Schneller sprinten kannst du lernen – zumindest innerhalb deiner persönlichen Voraussetzungen. Entscheidend ist nicht, bei jedem Lauf noch wilder mit den Beinen zu rudern. Du brauchst eine saubere Sprinttechnik, kurze Läufe in hoher Qualität, ausreichend lange Pausen sowie etwas Kraft- und Sprungtraining. Ein bis zwei gezielte Einheiten pro Woche reichen für den Einstieg meist aus. Dabei solltest du zuerst klären, ob du deinen Antritt, deine Höchstgeschwindigkeit oder das Tempo über eine längere Sprintstrecke verbessern möchtest.
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Schneller sprinten lässt sich gezielt trainieren
Wie schnell ein Mensch sprinten kann, hängt unter anderem von Veranlagung, Alter, Trainingsstand, Kraft und Technik ab. Die Gene verteilen also ein paar Karten – sie spielen die Partie aber nicht allein. Gerade Anfänger können häufig schon dadurch schneller werden, dass sie Bewegungen sauberer ausführen und ihre schnellen Läufe sinnvoller dosieren.
Sprinttraining besteht deshalb nicht einfach aus möglichst vielen Läufen mit möglichst rotem Kopf. Ein guter Trainingsreiz ist möglich, wenn du noch frisch genug bist, um wirklich schnell und technisch kontrolliert zu laufen. Werden deine Schritte schwer, die Schultern fest und die Zeiten deutlich schlechter, trainierst du zunehmend Ermüdung statt Maximalgeschwindigkeit.
Für die ersten Einheiten benötigst du keine Startblöcke, keinen Zugschlitten und auch keine Spikes. Eine ebene, griffige Strecke, einige Markierungen und gut sitzende Sportschuhe* genügen. Spikes können auf der Kunststoffbahn später sinnvoll sein, sollten aber zu Strecke, Fuß und Trainingsstand passen. Wie du den Tiefstart aus dem Startblock Schritt für Schritt aufbaust, erklären wir in einem eigenen Ratgeber.
Der Sprint gehört zu den Laufdisziplinen der Leichtathletik, stellt an den Körper aber ganz andere Anforderungen als Mittel- und Langstrecken.
Antritt, Höchstgeschwindigkeit und Schnelligkeitsausdauer brauchen unterschiedliche Reize
„Ich möchte schneller werden“ klingt eindeutig, kann aber drei verschiedene Ziele meinen. So möchte ein Flügelspieler beim Fußball vielleicht auf den ersten fünf Metern schneller am Ball sein. Eine 100-Meter-Läuferin will ihre höchste Geschwindigkeit steigern. Beim 200- oder 400-Meter-Lauf wird zusätzlich wichtig, das Tempo trotz wachsender Ermüdung möglichst gut zu halten.
| Ziel | Woran du es erkennst | Typische Trainingsform |
|---|---|---|
| Antritt und Beschleunigung | Du willst auf den ersten 10 bis 30 Metern schneller werden. | kurze Starts und Beschleunigungsläufe |
| Höchstgeschwindigkeit | Du willst nach dem Anlauf ein höheres Spitzentempo erreichen. | fliegende Sprints mit kontrolliertem Anlauf |
| Schnelligkeitsausdauer | Du bist zunächst schnell, verlierst auf längeren Sprintstrecken aber stark an Tempo. | längere schnelle Läufe mit großzügigen Pausen |
Für Einsteiger ist es sinnvoll, zunächst Technik und Beschleunigung zu verbessern. Fliegende Sprints kommen hinzu, sobald du kontrolliert beschleunigen und bei hohem Tempo locker bleiben kannst. Ausgedehnte Schnelligkeitsausdauer-Einheiten sind anstrengend und für das grundlegende Ziel „schneller sprinten“ nicht der erste Hebel.
Eine saubere Sprinttechnik macht aus Kraft Geschwindigkeit
Es gibt nicht die eine Haltung, die vom ersten bis zum letzten Meter unverändert bleibt. Während der Beschleunigung sieht ein Sprint anders aus als bei Höchstgeschwindigkeit. Wer beide Phasen mit derselben Körperposition laufen möchte, macht es sich unnötig schwer.

Beim Antritt drückst du den Boden kraftvoll nach hinten
Nach dem Start bleibt der Körper zunächst deutlich nach vorn geneigt. Wichtig ist, dass die Linie möglichst aus dem ganzen Körper entsteht und du nicht nur in der Hüfte einknickst. Die ersten Schritte sind eher kraftvoll und werden allmählich länger. Richte dich mit zunehmender Geschwindigkeit nach und nach auf, statt nach zwei Schritten plötzlich senkrecht zu stehen.
Ein hilfreiches Bild: Du möchtest den Boden hinter dir wegschieben. Wer dagegen sofort hektisch nach vorn greift, setzt den Fuß weit vor dem Körperschwerpunkt auf und bremst sich bei jedem Schritt ein kleines bisschen selbst. Das ist ungefähr so praktisch, wie gleichzeitig Gas und Bremse zu treten.
Beim Wettkampf beginnt ein guter Antritt mit dem tatsächlichen Startsignal. Wer den Zeitpunkt errät, statt auf das tatsächliche Signal zu warten, riskiert einen Fehlstart und damit unter Umständen die Disqualifikation.
Bei Höchstgeschwindigkeit bleibt der Körper aufrecht und locker
Im schnellen, aufrechten Laufen bleiben Hüfte und Oberkörper hoch. Der Kopf bleibt in Verlängerung der Wirbelsäule ruhig, der Blick geht einige Meter nach vorn. Die Knie schwingen aktiv, doch du musst sie nicht mit Gewalt bis unter das Kinn ziehen. Entscheidend sind ein kurzer, aktiver Bodenkontakt und ein wirksamer Kraftimpuls gegen den Boden.
Der Fuß setzt aktiv und körpernah auf, bei Höchstgeschwindigkeit gewöhnlich etwas vor dem Körperschwerpunkt – aber nicht weit davor. „Auf dem Vorfuß laufen“ bedeutet dabei nicht, verkrampft auf den Zehenspitzen zu tänzeln. Das Sprunggelenk darf nach dem Aufsetzen natürlich nachgeben; halte die Ferse weder künstlich oben noch drücke sie bewusst auf den Boden. Ein erzwungener Ballenlauf kann Waden und Achillessehne unnötig belasten.
Die Arme geben Rhythmus, ohne quer durch die Gegend zu wedeln
Die Arme schwingen gegengleich zu den Beinen vor und zurück. Die Ellenbogen bleiben gebeugt, dürfen ihren Winkel während der Bewegung aber verändern. Halte Hände, Gesicht und Schultern möglichst locker. Geballte Fäuste und hochgezogene Schultern sehen zwar dramatisch aus, machen dich jedoch nicht schneller.
Für das Techniktraining eignen sich Skippings, Kniehebelauf und weitere Übungen aus dem Lauf-ABC. Der Deutsche Leichtathletik-Verband zeigt in seinem Lauf-ABC mehrere Übungen und wichtige Ausführungsmerkmale. Pro Durchgang solltest du lieber eine Bewegung sauber üben, als fünf Hinweise gleichzeitig im Kopf zu jonglieren.
Sechs Sprintübungen verbessern Technik, Antritt und Tempo
Die beste Übung fürs Sprinten bleibt das Sprinten selbst. Drills können einzelne Bewegungsmerkmale vorbereiten, ersetzen aber keine schnellen Läufe. Die folgende Auswahl verbindet beides.
| Übung | So führst du sie aus | Sie hilft vor allem bei | Häufiger Fehler |
|---|---|---|---|
| Fußgelenksarbeit oder kleine Skippings | Mit kleinen Schritten vorwärtsbewegen, den Fußballen aktiv aufsetzen und den Fuß zügig wieder lösen. | aktivem Fußaufsatz, Rhythmus und kurzen Bodenkontakten | nur auf den Zehen wippen |
| Kniehebelauf | Oberschenkel kontrolliert bis ungefähr zur Waagerechten führen, Hüfte hoch halten und aktiv unter dem Körper aufsetzen. | Kniehub und Koordination | zurücklehnen oder weit vor dem Körper landen |
| Steigerungslauf | Über 30 bis 50 Meter locker beginnen und das Tempo gleichmäßig erhöhen, ohne sofort maximal zu laufen. | Übergang zum schnellen Laufen und Vorbereitung | zu früh verkrampfen oder abrupt abbremsen |
| Fallstart | Als gerade Linie aus den Sprunggelenken leicht vorlehnen und den ersten Schritt setzen, sobald das Gleichgewicht nach vorn kippt. | Körperwinkel und Beschleunigung | in der Hüfte abknicken oder zu lange mit dem Schritt warten |
| Kurzer Antritt | Aus Hoch-, Drei-Punkt- oder Bauchlage 10 bis 30 Meter beschleunigen. | Reaktion, erster Schritt und Antritt | zu viele Wiederholungen mit zu kurzen Pausen |
| Fliegender Sprint | 20 bis 30 Meter kontrolliert beschleunigen, anschließend 10 bis 20 Meter sehr schnell und locker laufen. | Höchstgeschwindigkeit | schon im Anlauf verkrampfen oder zu abrupt stoppen |
Lauf-ABC-Übungen kannst du über 10 bis 20 Meter ausführen und zwei- bis dreimal wiederholen. Bei echten Sprints zählt dagegen die Qualität: Für vier bis sechs Läufe sind lange Pausen sinnvoller als ein Dutzend gehetzter Wiederholungen. Zwischen kurzen Antritten dürfen zwei bis drei Minuten liegen, vor einem weiteren fliegenden Sprint auch drei bis fünf Minuten.

Ein gründliches Aufwärmen bereitet den Körper auf hohes Tempo vor
Ein Sprint ist eine maximale oder nahezu maximale Belastung. Direkt vom Schreibtisch zur Bestzeit zu wechseln, ist deshalb keine brillante Abkürzung. Plane etwa 12 bis 20 Minuten für ein dynamisches, zunehmend sprintnahes Aufwärmen ein:
- Laufe fünf bis acht Minuten locker und bringe den Kreislauf in Schwung.
- Mobilisiere Fußgelenke, Knie und Hüfte mit kontrollierten Bewegungen.
- Führe je zwei kurze Durchgänge Fußgelenksarbeit, Skippings und Kniehebelauf aus.
- Absolviere zwei bis drei Steigerungsläufe über etwa 40 Meter. Beginne locker und erhöhe das Tempo gleichmäßig, ohne schon voll zu sprinten.
- Starte erst danach mit den schnellen Hauptläufen.
Auch die Techniker Krankenkasse empfiehlt zur Vorbeugung von Sportverletzungen, Belastung und Trainingsumfang an die eigene Leistungsfähigkeit anzupassen und sich sportartspezifisch aufzuwärmen. Das ist beim Sprint besonders wichtig, weil hohe Kräfte in sehr kurzer Zeit auf Muskeln und Sehnen wirken.
Nutze eine trockene, ebene Fläche mit genügend Auslauf. Hinter der Messlinie solltest du noch kontrolliert weiterlaufen können. Eine Sprintstrecke, die unmittelbar vor einer Mauer, Straße oder Brombeerhecke endet, besitzt zwar einen starken Motivationsfaktor – empfehlenswert ist sie trotzdem nicht.
Wenn du lange inaktiv warst, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder entsprechende Risikofaktoren hast oder schon Probleme mit hinterem Oberschenkel, Achillessehne oder Knie hattest, kläre maximale Sprints vorher ärztlich beziehungsweise physiotherapeutisch ab. Bei Brustschmerz, Schwindel oder akutem Schmerz brichst du das Training sofort ab.
Ein einfacher Sprintplan setzt auf Qualität statt Erschöpfung
Für den Einstieg reichen ein bis zwei Sprinteinheiten pro Woche mit mindestens 48 Stunden Abstand; bei Muskelkater oder Restmüdigkeit wartest du länger. Nach einer langen Sportpause beginnst du mit einer Einheit. In den ersten zwei bis drei Wochen stehen saubere Steigerungsläufe und kurze Beschleunigungen mit etwa 70 bis 85 Prozent im Mittelpunkt. Erst wenn du diese beschwerdefrei verträgst, näherst du dich schrittweise dem maximalen Tempo.
Einheit A trainiert den Antritt
- vollständiges Aufwärmen
- 3 × 10 Meter Fallstart, jeweils etwa 2 Minuten Pause
- 3 bis 4 × 20 Meter Beschleunigung, jeweils 2 bis 3 Minuten Pause
- 2 × 5 beidbeinige kleine Strecksprünge, sauber landen
- anschließend optional zwei bis drei einfache Kraftübungen; kurz halten und nicht bis zum Muskelversagen trainieren
Einheit B trainiert das schnelle, lockere Laufen
Diese zweite Einheit ergänzt du erst, wenn du zwei bis drei vorbereitende Wochen ohne Beschwerden absolviert hast. Bis dahin reichen an diesem Tag nach dem Aufwärmen vier bis sechs kontrollierte Steigerungsläufe, die höchstens etwa 85 Prozent erreichen.
- Aufwärmen wie oben, zunächst jedoch nur bis einschließlich Lauf-ABC
- 3 Steigerungsläufe über 40 Meter mit etwa 2 Minuten Pause; sie ersetzen Schritt 4 des allgemeinen Aufwärmens
- 3 × fliegende 10 Meter nach jeweils 20 Metern kontrolliertem Anlauf, 3 bis 4 Minuten Pause
- 2 × 30 Meter zügig, aber technisch locker, etwa 3 Minuten Pause
- lockeres Auslaufen oder Gehen
Die Strecken lassen sich mit Markierungstellern oder Trainingshütchen* schnell abstecken. Viel wichtiger als das Zubehör ist jedoch die Abbruchregel: Beende die schnellen Läufe, wenn deine Zeit deutlich nachlässt, du die Bewegung nicht mehr kontrollierst oder Beschwerden auftreten. Der Plan ist eine Einstiegsvorlage, kein Vertrag mit der Stoppuhr.
Nach drei bis vier Wochen kannst du bei stabiler Technik einen Lauf ergänzen oder die schnelle Zone der fliegenden Sprints auf 15 bis 20 Meter verlängern. Erhöhe nicht gleichzeitig Tempo, Strecke und Wiederholungszahl. Der Körper mag Fortschritte – Überraschungsangriffe eher weniger.
Kraft- und Sprungtraining ergänzen das Sprinttraining
Beim Sprint musst du in sehr kurzer Zeit viel Kraft auf den Boden bringen. Starke Beine, eine stabile Hüfte und ein belastbarer Rumpf helfen dabei, diese Kraft in die richtige Richtung zu übertragen. Trotzdem macht dich ein großer Kniebeugenwert nicht automatisch schnell: Die neue Kraft muss durch Sprinttraining auch in einer schnellen Bewegung nutzbar werden.
Für Anfänger eignen sich besonders:
- Split Squats oder Ausfallschritte für einbeinige Beinkraft,
- Kniebeugen für Beine und Hüfte,
- Hüftheben für Gesäßmuskulatur und Hüftstreckung,
- kontrolliertes Wadenheben für Unterschenkel und Fußgelenk,
- Seitstütz und Dead Bug für die Rumpfstabilität,
- kleine beidbeinige Sprünge für einen ersten, niedrig dosierten Reaktivkraftreiz.

Beginne bei den dynamischen Kraftübungen mit zwei bis drei Sätzen aus etwa sechs bis zwölf technisch kontrollierten Wiederholungen; einseitige Übungen absolvierst du auf beiden Seiten. Den Seitstütz kannst du zunächst 15 bis 30 Sekunden halten. Das eigene Körpergewicht genügt zunächst; später lässt sich die Belastung mit passendem Krafttrainingsequipment* schrittweise erhöhen. Schwere Langhantelübungen und anspruchsvolle Tiefsprünge solltest du dir zeigen lassen, statt sie nach dem Motto „Wird schon explosiv aussehen“ auszuprobieren.
Sprünge gehören an den Anfang des Krafttrainings, solange du frisch bist. Starte beispielsweise mit 2 × 5 kleinen, sauber gelandeten Strecksprüngen; für sie gilt nicht der Wiederholungsbereich der Kraftübungen. Bei Schmerzen an Achillessehne, Knie oder Fuß lässt du Sprünge weg und klärst die Ursache fachlich ab.
Fortschritt zeigt sich mit vergleichbaren Messungen
Wenn du wissen möchtest, ob dein Sprinttraining funktioniert, miss nicht jeden Lauf unter ständig wechselnden Bedingungen. Nutze dieselbe Strecke, denselben Untergrund und möglichst ähnliche Witterung. Gegenwind kann aus einer guten Trainingswoche auf dem Papier schnell eine kleine Tragödie machen.
Zwei Tests helfen bei der Einordnung:
- 10 Meter aus dem ruhenden Start: zeigt vor allem Antritt und Beschleunigung.
- Fliegende 10 oder 20 Meter: Nach einem längeren Anlauf wird nur die schnelle Zone gemessen. Für viele Einsteiger genügen 20 bis 30 Meter Anlauf; schnellere und erfahrene Läufer benötigen möglicherweise 30 bis 60 Meter, um ihr höchstes Tempo zu erreichen.
Eine handgestoppte Zeit enthält immer die Reaktion der Person an der Uhr. Für einen groben Eigenvergleich ist eine seitlich aufgestellte Smartphone-Kamera häufig hilfreicher: Nutze möglichst eine hohe Bildrate und filme so, dass Start- und Ziellinie sichtbar sind. Die Aufnahme ersetzt keine Lichtschranke, lässt sich aber in Zeitlupe auswerten und zeigt zugleich Körperwinkel, Fußaufsatz und Schultern. Teste höchstens alle zwei bis vier Wochen. Sonst verbringst du mehr Zeit mit Prüfungen als mit Lernen.

Fünf typische Fehler machen schnelle Beine unnötig langsam
1.) Größere Schritte werden nach vorn erzwungen
Geschwindigkeit entsteht aus Schrittfrequenz und Schrittlänge. Das bedeutet aber nicht, dass du den Unterschenkel möglichst weit nach vorn werfen solltest. Eine gute Schrittlänge entwickelt sich vor allem durch einen kräftigen Abdruck, eine stabile Hüfte und passendes Timing. Landet der Fuß weit vor dir, wirkt er wie eine Bremse.
2.) Jeder Sprint endet völlig erschöpft
Echtes Schnelligkeitstraining braucht Erholung. Mit sehr kurzen Pausen trainierst du eher die Fähigkeit, wiederholt unter Müdigkeit zu laufen. Das kann für manche Sportarten sinnvoll sein, ist aber nicht dasselbe wie Höchstgeschwindigkeit.
3.) Die Koordinationsleiter wird zum Tempowunder erklärt
Eine Koordinationsleiter kann Rhythmus und Fußarbeit abwechslungsreich schulen. Schneller sprinten lernst du jedoch nur, wenn du auch sprintest. Flinke Füße zwischen Kunststoffsprossen sind kein Ersatz für hohe Kräfte und saubere Bewegungen auf der Strecke.
4.) Die Schultern laufen gefühlt bis zu den Ohren
Wer unbedingt schnell sein will, spannt häufig alles an. Das kostet Bewegungsfreiheit. Kontrolliere vor jedem Start kurz Hände, Kiefer und Schultern. Locker bedeutet nicht schlapp, sondern nur: Spanne an, was die Bewegung gerade braucht.
5.) Müdigkeit wird mit mangelndem Willen verwechselt
Sinkt dein Tempo deutlich, fehlt nicht automatisch Motivation. Vielleicht ist die schnelle Muskulatur schlicht erschöpft. Pausen und Ruhetage sind daher ein Teil des Plans und keine Lücke darin. Zwischen intensiven Sprinteinheiten sind für Einsteiger mindestens 48 Stunden Abstand sinnvoll.
Schneller sprinten gelingt mit Geduld und klaren Schwerpunkten
Wenn du schneller sprinten möchtest, konzentriere dich zunächst auf ein bis zwei hochwertige Einheiten pro Woche. Trainierst du zweimal, kannst du einmal kurze Antritte und einmal kontrollierte Läufe für das höhere Tempo in den Mittelpunkt stellen. Wärme dich gründlich auf, erhole dich zwischen den Wiederholungen und beende die Einheit, bevor aus Sprinttechnik Überlebenskunst wird. Kraft- und Sprungübungen unterstützen dich, doch die entscheidende Fähigkeit trainierst du auf der Strecke.
Miss deine Entwicklung unter vergleichbaren Bedingungen und gib dir mehrere Wochen Zeit. Kleine Verbesserungen über zehn Meter wirken unspektakulär – bis im Wettkampf plötzlich jemand neben dir merkt, dass du schon weg bist.
FAQ Häufige Fragen zum schnelleren Sprinten
Wie schnell kann man beim Sprinten Fortschritte sehen?
Technische Verbesserungen können sich bei Anfängern schon nach wenigen Einheiten bemerkbar machen. Verlässliche Veränderungen bei Kraft, Koordination und Sprintleistung benötigen eher mehrere Wochen. Wie groß sie ausfallen, hängt von Ausgangsniveau, Alter, Trainingsqualität und Regeneration ab. Eine feste Prozentzahl lässt sich seriös nicht versprechen.
Kann man auch zu Hause für schnelleres Sprinten trainieren?
Zu Hause kannst du Beinkraft, Rumpfstabilität, Fußgelenksarbeit und einfache Sprünge trainieren. Für echte Sprintgeschwindigkeit benötigst du zusätzlich eine sichere Strecke, auf der du regelmäßig schnell laufen kannst. Wohnzimmer-Skippings helfen – der Teppich ersetzt aber keine 20-Meter-Beschleunigung.
Braucht man Spikes, um schneller zu sprinten?
Nein. Für den Einstieg reichen gut passende Sportschuhe mit sicherem Halt. Spikes verbessern auf einer geeigneten Kunststoffbahn die Traktion, stellen aber zusätzliche Anforderungen an Füße, Waden und Achillessehnen. Gewöhne dich schrittweise an sie und nutze sie nicht auf ungeeignetem Untergrund.
Kann man auf dem Laufband Sprintgeschwindigkeit trainieren?
Ein Laufband kann schnelle Intervalle und Kondition ermöglichen, bildet die Beschleunigung auf einer freien Strecke aber nur eingeschränkt ab. Sehr hohe Geschwindigkeiten sind zudem nur auf geeigneten Geräten und mit sicherer Bedienung sinnvoll. Für Antritt und freie Sprinttechnik ist eine ebene Bahn oder ein Sportplatz meistens die bessere Wahl.
Welche Muskeln sind beim Sprinten besonders wichtig?
Gesäßmuskulatur, hintere und vordere Oberschenkel, Hüftbeuger und Waden erzeugen und übertragen einen großen Teil der sprintrelevanten Kräfte. Rumpf, Rücken und Schultern stabilisieren die Haltung und unterstützen die Armbewegung. Schnelligkeit entsteht dennoch nicht durch einen einzelnen „Sprintmuskel“, sondern durch das schnelle Zusammenspiel des ganzen Körpers.
Ist Sprinttraining auch für Kinder geeignet?
Kinder dürfen und sollen schnell laufen, am besten spielerisch, abwechslungsreich und unter fachkundiger Anleitung. Kurze Fang-, Staffel- und Reaktionsspiele passen besser als erschöpfende Maximalprogramme. Kraft- und Sprungübungen müssen altersgerecht sein und technisch betreut werden. Den oben beschriebenen Erwachsenenplan sollten Kinder deshalb nicht unverändert übernehmen.