Ein Eckstoß ist eine Spielfortsetzung für die angreifende Mannschaft. Meist wird er gegeben, wenn der Ball die Torlinie vollständig überquert, zuletzt von einem Verteidiger berührt wurde und kein Tor gefallen ist. Ausgeführt wird der Eckstoß aus dem nächstgelegenen Eckbereich. Eckstoß, Eckball und Ecke bedeuten dasselbe; auf Englisch heißt die Spielfortsetzung Corner Kick.
Wann gibt es einen Eckstoß?
Ein Eckstoß wird normalerweise gegeben, wenn der gesamte Ball über die Torlinie gelangt, ein Spieler der verteidigenden Mannschaft ihn zuletzt berührt hat und dabei kein Tor erzielt wurde. Es spielt keine Rolle, ob der Ball am Boden, in der Luft, neben dem Pfosten oder über der Querlatte ins Aus geht.
Typische Situationen sind:
- Ein Verteidiger lenkt einen Torschuss neben das Tor
- Der Torwart wehrt den Ball über die Querlatte
- Ein Abwehrspieler klärt den Ball hinter die eigene Torlinie
- Ein Rückpass rollt am eigenen Tor vorbei ins Aus
Hat dagegen ein Angreifer den Ball zuletzt berührt, wird das Spiel mit einem Abstoß fortgesetzt. Entscheidend ist immer der letzte Ballkontakt, bevor der Ball die Torlinie vollständig überquert. Bei knappen Szenen unterstützt der Linienrichter den Schiedsrichter bei der Entscheidung.
Eine Berührung mit Hand oder Arm führt nicht automatisch zu einem Freistoß oder Strafstoß. Liegt kein strafbares Handspielvor und der Ball geht zuletzt von einem Verteidiger über die Torlinie, lautet die Entscheidung Eckstoß.
Wann führt Zeitspiel zu einem Eckstoß?
Ein Eckstoß kann auch als Strafe für bestimmtes Zeitspiel der verteidigenden Mannschaft verhängt werden. Nach dem aktuellen Regelwerk betrifft das zwei Situationen:
- Kontrolliert der Torwart den Ball in seinem Strafraum länger als acht Sekunden mit den Händen oder Armen, erhält die gegnerische Mannschaft einen Eckstoß. Der Schiedsrichter entscheidet, wann die Ballkontrolle beginnt, und zählt die letzten fünf Sekunden sichtbar mit erhobener Hand herunter. Die Ecke wird auf der Seite ausgeführt, die dem Standort des Torwarts beim Vergehen am nächsten liegt. Eine Karte gibt es dafür normalerweise nicht; bei wiederholten Verstößen kann der Torwart verwarnt werden.
- Verzögert eine Mannschaft ihren Abstoß absichtlich, kann der Schiedsrichter ebenfalls einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown beginnen. Ist der Ball nach Ablauf der Zeit noch nicht im Spiel, bekommt der Gegner einen Eckstoß auf der Seite, die dem vorgesehenen Ort des Abstoßes am nächsten liegt. Für die überschrittene Frist allein gibt es keine Gelbe Karte. Sie kommt erst in Betracht, wenn die anschließende Ecke übermäßig weiter verzögert wird.
Wie wird ein Eckstoß richtig ausgeführt?
Ein Eckstoß wird von einem Spieler der angreifenden Mannschaft mit dem Fuß aus dem vorgeschriebenen Eckbereich ausgeführt. Dabei gelten folgende Regeln:
- Der Ball muss stillliegen
- Der Ball muss im Eckbereich liegen, der dem Ort des Ausballs am nächsten ist
- Die Eckfahnenstange darf nicht bewegt werden
- Die Gegner müssen mindestens 9,15 Meter vom Eckviertelkreis entfernt bleiben
- Der Ball ist im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt
Der Ball muss den Eckbereich nicht vollständig verlassen. Ein kurzes Antippen genügt, sofern eine klare Bewegung erkennbar ist. Er darf anschließend in jede Richtung rollen, also auch seitwärts oder zurück.
Wo muss der Ball beim Eckstoß genau liegen?
Der Ball liegt korrekt, wenn sich zumindest ein Teil von ihm innerhalb des Eckbereichs oder senkrecht über dessen Begrenzung befindet. Er muss deshalb weder vollständig im Viertelkreis liegen noch mit seiner Unterseite die aufgemalte Linie berühren.
Aus einer seitlichen Kameraperspektive kann eine regelgerechte Platzierung so aussehen, als läge der Ball knapp außerhalb. Maßgeblich ist jedoch nicht die Kontaktstelle mit dem Rasen, sondern die Position des gesamten Balls über dem Eckbereich und seiner Linie. Ragt ein Teil des Balls senkrecht über den Eckbogen, darf die Ecke ausgeführt werden.
Bei einem normalen Eckstoß ist die Ecke zu verwenden, die der Stelle des Ausballs am nächsten liegt. Die angreifende Mannschaft darf sich die Seite nicht aussuchen.
Muss ein Eckstoß angepfiffen werden?
Ein Eckstoß muss normalerweise nicht angepfiffen oder ausdrücklich freigegeben werden. Liegt der Ball richtig und hat der Schiedsrichter keine Warteanweisung erteilt, darf die angreifende Mannschaft die Ecke sofort ausführen.
Ein Pfiff ist jedoch nötig, wenn das Spiel zuvor beispielsweise wegen einer Verletzung, einer Auswechslung oder einer persönlichen Strafe unterbrochen wurde. Hat der Schiedsrichter deutlich gemacht, dass auf sein Zeichen gewartet werden muss, darf der Ball ebenfalls erst nach der Freigabe gespielt werden.
Eine schnelle Ecke ist somit erlaubt. Die Verteidiger haben keinen Anspruch darauf, sich erst vollständig aufzustellen. Sie müssen allerdings den Abstand von 9,15 Metern einhalten. Behindert ein zu nah stehender Spieler die Ausführung, wird die Ecke wiederholt, sofern kein Vorteil entsteht. Außerdem kann der Verteidiger wegen der Missachtung des Abstands verwarnt werden.
Gibt es beim Eckstoß Abseits?
Beim direkten Zuspiel aus einem Eckstoß gibt es kein Abseits. Ein Angreifer darf den Ball daher unmittelbar aus der Ecke erhalten, selbst wenn er näher an der gegnerischen Torlinie steht als der vorletzte Verteidiger.
Sobald ein weiterer Mitspieler den Ball spielt oder berührt, gilt wieder die normale Abseitsregel. Bei einer kurzen Ecke kann der ursprüngliche Schütze deshalb beim Rückpass seines Mitspielers im Abseits stehen.
Die Abseitsfreiheit erlaubt es Angreifern nicht, den Torwart festzuhalten, wegzuschieben oder ihm regelwidrig den Weg zu versperren. Ein Foul bleibt auch bei einem Eckball ein Foul.
Kann aus einem Eckstoß direkt ein Tor erzielt werden?
Aus einem Eckstoß darf der Ball ohne weitere Berührung direkt im gegnerischen Tor landen. Der Treffer zählt dann regulär.
Gelangt der Ball dagegen unmittelbar in das Tor der Mannschaft, die den Eckstoß ausgeführt hat, wird kein Eigentor anerkannt. Die gegnerische Mannschaft erhält stattdessen selbst einen Eckstoß. Berührt unterwegs jedoch ein anderer Spieler den Ball, kann ein anschließendes Eigentor regulär zählen.
Dass ein Eckball ohne jeden weiteren Kontakt über das gesamte Spielfeld hinweg im eigenen Tor landet, ist natürlich extrem unwahrscheinlich. Das offizielle Regelwerk berücksichtigt aber auch solche Ausnahmefälle. Die entsprechende Vorgabe steht in Regel 17 des IFAB.
Was passiert bei einer falschen Ausführung?
Bei einer fehlerhaften Ausführung wird der Eckstoß meist wiederholt; ein unerlaubter zweiter Ballkontakt führt dagegen in der Regel zu einem indirekten Freistoß. Entscheidend ist, ob und wie das Vergehen passiert.
- Liegt der Ball falsch oder bewegt er sich bereits vor dem Tritt, wird die Ecke wiederholt
- Wird die Eckfahnenstange für die Ausführung bewegt, wird die Ecke wiederholt
- Berührt der Schütze den Ball ein zweites Mal, bevor ihn ein anderer Spieler berührt hat, erhält der Gegner einen indirekten Freistoß
- Begeht der Schütze beim zweiten Kontakt ein strafbares Handspiel, gibt es einen direkten Freistoß oder im eigenen Strafraum grundsätzlich einen Strafstoß; ist der Schütze der Torwart, wird dort auf indirekten Freistoß entschieden
- Unterschreitet ein Verteidiger den Abstand und behindert die Ausführung, wird die Ecke wiederholt, sofern kein Vorteil entsteht
Schieben, Halten oder andere Vergehen im Strafraum werden danach beurteilt, ob der Ball bereits im Spiel war. Geschieht das Vergehen vor der Ausführung, bleibt es grundsätzlich beim Eckstoß; der Täter kann je nach Schwere ermahnt, verwarnt oder vom Platz gestellt werden. Sobald der Ball gespielt wurde und sich eindeutig bewegt, kann ein verteidigendes Foul innerhalb des Strafraums zu einem Elfmeter führen.
Darf der VAR einen falsch gegebenen Eckstoß überprüfen?
Der VAR darf einen eindeutig falsch gegebenen Eckstoß nur überprüfen, wenn der jeweilige Wettbewerb diese Möglichkeit eingeführt hat. Die seit dem Regelwerk 2026/27 erlaubte Kontrolle ist daher nicht automatisch in jeder Liga verfügbar.
Eine Korrektur darf nur erfolgen, wenn der Fehler sofort erkannt wird und sich ohne Verzögerung der Spielfortsetzung beheben lässt. Wird die Ecke schnell ausgeführt, kann die Entscheidung anschließend nicht mehr geändert werden. Überprüfbar ist ein klar zu Unrecht zugesprochener Eckstoß, etwa wenn der Ball tatsächlich von einem Angreifer ins Toraus gespielt wurde oder zuvor über die Seitenlinie gegangen war. Nicht jede knappe Ecke wird dadurch zu einem längeren Video-Fall.
Was ist der Unterschied zwischen Eckstoß, Abstoß und Anstoß?
Eckstoß, Abstoß und Anstoß unterscheiden sich durch den Anlass, die ausführende Mannschaft und den Ort der Spielfortsetzung.
| Spielfortsetzung | Wann gibt es sie? | Wer führt aus? | Wo wird ausgeführt? |
| Eckstoß | Ball über die Torlinie, Verteidiger zuletzt am Ball, kein Tor | Angreifende Mannschaft | Nächstgelegener Eckbereich |
| Abstoß | Ball über die Torlinie, Angreifer zuletzt am Ball, kein Tor | Verteidigende Mannschaft | Torraum |
| Anstoß | Zu Beginn einer Halbzeit, einer Hälfte der Verlängerung oder nach einem Tor | Die jeweils berechtigte Mannschaft | Mittelpunkt |
Nach einem Tor führt die Mannschaft den Anstoß aus, die den Treffer kassiert hat. Eckstoß und Abstoß hängen dagegen davon ab, wer den Ball zuletzt berührt hat, bevor er außerhalb des Tores vollständig über die Torlinie gelangte.
Welche Eckstoßvarianten gibt es?
Die häufigsten Eckstoßvarianten sind die direkte Hereingabe, die kurze Ecke und einstudierte Kombinationen. Welche Lösung gewählt wird, hängt von der Schusstechnik, den Laufwegen der Mitspieler und der gegnerischen Abwehrordnung ab.
- Beim zum Tor gezogenen Eckball dreht sich die Flugbahn in Richtung Tor
- Beim vom Tor weg gezogenen Eckball dreht sich der Ball aus dem Torraum heraus
- Bei der kurzen Ecke erhält ein nahestehender Mitspieler den Ball
- Bei der flachen Ecke wird der Ball gezielt an den kurzen Pfosten oder in den Rückraum gespielt
- Bei einer einstudierten Variante schaffen abgestimmte Laufwege Platz für einen bestimmten Spieler
- Bei einem direkten Torversuch wird der Ball mit viel Effet unmittelbar auf das gegnerische Tor gebracht
Kurze Ecken sollen häufig eine Überzahlsituation am Flügel schaffen oder einen besseren Winkel für die anschließende Flanke ermöglichen. Direkte Hereingaben bringen den Ball dagegen möglichst schnell in den Strafraum, wo ein Kopfball, ein Abschluss oder ein gefährlicher zweiter Ball entstehen kann.
Warum heben Fußballer beim Eckstoß den Arm?
Fußballer heben vor einem Eckstoß meist den Arm, um ihren Mitspielern eine vereinbarte Variante oder bestimmte Laufwege anzukündigen. Die Geste ist nicht vorgeschrieben und besitzt keine allgemein gültige Bedeutung.
Bei einem Team kann ein erhobener Arm eine Flanke an den kurzen Pfosten ankündigen, während zwei Arme für den langen Pfosten stehen. Eine andere Mannschaft kann genau dieselben Zeichen völlig anders verwenden. Zuschauer und Gegner können das Signal daher nicht zuverlässig entschlüsseln. Ein Geheimcode, den jeder sofort versteht, wäre schließlich kein besonders guter.