Was ist ein Außenverteidiger? Aufgaben und Position erklärt

Ein Außenverteidiger spielt auf der linken oder rechten Seite der Abwehr. Er schützt dort den Weg zum eigenen Tor, stellt gegnerische Flügelspieler und unterstützt bei eigenem Ballbesitz den Spielaufbau sowie Angriffe über die Außenbahn. In einer Viererkette heißen die beiden Positionen Links- und Rechtsverteidiger. Moderne Außenverteidiger kleben dabei keineswegs an der Seitenlinie: Sie rücken je nach Situation vor, nach innen oder zurück in die Abwehrkette.

Wo steht ein Außenverteidiger auf dem Feld?

In einer Viererkette steht der Außenverteidiger in der Grundordnung außen neben einem Innenverteidiger. Der Rechtsverteidiger spielt aus Sicht der eigenen Mannschaft rechts und trifft dort meist auf den gegnerischen Linksaußen. Beim Linksverteidiger ist es spiegelverkehrt.

Sein Platz ist jedoch kein fest markierter Punkt. Befindet sich der Ball auf seiner Seite, kann er nach vorn rücken und den gegnerischen Außenspieler stellen. Läuft der Angriff über die andere Seite, rückt er gewöhnlich näher zu seinen Mitspielern ins Feld. So schützt er das Zentrum, verkleinert die Lücken in der Abwehr und behält den ballfernen Pfosten im Blick. Würde er ständig an der Seitenlinie warten, wäre zwischen ihm und dem nächsten Verteidiger zu viel Raum.

Unter den verschiedenen Positionen im Fußball ist der Außenverteidiger eine taktische Rolle und keine besondere Spielerart im Regelwerk. Die Regel 3 des IFAB verlangt bei höchstens elf Spielern lediglich einen Torwart. Wie viele Außenverteidiger eine Mannschaft einsetzt und welche Räume sie besetzen, bestimmt ihre Spielidee.

Gegen den Ball schützt der Außenverteidiger die Seite und das Zentrum

Ohne Ball soll ein Außenverteidiger Angriffe über seine Seite stoppen, ohne dabei einen gefährlichen Weg ins Zentrum zu öffnen. Seine positionstypischen Aufgaben eines Verteidigers beginnen deshalb meist vor dem eigentlichen Zweikampf:

  • den gegnerischen Flügelspieler aufnehmen und an einer ungestörten Ballannahme hindern
  • Pässe zwischen Außen- und Innenverteidiger, die sogenannte Schnittstelle, schließen
  • Dribblings in Richtung Tor erschweren und seitliche Hereingaben verhindern
  • mit der Abwehrkette zum Ball verschieben und passende Abstände halten
  • einen herausrückenden Mitspieler absichern oder gemeinsam mit ihm doppeln
  • auf der ballfernen Seite einrücken und Läufe zum zweiten Pfosten verfolgen
  • nach einem Ballverlust schnell in eine sichere Position zurückkehren

Die sofortige Balleroberung ist nicht immer die beste Lösung. Häufig genügt es zunächst, den Angreifer zu stellen, sein Tempo zu bremsen und Zeit für einen helfenden Mitspieler zu gewinnen. Der Weg zur Seitenlinie ist meist weniger gefährlich als ein Dribbling in Richtung Strafraum. Wohin der Außenverteidiger seinen Gegner tatsächlich lenkt, hängt aber von der Absicherung und dem Pressingplan der Mannschaft ab.

Rückt er unüberlegt heraus, kann ein Pass in seinem Rücken die gesamte Abwehr überspielen. Hält er dagegen zu viel Abstand, darf der Flügelspieler unbedrängt flanken oder nach innen ziehen. Gutes Stellungsspiel bedeutet daher, Abstand, Körperstellung und Zeitpunkt des Angriffs immer wieder neu anzupassen.

Mit dem Ball wird der Außenverteidiger zum Aufbauspieler und Angreifer

Bei eigenem Ballbesitz bietet sich der Außenverteidiger im Spielaufbau an, schafft Breite und unterstützt Angriffe über seine Seite. Wie weit er vorrückt, hängt davon ab, wer den Außenraum besetzt und wie die Mannschaft einen möglichen Ballverlust absichert.

Im Spielaufbau schafft er eine freie Anspielstation

Im Spielaufbau positioniert sich der Außenverteidiger häufig breit und etwas höher als die Innenverteidiger. Dadurch zieht er einen Gegner nach außen und öffnet möglicherweise einen Passweg ins Mittelfeld. Nach der Ballannahme kann er entlang der Linie weiterspielen, den Ball ins Zentrum geben, die Seite wechseln oder bei freiem Raum selbst andribbeln.

Vor dem Zuspiel sollte er bereits wissen, wo Gegner und Mitspieler stehen. Eine offene Körperstellung hilft ihm, sowohl das eigene Tor als auch die Spielrichtung nach vorn zu sehen. Wird er an der Seitenlinie stark unter Druck gesetzt, bleibt ihm schließlich weniger Raum zum Ausweichen als einem Spieler im Zentrum.

Hinterlaufen und Vorderlaufen schaffen neue Passwege

Im Angriff kombiniert er häufig mit dem Flügelspieler vor ihm. Zieht dieser mit dem Ball nach innen, kann der Abwehrspieler außen an ihm vorbeilaufen. Dieses Hinterlaufen schafft Breite und zwingt den Gegner zu einer Entscheidung: Begleitet er den Lauf, öffnet sich innen Raum. Bleibt er beim Ballführenden, wird der nachrückende Verteidiger möglicherweise außen frei.

Beim Vorderlaufen startet er dagegen auf der Innenseite seines Mitspielers in Richtung Halbraum. Er muss den Ball dabei nicht erhalten. Schon sein Laufweg kann einen Gegner binden und einen anderen Passweg öffnen. Gelangt der Außenverteidiger bis in die Nähe der Grundlinie, sind neben einer Flanke auch ein flacher Rückpass oder ein Zuspiel in den Strafraum mögliche Lösungen.

Ein typischer Angriff verbindet mehrere Aufgaben: Der Innenverteidiger passt zum Rechtsverteidiger, dieser spielt den Rechtsaußen an und hinterläuft ihn. Geht der Ball verloren, muss er sofort entscheiden, ob er gemeinsam Druck ausüben kann oder den freien Raum hinter sich sichert. Der Sprint nach vorn ist nur dann hilfreich, wenn die Mannschaft auch auf den Rückweg vorbereitet ist.

Das Spielsystem verändert die Rolle auf der Außenbahn

Ob ein Spieler als klassischer Außenverteidiger oder eher als Schienenspieler auftritt, hängt vor allem von der Grundordnung und der jeweiligen Spielphase ab.

GrundordnungTypische Besetzung außenAuswirkung auf die Aufgabe
Viererkette, etwa im 4-4-2 oder 4-3-3Links- und Rechtsverteidiger bilden mit zwei Innenverteidigern die letzte LinieSie verteidigen außen, schieben bei Angriffen vor und kehren gegen den Ball in die Viererkette zurück
Dreier- oder Fünferordnung, etwa im 3-4-3 oder 3-5-2Zwei Schienenspieler beziehungsweise Flügelverteidiger besetzen die Außenbahnen vor drei InnenverteidigernSie stehen bei eigenem Ballbesitz oft höher und fallen gegen den Ball häufig in eine Fünferkette zurück
Asymmetrischer SpielaufbauEin Außenverteidiger rückt vor oder ins Zentrum, der andere bleibt tieferDie Aufgaben beider Seiten unterscheiden sich, obwohl beide in derselben Aufstellung als Außenverteidiger beginnen

Die Bezeichnungen sind nicht vollkommen einheitlich. Ein gelernter Außenverteidiger kann als Schienenspieler eingesetzt werden, und manche Trainer sprechen auch in einer Fünferkette von Außenverteidigern. Entscheidend ist die tatsächliche Aufgabe: Ein Schienenspieler trägt gewöhnlich mehr Verantwortung für die gesamte Außenbahn. Die Taktikerklärung des SC Freiburg zeigt, wie er bei gegnerischem Ballbesitz zurückfällt und beim Verschieben aus der Fünferlinie herausrücken kann.

Ein inverser Außenverteidiger rückt ins Zentrum

Ein inverser Außenverteidiger bewegt sich bei eigenem Ballbesitz von der Seite ins zentrale Mittelfeld. Den Außenraum übernimmt dann häufig ein Flügelspieler. Im Zentrum kann der eingerückte Spieler eine zusätzliche Anspielstation schaffen, Überzahl herstellen und die Mannschaft nach einem Ballverlust absichern.

Blaues Question-King-Fragezeichen beobachtet einen ins Mittelfeld einrückenden Außenverteidiger im Spielaufbau

Diese Bewegung gehört zum Positionsspiel im Fußball: Ein Spieler verlässt seinen Ausgangsraum, während ein Mitspieler die frei werdende Zone übernimmt. Die DFB-Akademie zeigt anhand verschiedener Aufbaustaffelungen, dass Außenverteidiger je nach Plan hochschieben, neben den Innenverteidigern bleiben oder ins Mittelfeld einrücken können. „Invers“ bedeutet hier also nicht einfach, dass ein Rechtsfuß links spielt, sondern beschreibt vor allem den Laufweg ins Zentrum.

Außenverteidiger, Innenverteidiger, Schienenspieler und Flügelspieler unterscheiden sich

Der Außenverteidiger beginnt weiter hinten als ein Flügelspieler und weiter außen als ein Innenverteidiger. Die Rollen können während eines Angriffs ähnliche Räume besetzen, setzen aber andere Schwerpunkte.

Position oder RolleTypischer AusgangsraumWichtigster Schwerpunkt
Außenverteidigeraußen in der letzten Abwehrlinieseitliche Räume verteidigen sowie Aufbau und Flügelangriffe unterstützen
InnenverteidigerZentrum der letzten Abwehrliniedirekten Weg zum Tor schützen, Stürmer verteidigen und die Abwehr ordnen
SchienenspielerAußenbahn vor einer Dreierkettedie gesamte Seite mit vielen Wegen zwischen Angriff und Fünferkette bearbeiten
Flügelspieleräußeres Mittelfeld oder AngriffChancen vorbereiten, Dribblings suchen und selbst zum Abschluss kommen

Ein offensiv spielender Außenverteidiger kann zeitweise so hoch stehen wie ein Flügelspieler. Nach einem Ballverlust bleibt seine Verantwortung für die Abwehr jedoch bestehen. Umgekehrt hilft auch ein Flügelspieler defensiv mit, beginnt aber grundsätzlich in einer offensiveren Rolle.

Ein guter Außenverteidiger braucht Tempo, Technik und Übersicht

Ein guter Außenverteidiger muss wiederholt weite Wege bewältigen und trotzdem in entscheidenden Momenten sauber handeln. Das Anforderungsprofil des DFB verbindet deshalb defensive, offensive, technische und körperliche Fähigkeiten.

  • Wahrnehmung und Stellungsspiel: Ball, Gegenspieler, Mitspieler und freie Räume früh erfassen
  • defensive Technik: seitlich und kontrolliert verteidigen, Läufe begleiten und den passenden Moment zum Eingreifen erkennen
  • Antritt und Ausdauer: kurze Sprints ebenso bewältigen wie wiederholte Wege über die Außenbahn
  • Ballkontrolle und Passspiel: auch nahe der Seitenlinie unter Druck eine sichere Anschlusslösung finden
  • Dribbling und Hereingaben: freien Raum nutzen und Flanken oder Rückpässe gezielt vorbereiten
  • Entscheidung und Kommunikation: Vorrücken, Absichern und Übergeben mit den Mitspielern abstimmen

Tempo allein reicht also nicht. Wer sehr schnell nach vorn läuft, aber den Zeitpunkt oder die Absicherung falsch einschätzt, öffnet dem Gegner einen großen Raum. Umgekehrt kann ein aufmerksamer Spieler viele gefährliche Situationen schon durch seine Position lösen, bevor ein Sprintduell entsteht.

Häufige Fragen zum Außenverteidiger

Wie heißt Außenverteidiger auf Englisch?

Im englischen Fußball heißt Außenverteidiger „full-back“ oder „fullback“. Ein Linksverteidiger ist ein „left-back“, ein Rechtsverteidiger ein „right-back“. „Wing-back“ bezeichnet gewöhnlich einen offensiveren Flügelverteidiger beziehungsweise Schienenspieler in einer Dreier- oder Fünferordnung.

Wofür stehen AV, LV und RV im Fußball?

AV ist die deutsche Abkürzung für Außenverteidiger. LV steht für Linksverteidiger und RV für Rechtsverteidiger. In englischsprachigen Aufstellungen begegnen einem entsprechend LB für „left-back“ und RB für „right-back“. Diese Kürzel sind gebräuchlich, aber nicht im Regelwerk festgelegt.

Welcher Fuß passt auf welche Seite?

Auf der linken Seite spielt häufig ein Linksfuß, auf der rechten ein Rechtsfuß. Das erleichtert Pässe entlang der Linie und Hereingaben mit dem starken Fuß. Eine feste Regel ist das nicht. Ein gegenfüßiger oder beidfüßiger Außenverteidiger kann nach innen ziehen und dort andere Passwinkel nutzen. Entscheidend sind seine Fähigkeiten und der taktische Auftrag.