Seestern: Arme, Nahrung und ein erstaunliches Leben im Meer

Ein Seestern sieht aus, als hätte das Meer seine Dekoration selbst gebastelt. Tatsächlich ist er ein lebendes Tier, das läuft, Beute findet und bei vielen Arten sogar seinen Magen nach außen stülpen kann. Die berühmten fünf Arme sind dabei nur ein Teil der Geschichte. Manche Seesterne haben deutlich mehr, verlorene Arme können nachwachsen, und unter der sternförmigen Oberfläche steckt ein erstaunlicher Bauplan. Besonders gut lässt sich das am Gemeinen Seestern unserer Küsten entdecken.

Was ist ein Seestern? Ein Tier aus der Gruppe der Stachelhäuter

Seesterne sind wirbellose Meerestiere. Sie gehören zur Klasse Asteroidea innerhalb der Stachelhäuter. Ihre näheren Verwandten sind unter anderem Seeigel und Seegurken. Weltweit sind ungefähr 2.000 Seesternarten bekannt.

Die Bezeichnung Stachelhäuter passt zum Körperbau: Unter der Haut liegen kleine Kalkskelettelemente, und bei vielen Arten ragen Stacheln oder kurze Erhebungen nach außen. Das Skelett besteht also nicht aus Knochen wie bei uns. Trotzdem bietet es dem Körper Halt und Schutz.

Ein Seestern ist auch kein Fisch. Und obwohl er neben einer Seeanemone auf demselben Felsen sitzen kann, gehören die beiden zu völlig verschiedenen Tiergruppen. Die Anemone ist ein Nesseltier, der Seestern ein Stachelhäuter.

Seestern-Steckbrief: Was für die Gruppe typisch ist

MerkmalEinordnung
TierklasseAsteroidea, echte Seesterne
LebensraumMeere, vom Küstenbereich bis in die Tiefsee
ArmeBei vielen Arten fünf, bei anderen deutlich mehr
FortbewegungMeist mithilfe zahlreicher kleiner Röhrenfüßchen
NahrungJe nach Art lebende Beute, Aas oder organische Partikel
BesonderheitViele Arten können verlorene Körperteile regenerieren

Wo leben Seesterne? Im Meer, auch an deutschen Küsten

Seesterne leben in den Ozeanen. Es gibt Arten tropischer Korallenriffe, Arten kalter Küsten und Bewohner großer Meerestiefen. Sand, Schlamm, Felsen oder Muschelbänke können ihnen als Lebensraum dienen. Entscheidend ist, welche Bedingungen die jeweilige Art verträgt und wo sie Nahrung findet.

Echte Süßwasser-Seesterne gibt es nicht. In der Ostsee leben trotzdem Seesterne, besonders in den salzreicheren westlichen Bereichen. Die Ostsee ist ein Brackwassermeer, und ihr Salzgehalt nimmt nicht überall denselben Wert an. Eine Art kann daher an einem Küstenabschnitt häufig vorkommen und weiter östlich fehlen.

In der Nordsee begegnet dir am ehesten der Gemeine Seestern Asterias rubens. Er lebt unter anderem auf Muschelbänken und zwischen Steinen. „Gemein“ bedeutet hier gewöhnlich und ist kein Urteil über seine Tischmanieren.

Den Gemeinen Seestern erkennen

Der Gemeine Seestern besitzt normalerweise fünf kräftige Arme. Auf seiner Oberseite sitzen zahlreiche kleine helle Stacheln und Erhebungen. Seine Farbe kann orange, gelblich, bräunlich oder violett wirken. Die Farbe allein reicht deshalb nicht zur sicheren Artbestimmung.

Viele Exemplare bleiben handlich. Ecomare beschreibt einen Durchmesser um zehn Zentimeter als häufig und nennt bis zu 50 Zentimeter als mögliche Maximalgröße. Solche besonders großen Tiere sind allerdings kein Maßstab für jeden Fund an der Nordseeküste.

Größe, Form und Oberfläche unterscheiden sich zwischen den Arten stark. Ein breiter, fast fünfeckiger Seestern und ein Tier mit langen schmalen Armen können derselben Klasse angehören, obwohl sie auf den ersten Blick kaum zusammenpassen.

Wie viele Arme hat ein Seestern?

Bei vielen Arten sind es fünf. Diese Zahl ist besonders bekannt, weil der fünfstrahlige Bauplan bei Stachelhäutern häufig vorkommt. Sie ist aber keine Obergrenze für die ganze Gruppe.

Der Sonnenblumen-Seestern aus dem Nordostpazifik kann als erwachsenes Tier beispielsweise bis zu 24 Arme besitzen. Ein Gemeiner Seestern mit vier Armen ist dagegen meist kein Vertreter einer neuen vierarmigen Art: Häufig fehlt ihm ein Arm, der verletzt oder abgeworfen wurde. Bei der Regeneration können gelegentlich auch ungewöhnliche Formen entstehen.

Wie bewegt sich ein Seestern? Die Füßchen liegen unter den Armen

Ein Seestern läuft meist nicht mit seinen großen Armen wie mit fünf Beinen. Auf der Unterseite der Arme sitzen viele kleine Röhrenfüßchen, auch Ambulakralfüßchen genannt. Sie strecken sich, haften am Untergrund und ziehen den Körper weiter. Viele einzelne Bewegungen ergeben zusammen die Fortbewegung.

Die Füßchen gehören zum Wassergefäßsystem. Flüssigkeitsdruck hilft dabei, die Füßchen auszustrecken. Muskeln wirken bei ihrer Bewegung ebenfalls mit. Der Seestern besitzt damit eine Art körperinterne Hydraulik, allerdings ohne Baumarktanschluss.

Wichtig ist auch das Haften. Die Füßchen werden oft „Saugfüßchen“ genannt, doch beim Gemeinen Seestern sorgen vor allem abgesonderte Haftstoffe für die Verbindung zur Oberfläche. Andere Sekrete ermöglichen wieder das Ablösen. Ein winziger Saugnapf nach dem Prinzip des Badezimmerhakens erklärt die Technik daher nur unzureichend.

Mit den Füßchen hält sich das Tier nicht nur fest und bewegt sich weiter. Sie helfen auch beim Umgang mit Beute. Langsam auszusehen bedeutet für einen Seestern keineswegs, kraftlos zu sein.

Unterseite eines fünfarmigen Seesterns an einer Aquarienscheibe mit vielen Röhrenfüßchen und neugierigem gelbem Fragezeichen.
Mit seinen Röhrenfüßchen bewegt sich ein Seestern auch über senkrechte Flächen. An einer Aquarienscheibe lässt sich die Unterseite gut beobachten.

Kann ein Seestern verlorene Arme nachwachsen lassen?

Viele Seesterne können fehlende Arme regenerieren. Ein kurzer neuer Arm zwischen längeren alten Armen ist ein sichtbarer Hinweis darauf. Auch ein Oktopus kann verlorene Arme ersetzen, obwohl seine Arme und sein Körper ganz anders aufgebaut sind.

Manche Seesterne können einen Arm bei Gefahr aktiv abwerfen. Diese Selbstabtrennung heißt Autotomie. Beim Gemeinen Seestern identifizierten Forschende 2024 einen Nervenbotenstoff, der daran beteiligt ist. Der Armverlust ist somit nicht immer ein bloßes Abreißen durch einen Angreifer.

Aus jedem abgetrennten Arm entsteht aber nicht automatisch ein neuer Seestern. Bei vielen Arten muss ein Teil der zentralen Körperscheibe erhalten bleiben. Manche Arten, etwa aus der Gattung Linckia, besitzen weitreichendere Regenerationsfähigkeiten und können auch aus einem einzelnen Arm wieder einen vollständigen Körper bilden.

Wie lange das dauert und was wiederhergestellt werden kann, hängt von Art, Verletzung und Bedingungen ab. Wochen oder Monate können dazugehören. Regeneration ist beeindruckend, macht eine Verletzung aber nicht harmlos. Einen Arm absichtlich abzubrechen wäre deshalb ein ziemlich schlechter Versuch, Biologie zu demonstrieren.

Hat ein Seestern ein Gehirn und Augen?

Seesterne haben kein zentrales Gehirn wie Menschen oder Fische. Sie besitzen aber ein Nervensystem, unter anderem mit einem Nervenring im zentralen Körperbereich und Nervensträngen in den Armen. Damit können sie Reize wahrnehmen und ihre Bewegungen koordinieren.

Bei vielen Arten sitzen an den Armspitzen kleine Augen. Was diese leisten, ist unterschiedlich. Beim Blauen Seestern Linckia laevigata wurde beispielsweise gezeigt, dass die Augen bei der Orientierung am Korallenriff helfen. Seine Sicht ist sehr grob, aber offenbar nützlicher als die bloße Unterscheidung von hell und dunkel.

Auch die Frage nach einem Kopf ist komplizierter, als die äußere Form vermuten lässt. Eine 2023 veröffentlichte Studie untersuchte, wo beim Seestern Gene für unterschiedliche Körperregionen aktiv sind. Sie fand kopfähnliche Muster an mehreren Stellen. Das ist eine Aussage über die Entwicklung und Evolution des Bauplans, kein Nachweis eines versteckten gewöhnlichen Kopfes mit Gesicht.

Ein Seestern braucht außerdem keine Lunge. Sauerstoff wird aus dem Wasser aufgenommen, unter anderem über dünnwandige Körperoberflächen wie Hautkiemen und Röhrenfüßchen.

Was frisst ein Seestern? Muscheln sind nur ein Teil des Speiseplans

Viele Seesterne sind Räuber oder fressen Aas. Je nach Art können Muscheln, Schnecken, Krebse, Würmer, Schwämme oder andere Stachelhäuter zur Nahrung gehören. Manche nehmen kleine organische Partikel auf. Nicht jeder Seestern betreibt also dieselbe Muscheljagd.

Beim Gemeinen Seestern sind Miesmuscheln besonders wichtig. Er legt sich über eine Muschel, haftet an den Schalen und zieht an ihnen. Dafür muss er die Muschel nicht weit aufklappen. Die Schutzstation Wattenmeer beschreibt schon einen kleinen Schalenspalt als ausreichend, um mit der nächsten Phase der Mahlzeit zu beginnen.

Jetzt kommt der Teil, für den wir Menschen zum Glück keinen Tischknigge brauchen: Der Seestern stülpt einen Teil seines Magens durch den Mund nach außen. Der Magen kann in die Muschel hineinreichen. Verdauungssäfte zerlegen dort die weichen Bestandteile, die anschließend als Nahrung aufgenommen werden.

Der Mund liegt auf der Unterseite im zentralen Körperbereich. Nahrung außerhalb des eigenen Körpers zu verdauen hilft, Beute zu nutzen, die nicht als Ganzes durch diese vergleichsweise kleine Öffnung passen würde.

Mit ihrem Appetit beeinflussen Seesterne die Lebensgemeinschaften am Meeresboden. Wo ein Räuber viele Muscheln oder Seeigel frisst, verändert sich auch, welche anderen Tiere und Algen Raum finden. Der hübsche Stern ist damit ein aktiver Teil seines Ökosystems.

Gemeiner Seestern auf einer Miesmuschelbank mit staunendem gelbem Fragezeichen in einer kühlen Unterwasserszene
 Mit seinen Röhrenfüßchen kann ein Seestern Beute festhalten. Miesmuscheln gehören bei vielen Gemeinen Seesternen zum Speiseplan. 

Wie pflanzen sich Seesterne fort?

Viele Arten geben Eier und Spermien ins Wasser ab. Treffen sie zusammen, findet die Befruchtung außerhalb des Körpers statt. Aus den Eiern entwickeln sich bei zahlreichen Arten frei schwimmende Larven, die zunächst zum Plankton gehören.

Diese Larven sehen noch nicht wie kleine Ausgaben des fertigen Seesterns aus. Ihr Körper besitzt zunächst eine linke und eine rechte Seite. Erst während der weiteren Entwicklung und Umwandlung entsteht der typische strahlige Bauplan. Bei dieser Umwandlung geht die Larve vom freien Wasser zum Leben am Boden über.

Es gibt allerdings auch Arten mit anderen Entwicklungswegen, etwa mit Brutpflege. Und bei einigen Arten spielt ungeschlechtliche Vermehrung durch Teilung eine Rolle. Die verbreitete Ei-Larve-Seestern-Abfolge beschreibt deshalb viele Seesterne, aber nicht lückenlos jede einzelne Art.

Wie alt wird ein Seestern?

Die Lebensdauer unterscheidet sich zwischen den Arten und ist bei vielen nicht genau bekannt. Für den Gemeinen Seestern nennt das Naturmuseum Ecomare ungefähr fünf bis zehn Jahre. Andere Angaben können davon abweichen, etwa weil Tiere unter unterschiedlichen Bedingungen wachsen oder weil das Alter schwer sicher zu bestimmen ist.

Aus dem Durchmesser allein lässt sich deshalb kein verlässlicher Geburtstag ableiten. Nahrungsangebot, Temperatur und andere Umweltbedingungen beeinflussen das Wachstum. Ein großer Seestern muss nicht in einem festen Verhältnis älter sein als ein kleinerer Artgenosse.

Seestern gefunden: Beobachten klappt am besten im Wasser

Einen lebenden Seestern kannst du besonders gut in seinem Lebensraum beobachten. Lass ihn für Fotos unter Wasser und löse ihn nicht gewaltsam von Felsen oder Muscheln. Die Deutsche Stiftung Meeresschutz empfiehlt, kleine Meerestiere für die Beobachtung im Wasser zu lassen.

Das passt auch zu seiner Biologie: Ein Seestern nimmt Sauerstoff aus dem Wasser auf und kann an der Luft austrocknen. Eine pauschale Sekundenregel, nach der jede Art sofort stirbt, beschreibt die unterschiedlichen Tiere und Situationen trotzdem nicht sinnvoll. Für ein Foto muss man diese Grenzen gar nicht austesten.

Bei angespülten Exemplaren ist nicht allein an der Farbe zu erkennen, ob sie noch leben. Wenn an einem Strand viele Tiere liegen oder du bei einem Fund unsicher bist, helfen örtliche Naturschutzstellen bei der Einordnung. Ein lebendes Tier gehört jedenfalls nicht als Souvenir in die Jackentasche.

Ist ein Seestern giftig?

Der Gemeine Seestern ist kein Tier mit gefährlichen Giftstacheln wie ein Dornenkronen-Seestern. Daraus folgt aber nicht, dass alle Seesterne harmlos sind. Die stark bestachelten Dornenkronen-Seesterne tropischer Meere können bei Kontakt schmerzhafte Verletzungen verursachen, bei denen auch Giftstoffe eine Rolle spielen.

Unbekannte Arten solltest du daher nicht anfassen. Und auch den vertrauten Nordseestern lässt du am besten in Ruhe weiterkriechen. Das ist für das Tier angenehmer und für die Beobachtung meist spannender: Mit etwas Geduld wird aus dem scheinbar unbeweglichen Stern ein erstaunlich geschäftiger Meeresbewohner.

FAQ: Häufige Fragen zum Seestern

Ist ein Schlangenstern auch ein Seestern?

Schlangensterne gehören ebenfalls zu den Stachelhäutern, aber zu einer anderen Klasse. Ihre langen, oft sehr beweglichen Arme sind stärker von der zentralen Scheibe abgesetzt. Sie bewegen sich überwiegend mithilfe dieser Arme und sehen echten Seesternen nur auf den ersten Blick ähnlich.

Gibt es männliche und weibliche Seesterne?

Bei vielen Arten ja. Männchen und Weibchen lassen sich von außen aber meist nicht einfach unterscheiden. Die äußere Farbe oder die Zahl der Arme ist dafür kein zuverlässiges Merkmal.

Welche Tiere fressen Seesterne?

Je nach Art und Lebensraum gehören Fische, Krebse, Seevögel oder andere Seesterne zu ihren Fressfeinden. Der Gemeine Seestern kann beispielsweise von Sonnensternen gefressen werden. Ein Räuber am Meeresboden ist also nicht automatisch vor anderen Räubern sicher.

Wie heißt Seestern auf Englisch?

„Sea star“ und „starfish“ sind gebräuchlich. „Sea star“ vermeidet die irreführende Vorstellung, dass das Tier ein Fisch wäre. Der Gemeine Seestern wird unter anderem „common starfish“ genannt.

Kleine Entdeckungen für Seestern- und Küstenfans

Seesterne gehören zum Meer, die folgenden Ideen passen hingegen nach Hause oder in den Ausflugsrucksack. Ob Naturführer, Babygeschenk oder Schokolade, jede hat einen anderen Zweck.

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