Was macht ein Verteidiger? Aufgaben im Fußball einfach erklärt

Ein Verteidiger schützt das eigene Tor, indem er gefährliche Räume schließt, Pässe abfängt, Gegenspieler stellt und Abschlüsse verhindert. Nach einem Ballgewinn ist seine Arbeit nicht vorbei: Er sichert den Ball, eröffnet den nächsten Angriff und bleibt bereit, einen Konter abzufangen. Gute Abwehrarbeit zeigt sich deshalb nicht nur in Zweikämpfen. Oft verhindert ein Verteidiger durch sein Stellungsspiel, dass ein Torschuss überhaupt möglich wird.

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Die Abwehr steht meist vor dem Torwart

Verteidiger sind Feldspieler, die sich bei gegnerischen Angriffen meist zwischen Ball und eigenem Tor positionieren. Hinter ihnen sichert der Torwart den Raum bis zum Tor. Gemeinsam bilden die Verteidiger die Abwehr, wobei nicht nur sie verteidigen: Auch Mittelfeldspieler und Stürmer sollen Passwege schließen, Gegner unter Druck setzen und nach einem Ballverlust zurückarbeiten.

Die Bezeichnung „Verteidiger“ beschreibt eine taktische Rolle und keine eigene Spielerart im Regelwerk. Für Anzahl und Aufstellung der Abwehrspieler machen die Regeln keine Vorgaben. Die Fußballregeln des IFAB verlangen lediglich, dass von höchstens elf Spielern eines Teams einer der Torhüter sein muss. Wie viele Verteidiger tatsächlich aufgestellt werden und wo sie stehen, bestimmt die Formation. Torwart, Abwehr, Mittelfeld und Angriff bilden die vier großen Bereiche der Positionen im Fußball.

Gute Abwehrarbeit beginnt vor dem Zweikampf

Ein Verteidiger wartet nicht, bis der Angreifer unmittelbar vor ihm steht. Er beobachtet den Ball, die Laufwege der Gegner und die Positionen seiner Mitspieler. Daraus ergeben sich seine wichtigsten Aufgaben gegen den Ball:

  • den direkten Weg zum eigenen Tor schließen
  • gefährliche Passwege und Räume besetzen
  • einen Gegenspieler decken oder ihn an einen Mitspieler übergeben
  • Angreifer nach außen oder zu einem helfenden Mitspieler lenken
  • Pässe abfangen sowie Schüsse und Flanken blocken
  • Lauf-, Kopfball- und Bodenzweikämpfe führen
  • Mitspieler absichern und abgewehrte oder frei gewordene Bälle sichern

Im direkten Duell steht der Verteidiger häufig leicht seitlich. So kann er die Richtung des Dribblings beeinflussen und mit dem Angreifer zurückweichen, ohne ihm sofort den Weg zum Tor zu öffnen. Erst wenn der Ball zu weit vorgelegt wird oder Hilfe durch einen Mitspieler kommt, bietet sich ein günstiger Moment zum Attackieren. Diese Grundsätze finden sich auch in den DFB-Hinweisen zum defensiven Eins-gegen-eins.

Eine Grätsche ist dabei meist die letzte Lösung. Bleibt der Verteidiger auf den Füßen, kann er seine Richtung noch ändern und weiter eingreifen. Rutscht er am Ball vorbei, kann der Weg für den Angreifer frei werden. Außerdem wird ein Zweikampf nicht allein dadurch regelkonform, dass der Verteidiger zuerst den Ball berührt. Wie er in den Gegner geht, entscheidet ebenfalls darüber, ob ein Foul vorliegt.

Die Aufgaben eines Verteidigers wechseln mit der Spielsituation

Nicht in jeder Situation ist die sofortige Balleroberung das beste Ziel. Ein guter Verteidiger passt sein Verhalten an die Gefahr an:

  • Weit vom Tor entfernt: Er kann zurückweichen, den Angriff verlangsamen und Zeit für nachrückende Mitspieler gewinnen.
  • Bei einem ungenauen Ballkontakt: Er verkürzt den Abstand und versucht, den Ball kontrolliert zu erobern.
  • In der Nähe des eigenen Tores: Er schützt zuerst den Weg zum Abschluss und blockt notfalls den Schuss oder die Hereingabe.
  • Wenn ein Mitspieler Druck macht: Er sichert leicht versetzt dahinter und verhindert, dass ein Pass oder Dribbling beide Verteidiger überspielt.
  • Nach dem Ballgewinn: Er klärt nur dann unkontrolliert, wenn unmittelbare Gefahr besteht. Ist Zeit vorhanden, sichert er den Ball und sucht eine Anspielstation.

Gutes Verteidigen kann deshalb unspektakulär aussehen. Wird der Angreifer nach außen gedrängt, muss er abbrechen oder einen Rückpass spielen. Damit hat der Verteidiger seine Aufgabe häufig schon erfüllt, ohne den Ball berührt zu haben.

Die Abwehr bewegt sich als gemeinsame Kette

Mehrere Verteidiger dürfen nicht unabhängig voneinander zum Ball laufen. In einer Abwehrkette übt der ballnahe Spieler Druck aus, während seine Mitspieler einrücken und ihn diagonal absichern. So bleiben die Abstände klein und der Gegner kann nicht einfach durch die Lücke zwischen zwei Verteidigern passen.

Gelangt der Ball auf die andere Seite, verschiebt die gesamte Kette. Der bisher ballferne Außenverteidiger rückt dabei häufig ins Zentrum, statt an der Seitenlinie auf einen Gegner zu warten. Gleichzeitig stimmen die Verteidiger untereinander und mit dem Torwart ab, wer zum Ball geht, wer einen Laufweg übernimmt und wer den Raum hinter der Abwehr sichert.

Auch das gemeinsame Aufrücken verlangt Abstimmung. Für die Abseitsregel ist normalerweise der vorletzte Gegenspieler maßgeblich. Bleibt ein Abwehrspieler hinter der übrigen Kette zurück, verschiebt er diese entscheidende Linie nach hinten und kann einen Angreifer dadurch im Spiel halten. Blind nach vorne zu laufen wäre trotzdem riskant: Kann der Gegner den Ball unbedrängt in den Raum hinter der Abwehr spielen, hat dessen Sicherung Vorrang.

Mit dem Ball beginnt der nächste Angriff

Moderne Verteidiger sollen nicht nur Bälle wegschlagen. Bei eigenem Ballbesitz bieten sie sich dem Torwart und den Mitspielern an, kontrollieren Zuspiele unter Druck und entscheiden, wie das Spiel fortgesetzt wird. Dafür stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • ein sicherer Pass zu einem freien Mitspieler
  • ein flacher Pass durch oder neben die vorderste gegnerische Reihe
  • ein Seitenwechsel auf die freie Seite
  • ein Dribbling nach vorne, bis ein Gegner herausrückt
  • ein langer Ball, wenn der Gegner weit aufgerückt ist und hinter seiner Abwehr Raum entsteht

Innenverteidiger eröffnen viele Angriffe aus dem Zentrum. Außenverteidiger schaffen zusätzlich Breite, kombinieren auf dem Flügel oder rücken in freie Räume im Mittelfeld ein. Das DFB-Qualitätsprofil für Innen- und Außenverteidiger nennt deshalb neben defensiven Fähigkeiten unter anderem Ballsicherheit, Spielübersicht, Anspielbereitschaft und variable Lösungen im Aufbau.

Verteidiger eröffnet mit einem flachen Pass den Spielaufbau, begleitet vom gelben Question-King-Fragezeichen

Während einige Verteidiger vorrücken, müssen andere Spieler hinter dem Ball bleiben. Diese Absicherung wird häufig Restverteidigung genannt. Sie soll verhindern, dass aus einem eigenen Angriff nach einem Ballverlust sofort ein gegnerischer Konter entsteht.

Innen-, Außen- und Schienenspieler setzen andere Schwerpunkte

Alle Abwehrspieler schützen das eigene Tor, doch ihr genauer Arbeitsbereich unterscheidet sich:

RolleTypischer RaumBesonderer Schwerpunkt
InnenverteidigerZentrum vor dem eigenen TorStürmer aufnehmen, den Raum hinter der Abwehr sichern, Flanken klären und den Aufbau zentral eröffnen
Außenverteidigerrechte oder linke AbwehrseiteFlügelangriffe stoppen, ins Zentrum einrücken und bei eigenem Ballbesitz Breite geben
Schienenspielergesamte Außenbahn in einem System mit drei zentralen Verteidigerndefensive und offensive Aufgaben auf dem Flügel miteinander verbinden
Liberofreier Raum hinter den übrigen Verteidigernohne festen Gegenspieler absichern und den Spielaufbau ordnen; im modernen Spitzenfußball nur noch selten als klassische Rolle anzutreffen

Rechtsverteidiger und Linksverteidiger sind somit Außenverteidiger auf der jeweiligen Spielfeldseite. Ob ein Spieler in einer Situation eher absichert oder weit mit angreift, hängt jedoch stärker von Formation und Spielidee als von der bloßen Positionsbezeichnung ab.

Drei bis fünf Verteidiger sind üblich, aber nicht vorgeschrieben

Eine Mannschaft kann mit unterschiedlich vielen Abwehrspielern antreten. Häufig sind diese Ordnungen zu sehen:

  • Viererkette: zwei Innenverteidiger und je ein Außenverteidiger rechts und links
  • Dreierkette: drei zentrale Verteidiger, deren äußere Spieler bei Angriffen über die Seite herausrücken
  • Fünferkette: drei zentrale und zwei äußere Verteidiger, die gegen den Ball eine breite letzte Linie bilden

Die Bezeichnungen beschreiben außerdem nur eine Momentaufnahme. Ein Team kann den eigenen Angriff mit drei Spielern absichern und sich nach einem Ballverlust mit zwei zurücklaufenden Außenspielern zu einer Fünferkette formieren. Daher lässt sich die Zahl der Verteidiger nicht immer allein an der Aufstellungsgrafik ablesen.

Verteidiger haben keine eigenen Sonderrechte

Für Verteidiger gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie für andere Feldspieler. Nicht jede Berührung mit Hand oder Arm ist jedoch ein strafbares Handspiel. Entscheidend ist insbesondere, ob der Spieler den Ball absichtlich mit Hand oder Arm berührt oder seinen Körper dadurch unnatürlich vergrößert.

Ein Verteidiger darf die Mittellinie überqueren, Standards ausführen und Tore erzielen. Gerade kopfballstarke Innenverteidiger rücken bei eigenen Ecken und Freistößen häufig in den gegnerischen Strafraum. Währenddessen sichern andere Spieler mögliche Konter ab.

Auch der verbreitete Ausdruck „letzter Mann“ bezeichnet keinen eigenen Grund für eine rote Karte. Bei einer Notbremse im Fußball ist vielmehr entscheidend, ob eine offensichtliche Torchance vereitelt wurde sowie welche Art von Vergehen an welchem Ort vorlag.

Ein guter Verteidiger braucht mehr als Kraft

Körpergröße und Robustheit können bei Kopfball– und Schulterduellen helfen, sind aber keine Voraussetzung für die Position. Je nach Rolle sind andere Fähigkeiten mindestens genauso wichtig:

  • Wahrnehmung und Spielintelligenz: Gefahren früh erkennen, statt erst auf den letzten Pass zu reagieren
  • Stellungsspiel: den richtigen Abstand zu Ball, Gegner, Tor und Mitspielern halten
  • Entscheidungsfähigkeit: im passenden Moment attackieren, verzögern, absichern oder klären
  • Kommunikation: Mitspieler warnen, Laufwege übergeben und die Linie gemeinsam ordnen
  • Technik: Bälle sauber annehmen, mit beiden Füßen passen, köpfen und fair erobern
  • Konzentration: auch nach längeren ruhigen Phasen auf einen plötzlichen Pass hinter die Abwehr vorbereitet sein
  • Athletik: beschleunigen, die Richtung wechseln und Zweikämpfe stabil führen; Außenverteidiger benötigen zusätzlich viel Ausdauer für ihre Wege entlang der Linie

Verteidigen lässt sich in kleinen Spielformen trainieren

Für das Training braucht es nicht sofort eine vollständige Mannschaft. Drei einfache Aufgaben decken wichtige Bereiche ab:

  1. Den Angreifer nach außen lenken: Markiere einen schmalen Korridor. Der Angreifer versucht, mit Ball über die Grundlinie zu dribbeln. Der Verteidiger erhält einen Punkt, wenn er den Angreifer aus dem Feld lenkt, fünf Sekunden aufhält oder den Ball sauber erobert.
  2. Gemeinsam verschieben: Drei oder vier Verteidiger stehen mehreren Angreifern gegenüber. Nach jedem Pass rückt der ballnahe Spieler heraus, die anderen sichern versetzt. Kurze Unterbrechungen helfen dabei, Abstände und offene Passwege zu prüfen.
  3. Ersten Kontakt und Passspiel verbessern: Spiele mit einem Partner abwechselnd flache und leicht versetzte Bälle zu. Wer allein übt, kann dafür auch einen Fußball-Rebounder* verwenden. Welche Übungen sich dabei anbieten und worauf dabei zu achten ist, erfährst du in unserem Beitrag zum Training mit dem Rebounder.

Das Tempo sollte erst steigen, wenn die Bewegungen sauber funktionieren.

Häufige Fragen zum Verteidiger im Fußball

Sind Abwehrspieler und Verteidiger dasselbe?

Im normalen Sprachgebrauch werden beide Begriffe gleichbedeutend verwendet. „Abwehr“ kann zusätzlich den gesamten defensiven Mannschaftsverbund oder eine Reihe von Spielern bezeichnen, während „Verteidiger“ meist die einzelne Position meint.

Welche Rückennummer trägt ein Verteidiger?

Eine Pflichtnummer gibt es nicht. Traditionell werden die Nummern 2 und 3 häufig mit den Außenverteidigern sowie 4 und 5 mit den Innenverteidigern verbunden. Durch feste Kadernummern können Verteidiger heute jedoch nahezu jede erlaubte Nummer tragen.

Ist ein Sechser auch ein Verteidiger?

Ein Sechser ist normalerweise ein defensiver Mittelfeldspieler vor der Abwehr. Er schließt Räume, sichert Angriffe ab und unterstützt die Verteidiger, gehört taktisch aber zum Mittelfeld. Je nach Spielsystem kann ein Spieler während einer Partie zwischen beiden Bereichen wechseln.