Schiedsrichterinnen im Fußball: Welche Frauen pfeifen in Deutschland und bei der WM 2026?

Ja, es gibt Schiedsrichterinnen im Fußball – und zwar längst nicht nur im Frauenfußball. In Deutschland pfeifen sie in DFB-Spielklassen, in der Frauen-Bundesliga, teils im Männerbereich und international auf FIFA-Niveau. Bei der Männer-WM 2026 sind sogar sechs Frauen als Spieloffizielle dabei. Trotzdem bleibt ihr Anteil klein. Warum das so ist, welche Namen man kennen sollte und was Schiedsrichterinnen verdienen, klären wir hier ohne Nebelkerzen und ohne unnötiges Pfeifkonzert.

Gibt es Schiedsrichterinnen im Fußball?

Ja, es gibt Schiedsrichterinnen im Fußball – im Amateurbereich, in Frauenligen, im Männerfußball und bei internationalen Turnieren. Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern ob eine Schiedsrichterin die sportlichen, regeltechnischen und körperlichen Anforderungen für die jeweilige Spielklasse erfüllt.

Im Alltag sieht man Schiedsrichterinnen vor allem dort, wo viele Spiele stattfinden: im Amateurfußball, im Jugendbereich, in Frauenligen und in den unteren Männerklassen. Je höher die Liga wird, desto kleiner wird allerdings der Kreis. Das liegt nicht daran, dass Frauen grundsätzlich nicht pfeifen dürften, sondern daran, dass der Weg nach oben lang ist und der Anteil von Frauen im Schiedsrichterwesen immer noch niedrig bleibt.

Bei großen Turnieren sind Schiedsrichterinnen inzwischen sichtbar angekommen. Die FIFA hat für die Männer-WM 2026 insgesamt 52 Schiedsrichter, 88 Schiedsrichterassistenten und 30 Video-Spieloffizielle nominiert; darunter sind sechs Frauen. Die FIFA bezeichnet dieses Aufgebot als Fortsetzung des Weges, der bei der WM 2022 in Katar begonnen wurde.

Wie viele Schiedsrichterinnen gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es grob gerechnet rund 2.700 aktive Schiedsrichterinnen. Grundlage dafür sind die DFB-Zahlen zur Saison 2024/2025: Erstmals seit fast zehn Jahren waren wieder mehr als 60.000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aktiv, der Frauenanteil lag laut DFB bei 4,5 Prozent.

Ganz exakt ist diese 2.700er-Zahl also keine veröffentlichte Kopfzählung, sondern eine sinnvolle Rechnung: 4,5 Prozent von etwas mehr als 60.000 ergeben ungefähr diese Größenordnung. Für Leser ist aber genau das die wichtigste Antwort: Schiedsrichterinnen gibt es in Deutschland nicht nur vereinzelt – aber sie sind weiterhin deutlich in der Minderheit.

Auffällig ist dabei: Der Fußball wird insgesamt weiblicher, unter anderem durch mehr Mädchenmannschaften. Im Schiedsrichterwesen ist dieser Effekt aber noch nicht so stark angekommen. Auf dem Platz stehen also immer mehr Mädchen und Frauen mit Ball am Fuß. Mit Pfeife in der Hand ist noch Luft nach oben.

Welche Schiedsrichterinnen pfeifen in der Frauen-Bundesliga?

In der Google Pixel Frauen-Bundesliga führt der DFB eine feste Gruppe von Schiedsrichterinnen, die Spiele der höchsten deutschen Frauenliga leiten. In der aktuellen DFB-Übersicht stehen dort unter anderem diese Namen:

  • Julia Boike
  • Naemi Breier
  • Sina Diekmann
  • Anna-Lena Heidenreich
  • Annika Kost
  • Daniela Kottmann
  • Davina Lutz
  • Selina Menzel
  • Fabienne Michel
  • Levke Scholz
  • Miriam Schwermer
  • Angelika Söder
  • Karoline Wacker
  • Nadine Westerhoff
  • Franziska Wildfeuer
  • Lara Wolf

Viele Schiedsrichterinnen arbeiten Woche für Woche in den nationalen Ligen, ohne dass sie jedes Mal große Schlagzeilen bekommen. Ein gutes Spiel ist für Schiris schließlich oft genau dann gelungen, wenn am Ende nicht alle über sie reden. Und ja: Das ist vermutlich einer der undankbarsten Erfolgsmaßstäbe im Sport.

Pfeifen Schiedsrichterinnen auch Männerfußball?

Ja, Schiedsrichterinnen dürfen auch Männerfußball pfeifen, wenn sie für die entsprechende Spielklasse eingestuft sind. In Deutschland ist das besonders im höheren Männerbereich aber weiterhin selten.

In der aktuellen DFB-Übersicht der 3. Liga stehen zum Beispiel Davina Lutz, Fabienne Michel und Franziska Wildfeuer im Kreis der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Fabienne Michel wurde 2026 außerdem zur DFB-Schiedsrichterin des Jahres gewählt.

Der bekannteste deutsche Meilenstein bleibt Bibiana Steinhaus. Sie leitete 2017 als erste Frau ein Spiel in der Männer-Bundesliga, nämlich Hertha BSC gegen Werder Bremen. Laut DFB-Datencenter kam sie insgesamt auf 23 Bundesliga-Spiele und 92 Einsätze in der 2. Bundesliga.

Der Männerfußball ist für Schiedsrichterinnen also nicht gesperrt. Er ist nur noch kein Bereich, in dem Frauen selbstverständlich in großer Zahl vertreten sind. Anders gesagt: Die Tür ist offen, aber der Flur dahinter ist ziemlich lang.

Welche Schiedsrichterinnen sind bei der Männer-WM 2026 dabei?

Bei der Männer-WM 2026 sind sechs Frauen als Match Officials im Einsatz beziehungsweise im offiziellen Turnieraufgebot. Zwei von ihnen wurden als Hauptschiedsrichterinnen nominiert, drei als Assistentinnen und eine als Video Match Official.

NameLandRolle bei der Männer-WM 2026
Katia Itzel GarcíaMexikoSchiedsrichterin
Tori PensoUSASchiedsrichterin
Brooke MayoUSASchiedsrichter-Assistentin
Kathryn NesbittUSASchiedsrichter-Assistentin
Sandra RamírezMexikoSchiedsrichter-Assistentin
Tatiana GuzmánNicaraguaVideo-Spieloffizielle im VAR-Team

Tori Penso wurde unter anderem für das WM-Spiel Tschechien gegen Südafrika angesetzt, gemeinsam mit Brooke Mayo und Kathryn Nesbitt als Assistentinnen. Damit waren sie das erste mal ein rein weibliches Trio bei einem solchen Männer-Spiel.

Bekannte Schiedsrichterinnen: Diese Namen sollte man kennen

Wer bekannte Schiedsrichterinnen im Fußball sucht, stößt besonders häufig die folgenden Namen:

  • Bibiana Steinhaus
  • Stéphanie Frappart
  • Riem Hussein
  • Tori Penso
  • Katia García
  • Fabienne Michel

Sie stehen jeweils für unterschiedliche Meilensteine.

Bibiana Steinhaus war die erste Schiedsrichterin in der Männer-Bundesliga. Ihr Name ist in Deutschland deshalb bis heute der wichtigste Bezugspunkt, wenn es um Frauen im Männer-Profifußball geht. Stéphanie Frappart schrieb international Geschichte: Sie war 2022 die erste Frau, die ein Spiel bei einer Männer-WM leitete, damals Costa Rica gegen Deutschland.

Riem Hussein gehört zu den prägenden deutschen Schiedsrichterinnen der Frauen-Bundesliga. Im Januar 2026 leitete sie laut DFB ihr 150. Spiel in Deutschlands höchster Frauen-Spielklasse; eine Marke, die zuvor keine Schiedsrichterin erreicht hatte.

Später kündigte der DFB ihr Karriereende auf dem Rasen an, zugleich blieb sie dem Verband als Video-Assistentin erhalten.

Tori Penso und Katia García stehen für die neue internationale Sichtbarkeit bei der Männer-WM 2026. Fabienne Michel ist in Deutschland wichtig, weil sie sowohl in der Frauen-Bundesliga als auch im Männerbereich der 3. Liga auftaucht und 2026 erneut ausgezeichnet wurde. Solche Namen zeigen: Es gibt nicht „die eine“ Schiedsrichterin im Fußball. Es gibt inzwischen mehrere Wege, sichtbar zu werden.

Warum gibt es so wenige Schiedsrichterinnen?

Es gibt vor allem deshalb so wenige Schiedsrichterinnen, weil schon an der Basis deutlich weniger Mädchen und Frauen ins Schiedsrichterwesen einsteigen. Wenn unten weniger anfangen, kommen oben auch weniger an. Das klingt simpel, ist aber der Kern des Problems.

Dazu kommen mehrere praktische Hürden: Schiedsrichterei kostet Zeit, verlangt regelmäßige Einsätze, Fitness, Regeltests, Lehrgänge und eine ziemlich robuste innere Wetterjacke. Denn wer auf dem Platz pfeift, bekommt nicht nur höfliche Rückfragen zur Regelauslegung. Manchmal kommt vom Spielfeldrand auch das, was man freundlich als „akustischen Rasendünger“ bezeichnen könnte.

Für Mädchen und Frauen kann dieser Einstieg zusätzlich schwerer wirken, wenn Vorbilder fehlen oder sie auf Sportplätzen stärker auffallen als männliche Kollegen. Genau deshalb sind sichtbare Schiedsrichterinnen in höheren Ligen wichtig. Nicht, weil jede junge Schiedsrichterin sofort zur WM muss, sondern weil sie sehen kann: Dieser Weg ist möglich.

Was verdienen Schiedsrichterinnen im Fußball?

Schiedsrichterinnen werden nach Wettbewerb, Spielklasse und Rolle bezahlt – nicht einfach nach dem Motto „Frau pfeift, also anderer Tarif“. In den Frauen-Wettbewerben hat der DFB die Honorare zur Saison 2025/2026 erhöht: In der Frauen-Bundesliga steigt das Honorar für Schiedsrichterinnen von 700 auf 1.000 Euro pro Spiel, für Assistentinnen und Assistenten von 350 auf 500 Euro. In der 2. Frauen-Bundesliga steigt das Schiedsrichterinnen-Honorar von 250 auf 350 Euro. (DFB)

Das heißt aber nicht, dass eine Schiedsrichterin automatisch so viel verdient wie ein Bundesliga-Schiedsrichter im Männerbereich. Die Beträge hängen stark vom Wettbewerb ab. Ein Spiel in der Frauen-Bundesliga, ein Drittliga-Spiel der Männer, ein Pokalspiel oder ein internationaler Einsatz sind unterschiedliche Einsätze mit unterschiedlichen Vergütungen.

Kurz gesagt: Schiedsrichterinnen verdienen nicht „wegen ihres Geschlechts“ einen bestimmten Betrag, sondern wegen der Liga, in der sie eingesetzt werden. Wer genauer wissen möchte, wie hoch die Honorare im Männer-Profifußball sind, findet die Antworten in unserem Artikel zum Bundesliga-Schiedsrichter-Gehalt.

Was tragen Schiedsrichterinnen unter dem Trikot?

Unter dem Trikot tragen Schiedsrichterinnen vor allem funktionale Sportkleidung und technische Ausrüstung. Das ist weniger geheimnisvoll, als manche Suchanfragen vermuten lassen.

Typisch sind je nach Wetter und persönlichem Bedarf Funktionsunterwäsche, Unterziehshirt, Sport-BH, gegebenenfalls wärmende Kleidung sowie Ausrüstung für Kommunikation und Spielleitung. Dazu können Headset, Uhr, Funktechnik, Notizkarten, Pfeife und im Profibereich weitere technische Hilfsmittel kommen.

Beim Google Pixel Supercup der Frauen 2025 wurde Dr. Riem Hussein beispielsweise mit einer Ref-Cam ausgestattet, die am Headset befestigt war und Bilder aus Schiedsrichterinnen-Perspektive lieferte. Die moderne Schiri-Ausrüstung besteht also längst nicht mehr nur aus Pfeife, Karten und strengem Blick. Wobei der strenge Blick natürlich weiterhin zur Grundausstattung gehört.

Wie wird man Schiedsrichterin im Fußball?

Schiedsrichterin wird man über einen Neulingslehrgang beim zuständigen Fußballverband oder in der eigenen Region. Laut DFB muss man dafür mindestens 12 Jahre alt sein, in einigen Landesverbänden auch 14 Jahre, und anschließend den Lehrgang erfolgreich absolvieren.

Der Einstieg läuft meistens über einen Verein oder direkt über den Landesverband. Im Lehrgang geht es um Regeln, Spielleitung, praktische Situationen und die Prüfung. Danach beginnen die ersten Einsätze meist in unteren Spielklassen oder im Jugendbereich. Von dort aus kann es Schritt für Schritt weitergehen: bessere Beobachtungen, höhere Spielklassen, mehr Verantwortung.

Für Mädchen und Frauen gilt dabei grundsätzlich derselbe Weg wie für Jungen und Männer. Der Unterschied liegt eher in der Sichtbarkeit: Eine junge Schiedsrichterin fällt auf vielen Plätzen noch stärker auf. Das kann nerven, aber es kann auch ein Vorteil sein. Gute Leistungen bleiben nämlich ebenfalls hängen.

Fazit: Schiedsrichterinnen sind selten, aber längst Teil des Spiels

Schiedsrichterinnen sind im Fußball noch deutlich in der Minderheit, aber sie gehören längst zum Spiel dazu. In Deutschland gibt es ungefähr 2.700 aktive Schiedsrichterinnen, in der Frauen-Bundesliga stehen zahlreiche Namen regelmäßig auf dem Spielbericht, und bei der Männer-WM 2026 sind sechs Frauen im offiziellen Aufgebot.

Der große Unterschied liegt nicht in den Regeln, sondern in der Breite. Je mehr Mädchen und Frauen überhaupt mit der Schiedsrichterei anfangen, desto normaler werden Schiedsrichterinnen auch in höheren Ligen. Bis dahin bleibt jede gute Spielleitung ein kleines Stück Normalisierung. Und im besten Fall spricht danach niemand über die Schiedsrichterin – weil sie einfach gut gepfiffen hat.