Linienrichter Fußball: Aufgaben und Fahnenzeichen einfach erklärt

Ein Linienrichter unterstützt den Schiedsrichter vor allem bei Abseitsentscheidungen, Ausbällen, Fouls und anderen Situationen, die von der Spielfeldmitte aus schwer zu erkennen sind. Seine Fahne zeigt nicht nur an, dass etwas passiert ist, sondern häufig auch, wie das Spiel fortgesetzt werden soll. Dabei entscheidet der Linienrichter jedoch nicht allein. Er liefert vor allem Informationen, während die letzte Entscheidung beim Schiedsrichter liegt.

Was ist ein Linienrichter im Fußball?

Ein Linienrichter ist ein Spieloffizieller, der den Schiedsrichter von der Seitenlinie aus unterstützt. Die offizielle Bezeichnung lautet heute „Schiedsrichterassistent“. Auf Englisch wird entsprechend von einem „assistant referee“ gesprochen. Der ältere Begriff „Linienrichter“ ist im allgemeinen Sprachgebrauch trotzdem weiterhin deutlich verbreiteter.

Der Schiedsrichterassistent ist nicht bloß für die weiße Linie vor seinen Füßen zuständig. Durch seine seitliche Position erkennt er Abseitsstellungen, knappe Ausbälle und bestimmte Vergehen oft besser als der Schiedsrichter. Er beobachtet daher einen eigenen Bereich des Geschehens und bringt seine Wahrnehmung in die gemeinsame Spielleitung ein.

Wie viele Linienrichter gibt es bei einem Fußballspiel?

Bei einem Spiel mit vollständig besetztem Schiedsrichterteam kommen normalerweise zwei Linienrichter zum Einsatz. Sie stehen sich an den beiden Seitenlinien diagonal gegenüber und begleiten jeweils überwiegend eine Spielfeldhälfte.

Nicht jedes Fußballspiel muss jedoch mit zwei neutralen Schiedsrichterassistenten stattfinden. Ob sie angesetzt werden, hängt vom Wettbewerb und der Spielklasse ab. Besonders in unteren Amateur- oder Jugendklassen kann das Spiel ohne vollständiges Gespann geleitet werden. In höheren Ligen kommen neben dem Schiedsrichter und seinen beiden Assistenten häufig noch ein vierter Offizieller sowie Video-Spieloffizielle hinzu.

Welche Aufgaben hat ein Linienrichter im Fußball?

Ein Linienrichter zeigt Ausbälle, strafbares Abseits und bestimmte Vergehen an, die er besser erkennen kann als der Schiedsrichter. Bei Auswechslungen übernimmt er lediglich eine ergänzende Rolle. Seine wichtigsten Aufgaben sind:

  • erkennen, ob der Ball die Seiten- oder Torlinie vollständig überschritten hat
  • anzeigen, welche Mannschaft einen Einwurf, Eckstoß oder Abstoß erhält
  • ein strafbares Abseits melden
  • auf Fouls und unsportliches Verhalten hinweisen, die der Schiedsrichter nicht erkennen konnte
  • einen beantragten Spielerwechsel anzeigen und den Ablauf bei Bedarf unterstützen; ohne Vierten Offiziellen hilft er an der Mittellinie bei der Durchführung
  • bei Strafstößen je nach Einteilung den Torhüter und die Torlinie beobachten
  • bei Bedarf helfen, den vorgeschriebenen Abstand von 9,15 Metern bei einem Freistoß herzustellen

Wichtig ist der Unterschied zwischen einer Abseitsstellung und einem Abseitsvergehen. Ein Spieler darf durchaus im Abseits stehen. Die Fahne wird erst relevant, wenn er anschließend aktiv ins Spiel eingreift, einen Gegner beeinflusst oder aus seiner Position einen Vorteil zieht. Wie diese Unterscheidung genau funktioniert, erklärt die Abseitsregel im Fußball ausführlich.

Bei einem Elfmeter kann der Assistent außerdem beobachten, ob sich der Torhüter regelwidrig von der Linie bewegt und ob der Ball die Torlinie vollständig überquert.

Was bedeuten die Fahnenzeichen des Linienrichters?

Mit den Fahnenzeichen teilt der Linienrichter dem Schiedsrichter eine konkrete Beobachtung oder die richtige Spielfortsetzung mit. Dazu bleibt er normalerweise stehen, nimmt Blickkontakt mit dem Schiedsrichter auf und führt das Zeichen ruhig und deutlich aus. Wildes Fuchteln wäre zwar auffällig, gehört aber ausdrücklich nicht zur vorgesehenen Technik.

Die Fahne muss für den Schiedsrichter sichtbar bleiben. Wird zum Beispiel ein Ausball angezeigt, hält der Assistent das Zeichen grundsätzlich so lange, bis der Schiedsrichter es wahrgenommen hat.

In welche Richtung zeigt der Linienrichter beim Einwurf?

Beim Einwurf zeigt die Fahne in die Spielrichtung der Mannschaft, die den Einwurf erhält. Greift diese Mannschaft beispielsweise nach rechts an, wird auch die Fahne nach rechts ausgestreckt.

Das Zeichen weist also nicht dorthin, wo der Ball ins Aus geflogen ist. Es zeigt vielmehr, welches Team weiterspielen darf. Ist die Situation weit vom Assistenten entfernt und die Richtung unklar, signalisiert er zunächst nur den Ausball, sucht Blickkontakt und folgt anschließend der Entscheidung des Schiedsrichters.

Wie zeigt der Linienrichter Abseits an?

Bei einem Abseitsvergehen hebt der Linienrichter die Fahne zunächst senkrecht nach oben. Unterbricht der Schiedsrichter das Spiel, zeigt der Assistent anschließend mit dem Winkel der Fahne, in welchem Bereich sich das Vergehen ereignet hat:

  • schräg nach unten für die ihm nahe Spielfeldseite,
  • waagerecht für den mittleren Bereich,
  • schräg nach oben für die entfernte Spielfeldseite.

Die drei Winkel beschreiben damit nicht die Schwere des Abseits, sondern lediglich dessen Position auf dem Platz. Sie helfen dem Schiedsrichter dabei, den indirekten Freistoß am richtigen Ort ausführen zu lassen.

Wie zeigt der Linienrichter Eckstoß und Abstoß an?

Bei einem Eckstoß zeigt die Fahne schräg nach unten in Richtung Eckbereich. Bei einem Abstoß wird sie waagerecht in Richtung Torraum ausgestreckt.

War bereits eindeutig zu erkennen, dass der Ball die Torlinie überschritten hat und welche Spielfortsetzung folgt, muss der Assistent nicht zwingend zuerst die Fahne senkrecht heben. Bei einer knappen Situation signalisiert er dagegen zunächst, dass der Ball aus dem Spiel ist, und zeigt danach Eckstoß oder Abstoß an.

Wie zeigt der Linienrichter ein Foul an?

Bei einem anzuzeigenden Foul hebt der Linienrichter die Fahne und bewegt sie leicht hin und her. Anschließend zeigt er die Richtung des Freistoßes an. Zuvor achtet er darauf, ob der Schiedsrichter die Situation selbst gesehen oder möglicherweise Vorteil gegeben hat.

Wie zeigt der Linienrichter eine Auswechslung an?

Eine gewünschte Auswechslung wird angezeigt, indem der Assistent die Fahne waagerecht mit beiden Händen über den Kopf hält. Das Zeichen erfolgt bei der nächsten Spielunterbrechung. Gibt es einen vierten Offiziellen, übernimmt dieser einen großen Teil der praktischen Abwicklung des Wechsels.

Wie zeigt der Linienrichter ein Tor an?

Bei einem eindeutigen Tor hebt der Linienrichter die Fahne normalerweise nicht. Er nimmt Blickkontakt mit dem Schiedsrichter auf und bewegt sich anschließend zügig an der Seitenlinie in Richtung Mittellinie.

Ist dagegen nicht klar erkennbar, ob der Ball die Torlinie vollständig überschritten hat, hebt der Assistent zunächst die Fahne und bestätigt danach den Treffer. Wo Torlinientechnik eingesetzt wird, erhält der Schiedsrichter zusätzlich ein automatisches Signal, sobald der Ball die Torlinie vollständig überschritten hat.

Warum hebt der Linienrichter die Fahne bei Abseits manchmal so spät?

Der Linienrichter wartet bei knappen Abseitssituationen manchmal mit der Fahne, damit eine klare Torchance nicht vorschnell abgebrochen wird. Würde er sofort anzeigen und der Schiedsrichter pfeifen, ließe sich ein anschließend als falsch erkanntes Abseits nicht mehr rückgängig machen.

Dieses bewusste Verzögern betrifft vor allem Spiele mit Video-Assistenten. Es ist nur bei sehr klaren Angriffssituationen vorgesehen, etwa wenn ein Spieler frei auf das Tor zuläuft oder unmittelbar vor einem möglichen Treffer steht. Endet der Angriff mit einem Tor, Strafstoß, Freistoß, Eckstoß oder Einwurf für die angreifende Mannschaft, muss der Assistent das zuvor erkannte Vergehen anschließend anzeigen.

Bei eindeutigem Abseits soll die Fahne dagegen weiterhin ohne unnötige Verzögerung kommen. Das bekannte „Warum hebt er denn jetzt erst die Fahne?“ ist also meist kein verspäteter Geistesblitz, sondern Teil des VAR-Verfahrens.

Wo steht der Linienrichter während des Spiels?

Der Linienrichter bewegt sich grundsätzlich auf Höhe des vorletzten Spielers der verteidigenden Mannschaft oder auf Höhe des Balls, wenn dieser näher an der Torlinie liegt. Diese Position bildet die sogenannte Abseitslinie.

Entgegen einer verbreiteten Formulierung orientiert sich der Assistent nicht zwingend am „letzten Verteidiger und dem Torwart“. Der Torhüter besitzt für diese Beurteilung keine besondere Rolle. Entscheidend sind der Ball und die letzten beiden Gegenspieler – unabhängig davon, welche Position diese Spieler normalerweise haben.

Der Linienrichter richtet sein Gesicht auch beim Laufen möglichst zum Spielfeld. Über kurze Strecken bewegt er sich häufig seitwärts, weil sich Abspiel und Abseitslinie aus dieser Haltung besser gleichzeitig beobachten lassen. Bei einem Eckstoß steht er hinter der Eckfahne auf Höhe der Torlinie. Für Strafstöße, Freistöße und das Elfmeterschießen gelten je nach Situation weitere festgelegte Positionen.

Kann der Schiedsrichter den Linienrichter überstimmen?

Der Schiedsrichter kann einer Anzeige des Linienrichters widersprechen, weil er die endgültige Entscheidung trifft. Die Fahne ist eine wichtige Information, aber keine selbstständige Entscheidung, die der Schiedsrichter ungeprüft übernehmen muss.

Bei Abseits oder einem Foul wird das Spiel deshalb erst durch den Pfiff des Schiedsrichters unterbrochen. Er kann die Anzeige bestätigen, kurz Rücksprache halten oder das Spiel weiterlaufen lassen, wenn er die Situation anders beurteilt. Gerade bei Vergehen an der Strafraumgrenze kann der Assistent wichtige Hinweise dazu geben, ob der Kontakt innerhalb oder außerhalb des Strafraums erfolgte.

Gelbe oder Rote Karten zeigt der Linienrichter nicht selbst. Er kann dem Schiedsrichter aber mitteilen, welchen Vorfall er beobachtet hat, wer beteiligt war und welche persönliche Strafe aus seiner Sicht angemessen ist.

Wie kommuniziert der Linienrichter mit dem Schiedsrichter?

Neben der Fahne kommuniziert der Linienrichter durch Blickkontakt, zuvor abgesprochene Handzeichen und – je nach technischer Ausstattung – über elektronische Hilfsmittel. Im Profifußball tragen die Spieloffiziellen meist Headsets, über die sie sich während des Spiels direkt miteinander austauschen können.

Manche Schiedsrichterteams verwenden zusätzlich elektronische Fahnen. Drückt der Assistent einen Knopf am Griff, erhält der Schiedsrichter über einen kleinen Empfänger einen Ton- oder Vibrationsalarm. Damit kann der Linienrichter beispielsweise bei einer knappen Abseitsentscheidung oder einem vom Schiedsrichter übersehenen Vergehen auf sich aufmerksam machen. Das Signal ersetzt die Fahne und die eigentliche Rücksprache nicht, sondern sorgt lediglich dafür, dass die Information nicht unbemerkt bleibt.

Diese Kommunikation ist für Zuschauer oft kaum wahrnehmbar. Wenn der Schiedsrichter nach einer Szene kurz wartet oder an sein Headset greift, kann es sein, dass er sich gerade mit einem Linienrichter oder dem Video-Team abstimmt.

Warum haben Linienrichter unterschiedliche Fahnen?

Unterschiedliche Farben oder Muster auf Linienrichter-Fahnen besitzen keine eigene regeltechnische Bedeutung. Entscheidend ist allein, wie die Fahne gehalten und bewegt wird.

Die offiziellen Vorgaben unterscheiden Einwurf, Abseits, Eckstoß oder Foul deshalb über klar festgelegte Positionen und Bewegungen – nicht über ein Farbsystem. Sehen die beiden Fahnen verschieden aus, bedeutet das also nicht, dass ein Assistent andere Zuständigkeiten besitzt. Das Design kann variieren, die Zeichen bleiben gleich. Das ergibt sich aus den offiziellen Signalvorgaben, in denen den Farben und Mustern keine besondere Funktion zugewiesen wird.

Was ist der Unterschied zwischen Linienrichter, viertem Offiziellen und VAR?

Linienrichter, vierter Offizieller und VAR unterstützen den Schiedsrichter in unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Ihre Aufgaben dieser weiteren Spieloffiziellen lassen sich so abgrenzen:

SpieloffiziellerHauptaufgaben
LinienrichterAbseits, Ausbälle, Fahnenzeichen und Unterstützung bei Vergehen auf dem Spielfeld
Vierter OffiziellerTechnische Zonen, Auswechslungen, Ersatzbälle und Anzeige der Mindestnachspielzeit
VARÜberprüfung bestimmter spielentscheidender Vorfälle anhand von Videoaufnahmen
SchiedsrichterLeitung des Spiels und endgültige Entscheidung

Der Vierte Offizielle arbeitet damit überwiegend zwischen den beiden Trainerbänken, während die Linienrichter das Spiel an den Seitenlinien begleiten. Der VAR sitzt außerhalb des Spielfelds und darf nur bei festgelegten Kategorien eingreifen, unter anderem bei Toren, Strafstößen, direkten Roten Karten und Spielerverwechslungen. Er ist kein Oberschiedsrichter – auch nach einer Videoüberprüfung bleibt die endgültige Entscheidung beim Schiedsrichter auf dem Platz.

Was passiert, wenn sich ein Linienrichter verletzt?

Fällt ein Linienrichter aus, wird er nach den Bestimmungen des jeweiligen Wettbewerbs durch einen anderen qualifizierten Spieloffiziellen ersetzt. Wer übernimmt, muss bereits vor dem Spiel geregelt sein.

Bei größeren Wettbewerben kann dafür ein Ersatz-Schiedsrichterassistent vorgesehen sein. In anderen Fällen rückt beispielsweise der vierte Offizielle an die Seitenlinie. Möglich ist auch, dass ein erfahrener Assistent den ausgefallenen Schiedsrichter ersetzt und sich dadurch die übrigen Positionen im Team verschieben. Das Spiel muss also nicht automatisch abgebrochen werden, nur weil die Fahne plötzlich einen neuen Besitzer benötigt.

Wie wird man Linienrichter im Fußball?

Wer Linienrichter werden möchte, beginnt in Deutschland üblicherweise mit einer Ausbildung zum Fußballschiedsrichter. Eine getrennte Grundausbildung ausschließlich für die Tätigkeit an der Seitenlinie ist normalerweise nicht der erste Schritt.

Interessierte melden sich bei ihrem Landesverband oder in ihrer Region für einen Schiedsrichter-Neulingslehrgang an. Das Mindestalter liegt nach Angaben des DFB grundsätzlich bei zwölf Jahren, kann in einzelnen Landesverbänden aber auch bei 14 Jahren liegen. Nach der bestandenen Prüfung folgen zunächst Einsätze und praktische Erfahrungen. Ob und wann jemand als Schiedsrichterassistent angesetzt wird, richtet sich anschließend nach Verband, Leistungsklasse und persönlicher Entwicklung.

Wie die Einsätze von Unparteiischen in den höheren Spielklassen vergütet werden, erfährst du übrigens in unserem Beitrag zum Bundesliga-Schiedsrichter-Gehalt.