Quallen wirken, als hätte das Meer ein paar durchsichtige Wackelpuddings ausgesetzt. Tatsächlich sind sie erfolgreiche Jäger, erstaunliche Verwandlungskünstler und seit vielen Millionen Jahren in den Ozeanen zu Hause. Sie kommen ohne Herz, Knochen und zentrales Gehirn aus, nehmen ihre Umwelt aber trotzdem wahr. Wie eine Qualle lebt, was sie frisst, wie aus einem festsitzenden Polypen eine schwimmende Meduse wird und wann ihre Tentakel gefährlich werden, erfährst du nun.
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Quallen im Steckbrief
| Merkmal | Kurz erklärt |
|---|---|
| Tiergruppe | überwiegend frei schwimmende Lebensstadien verschiedener Nesseltiere |
| Körper | gallertiger Schirm beziehungsweise Glocke und eine Mundregion; Mundarme und Tentakel sind je nach Gruppe unterschiedlich ausgebildet |
| Wasseranteil | meist über 95 Prozent; bei manchen Arten annähernd 99 Prozent |
| Nervensystem | dezentrales Nervennetz statt eines zentralen Gehirns |
| Atmung und Kreislauf | keine Lunge, kein Herz und kein Blutkreislauf |
| Nahrung | vor allem Plankton, Kleinkrebse, Eier, Larven und kleine Fische |
| Lebensraum | fast alle Meere; wenige Arten auch im Süßwasser |
| Lebensdauer | Medusen je nach Art von Tagen bis zu Monaten oder länger; Polypen können viele Jahre bestehen |
| Gefahr für Menschen | die meisten Arten sind harmlos; einige nesseln schmerzhaft oder stark giftig |
Quallen sind Tiere, aber keine Fische
Eine Qualle ist eindeutig ein Tier. Sie gehört jedoch weder zu den Fischen noch zu den Weichtieren, sondern zu den Nesseltieren. Zu diesem Tierstamm zählen auch Korallen und Seeanemonen. Das verbindende Merkmal sind spezialisierte Nesselzellen, die zur Verteidigung und zum Beutefang dienen.
Ganz sauber ist selbst diese Einordnung noch nicht, denn „Qualle“ bezeichnet keine einzige zoologische Verwandtschaftsgruppe. Gemeint ist meistens die frei schwimmende, schirmförmige Medusenphase verschiedener Nesseltiere. Schirmquallen, Würfelquallen und zahlreiche Hydrozoen können eine solche Lebensform bilden.
Andere Tiere tragen den Namen nur wegen ihres Aussehens. Rippenquallen gehören zu einem eigenen Tierstamm und besitzen keine Nesselzellen. Die Portugiesische Galeere ist wiederum kein einzelnes Quallentier, sondern eine Kolonie vieler spezialisierter Einzeltiere. Im Alltag wird trotzdem beides häufig als Qualle bezeichnet. Tiernamen sind im Meer eben nicht immer ein zuverlässiger Stammbaum: Auch der Orca ist trotz seines Namens ein Delfin.
Wer heimische Strandfunde direkt vor Ort einordnen möchte, kann einen handlichen Naturführer für Strand und Küste* einpacken. Bei einer unbekannten Qualle bleibt die wichtigste Bestimmungsregel allerdings angenehm einfach: anschauen, nicht anfassen.
Der Körper einer Qualle besteht fast vollständig aus Wasser
Der Körper einer Qualle besteht überwiegend aus Wasser. Der Anteil liegt meist über 95 Prozent und kann bei manchen Arten annähernd 99 Prozent erreichen. Übrig bleibt trotzdem mehr als eine glibberige Tüte. Außen und innen liegt jeweils eine sehr dünne Zellschicht. Dazwischen befindet sich die gallertartige Mesogloea, die Wasser bindet, den Körper stützt und dem Schirm seine Form gibt.
Auf der Unterseite befindet sich bei den meisten Medusen eine Mundöffnung, die in den Gastrovaskularraum führt. Von dort verteilen Kanäle die Nährstoffe. Bei Wurzelmundquallen ist die ursprüngliche zentrale Mundöffnung dagegen verschlossen; sie nehmen Nahrung über zahlreiche kleine Öffnungen in den Mundarmen auf. Einen separaten Darmausgang besitzen echte Quallen nicht. Unverdauliches verlässt den Körper wieder über die Mundregion. Das ist nicht besonders elegant, spart aber offensichtlich Bauteile.
Je nach Art sitzen kurze bis sehr lange Tentakel am Schirmrand oder an der Unterseite. Auch Mundarme können zahlreiche Nesselzellen tragen. Wird eine solche Zelle mechanisch oder chemisch passend gereizt, schleudert sie in Sekundenbruchteilen einen winzigen Nesselfaden heraus. Dieser kann sich in die Beute bohren und Gift abgeben.
Quallen kommen ohne Herz und zentrales Gehirn aus
Quallen haben kein Herz, keine Lunge und keinen Blutkreislauf. Sauerstoff gelangt über die dünne Körperoberfläche direkt in das Gewebe. Weil fast jede Zelle nah am umgebenden Wasser liegt, brauchen die Tiere kein aufwendiges Transportsystem.
Auch ein zentrales Gehirn fehlt. Stattdessen durchzieht ein Nervennetz den Körper. Es koordiniert das Zusammenziehen des Schirms und verarbeitet Reize wie Berührung, Licht und die Lage im Wasser. Quallen reagieren also keineswegs zufällig auf ihre Umgebung, nur weil ihnen die Kommandozentrale im Kopf fehlt. Einen Kopf haben sie schließlich ebenfalls nicht.
Am Schirmrand sitzen bei vielen Arten sogenannte Rhopalien. Diese Randkörper enthalten Gleichgewichtsorgane und lichtempfindliche Strukturen. Manche Quallen unterscheiden lediglich hell und dunkel. Würfelquallen besitzen dagegen mehrere unterschiedliche Augentypen, darunter erstaunlich komplexe Linsenaugen. Bei einzelnen Arten verteilen sich insgesamt 24 Augen auf vier Rhopalien.
Zur Fortbewegung ziehen Quallen ihren Schirm rhythmisch zusammen und pressen Wasser nach hinten. Dadurch bewegen sie sich nach dem Rückstoßprinzip vorwärts. Einige Arten können ihre Richtung durchaus beeinflussen. Gegen kräftige Strömungen und Wind haben die meisten dennoch wenig auszurichten und werden über weite Strecken verdriftet.
Die Nahrung der Quallen reicht von Plankton bis zu kleinen Fischen
Quallen sind keine Pflanzenfresser und leben auch nicht einfach von Meerwasser. Die meisten fangen tierisches Plankton, kleine Krebse, Fischeier und Fischlarven. Größere Arten überwältigen außerdem kleine Fische oder andere Quallen.
Die Beute gerät an Tentakel oder Mundarme, wird von Nesselzellen gelähmt und anschließend zur Mundöffnung befördert. Manche Arten treiben mit ausgebreiteten Fangfäden wie ein lebendes Netz durch das Wasser. Andere schwimmen gezielter und reagieren auf Licht, Hindernisse oder mögliche Beute.
Selbst stehen Quallen ebenfalls auf dem Speiseplan. Lederschildkröten sind bekannte Quallenjäger. Auch Mondfische, einige andere Fischarten, Seevögel und verschiedene Quallen fressen sie. Junge Fische nutzen den Schirm mancher Arten außerdem als Schutzraum. Die scheinbar weichen Drifter sind damit Räuber, Beute und Kinderstube zugleich.
Vom Polypen zur Meduse verläuft ein erstaunlicher Lebenszyklus
Bei vielen Schirmquallen wechseln sich zwei Lebensformen ab. Die gut sichtbare Meduse schwimmt frei im Wasser und vermehrt sich geschlechtlich. Aus Ei und Spermium entsteht eine winzige bewimperte Larve, die Planula. Sie schwimmt zunächst frei umher, setzt sich später auf einem festen Untergrund fest und verwandelt sich in einen Polypen.
Dieser Polyp sieht eher wie eine kleine Seeanemone als wie eine Qualle aus. Er kann wachsen, sich ungeschlechtlich vermehren und längere Zeit am Meeresboden überdauern. Unter passenden Bedingungen schnürt er flache Scheiben ab. Diese jungen, sternförmigen Quallen heißen Ephyren und wachsen schließlich zu erwachsenen Medusen heran.
Der Ablauf unterscheidet sich je nach Quallenart. Bei manchen Würfelquallen verwandelt sich der gesamte Polyp direkt in eine Meduse, und manche Hydrozoen überspringen einzelne Stufen. Die Universität Hamburg erklärt den Lebenszyklus und die Vielfalt der Quallen deshalb treffend als deutlich komplexer, als es der schlichte Körperbau vermuten lässt.

Die Lebensdauer hängt von Art und Lebensphase ab
Auf die Frage „Wie alt werden Quallen?“ gibt es keine einzelne Zahl. Die sichtbare Meduse vieler heimischer Arten lebt nur einige Monate. Sie wächst im Frühjahr und Sommer heran, pflanzt sich fort und stirbt häufig spätestens in der kalten Jahreszeit. Andere Medusen können ein Jahr oder länger leben.
Der unscheinbare Polyp hält oft wesentlich länger durch. Er kann mehrere Jahre am Untergrund sitzen und in verschiedenen Jahren neue Jungquallen bilden. Wer nur die schwimmende Meduse betrachtet, übersieht daher den größten Teil der Lebensgeschichte.
Berühmt ist die wenige Millimeter große Hydrozoenart Turritopsis dohrnii. Unter Stress, etwa bei Nahrungsmangel oder Verletzungen, kann sich die Meduse auf einem Untergrund festsetzen, zu einer zystenartigen Zwischenstufe zurückbilden und daraus eine neue Polypenkolonie entstehen lassen. Diese Umkehr des Lebenszyklus wurde wiederholt im Labor beobachtet. Deshalb wird die Art gern „unsterbliche Qualle“ genannt. Praktisch unverwundbar ist sie nicht: Sie kann gefressen werden, erkranken oder an ungünstigen Umweltbedingungen sterben. Einen garantierten Trick für ewiges Leben hat sie uns also leider noch nicht verraten.
Auch der Axolotl kann bestimmte Körperstrukturen erstaunlich gut regenerieren. Unsterblich ist er deshalb allerdings nicht.
Selbst Süßwasserseen können Quallen beherbergen
Die Tiere kommen in warmen Küstengewässern, im offenen Ozean, in der Tiefsee und selbst in Polarregionen vor. Einige treiben nahe der Oberfläche, andere leben Hunderte oder Tausende Meter tief. In kalten Meeren teilen sie ihren Lebensraum unter anderem mit Narwalen, auch wenn diese Begegnung für die Beteiligten eher selten Schlagzeilen produziert.
Nur wenige Arten leben im Süßwasser. In Deutschland kann beispielsweise die kleine Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii in warmen Seen und Baggerseen auftauchen. Meist wird sie erst bemerkt, wenn viele winzige Medusen gleichzeitig erscheinen. Für Menschen gilt sie als harmlos.
Der Lebensraum sagt allein wenig über die Gefährlichkeit aus. In tropischen Gewässern leben einige besonders giftige Würfelquallen. Auch in Nord- und Ostsee gibt es jedoch Arten, deren Berührung schmerzhaft werden kann. Umgekehrt ist eine große oder auffällig gefärbte Qualle nicht automatisch gefährlicher als eine kleine durchsichtige.
Wind und Strömung treiben Medusen an den Strand
Quallen schwimmen, aber viele Arten können Wind und Strömung nur begrenzt überwinden. Treffen Strömungen an einer Küste zusammen oder drückt auflandiger Wind Wasser in Richtung Strand, können sich dort innerhalb kurzer Zeit viele Tiere sammeln. Das wirkt wie eine plötzliche Invasion, obwohl die Quallen niemanden besuchen wollten.
Auch Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsangebot und der Erfolg der Polypen beeinflussen, wie viele Medusen entstehen. Häfen, Stege und andere harte Flächen können manchen Polypen zusätzliche Siedlungsplätze bieten. Überfischung oder nährstoffreiche Gewässer können regional ebenfalls Bedingungen verändern. Eine einfache Gleichung wie „warmes Wasser bedeutet Quallenplage“ greift trotzdem zu kurz.
Aktuelle Strandmeldungen sind sehr kurzlebig: Schon eine Änderung von Wind und Strömung kann die Lage innerhalb weniger Stunden verändern.
Die meisten Arten sind für Menschen harmlos
Quallen greifen Menschen nicht an. Bei einer Berührung können ihre Nesselzellen jedoch automatisch auslösen. Wie stark die Haut reagiert, hängt von der Art, der Menge der getroffenen Tentakel, der Körperstelle und der individuellen Empfindlichkeit ab.
An beiden deutschen Küsten ist vor allem die Ohrenqualle häufig; auch die Gelbe Nesselqualle kommt in Nord- und Ostsee vor. Blaue Nesselqualle und Kompassqualle werden vorwiegend in der Nordsee angetroffen. Die Wurzelmundqualle gelangt als Sommergast dorthin. Gefährliche Würfelquallen gehören dagegen nicht zur typischen Fauna deutscher Badegewässer.
| Quallenart | Typische Merkmale | Wirkung bei Hautkontakt |
| Ohrenqualle | durchsichtig, flacher Schirm, vier ringförmige Strukturen | für Menschen gewöhnlich harmlos |
| Wurzelmundqualle | kräftiger heller Schirm, oft blauer oder violetter Saum, keine langen Randtentakel | meist harmlos bis schwach nesselnd |
| Gelbe Nesselqualle | gelblich bis braunrot, viele lange haarfeine Tentakel; oft „Feuerqualle“ genannt | schmerzhaft nesselnd |
| Blaue Nesselqualle | häufig blau bis violett, der Gelben Nesselqualle ähnlich, meist kleiner | schmerzhaft nesselnd |
| Kompassqualle | dunkle strahlenförmige Zeichnung auf dem Schirm, lange Tentakel | kann deutlich schmerzhaft nesseln |
| Würfelquallen | würfelförmiger Schirm; überwiegend tropische und subtropische Meere | je nach Art von unangenehm bis lebensgefährlich |
Die Farbe allein reicht nicht für eine sichere Bestimmung. Tentakel können durchsichtig und im Wasser beinahe unsichtbar sein. Außerdem können abgerissene Tentakel und tote, angespülte Quallen weiterhin Nesselzellen auslösen.
Nach einem Kontakt zählt ruhiges Handeln
Wer im Wasser ein starkes Brennen spürt oder Tentakel auf der Haut entdeckt, sollte ohne hektische Bewegungen ans Ufer gehen. Panisches Planschen erhöht nicht nur das Risiko weiterer Kontakte, sondern macht auch das sichere Verlassen des Wassers schwieriger.
Die folgenden Schritte gelten für Kontakte mit den an Nord- und Ostsee vorkommenden stark nesselnden Quallen. In tropischen und subtropischen Urlaubsregionen können insbesondere bei einem möglichen Würfelquallenkontakt andere Sofortmaßnahmen erforderlich sein. Dort unverzüglich Strandwacht oder Rettungsdienst alarmieren und deren regionale Hinweise befolgen.
- Wasser verlassen: Ruhig zum Ufer schwimmen und bei Bedarf Strandwacht oder andere Personen um Hilfe bitten.
- Nicht reiben: Haut weder mit der Hand noch mit einem Handtuch abrubbeln. Dadurch können weitere Nesselkapseln auslösen.
- Mit Meerwasser spülen: Sichtbare Tentakel vorsichtig mit Meerwasser abspülen. Bei den heimischen stark nesselnden Arten sind Süßwasser und Alkohol keine gute Wahl, weil dadurch weitere Nesselkapseln ausgelöst werden können. Bei unbekannten Arten gelten die Hinweise der örtlichen Rettungskräfte.
- Reste vorsichtig abheben: Anhaftende Tentakel mit einer Pinzette abheben oder abziehen und dabei jeden direkten Hautkontakt vermeiden. Ist eine mechanische Entfernung nicht möglich, kann weiteres vorsichtiges Spülen mit Meerwasser helfen. Nicht über die ungeschützte Haut schaben.
- Schmerzen lindern: Nach dem Entfernen der Tentakel kann nicht verbrühendes warmes Wasser oder eine andere schonende Wärmequelle die Schmerzen lindern. Die Haut darf dabei keinesfalls verbrüht werden.
- Warnzeichen ernst nehmen: Bei Atemnot, Schwindel, Kreislaufproblemen, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, starken Schmerzen, großflächigem Kontakt oder Verletzungen an Gesicht und Augen sofort 112 beziehungsweise die örtliche Rettung verständigen.
Die Hinweise zu Meerwasser, Reiben, Süßwasser und Alkohol entsprechen den Gesundheitshinweisen des Landes Schleswig-Holstein zu Quallen in Nord- und Ostsee. In anderen Meeren können je nach Art andere Maßnahmen gelten. Essig ist beispielsweise kein universelles Mittel für jede Qualle. An bewachten Stränden haben deshalb die Hinweise der Rettungskräfte vor Ort Vorrang.
Auch Hunde sollten angespülte Quallen weder beschnuppern noch ablecken. Hat ein Hund eine Qualle abgeleckt oder gefressen oder wurden Maul oder Augen getroffen, sollte unverzüglich eine Tierarztpraxis oder der tierärztliche Notdienst angerufen werden. Starkes Speicheln, Erbrechen, Schwellungen im Gesicht oder Maul, Atemprobleme, Schwäche und Kollaps sind Notfallzeichen. Weitere Risiken beim Badeausflug findest du im Beitrag darüber, woran du erkennst, dass deinem Hund zu warm ist.

Im Ökosystem Meer sind die Tiere mehr als eine Plage
Wer beim Baden in einen Schwarm gerät, wird Quallen vermutlich nicht spontan zum Tier des Jahres wählen. Im Meer sind sie dennoch kein überflüssiger Glibber. Sie fressen Plankton und kleine Tiere, werden selbst gefressen und transportieren damit Energie durch das Nahrungsnetz. Ihre Körper liefern nach dem Absinken sogar Nahrung für Organismen in tieferen Wasserschichten.
Große Ansammlungen können Fischernetze verstopfen, Kühlwassereinlässe blockieren und der Fischerei Probleme bereiten. Daraus folgt jedoch nicht, dass Quallen grundsätzlich eine Plage sind oder weltweit überall zunehmen. Langfristige Daten fehlen in vielen Regionen, und Bestände können stark von Jahr zu Jahr schwanken.
Sinnvoller ist es, genau hinzusehen: Welche Art tritt wo auf? Welche Bedingungen haben ihre Polypen und Medusen begünstigt? Und welche Veränderungen gab es im übrigen Ökosystem? Quallen sind nicht nur Störenfriede, sondern auch Hinweise darauf, was im Meer gerade passiert.
Fazit: Quallen sind raffinierter, als ihr Körperbau vermuten lässt
Quallen bestehen fast vollständig aus Wasser und besitzen weder Herz noch zentrales Gehirn. Trotzdem schwimmen sie, jagen, nehmen Licht und Lage wahr und durchlaufen bei vielen Arten einen erstaunlichen Wechsel zwischen Polyp und Meduse. Die meisten Quallen sind für Menschen harmlos. Unbekannte Tiere und angespülte Tentakel sollte man dennoch nicht berühren, denn auch ein totes Exemplar kann noch nesseln.
Gerade ihr schlichter Bau macht Quallen so bemerkenswert. Sie zeigen, dass ein Tier weder Knochen noch großes Denkzentrum braucht, um seit unvorstellbar langer Zeit erfolgreich durch die Meere zu treiben.
Häufige Fragen über Quallen
Sind Quallen ein Zeichen für sauberes Wasser?
Nein. Quallen können sowohl in sauberen als auch in stark belasteten Gewässern vorkommen. Ihre Zahl hängt unter anderem von Art, Lebenszyklus, Nahrung, Temperatur, Salzgehalt, Wind und Strömung ab. Ein Quallenschwarm eignet sich daher nicht als einfacher Wassertest.
Leuchten alle Quallen im Dunkeln?
Nein. Einige Arten erzeugen durch Biolumineszenz selbst Licht, viele andere leuchten überhaupt nicht. Daneben gibt es fluoreszierende Quallenproteine, die vorhandenes Licht in einer anderen Farbe wieder abgeben. Fluoreszenz und selbst erzeugtes Leuchten wie beim sogenannten Meeresleuchten sind also nicht dasselbe.
Können Quallen schlafen?
Bei der auf dem Meeresboden lebenden Mangrovenqualle Cassiopea wurde ein schlafähnlicher Zustand beobachtet. Die Tiere pulsieren nachts langsamer und reagieren verzögert auf Störungen. Ob und wie andere Quallenarten schlafen, lässt sich daraus nicht pauschal ableiten.
Kann man Quallen essen?
Ja, bestimmte Arten werden vor allem in Teilen Asiens als Lebensmittel verarbeitet. Dafür sind eine fachgerechte Auswahl und aufwendige Behandlung nötig. Eine angespülte oder selbst gefangene Qualle gehört keinesfalls auf den Teller, weil Art, Giftwirkung, Verderb und Belastungen nicht zuverlässig beurteilt werden können.