Handspiel beim Fußball ist strafbar, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt oder seinen Körper durch eine nicht zur Bewegung passende Armhaltung unnatürlich vergrößert. Außerdem darf ein Spieler weder direkt mit der Hand noch unmittelbar nach einer eigenen Handberührung ein Tor erzielen. Nicht jeder Kontakt zwischen Ball und Arm wird deshalb abgepfiffen. Entscheidend sind die Bewegung des Spielers, die Armhaltung und die konkrete Spielsituation.
Wann liegt Handspiel beim Fußball vor?
Ein strafbares Handspiel liegt nach den Fußballregeln in drei grundlegenden Fällen vor:
- Ein Spieler berührt den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm
- Die Position der Hand oder des Arms vergrößert den Körper auf unnatürliche Weise
- Der Torschütze trifft direkt mit der Hand oder unmittelbar nach einer eigenen Handberührung
Die ersten beiden Regeln gelten für Angreifer und Verteidiger. Die besondere Torregel betrifft dagegen nur den Spieler, der den Treffer selbst erzielt. Eine zufällige Handberührung eines Mitspielers macht ein anschließendes Tor nicht automatisch ungültig. In Deutschland wendet der DFB die international geltende Regel 12 an; eine eigene deutsche Handspielregel gibt es nicht.
Wo beginnt der Arm bei der Handspielregel?
Der für die Handspielregel relevante Arm beginnt unterhalb einer gedachten Linie am unteren Ende der Achselhöhle. Der darüberliegende Schulterbereich darf zum Spielen des Balls verwendet werden.
Trifft der Ball einen Spieler oberhalb dieser Grenze an der Schulter, liegt kein Handspiel vor. Mit der Schulter darf sogar absichtlich ein Tor erzielt werden. Die häufig gehörte Aussage, jeder Kontakt mit dem Oberarm sei verboten, ist daher zu ungenau.
Was bedeutet absichtliches Handspiel?
Absichtliches Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler seine Hand oder seinen Arm bewusst zum Ball bewegt. Typische Beispiele sind das Wegschlagen des Balls und das gezielte Abfangen eines Passes mit dem Arm.
Die Bewegung muss weder groß noch besonders auffällig sein. Schon ein kurzes Ausstrecken, Anheben oder Drehen des Arms in die Flugbahn kann ausreichen. Umgekehrt ist eine Berührung nicht allein deshalb absichtlich, weil der Spieler den Ball kommen gesehen hat.
Der bekannte Merksatz „Hand zum Ball oder Ball zur Hand?“ hilft deshalb nur teilweise. Bewegt sich die Hand zum Ball, spricht das deutlich für Absicht. Fliegt der Ball zur Hand, kann dennoch ein Vergehen vorliegen, wenn der Spieler seinen Körper durch die Armhaltung unnatürlich vergrößert.
Wann vergrößert der Arm den Körper unnatürlich?
Der Arm vergrößert den Körper unnatürlich, wenn seine Position weder eine Folge der Bewegung des Spielers noch durch diese Bewegung zu rechtfertigen ist. Dafür gibt es keinen festen Winkel und keinen vorgeschriebenen Abstand zum Oberkörper.
Beim Laufen, Springen, Drehen oder Fallen bewegen sich die Arme zwangsläufig mit. Spieler müssen daher weder mit angepressten Armen über den Platz laufen noch ihre Hände vorsorglich hinter dem Rücken verstecken. Steht ein Arm jedoch ohne nachvollziehbaren Grund weit vom Körper ab, deckt der Spieler zusätzliche Fläche ab und geht das Risiko eines Handspielpfiffs ein.
Für ein strafbares Handspiel spricht eher:
- Der Arm bewegt sich gezielt in die Flugbahn
- Der Arm steht weit ab, ohne dass dies zur Körperbewegung passt
- Ein angehobener Arm blockiert einen Schuss oder eine Flanke
- Der Spieler nimmt durch die Armhaltung deutlich zusätzlichen Raum ein
Gegen ein strafbares Handspiel spricht eher:
- Der Arm liegt eng am Körper
- Der Spieler zieht den Arm erkennbar aus der Flugbahn
- Die Armbewegung ergibt sich nachvollziehbar aus dem Laufen oder Springen
- Der Kontakt entsteht als Folge einer natürlichen Körperbewegung
Keines dieser Merkmale entscheidet eine Szene allein. Schiedsrichter müssen immer den gesamten Bewegungsablauf betrachten.
Wann ist eine Armberührung kein Handspiel?
Eine Armberührung ist kein Handspiel, wenn sie weder absichtlich erfolgt noch der Körper dadurch unnatürlich vergrößert wird. Einige typische Spielsituationen sorgen trotzdem regelmäßig für Diskussionen.
Ist ein angelegter Arm automatisch erlaubt?
Ein angelegter Arm ist normalerweise erlaubt, solange der Spieler ihn nicht absichtlich zum Ball bewegt. Der Körper wird durch diese Haltung schließlich nicht größer.
Eine Garantie bietet die angelegte Position allerdings nicht. Dreht oder führt der Spieler den Arm bewusst in die Flugbahn, kann trotzdem ein Handspielvergehen vorliegen.
Ist Handspiel aus kurzer Entfernung strafbar?
Auch aus kurzer Entfernung kann ein Handspiel strafbar sein, denn die Regeln nennen keinen Mindestabstand zwischen Schütze und Verteidiger. Die geringe Distanz kann aber erklären, weshalb der Spieler keine Möglichkeit mehr hatte, bewusst auf den Ball zu reagieren.
Trifft ein schneller Schuss aus nächster Nähe einen natürlich gehaltenen Arm, liegt meist kein Vergehen vor. Steht der Arm bereits weit vom Körper ab und blockiert zusätzlichen Raum, kann dagegen auch ein Kontakt aus sehr kurzer Entfernung strafbar sein. Der Satz „Der Ball kam aus einem Meter Entfernung“ beendet die Regelfrage daher nicht automatisch.
Ist ein Abpraller vom eigenen Körper an den Arm strafbar?
Ein unmittelbarer Abpraller vom eigenen Körper an den Arm ist grundsätzlich kein Handspiel, wenn der Spieler den Ball zuvor bewusst mit einem anderen erlaubten Körperteil gespielt hat. Das kann beispielsweise bei einem Klärungsversuch passieren, bei dem der Ball vom eigenen Fuß direkt gegen den Arm springt.
Bewegt der Spieler die Hand anschließend noch absichtlich zum Ball, gilt diese Ausnahme nicht. Entscheidend ist, ob der Arm lediglich vom eigenen Abpraller getroffen oder bewusst zur Ballkontrolle eingesetzt wird.
Ist die Stützhand beim Fallen erlaubt?
Eine tatsächlich zum Abstützen benötigte Hand kann Teil einer natürlichen Fallbewegung sein und ist deshalb nicht automatisch strafbar. Eine pauschale Ausnahme für jede Hand am Boden gibt es jedoch nicht.
Bei einer Grätsche kann der bodennahe Arm das Körpergewicht stützen. Ein anderer Arm, der frei zur Seite oder nach oben ausgestreckt ist, erfüllt diese Aufgabe nicht unbedingt. Wird dieser vom Ball getroffen und vergrößert er den Körper unnatürlich, kann der Schiedsrichter auf Handspiel entscheiden.
Wann ist Handspiel im Strafraum ein Elfmeter?
Einen Elfmeter gibt es, wenn ein Spieler der verteidigenden Mannschaft innerhalb des eigenen Strafraums ein strafbares Handspiel begeht. Nicht jeder Handkontakt im Strafraum führt deshalb automatisch zum Strafstoß.
Maßgeblich ist der Ort, an dem der Ball die Hand oder den Arm berührt. Steht ein Verteidiger mit den Füßen außerhalb des Strafraums, befindet sich sein ausgestreckter Arm beim Kontakt aber innerhalb, wird ein Elfmeter gegeben. Ein Kontakt auf der Strafraumlinie zählt ebenfalls als innerhalb, da die Linie zum Strafraum gehört.
Liegt die Hand beim Kontakt außerhalb des Strafraums, gibt es einen direkten Freistoß. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Füße oder der restliche Körper des Spielers innerhalb stehen. Begeht ein Angreifer im gegnerischen Strafraum ein Handspiel, erhält die verteidigende Mannschaft einen direkten Freistoß.
Wann wird ein Tor wegen Handspiels aberkannt?
Ein Tor wird aberkannt, wenn der Torschütze den Ball direkt mit der Hand oder dem Arm ins Tor befördert oder unmittelbar nach einer eigenen Handberührung trifft. Dabei ist unerheblich, ob der Kontakt absichtlich oder versehentlich erfolgte.
Springt der Ball einem Stürmer an den angelegten Arm und von dort direkt ins Tor, zählt der Treffer nicht. Dasselbe gilt, wenn der Ball nach dem Kontakt sofort vor seinen Fuß fällt und er ihn einschießt.
Eine frühere zufällige Berührung des späteren Torschützen führt hingegen nicht zwangsläufig zur Aberkennung. Spielt er den Ball beispielsweise zunächst zu einem Mitspieler, erhält ihn anschließend zurück und erzielt dann das Tor, liegt der Treffer nicht mehr unmittelbar nach dem Handkontakt.
Berührt ein anderer Angreifer den Ball versehentlich mit einem natürlich gehaltenen Arm und trifft danach ein Mitspieler, darf das Tor ebenfalls zählen. Strafbar bleibt die Berührung, wenn sie absichtlich war oder der Arm den Körper unnatürlich vergrößert hat.
Ist Handspiel ein direkter oder indirekter Freistoß?
Das Handspielvergehen eines Feldspielers wird grundsätzlich mit einem direkten Freistoß bestraft. Geschieht es durch einen Verteidiger im eigenen Strafraum, wird stattdessen ein Elfmeter gegeben.
Aus einem direkten Freistoß darf unmittelbar ein Tor erzielt werden. Die gelegentlich gehörte Behauptung, Handspiel führe zu einem indirekten Freistoß, beruht meist auf einer Verwechslung mit bestimmten Vergehen des Torwarts.
Welche Handspielregeln gelten für den Torwart?
Außerhalb des eigenen Strafraums gelten für den Torwart dieselben Handspielregeln wie für alle Feldspieler. Entscheidend ist dabei die Position seiner Hände beim Ballkontakt und nicht der Standort seiner Füße.
Steht der Torwart im Strafraum und greift mit den Händen nach einem Ball außerhalb der Linie, begeht er ein Handspiel außerhalb des Strafraums. Die gegnerische Mannschaft erhält einen direkten Freistoß.
Innerhalb des eigenen Strafraums darf der Torwart den Ball grundsätzlich mit den Händen spielen. Ein indirekter Freistoß wird jedoch gegeben, wenn er den Ball mit der Hand berührt:
- Direkt nach einem absichtlichen Zuspiel mit dem Fuß durch einen Mitspieler
- Direkt nach einem Einwurf eines Mitspielers
- Nachdem er den Ball freigegeben hat und noch kein anderer Spieler ihn berührt hat
Versucht der Torwart nach einem Rückpass klar, den Ball mit dem Fuß ins Spiel zu bringen, und misslingt dieser Versuch, darf er ihn anschließend mit den Händen aufnehmen. Für die drei genannten Torwartvergehen gibt es grundsätzlich keine Karte.
Führt der Torwart einen Abstoß oder Freistoß aus, darf er den Ball nicht erneut berühren, bevor ihn ein anderer Spieler gespielt hat. Für die unerlaubte zweite Berührung gibt es einen indirekten Freistoß. Verhindert der Torwart damit einen aussichtsreichen Angriff, erhält er die Gelbe Karte; vereitelt er ein Tor oder eine offensichtliche Torchance, wird er vom Platz gestellt.
Hält der Torwart den Ball in seinem Strafraum länger als acht Sekunden mit den Händen oder Armen unter Kontrolle, erhält die gegnerische Mannschaft einen Eckstoß. Der Schiedsrichter zeigt die letzten fünf Sekunden mit erhobenem Arm an. Diese Zeitüberschreitung ist kein gewöhnliches Handspielvergehen.
Wann gibt es für Handspiel Gelb oder Rot?
Für ein gewöhnliches Handspiel ohne besondere Auswirkung auf einen Angriff gibt es keine Karte. Eine Verwarnung oder ein Feldverweis hängt davon ab, was der Spieler durch das Vergehen verhindert oder erreichen wollte.
| Spielsituation | Persönliche Strafe |
| Handspiel ohne bedeutende Auswirkung auf einen Angriff | Keine Karte |
| Handspiel stoppt oder beeinträchtigt einen aussichtsreichen Angriff | Gelbe Karte |
| Nicht absichtliches Handspiel stoppt im eigenen Strafraum einen aussichtsreichen Angriff und es gibt Elfmeter | Keine Karte |
| Ein Spieler versucht, mit der Hand ein Tor zu erzielen | Gelbe Karte |
| Ein Feldspieler verhindert durch absichtliches Handspiel ein Tor oder eine offensichtliche Torchance | Rote Karte |
| Nicht absichtliches, aber strafbares Handspiel verhindert außerhalb des eigenen Strafraums ein Tor oder eine offensichtliche Torchance | Rote Karte |
| Nicht absichtliches Handspiel verhindert im eigenen Strafraum ein Tor oder eine offensichtliche Torchance und es gibt Elfmeter | Gelbe Karte |
„Nicht absichtlich“ bedeutet dabei nicht automatisch „erlaubt“. Auch ohne eine bewusste Bewegung zum Ball kann ein Vergehen vorliegen, wenn der Arm den Körper unnatürlich vergrößert.
Verhindert ein Feldspieler durch absichtliches Handspiel ein Tor oder eine offensichtliche Torchance, handelt es sich um eine Form der Notbremse. Zusätzlich zum Freistoß oder Elfmeter folgt die Rote Karte.
Lässt der Schiedsrichter nach einer vereitelten offensichtlichen Torchance Vorteil laufen und die angreifende Mannschaft erzielt daraus ein Tor, gibt es seit den Spielregeln 2026/27 allein für die zuvor vereitelte Torchance keine Karte. Das gilt auch, wenn ein Verteidiger erfolglos versucht hat, den Ball mit der Hand vom Tor fernzuhalten. Ein zusätzliches eigenständiges Kartenvergehen bleibt davon unberührt.
Welche Rolle spielt der VAR beim Handspiel?
Der VAR darf eine Handspielsituation überprüfen, wenn sie mit einem möglichen Tor, einem Elfmeter, einer direkten Roten Karte oder einer klar falschen zweiten Gelben Karte zusammenhängt. Ein gewöhnlicher Handspielpfiff ohne eine solche spielentscheidende Folge ist dagegen nicht eigenständig überprüfbar.
Videoaufnahmen können meist eindeutig zeigen, ob der Ball den Arm berührt hat und wo der Kontakt stattfand. Schwieriger bleibt die Beurteilung, ob die Armhaltung zur Bewegung des Spielers passte. Der Video-Assistent empfiehlt deshalb nur bei einer möglichen klaren Fehlentscheidung oder einem schwerwiegend übersehenen Vorfall eine Überprüfung. Die endgültige Entscheidung trifft weiterhin der Schiedsrichter.
Auch ein Chip im Ball kann bei Wettbewerben mit entsprechender Technik Hinweise auf den Kontaktzeitpunkt liefern, aber nicht entscheiden, ob eine Armhaltung natürlich war. Solange Fußballer ihre Arme nicht vor dem Anpfiff in der Kabine lassen, werden manche Handspielentscheidungen daher weiterhin für Diskussionen sorgen.