Die Verlängerung im Fußball besteht bei Erwachsenen normalerweise aus zweimal 15 Minuten. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein Wettbewerb nach einem Unentschieden einen Sieger verlangt und diesen zusätzlichen Spielabschnitt vorsieht. Nachspielzeit kann trotzdem noch hinzukommen. Ob es überhaupt eine Verlängerung, einen zusätzlichen Wechsel oder direkt ein Elfmeterschießen gibt, entscheidet die Wettbewerbsordnung. Für Jugendspiele gelten teilweise kürzere Zeiten. Hier findest du den Ablauf und die Unterschiede, auf die es beim Zuschauen und selbst Spielen ankommt.
Wann gibt es im Fußball eine Verlängerung?
Eine Verlängerung gibt es nur, wenn der Wettbewerb für ein ausgeglichenes Entscheidungsspiel einen zusätzlichen Spielabschnitt vorsieht. Ein Unentschieden nach 90 Minuten reicht dafür allein nicht aus.
Im normalen Ligaspiel wird bei Gleichstand abgepfiffen und das Ergebnis entsprechend gewertet. In vielen Pokal- und K.-o.-Spielen muss dagegen eine Mannschaft weiterkommen oder einen Titel gewinnen. Die Wettbewerbsordnung legt fest, ob zunächst eine Verlängerung folgt oder der Sieger sofort durch Elfmeterschießen ermittelt wird.
Bei Hin- und Rückspiel zählt meist das zusammengefasste Ergebnis beider Partien. Ein 1:1 im Rückspiel bedeutet deshalb nicht automatisch Verlängerung. Hat die Heimelf das Hinspiel bereits 2:0 gewonnen, führt sie insgesamt 3:1 und die Entscheidung ist gefallen. Erst der nach den jeweiligen Regeln maßgebliche Gleichstand löst den zusätzlichen Abschnitt aus.
Die grundsätzlichen Möglichkeiten zur Siegerermittlung stehen in Regel 10 des IFAB. Welche davon tatsächlich eingesetzt werden, bestimmen die einzelnen Wettbewerbe. Darum kann dasselbe Ergebnis in zwei unterschiedlichen Turnieren einen anderen Ablauf haben.
Wie lange dauert die Verlängerung?
Im Erwachsenenfußball dauert die übliche Verlängerung 30 Minuten, aufgeteilt in zwei Halbzeiten von je 15 Minuten. Die IFAB-Regeln erlauben zwei gleich lange Hälften von jeweils höchstens 15 Minuten.
Die Spieluhr wird meistens weitergezählt. Die erste Hälfte umfasst dann nominell die Minuten 91 bis 105, die zweite die Minuten 106 bis 120. Zuvor muss allerdings die reguläre zweite Halbzeit einschließlich ihrer Nachspielzeit beendet sein.
Die Nachspielzeit verschiebt den Anpfiff der Verlängerung in der tatsächlichen Uhrzeit. Sie verändert nicht deren vorgesehene Dauer. Hat der Schiedsrichter nach der 90. Minute noch sieben Minuten spielen lassen, bleiben für die anschließende übliche Verlängerung trotzdem zwei Abschnitte von je 15 Minuten.
Für deine Abendplanung sind „120 Minuten Fußball“ außerdem kein exakter Zeitrahmen. Halbzeitpause, Nachspielzeiten, Pause vor der Verlängerung und eventuell ein Elfmeterschießen kommen hinzu. Ein Spiel mit Verlängerung kann dadurch deutlich länger als zwei Stunden ab dem ersten Anpfiff dauern.

Verlängerung und Nachspielzeit erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Nachspielzeit gleicht verlorene Spielzeit aus, während eine Verlängerung ein unentschiedenes Entscheidungsspiel verlängert. Beide können deshalb in derselben Begegnung vorkommen.
| Merkmal | Nachspielzeit | Verlängerung |
|---|---|---|
| Anlass | Verlorene Zeit durch Unterbrechungen | Erforderliche Siegerermittlung nach Gleichstand |
| Dauer | Nach Entscheidung des Schiedsrichters | Meist zweimal 15 Minuten |
| Wo sie vorkommt | Am Ende eines Spielabschnitts | Als eigener zusätzlicher Spielabschnitt |
| Gleichstand nötig? | Nein | Nach den Wettbewerbsregeln ja |
Ein Bundesligaspiel kann nach 90.+6 abgepfiffen werden und 2:2 enden. Die sechs Minuten waren Nachspielzeit. Eine Pokalpartie kann nach denselben 90.+6 noch in eine Verlängerung gehen, wenn der betreffende Wettbewerb sie vorschreibt. Die Berechnung der verlorenen Minuten bleibt ein eigenes Thema der Nachspielzeit im Fußball.
So läuft eine Verlängerung Schritt für Schritt ab
Die Verlängerung beginnt nach dem Ende der regulären Spielzeit und einer kurzen Vorbereitungspause. Danach werden ihre beiden Hälften mit Seitenwechsel vollständig ausgespielt.
- Die reguläre Spielzeit endet einschließlich Nachspielzeit.
- Es folgt die vorgesehene Pause, in vielen Wettbewerben fünf Minuten.
- Mit einem neuen Münzwurf werden Seitenwahl und Anstoß für die Verlängerung festgelegt.
- Die erste Hälfte wird gespielt, gegebenenfalls mit eigener Nachspielzeit.
- Die Teams wechseln die Seiten und beginnen die zweite Hälfte.
- Nach der zweiten Hälfte einschließlich Nachspielzeit steht entweder der Sieger fest oder es folgt das vorgeschriebene Entscheidungsverfahren.
Der Anstoß unterliegt denselben Vorgaben wie zu Spielbeginn: Ball auf dem Mittelpunkt, eigene Hälfte für alle außer dem Ausführenden und vorgeschriebener Abstand der Gegner. Die Mannschaft, die die erste Hälfte der Verlängerung nicht angestoßen hat, erhält den Anstoß zur zweiten Hälfte.
Die Verlängerung ist keine neue Begegnung. Der bisherige Spielstand bleibt bestehen. Aus einem 2:2 wird durch einen Treffer ein 3:2, nicht ein separates 1:0. Auch die Mannschaften starten nicht wieder mit einem frischen Wechselkontingent oder neuen persönlichen Strafen.
Wie lange sind die Pausen in der Verlängerung?
Vor der Verlängerung ist in vielen Wettbewerben eine fünfminütige Pause vorgesehen, zwischen ihren Hälften nur ein kurzer Seitenwechsel mit möglicher Trinkpause. Eine zweite große Halbzeitpause von 15 Minuten gibt es normalerweise nicht.
Die aktuellen UEFA-Reglements für Champions League und Europameisterschaft nennen fünf Minuten vor dem zusätzlichen Abschnitt. Ob die Spieler währenddessen auf dem Feld bleiben, steht dort im Ermessen des Schiedsrichters. Die DFB-Durchführungsbestimmungen sehen für die von ihnen erfassten Entscheidungsspiele ebenfalls fünf Minuten und grundsätzlich den Verbleib auf dem Spielfeld vor.
Zwischen den beiden Hälften erlaubt Regel 7 eine kurze Trinkpause von höchstens einer Minute. Die konkrete Wettbewerbsregelung bleibt maßgeblich. Für Trainer bedeutet das: Die Besprechung muss knapp sein. Eine klare taktische Korrektur und die wichtigsten Zuordnungen sind in dieser Zeit hilfreicher als ein vollständiger neuer Matchplan.

Gibt es in der Verlängerung zusätzliche Auswechslungen?
Eine Verlängerung erlaubt nur dann eine zusätzliche Auswechslung, wenn die Wettbewerbsordnung sie ausdrücklich vorsieht. Ein sechster Wechsel ist keine automatische allgemeine Fußballregel.
Ungenutzte Wechsel und ungenutzte Wechselgelegenheiten aus der regulären Spielzeit dürfen in die Verlängerung mitgenommen werden. Gewährt der Wettbewerb einen zusätzlichen Wechsel, kommt nach den IFAB-Vorgaben auch eine zusätzliche Wechselgelegenheit hinzu.
Die Zahl der Spielerwechsel und die Zahl der Gelegenheiten sind unterschiedliche Dinge. Zwei Spieler bei derselben Unterbrechung auszutauschen verbraucht zwei Wechsel, aber nur eine Gelegenheit. Wechsel vor Beginn der Verlängerung oder während ihres Halbzeit-Seitenwechsels reduzieren die Zahl der verfügbaren Gelegenheiten nicht. Sie werden selbstverständlich auf die erlaubte Zahl eingewechselter Spieler angerechnet.
Ein Rechenbeispiel: Ein Wettbewerb erlaubt fünf Wechsel und zusätzlich einen sechsten in der Verlängerung. Hat ein Team nach 90 Minuten drei Spieler getauscht, stehen ihm danach noch die zwei ungenutzten Wechsel und der zusätzliche zur Verfügung. Das Team erhält nicht sechs neue Wechsel.
Ein aktuelles Gegenbeispiel ist der DFB-Pokal der Männer: Nach den Durchführungsbestimmungen 2026 bleiben insgesamt fünf Spielerwechsel erlaubt. Eine sechste Auswechslung ist dort ausdrücklich ausgeschlossen. Die Verlängerung bringt aber eine zusätzliche vierte Wechselgelegenheit. Ein weiteres Fenster ist also möglich, obwohl kein weiterer Spielerwechsel hinzukommt.
Für den konkreten Spielabend lohnt deshalb ein Blick in die Ordnung des Wettbewerbs. Auch wenn Zuschauer von früheren Turnieren einen zusätzlichen Wechsel gewohnt sind, gilt dieser nicht automatisch für das nächste Pokalspiel. Ablauf und Sonderfälle erklärt der Beitrag über Auswechselspieler.
In welchen Wettbewerben wird verlängert?
Der DFB-Pokal der Männer, die K.-o.-Phase der Europameisterschaft und die entscheidenden Champions-League-Spiele sehen eine Verlängerung vor, während manche Supercups direkt ins Elfmeterschießen gehen. Die Beispiele beziehen sich auf die im Oktober 2026 geltenden Bestimmungen.
| Wettbewerb oder Phase | Was passiert bei maßgeblichem Gleichstand? |
|---|---|
| Gewöhnliches Bundesliga-Ligaspiel | Unentschieden, keine Verlängerung |
| DFB-Pokal der Männer | Zweimal 15 Minuten, danach gegebenenfalls Elfmeterschießen |
| Champions League, K.-o.-Duell mit Hin- und Rückspiel | Bei ausgeglichener Gesamtwertung Verlängerung im Rückspiel, danach gegebenenfalls Elfmeterschießen |
| EM-Endrunde, K.-o.-Spiel | Zweimal 15 Minuten, danach gegebenenfalls Elfmeterschießen |
| Deutscher Franz Beckenbauer Supercup | Direktes Elfmeterschießen ohne Verlängerung |
Die Vorrunden und Ligaphasen solcher Turniere verlangen normalerweise nicht in jeder Partie einen Sieger. Ein 0:0 in der Champions-League-Ligaphase führt also nicht dazu, dass spontan bis zur 120. Minute gespielt wird. Den gesamten Wettbewerb erklärt der Beitrag zum Champions-League-Modus.
Für Jugendspiele gelten kürzere Verlängerungen und Ausnahmen
Die DFB-Jugendordnung begrenzt Verlängerungen abhängig von der Altersklasse, sieht für die DFB-Nachwuchsligen aber eine ausdrückliche Ausnahme vor. Erwachsenenregeln lassen sich deshalb nicht pauschal auf jedes Jugend-Pokalspiel übertragen.
- A-Junioren: höchstens zweimal 15 Minuten.
- B-Junioren: höchstens zweimal 10 Minuten.
- Andere Junioren-Altersklassen: zweimal 5 Minuten.
- DFB-Nachwuchsligen: für A- und B-Junioren zweimal 15 Minuten.
Für Juniorinnen gelten die Vorgaben entsprechend. Ob überhaupt verlängert wird oder ein anderes zulässiges Entscheidungsverfahren folgt, muss die jeweilige Wettbewerbsordnung festlegen. Im Kinderfußball sind kurze Festivals und besondere Spielformen ohnehin ein anderer Rahmen als ein klassisches Erwachsenen-K.-o.-Spiel.
Die Begriffe U13, U17 und A-Jugend sind ebenfalls keine austauschbaren Altersangaben. Die Zuordnung nach Geburtsjahr erklärt die Übersicht der Altersklassen im Fußball.
Was passiert, wenn in der Verlängerung ein Tor fällt?
Ein Tor beendet eine heutige reguläre Verlängerung nicht vorzeitig. Die vorgesehenen Spielabschnitte werden vollständig ausgespielt, sodass die andere Mannschaft noch ausgleichen oder das Spiel drehen kann.
Steht es nach 90 Minuten 1:1 und fällt in der 94. Minute das 2:1, läuft das Spiel weiter. Die Führung kann bis zur 120. Minute Bestand haben, wieder verloren gehen oder durch weitere Tore ausgebaut werden. Es gibt kein allgemeines „erstes Tor gewinnt“ mehr.
Golden Goal beendete das Spiel sofort
Bei der früheren Golden-Goal-Regel führte das erste Tor in der Verlängerung unmittelbar zum Sieg. Ein bekanntes Beispiel ist Oliver Bierhoffs entscheidender Treffer für Deutschland im EM-Finale 1996 gegen Tschechien.
Die unterlegene Mannschaft hatte nach diesem Tor keine Gelegenheit zum Ausgleich. Bei einem Spiel mit Golden Goal konnte somit ein einziger Moment die Verlängerung vollständig entscheiden.
Silver Goal konnte nach der ersten Hälfte entscheiden
Bei der Silver-Goal-Regel gewann eine Mannschaft, wenn sie nach der ersten Hälfte der Verlängerung führte. Nach einem frühen Gegentor blieb dem Gegner zumindest bis zum Ende dieses Abschnitts Zeit für eine Antwort.
Bei Gleichstand wurde die zweite Hälfte gespielt. Die UEFA kehrte für ihre Wettbewerbe zur Saison 2004/05 wieder zum traditionellen Verfahren mit vollständig ausgespielter Verlängerung zurück. Die Begriffe Golden Goal und Silver Goal erklären historische Spiele, keine aktuellen Standardregeln.
Auch eine Verlängerung kann Nachspielzeit bekommen
Der Schiedsrichter darf am Ende beider Hälften der Verlängerung Nachspielzeit ansetzen. Verletzungen, Wechsel, Torjubel, Zeitspiel oder Videoüberprüfungen können auch in diesen Abschnitten Zeit kosten.
Deshalb muss der Abpfiff nicht exakt bei 105:00 oder 120:00 erfolgen. Ein Treffer in 120.+2 kann regulär zählen. Die angekündigte Nachspielzeit ist dabei wie zuvor eine Mindestdauer und kann wegen weiterer Unterbrechungen noch wachsen.
Muss zum Ende eines Abschnitts ein Strafstoß ausgeführt oder wiederholt werden, wird dieser Abschnitt bis zum Abschluss des Strafstoßes verlängert. Das ist eine besondere Zeitregel. Es bedeutet nicht, dass nach dem Elfmeter noch zwingend ein neuer Angriff oder ein weiterer Anstoß stattfinden muss.
Was verändert sich taktisch nach 90 Minuten?
In der Verlängerung werden klare Abstände, einfache Absprachen und die vorhandenen Kraftreserven besonders wichtig. Die Regeln bleiben gleich, die Spieler müssen ihre Entscheidungen aber unter größerer Ermüdung treffen.
Eine führende Mannschaft kann den Ball halten und unnötige Risiken vermeiden, darf sich dabei jedoch nicht in regelwidriges Zeitspiel flüchten. Ein zurückliegendes Team erhöht oft das Risiko und schiebt mehr Spieler nach vorn. Damit öffnen sich auch Räume für den Gegner.
Für eine eigene Mannschaft helfen drei kurze Fragen in der Pause: Wer organisiert die Abwehr? Wer bleibt beim Angriff zur Absicherung zurück? Welche Spieler stehen für mögliche Wechsel noch bereit? Bei noch ausgeglichenem Spielstand kann der Trainer zudem mögliche Elfmeterschützen berücksichtigen, etwa bei einer späten Auswechslung. Vorrang hat weiterhin die laufende Verlängerung.
FAQ: Häufige Fragen zur Verlängerung im Fußball
Werden Gelbe Karten nach 90 Minuten gestrichen?
Nein. Eine Verwarnung aus der regulären Spielzeit gilt in der Verlängerung weiter. Sieht derselbe Spieler erneut Gelb, folgt Gelb-Rot. Erst für ein anschließendes Elfmeterschießen werden Ermahnungen und Verwarnungen aus dem Spiel nach den dafür geltenden Regeln nicht übernommen.
Zählen Tore in der Verlängerung zum Spielergebnis?
Ja. Ein nach 90 Minuten bestehendes 2:2 und ein späterer Treffer ergeben ein Endergebnis von 3:2 nach Verlängerung. Tore eines anschließenden Elfmeterschießens sind dagegen eine gesonderte Entscheidung und keine normalen Spieltore.
Wie heißt Verlängerung auf Englisch?
Verlängerung heißt „extra time“. Für Nachspielzeit werden dagegen „added time“ oder „stoppage time“ verwendet. „Overtime“ ist insbesondere aus anderen Sportarten bekannt und im englischen Fußball nicht die übliche Bezeichnung.
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