Was ist ein Schienenspieler? Aufgaben und Position erklärt

Ein Schienenspieler, auf Englisch Wingback, ist ein Außenbahnspieler, der offensive und defensive Aufgaben verbindet. Bei eigenem Ballbesitz steht er meist hoch und breit, bietet sich für Seitenwechsel an und unterstützt den Angriff. Gegen den Ball fällt er häufig in die letzte Abwehrreihe zurück. So kann aus einer Dreier- eine Fünferkette werden. Anders als ein klassischer Außenverteidiger trägt der Wingback oft fast allein die Verantwortung für die Breite auf seiner Seite.

Wingback heißt auf Deutsch Schienenspieler oder Flügelverteidiger

Unter den verschiedenen Positionen im Fußball ist der Schienenspieler eine besonders vielseitige Rolle. Er bewegt sich zwischen den Aufgaben eines Außenverteidigers und denen eines Flügelspielers:

  • Im Angriff soll er die Außenbahn besetzen, Tempo aufnehmen und Torchancen vorbereiten.
  • In der Verteidigung muss er die Aufgaben eines Verteidigers übernehmen, Zweikämpfe führen, Passwege schließen und die eigene Abwehr ergänzen.

Die englische Bezeichnung lautet Wing-back oder Wingback. Übersetzt wird sie häufig mit Flügelverteidiger. Der deutsche Name spielt darauf an, dass der Fußballer die äußere Bahn wie auf einer Schiene vor- und zurückläuft. Das ist ein anschauliches Bild, aber keine starre Laufvorgabe. Je nach Spielsituation darf er auch in den Halbraum einrücken, einen Mitspieler unterlaufen oder am ballfernen Pfosten in den Strafraum ziehen.

Gewöhnlich gibt es einen linken und einen rechten Schienenspieler. Hinter ihnen sichern meist drei Innenverteidiger das Zentrum sowie die Räume neben der Abwehr ab.

Seine Aufgaben verändern sich mit der Spielphase

Ein Schienenspieler steht nicht während des gesamten Spiels auf derselben Höhe. Seine Position richtet sich danach, wer den Ball hat, auf welcher Seite gespielt wird und wie die Mannschaft pressen oder absichern möchte.

Mit Ball sorgt er für Breite und Tiefe

Im eigenen Ballbesitz rückt der Schienenspieler häufig weit nach vorn. Im Positionsspiel im Fußball hält er oft die Außenbahn frei, während Mitspieler das Zentrum und die Halbräume besetzen. Dadurch zieht er die gegnerische Abwehr auseinander und schafft zusätzliche Passwege.

Zu seinen typischen Aufgaben gehören:

  • sich im Spielaufbau außen als Anspielstation anzubieten
  • nach einer Spielverlagerung den freien Raum auf seiner Seite zu nutzen
  • mit Tempo hinter die gegnerische Abwehr zu starten
  • mit einem eingerückten Flügelspieler oder Mittelfeldspieler zu kombinieren
  • einen Mitspieler zu hinter- oder unterlaufen
  • Flanken, flache Hereingaben oder Rückpässe in den Strafraum zu spielen
  • ballfern selbst zum langen Pfosten oder in den Rückraum zu laufen

Beim Hinterlaufen zieht der Schienenspieler außen an einem ballführenden Mitspieler vorbei. Beim Unterlaufen startet er auf dessen Innenseite in den Halbraum.

Der Wingback muss also nicht jeden Gegner im Dribbling bezwingen. Oft besteht seine Stärke darin, im richtigen Moment in einen bereits geöffneten Raum zu sprinten. Auch der DFB-Beitrag zum Flügelspiel hebt hervor, dass hochstehende Schienenspieler vor einer Dreierkette nahezu dauerhaft die Spielfeldbreite halten und mit Tempo die Tiefe angreifen können.

Gegen den Ball wird er zum zusätzlichen Verteidiger

Hat der Gegner den Ball, sinkt der Schienenspieler meist neben die drei zentralen Verteidiger zurück. Mit dem Spieler auf der anderen Seite entsteht eine Fünferkette. Ballnah bezeichnet die Seite, auf der sich der Ball befindet; ballfern ist die gegenüberliegende Seite. Der Außenspieler soll:

  • den gegnerischen Außenbahnspieler aufnehmen
  • Pässe hinter die Abwehr und Durchbrüche zur Grundlinie verhindern
  • Flanken erschweren oder blocken
  • beim Verschieben den Abstand zum äußeren Innenverteidiger klein halten
  • ballnah aus der Kette herausrücken und Druck auf den Ball ausüben
  • ballfern zur Mitte einrücken und Läufe zum langen Pfosten beobachten

Auf der ballfernen Seite darf der Schienenspieler nicht grundlos breit bleiben. Sonst wird der Abstand zum äußeren Innenverteidiger zu groß und der Raum am langen Pfosten schlechter geschützt. Rückt der ballnahe Spieler aus der Fünferlinie heraus, verschieben die übrigen vier Verteidiger gemeinsam zur Ballseite. Die DFB-Analyse zur Fünferkette bezeichnet diese bewegliche Ordnung als pendelnde Viererkette.

Nach einem Ballverlust zählt die erste Reaktion

Das defensive Umschalten ist häufig die schwierigste Phase. Steht der Schienenspieler bei einem Ballverlust weit vorn, befindet sich hinter ihm zunächst freier Raum. Dann muss er abhängig von der Situation:

  • sofort Druck auf den Ball ausüben,
  • einen gefährlichen Passweg schließen oder
  • mit hohem Tempo in die Abwehr zurückkehren.

Der äußere Innenverteidiger kann zur Seite schieben und den Gegenangriff verzögern. Rückt er jedoch zu weit heraus, darf im Zentrum keine ungesicherte Lücke entstehen. Die Abstimmung zwischen Schienenspieler, Innenverteidiger und zentralem Mittelfeld ist deshalb ebenso wichtig wie die Laufstärke des Einzelnen.

Aus dem 3-5-2 wird häufig ein 5-3-2

Besonders bekannt ist der Schienenspieler aus dem 3-5-2. Die drei Innenverteidiger bilden die erste Abwehr- und Aufbaulinie. Die beiden Schienenspieler stehen im Ballbesitz höher und werden in der Grundordnung meist zum Fünfermittelfeld gezählt. Fallen sie gegen den Ball zurück, verteidigt dieselbe Mannschaft im 5-3-2.

Ähnliche Wechsel sind in anderen Formationen möglich:

  • Aus einem 3-4-3 kann gegen den Ball ein 5-4-1 werden.
  • Ein 3-4-2-1 kann sich ebenfalls zu einem 5-4-1 zusammenziehen.
  • Im hohen Pressing kann der ballnahe Schienenspieler vorrücken, während die übrigen vier Verteidiger hinter ihm verschieben.

Die auf dem Papier notierte Formation ist deshalb nur eine Momentaufnahme. Entscheidend ist, welche Räume die Spieler in der jeweiligen Phase besetzen. Die DFB-Erklärung zur Dreierkette unterscheidet zudem zwischen einer festen Dreierkette und einer dynamischen Variante, die erst im Spielaufbau entsteht.

Auch Außenverteidiger einer Viererkette können schienenspielerähnliche Aufgaben übernehmen. In einem 4-4-2 mit Raute bleiben die Mittelfeldspieler beispielsweise eher im Zentrum, sodass die Außenverteidiger ihre Seite weitgehend allein besetzen. Ob sie deshalb bereits als Schienenspieler bezeichnet werden, hängt vom verwendeten Rollenverständnis ab. Ohne drei absichernde Innenverteidiger müssen die Vorstöße jedenfalls meist vorsichtiger abgestimmt werden.

Außenverteidiger, Schienenspieler und Flügelspieler haben andere Schwerpunkte

Die Grenzen zwischen den Rollen sind im modernen Fußball fließend. Ein Außenverteidiger kann sehr offensiv spielen, ein Flügelspieler weit nach hinten arbeiten und derselbe Fußballer je nach Formation unterschiedliche Aufgaben erhalten. Typischerweise lassen sich die Positionen dennoch so unterscheiden:

RolleTypischer AusgangspunktEntscheidender Schwerpunkt
Außenverteidigeräußere Position einer Viererketteunterstützt den Angriff, bleibt gegen den Ball aber Teil der Viererkette
SchienenspielerAußenbahn vor oder neben drei Innenverteidigerngibt mit Ball Breite und fällt häufig in die defensive Fünferkette zurück
Flügelspieleräußeres Mittelfeld oder Angriffsucht Dribblings, Vorlagen und Abschlüsse, gehört aber meist nicht dauerhaft zur letzten Linie

Nicht jeder aufrückende Außenverteidiger ist damit automatisch ein Schienenspieler. Ausschlaggebend sind die Grundordnung, die Absicherung hinter ihm und sein Auftrag, die gesamte Seite in beide Richtungen zu bearbeiten.

Tempo allein reicht für die anspruchsvolle Rolle nicht

Die vielen langen Wege machen Ausdauer und wiederholte Sprints wichtig. Ein guter Schienenspieler braucht aber ein deutlich breiteres Profil:

  • Orientierung: Er muss Mitspieler, Gegner und freie Räume wahrnehmen, bevor der Ball zu ihm kommt.
  • Timing: Rückt er zu früh vor, lässt er Raum in seinem Rücken. Startet er zu spät, ist die Angriffsmöglichkeit vorbei.
  • Ballkontrolle: An der Seitenlinie bleibt wenig Platz für eine unsaubere Annahme.
  • Passspiel und Hereingaben: Flanken sind nur eine Möglichkeit; häufig ist der flache Rückpass die gefährlichere Lösung.
  • Dribbelstärke: Sie hilft, Raum zu gewinnen oder sich aus Druck zu lösen.
  • Defensivverhalten: Stellungsspiel, Zweikampfführung und das Verteidigen von Läufen hinter dem Rücken gehören fest zur Rolle.
  • Kommunikation: Das Herausrücken und Zurückfallen muss mit den Nachbarpositionen abgestimmt sein.

Ein gelernter Außenverteidiger bringt häufig mehr defensive Sicherheit mit, während ein umgeschulter Flügelspieler im Angriff besondere Stärken haben kann. Welche Variante besser passt, hängt von der Spielidee und den übrigen Spielern ab. Die Taktikschule des SC Freiburg beschreibt das geforderte Gesamtprofil treffend als Mischung aus Tempo, Ausdauer, Offensivdrang, Dribbling, Flanken, Wachsamkeit und Zweikampfstärke.

Schienenspieler schaffen Breite, öffnen aber Räume für Konter

Mit zwei hochstehenden Schienenspielern kann eine Mannschaft die gesamte Spielfeldbreite nutzen, während mehr Mitspieler im Zentrum und in den Halbräumen bleiben. Drei Innenverteidiger erleichtern zugleich den kontrollierten Aufbau gegen zwei gegnerische Stürmer. Zieht ein offensiver Mitspieler nach innen, entsteht außen Platz, in den der Wingback vorstoßen kann.

Diese Vorteile bringen Risiken mit sich:

  • Nach Ballverlusten ist der Raum hinter den Schienenspielern angreifbar für Konter.
  • Ein allein besetzter Flügel kann gegen zwei gegnerische Außenspieler überladen werden.
  • Wird der Schienenspieler tief in die Abwehr gedrängt, fehlt oft eine Anspielstation für Entlastungsangriffe.
  • Muss der äußere Innenverteidiger ständig nach außen helfen, können im Zentrum Lücken entstehen.
  • Die Kombination aus Offensivqualität, Defensivstärke und Laufvermögen ist anspruchsvoll zu besetzen.

Eine Dreier- oder Fünferkette ist daher nicht automatisch offensiv oder defensiv. Entscheidend ist, wie hoch die Außenspieler stehen, wann sie pressen und wie die Mannschaft ihre Vorstöße absichert.

Ein Beispiel zeigt die gesamte Außenbahn-Arbeit

Ein typischer Angriff kann so ablaufen:

  1. Drei Innenverteidiger bauen das Spiel auf. Beide Schienenspieler stehen hoch und breit.
  2. Der Gegner verschiebt auf die rechte Seite. Über die Innenverteidiger gelangt der Ball zu einem offensiven Mittelfeldspieler im linken Halbraum.
  3. Dieser zieht mit dem Ball nach innen und bindet den gegnerischen Außenverteidiger.
  4. Der linke Schienenspieler startet außen in den frei werdenden Raum, erhält den Pass und spielt von der Grundlinie flach in den Rückraum.
  5. Geht der Ball verloren, prüft er zunächst, ob sofortiger Druck möglich ist. Andernfalls sprintet er zurück, während der äußere Innenverteidiger den Gegenangriff verzögert.

In wenigen Sekunden wird aus dem breiten Außenspieler ein Tiefenläufer und nach dem Ballverlust wieder ein Verteidiger. Genau dieser Rollenwechsel kennzeichnet die Position.

Das richtige Timing entscheidet

Wertvoll wird ein Schienenspieler nicht allein durch viele Laufmeter, sondern durch die richtige Entscheidung: Breite halten, in den Strafraum starten, nach innen rücken oder den Raum hinter sich sichern. Dadurch kann dieselbe Mannschaft mit Ball offensiv auftreten und gegen den Ball dennoch eine stabile Fünferkette bilden.

Häufige Fragen zum Schienenspieler

Ist der Schienenspieler eine offizielle Position im Regelwerk?

Nein. „Schienenspieler“ ist eine taktische Rollenbezeichnung und keine Position mit eigenen Regeln. Für die Feldspieler nennt das Regelwerk keine taktischen Positionen. Regel 3 des IFAB schreibt lediglich vor, dass von höchstens elf Spielern eines Teams einer Torhüter sein muss. Wie die übrigen Spieler angeordnet werden, entscheidet die Mannschaft.

Wofür stehen LWB und RWB?

LWB bedeutet Left Wing-back und bezeichnet den linken Schienenspieler. RWB steht für Right Wing-back, also den rechten Schienenspieler. Die Kürzel kommen häufig in Aufstellungs- und Taktikgrafiken vor.

Kann ein Rechtsfuß als linker Schienenspieler spielen?

Ja. Ein links eingesetzter Rechtsfuß zieht mit dem Ball häufig eher nach innen und kann aus dem Halbraum passen oder abschließen. Für Läufe bis zur Grundlinie und direkte Flanken bietet ein starker linker Fuß meist Vorteile. Welche Variante sinnvoller ist, hängt von den Mitspielern und der gewünschten Angriffsart ab.

Welche Rückennummer trägt ein Schienenspieler?

Für die Position gibt es keine feste Rückennummer. Die traditionell mit Außenverteidigern verbundenen Nummern 2 und 3 kommen ebenso infrage wie andere Nummern. Im modernen Fußball zeigen Rückennummern nicht zuverlässig, welche taktische Rolle ein Spieler tatsächlich übernimmt.