Anstoß im Fußball: Wer beginnt und welche Regeln gelten?

Ein Anstoß im Fußball bringt den Ball vom Mittelpunkt ins Spiel: zu Beginn jeder Halbzeit, jeder Hälfte einer Verlängerung und nach einem Tor. Der Ball darf dabei nach vorn, zur Seite oder zurück gespielt werden. Ein direkter Treffer ins gegnerische Tor zählt. Trotzdem gelten klare Vorgaben für Münzwurf, Spielerpositionen und Abstand. Gerade die Ausnahme für den ausführenden Spieler und der Unterschied zwischen Anpfiff und Ball im Spiel sorgen immer wieder für Diskussionen.

Wann gibt es beim Fußball einen Anstoß?

Ein Anstoß eröffnet einen Spielabschnitt oder setzt das Spiel nach einem anerkannten Tor fort. Er wird immer vom Anstoßpunkt in der Mitte des Spielfelds ausgeführt.

  • Zu Beginn der ersten Halbzeit.
  • Zu Beginn der zweiten Halbzeit.
  • Zu Beginn beider Hälften einer Verlängerung, sofern der Wettbewerb eine vorsieht.
  • Nach einem Tor durch die Mannschaft, die den Treffer kassiert hat.

Ein Ball im Seitenaus führt dagegen zu einem Einwurf. Für einen Ball im Toraus kommen je nach letzter Berührung Abstoß oder Eckstoß infrage. Nach einer neutralen Unterbrechung kann ein Schiedsrichterball erforderlich sein. Der Anstoß ist also keine beliebige Lösung für jeden Neustart.

Wer hat Anstoß? Der Münzwurf entscheidet über die erste Wahl

Die Mannschaft, die den Münzwurf gewinnt, darf zwischen dem ersten Anstoß und der Wahl der Angriffsrichtung in der ersten Halbzeit wählen. Sie bekommt nicht automatisch beides.

Wählt sie den Anstoß, entscheidet der Gegner, auf welches Tor er zunächst spielt. Wählt sie die Richtung, erhält der Gegner den ersten Anstoß. In der zweiten Halbzeit wechseln beide Mannschaften die Seiten. Dann stößt die Mannschaft an, die in der ersten Halbzeit keinen Anstoß hatte.

Ein Beispiel: Blau gewinnt den Münzwurf und entscheidet sich dafür, zunächst auf das Tor vor der Haupttribüne anzugreifen. Rot führt deshalb den ersten Anstoß aus. Nach der Pause greift Blau in die andere Richtung an und bekommt den Anstoß zur zweiten Halbzeit.

Die Entscheidung kann vom Sonnenstand, Wind oder Platzverhältnissen abhängen. Eine feste Regel, dass der Heimverein oder die Gastmannschaft grundsätzlich zuerst anstößt, gibt es nicht. Für den Münzwurf treten gewöhnlich die Kapitäne beider Mannschaften an.

Zwei Mannschaftskapitäne stehen beim Münzwurf mit dem Schiedsrichter am Mittelkreis
Der Münzwurfsieger wählt den ersten Anstoß oder die Angriffsrichtung.

So wird der Anstoß korrekt ausgeführt

Für einen korrekten Anstoß müssen Ball, Aufstellung, Abstand und Freigabe stimmen. Die eigentliche Bewegung ist einfach: Ein Spieler spielt den ruhenden Ball mit dem Fuß, sodass er sich eindeutig bewegt.

  1. Der Ball liegt ruhig auf dem Anstoßpunkt.
  2. Alle Spieler außer dem Ausführenden befinden sich in ihrer eigenen Spielfeldhälfte.
  3. Die Gegner halten mindestens 9,15 Meter Abstand zum Ball.
  4. Der Schiedsrichter gibt das Zeichen zur Ausführung.
  5. Der ausführende Spieler tritt den Ball und setzt ihn klar in Bewegung.

Der Mittelkreis macht den vorgeschriebenen Abstand sichtbar. Auf dem gewöhnlichen Großfeld beträgt sein Radius 9,15 Meter. Seine Markierung ist damit eine praktische Hilfe für den Schiedsrichter, keine dekorative Zielscheibe. Die übrigen Maße erklärt der Beitrag zur Fußballfeldgröße.

Ein Fuß auf dem Ball, ohne dass er sich bewegt, setzt das Spiel noch nicht fort. Der Ball muss auch nicht erst den Kreis verlassen. Sobald der erste regelgerechte Tritt ihn eindeutig bewegt, dürfen die Gegner anlaufen und die Mitspieler in die andere Hälfte starten.

Wer darf im Mittelkreis und in der gegnerischen Hälfte stehen?

Mitspieler der anstoßenden Mannschaft dürfen im Mittelkreis stehen, Gegner müssen außerhalb des vorgeschriebenen Abstands bleiben. Für die eigene Spielfeldhälfte gilt aber eine zusätzliche Vorgabe.

Nur der Spieler, der den Anstoß ausführt, darf sich vor der Ausführung in der gegnerischen Hälfte befinden. Diese Ausnahme hilft insbesondere bei einem direkten Rückpass: Der Spieler steht auf der anderen Seite des Balls und spielt ihn zurück zu einem Mitspieler.

Alle anderen Spieler seiner Mannschaft bleiben zunächst in der eigenen Hälfte. Es sind also mehrere Mitspieler im eigenen Teil des Mittelkreises erlaubt. Zwei Spieler am Ball sind möglich, aber längst keine Pflicht mehr. Eine anstoßende Mannschaft könnte dort auch mehr Spieler versammeln, würde dadurch allerdings andere Räume unnötig freilassen.

Bei den Gegnern müssen zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: eigene Hälfte und mindestens 9,15 Meter Abstand zum Ball. Erst wenn der Ball im Spiel ist, dürfen sie die Mittellinie beziehungsweise den Mittelkreis in Richtung Ball überschreiten.

Der Ball darf beim Anstoß in jede Richtung gespielt werden

Der Anstoß darf nach vorn, nach hinten oder seitlich ausgeführt werden. Die frühere Pflicht, den Ball zuerst vorwärts zu spielen, wurde 2016 aufgehoben.

Darum siehst du heute oft nur einen Spieler direkt am Mittelpunkt. Er passt zurück zum Mittelfeld oder zu einem Innenverteidiger, und die Mannschaft beginnt ihren Aufbau. Ein früher übliches kurzes Antippen nach vorn durch Spieler A und der sofortige Rückpass durch Spieler B bleiben erlaubt, sind aber nicht erforderlich.

Die Richtung muss auch nicht mit der Wahl beim Münzwurf übereinstimmen. „Wir spielen auf dieses Tor“ legt fest, welches Tor die Mannschaft angreift. Es bedeutet nicht, dass jeder erste Pass in dessen Richtung rollen muss.

Wann ist der Ball im Spiel?

Der Ball ist erst im Spiel, wenn er nach der Freigabe mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt. Der Pfiff allein reicht dafür nicht.

Diese kleine Zeitspanne kann bei einem Vergehen entscheidend sein. Begeht ein Spieler nach dem Pfiff, aber vor dem Tritt eine strafbare Handlung, war der Ball weiterhin aus dem Spiel. Eine persönliche Strafe ist möglich, die vorgesehene Spielfortsetzung bleibt jedoch grundsätzlich der Anstoß.

Bei einem Feldverweis vor dem ersten ausgeführten Anstoß kann ein bereits gemeldeter Einwechselspieler den betroffenen Startspieler unter den Voraussetzungen von Regel 3 ersetzen. Nach dem ersten ausgeführten Anstoß ist diese Möglichkeit vorbei. Dann muss die Mannschaft bei einem Feldverweis in Unterzahl weiterspielen. Das ist ein Grund, weshalb der genaue Beginn und die Regeln für Auswechselspieler zusammengehören.

Darfst du direkt vom Anstoß ein Tor erzielen?

Ein direkt aus dem Anstoß erzieltes Tor gegen den Gegner zählt. Der Ball muss vorher keinen Mitspieler, Gegner oder Torwart berühren.

Praktisch braucht ein solcher Versuch einen sehr präzisen und kräftigen Schuss. Er kann sinnvoll sein, wenn der gegnerische Torwart weit vor seinem Tor steht. Der Schütze sollte dessen Position vor der Freigabe erkennen und die Mannschaft über die Idee informieren. Sonst starten die Mitspieler womöglich in eine andere einstudierte Variante.

Für das eigene Tor gilt das Gegenteil: Rollt oder fliegt der Ball aus dem Anstoß ohne weitere Spielerberührung ins eigene Netz, zählt kein Eigentor. Der Gegner bekommt einen Eckstoß. Berührt vorher ein anderer Spieler den Ball, kann ein danach entstandenes Eigentor dagegen regulär zählen.

Ein Beispiel: Der Anstoß wird direkt zurückgespielt und läuft völlig unberührt ins eigene Tor. Entscheidung: Ecke. Der Torwart versucht denselben Ball zu stoppen, berührt ihn und lässt ihn dann ins Netz rollen. Nun liegt eine weitere Spielerberührung vor, sodass der Treffer als Eigentor zählen kann.

Der Ausführende darf nicht sofort selbst weiterdribbeln

Der Anstoßspieler darf den Ball erst erneut spielen, nachdem ihn ein anderer Spieler berührt hat. Ein Antippen mit anschließendem eigenem Dribbling ist deshalb nicht erlaubt.

Spielt er den Ball trotzdem ein zweites Mal mit dem Fuß, erhält der Gegner einen indirekten Freistoß an der Stelle des zweiten Kontakts. Es reicht nicht, dass der Ball inzwischen mehrere Meter gerollt ist. Entscheidend ist die Berührung durch einen anderen Spieler.

Bei einem strafbaren zweiten Kontakt mit Hand oder Arm folgt stattdessen ein direkter Freistoß. Passiert das Handspiel eines Feldspielers im eigenen Strafraum, kann daraus ein Strafstoß werden. Ist der Ausführende der Torwart und begeht er den zweiten Handkontakt in seinem eigenen Strafraum, lautet die Spielfortsetzung indirekter Freistoß. Die Torwart-Ausnahme macht aus einem zweiten Kontakt keine erlaubte Aktion.

Was passiert bei einem falschen Anstoß?

Bei Fehlern der Anstoßausführung wird grundsätzlich wiederholt, während ein unerlaubter zweiter Ballkontakt anders bestraft wird. Seit dem Regelwerk 2026/27 muss zudem die Möglichkeit eines Vorteils für den Gegner berücksichtigt werden.

SituationGrundsätzliche Entscheidung
Ball liegt nicht am Mittelpunkt oder bewegt sich schonWiederholung
Ein Mitspieler außer dem Ausführenden steht zu früh in der gegnerischen HälfteWiederholung
Gegner unterschreitet den MindestabstandWiederholung, sofern kein Vorteil entsteht
Anstoß wird vor der Freigabe ausgeführtErneute korrekte Ausführung nach dem Zeichen
Ausführender spielt den Ball ohne fremde Berührung zweimal mit dem FußIndirekter Freistoß für den Gegner

Nach einer fehlerhaften Spielfortsetzung kann der Schiedsrichter weiterspielen lassen, wenn der Ball im Spiel ist und der Gegner daraus einen Vorteil erhält. Entsteht der erwartete Vorteil nicht sofort oder innerhalb weniger Sekunden, wird entsprechend zurückgegangen. Aus einem klaren Gegenangriff muss somit nicht zwingend eine Wiederholung werden, die der fehlbaren Mannschaft den Ball zurückgibt.

Absichtliches Verzögern, provozierendes Verhalten oder wiederholte Verstöße können zusätzlich eine Verwarnung rechtfertigen. Ein kleiner Stellungsfehler bedeutet jedoch nicht automatisch Gelb.

Nach einem Tor darfst du den Gegner nicht beim Jubeln überrumpeln

Ein schneller Anstoß nach einem Gegentor muss genauso korrekt freigegeben und ausgeführt werden wie jeder andere Anstoß. Er ist keine Erlaubnis, gegen eine noch außerhalb des Spielfelds feiernde Mannschaft loszuspielen.

Das Schiedsrichterteam wartet darauf, dass die für den Neustart erforderliche Aufstellung stimmt. Sind jubelnde Gegenspieler noch an der Eckfahne oder außerhalb des Felds, kannst du nicht einfach den Ball zum Mittelpunkt bringen, selbst anstoßen und einen leeren Spielraum nutzen.

Davon zu unterscheiden sind Situationen mit erlaubter Abwesenheit, etwa nach einer Verletzung oder Auswechslung. Es müssen auch nicht zwingend elf Spieler pro Team anwesend sein, damit überhaupt ein Spiel stattfinden kann. Die allgemeinen Vorgaben zur Spielerzahl und die konkrete Freigabe bleiben entscheidend.

Spieler bereiten nach einem Tor den nächsten Anstoß am Mittelpunkt vor
Nach einem Tor stößt die Mannschaft an, die den Treffer kassiert hat. Aufstellung und Freigabe müssen vorher stimmen.

Eine gute Anstoßvariante hat einen klaren Anschluss

Eine sinnvolle Anstoßvariante regelt nicht nur den ersten Pass, sondern auch die nächsten Laufwege und die Absicherung. Drei einfache Möglichkeiten sind:

  • Sicherer Aufbau: Rückpass zu einem zentralen Spieler, danach Weiterleitung zu einem freien Innenverteidiger. Die Mannschaft verteilt sich mit Abstand und bietet mehrere Passwege an.
  • Gezielter langer Ball: Rückpass und anschließendes Zuspiel auf einen vorher festgelegten Flügel oder Zielspieler. Mitspieler besetzen die Räume für einen abgewehrten zweiten Ball.
  • Schnelle Kombination: Kurzer erster Pass und abgestimmte Bewegungen für das folgende Zuspiel. Geschwindigkeit hilft nur, wenn die Mitspieler die Idee kennen.

Für Anfänger genügt zunächst die sichere Variante. Übe sie mit mehreren Spielern: Einer stößt an, ein zweiter verarbeitet den Rückpass und zwei weitere bieten unterschiedliche Anschlusswege. Danach übernimmt ein Gegner kontrolliert das Anlaufen. So trainierst du neben dem Regelablauf auch ein einfaches Positionsspiel, statt lediglich den Ball am Mittelpunkt zu bewegen.

FAQ: Häufige Fragen zum Anstoß im Fußball

Muss der Kapitän den Anstoß ausführen?

Nein. Jeder spielberechtigte Spieler auf dem Feld darf den Anstoß ausführen, einschließlich des Torwarts. Der Kapitän übernimmt gewöhnlich die Kommunikation beim Münzwurf, daraus entsteht keine Pflicht zum ersten Ballkontakt.

Gibt es beim Anstoß eine besondere Abseitsausnahme?

Nein. Anders als beim direkten Empfang eines Einwurfs, Abstoßes oder Eckstoßes gibt es keine eigene Anstoßausnahme. Die vorgeschriebene Ausgangsposition verhindert beim ersten Zuspiel normalerweise ohnehin eine Abseitsstellung des Empfängers. Bei folgenden Pässen gelten die normalen Abseitsregeln.

Wie heißt Anstoß auf Englisch und in Österreich?

Auf Englisch heißt die Spielfortsetzung „kick-off“. In Österreich ist auch „Ankick“ gebräuchlich. Alle Bezeichnungen meinen den Neustart vom Mittelpunkt.

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