unter anderem vor Japan, Alaska und der westlichen Küste Nordamerikas.

Eine ganz andere Erscheinung haben Dumbo-Oktopusse der Gattung Grimpoteuthis. Ihre seitlichen Flossen erinnern an die Ohren des berühmten Zeichentrickelefanten. Diese Tiefseetiere schwimmen mithilfe ihrer Flossen und der Häute zwischen den Armen. Die vertraute Vorstellung vom Kraken auf dem Küstenfelsen deckt also längst nicht die gesamte Gruppe ab.

Auch ein großer Krake ist übrigens kein Koloss-Kalmar. Der gehört zu einer anderen Kopffüßergruppe. Größe allein macht aus acht Armen keine acht Arme plus zwei Fangtentakel.

Getarnter Oktopus mit felsähnlichem Hautmuster auf dem Meeresboden neben dem gelben Question-King-Fragezeichen.
Viele Kraken verändern Muster und Hautstruktur, um auf felsigem Grund weniger aufzufallen.

Was frisst ein Oktopus?

Oktopusse fressen tierische Nahrung. Je nach Art und Lebensraum stehen Krebse, Muscheln, Schnecken, Fische oder andere Meerestiere auf dem Speiseplan. Die Arme erkunden, umgreifen und halten die Beute. Im Zentrum des Armkranzes sitzt der Mund mit einem kräftigen Schnabel.

Harte Schalen sind dabei nicht immer ein unüberwindbares Hindernis. Manche Kraken ziehen sie auseinander oder bearbeiten sie mit Schnabel und Radula, einer raspelartigen Struktur. Beim Pazifischen Riesenkraken ist auch das Bohren kleiner Löcher beschrieben. Sekrete unterstützen das Öffnen und die Überwältigung der Beute.

Vor einem bewohnten Unterschlupf können sich deshalb leere Schalen sammeln. Für Forschende sind solche Reste interessant: Sie verraten etwas darüber, was das Tier gefressen hat, ohne dass jede Mahlzeit direkt beobachtet werden muss.

Wie alt wird ein Oktopus? Fortpflanzung kostet viel Kraft

Viele Arten aus flachen Gewässern leben nur ungefähr ein bis zwei Jahre. Der Pazifische Riesenkrake erreicht typischerweise etwa drei bis fünf Jahre. Eine pauschale Lebensdauer für alle Kraken gibt es jedoch nicht, besonders weil manche Tiefseearten deutlich andere Lebenszyklen haben.

Bei vielen Arten liegt die Fortpflanzungsphase am Ende des Lebens. Das Männchen überträgt Samenpakete mit einem dafür spezialisierten Arm. Weibchen legen Eier und betreuen sie anschließend intensiv. Sie reinigen das Gelege, schützen es und sorgen dafür, dass frisches Wasser darüberströmt.

Beim Pazifischen Riesenkraken hängt das Weibchen die Eier in Strängen in seinem Unterschlupf auf. Während der Brutpflege nimmt es keine Nahrung auf und stirbt gewöhnlich nach dem Schlupf. Auch die Männchen leben nach ihrer letzten Fortpflanzungsphase nicht lange weiter. Sie müssen aber nicht unmittelbar nach einer einzelnen Paarung sterben.

Wie weit die Brutdauer auseinanderliegen kann, zeigt eine Beobachtung aus dem Monterey Canyon. Forschende verfolgten dort ein Weibchen von Graneledone boreopacifica, das seine Eier etwa 53 Monate lang betreute. Das sind mehr als vier Jahre allein für die Brutpflege. Der Fall wurde 2014 veröffentlicht und zeigt, warum die Lebensgeschichte einer Küstenart nicht auf alle Tiefseekraken übertragen werden kann.

Auch die Jungtiere starten unterschiedlich. Bei manchen Arten treiben sie zunächst im Plankton, bei anderen schlüpfen sie bereits als vergleichsweise weit entwickelte Tiere, die am Boden leben können.

Ist ein Oktopus gefährlich?

Viele Kraken versuchen bei einer Begegnung eher, sich zu verstecken oder zu fliehen. Anfassen und bedrängen solltest du sie trotzdem nicht. Ein Schnabel kann beißen, und verschiedene Arten nutzen giftige Sekrete zur Jagd.

Besondere Vorsicht gilt bei Blauringkraken. Ihr Gift kann für Menschen lebensgefährlich sein, obwohl die Tiere klein sind. Die leuchtenden blauen Ringe sind kein Einladungsschild zum näheren Betrachten mit den Händen. Beim Tauchen und Schnorcheln ist Abstand die vernünftige Regel, unabhängig davon, welche Art vor dir sitzt.

FAQ: Häufige Fragen zum Oktopus

Wie lautet die Mehrzahl von Oktopus?

Die deutschen Pluralformen sind „Oktopusse“ und „Oktopoden“. Auch „Kraken“ wird häufig verwendet. Der Name geht auf das Griechische zurück und bedeutet sinngemäß „Achtfuß“, obwohl wir die Körperteile zoologisch Arme nennen.

Kann ein Oktopus schwimmen?

Ja. Viele Kraken können Wasser aus ihrer Mantelhöhle durch einen Trichter ausstoßen und sich damit fortbewegen. Am Boden nutzen sie häufig ihre Arme zum Kriechen. Flossenkraken besitzen zusätzlich Flossen, die bei der Bewegung im Wasser helfen.

Haben alle Oktopusse Tinte?

Nein. Viele bekannte Kraken können eine Tintenwolke abgeben, doch manche Tiefseegruppen besitzen keinen Tintenbeutel. Dazu gehören Dumbo-Oktopusse. Eine Eigenschaft des vertrauten Küstenkraken gilt also nicht automatisch für jede Krakenart.

Ist ein Oktopus immer ein Einzelgänger?

Viele Arten leben überwiegend allein. Das ist aber keine Regel, nach der sich jeder Krake ständig von allen Artgenossen fernhält. Begegnungen, Fortpflanzung und örtliche Ansammlungen können dazugehören. Beim Pazifischen Riesenkraken ist die meist einzelgängerische Lebensweise gut beschrieben.

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Wie denkt ein Oktopus?

Peter Godfrey-Smith verbindet in Der Krake, das Meer und die tiefen Ursprünge des Bewusstseins eigene Beobachtungen mit Fragen zur Entstehung des Geistes. Eine Leseidee für Erwachsene, die beim Thema Intelligenz weiterdenken möchten.

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