Schiedsrichterball: Regeln, Abstand und neue Zuteilung

Ein Schiedsrichterball setzt ein Fußballspiel nach einer Unterbrechung fort, für die keine andere Spielfortsetzung vorgesehen ist. Der Schiedsrichter lässt den Ball für einen bestimmten Spieler fallen. Alle anderen halten mindestens vier Meter Abstand. Sobald der Ball den Boden berührt, läuft das Spiel weiter. Wer den Ball erhält, hängt vor allem vom Ort und davon ab, welche Mannschaft ohne die Unterbrechung in Ballbesitz geblieben oder gekommen wäre.

Wann gibt es einen Schiedsrichterball?

Ein Schiedsrichterball kommt beispielsweise infrage, wenn der Schiedsrichter wegen einer ernsthaften Verletzung ohne Foul unterbricht, versehentlich pfeift oder ein störender Eingriff von außen das laufende Spiel beeinflusst. Auch ein während des Spiels beschädigter Ball kann diese Spielfortsetzung auslösen.

Er ist kein Freistoß und keine Strafe gegen eine Mannschaft. Er bringt den Ball wieder ins Spiel, wenn die Regeln keinen Anstoß, Einwurf, Abstoß, Eckstoß oder Strafstoß verlangen. Der Name klingt ein wenig danach, als dürfte der Schiri endlich mitspielen. Sein Auftritt endet aber beim Fallenlassen.

War der Ball schon im Aus, bleibt grundsätzlich die dafür vorgesehene Spielfortsetzung bestehen. Wird etwa vor einem Einwurf eine Behandlung nötig, entsteht daraus nicht automatisch ein Schiedsrichterball. Auch ein Pfiff wegen eines Fouls wird nicht dadurch zum Schiedsrichterball, dass anschließend jemand verletzt am Boden liegt.

Schiedsrichter angeschossen: Nicht jeder Kontakt unterbricht das Spiel

Berührt der Ball den Schiedsrichter oder einen anderen Spieloffiziellen, läuft das Spiel häufig einfach weiter. Ein Schiedsrichterball wird erforderlich, wenn der Ball auf dem Spielfeld bleibt und durch den Kontakt mindestens eine dieser Folgen entsteht:

  • Eine Mannschaft beginnt einen aussichtsreichen Angriff.
  • Der Ball geht direkt ins Tor.
  • Die Mannschaft in Ballbesitz wechselt.

Diese drei Auslöser stehen in der offiziellen Regel 9 des IFAB. Der frühere Spruch „Der Schiedsrichter ist Luft“ erklärt den heutigen Regelstand deshalb nur noch teilweise.

Ein harmloser Abpraller vom Schiri, nach dem dasselbe Team ohne aussichtsreichen neuen Angriff weiterspielt, reicht nicht. Verlässt der Ball nach dem Kontakt das Feld, entscheidet die tatsächlich überquerte Linie über Einwurf, Abstoß oder Eckstoß. Der Kontakt mit einem Spieloffiziellen wird dabei nicht wie eine Berührung durch einen Spieler behandelt.

Wer bekommt den Schiedsrichterball? Die Regeln 2026/27

Die Zuteilung richtet sich zuerst danach, ob sich der Ball bei der Unterbrechung im Strafraum befand. Außerhalb zählt danach die erkennbare Spielsituation.

Situation bei der UnterbrechungWer erhält den Ball?
Der Ball war im Strafraum.Der Torwart der verteidigenden Mannschaft, in seinem Strafraum.
Der Ball war außerhalb des Strafraums und die weitere Ballbesitzlage ist erkennbar.Ein Spieler des Teams, das ohne die Unterbrechung in Ballbesitz geblieben oder gekommen wäre.
Der Ball war außerhalb des Strafraums und die weitere Ballbesitzlage lässt sich nicht abschätzen.Ein Spieler des Teams, das den Ball zuletzt berührt hat.

Die letzte Ballberührung entscheidet also nicht immer. Diese wichtige Änderung gilt bereits seit 2025/26. Zur Saison 2026/27 wurde die Formulierung weiter präzisiert: Auch die Mannschaft, die bei einem ansonsten folgenden Einwurf, Abstoß oder Eckstoß den Ball erhalten hätte, wird berücksichtigt.

Die verbindlichen Vorgaben zu Empfänger, Ort, Abstand und Torerzielung findest du in der deutschen IFAB-Regel 8 zum Schiedsrichterball. Bei älteren Erklärungen lohnt deshalb ein Blick auf die angegebene Saison.

Schiedsrichterin lässt den Ball im Strafraum vor dem grünen Torwart fallen, daneben ein gelbes Fragezeichen mit großem Gesicht.

Befindet sich der Ball bei der Unterbrechung im Strafraum, erhält ihn der Torwart des verteidigenden Teams.

Neue Zuteilung: Drei Beispiele machen den Unterschied deutlich

Ein geblockter Schuss landet klar beim Angreifer

Ein Verteidiger blockt einen Schuss. Der Ball springt außerhalb des Strafraums zu einem frei stehenden Angreifer. Noch bevor dieser ihn annimmt, unterbricht der Schiedsrichter wegen einer ernsthaften Verletzung des Verteidigers.

Ist klar erkennbar, dass der Angreifer den Ball erhalten hätte, bekommt dessen Mannschaft den Schiedsrichterball. Die letzte Berührung durch den Verteidiger ist dann nicht ausschlaggebend.

Der Schiri lenkt einen Pass zur falschen Mannschaft

Ein Pass von Blau ist eindeutig auf dem Weg zu einem roten Spieler. Am Schiedsrichter prallt er jedoch zu Blau zurück und löst einen aussichtsreichen Angriff aus. Es gibt Schiedsrichterball für Rot: Ohne den Kontakt hätte Rot den Ball gewonnen. Blau bekommt ihn nicht allein deshalb zurück, weil Blau den ursprünglichen Pass gespielt hat.

Ein Ausball wird durch den Kontakt verhindert

Blau spielt den Ball Richtung Seitenlinie. Ohne Eingriff hätte Rot einen Einwurf erhalten. Der Ball trifft jedoch einen Spieloffiziellen auf der Linie, bleibt im Feld und Blau beginnt einen aussichtsreichen Angriff. Bei der Zuteilung wird nun auch das erkennbare Einwurfrecht berücksichtigt: Rot erhält den Schiedsrichterball.

Das ist der Kern der Präzisierung 2026/27. Eine Mannschaft soll durch den zufälligen Kontakt nicht einen Ball behalten, der dem Gegner bei der folgenden Spielfortsetzung zugestanden hätte.

Wo wird ein Schiedsrichterball ausgeführt?

Grundsätzlich wird der Ball an der Stelle fallengelassen, an der er sich bei der Unterbrechung befand. Hat er einen Spieloffiziellen oder eine Drittperson getroffen, zählt die Stelle des Kontakts beziehungsweise Eingriffs. War der Ball im Strafraum, erfolgt die Zuteilung an den verteidigenden Torwart dort.

Der Ort wird nicht pauschal zur letzten Spielerberührung zurückverlegt. Ebenso gibt es keine allgemeine Regel, nach der ein Schiedsrichterball innerhalb des Torraums immer auf die Torraumlinie verschoben werden müsste. Solche Angaben gehören zu älteren Fassungen oder verwechseln unterschiedliche Spielfortsetzungen.

Wichtig ist auch: Entscheidend für die Torwart-Zuteilung ist der Ort des Balls, nicht der Ort eines verletzten Spielers. Liegt ein Angreifer außerhalb des Strafraums, während der Ball bei der Unterbrechung darin ist, erhält trotzdem der verteidigende Keeper den Schiedsrichterball.

Ausführung: Vier Meter Abstand bis zum Bodenkontakt

Der Ablauf lässt sich leicht auf dem Platz ausprobieren:

  1. Der Schiedsrichter bestimmt den Spieler, für den er den Ball fallen lässt.
  2. Alle übrigen Spieler beider Mannschaften halten mindestens vier Meter Abstand zum Ball.
  3. Der Schiedsrichter lässt den Ball aus der Hand fallen.
  4. Erst mit dem Bodenkontakt ist der Ball im Spiel.

Auch Mitspieler des Empfängers müssen den Abstand einhalten. Ein zusätzliches Freigabepfeifen ist nicht erforderlich. Den Ball vorher aus der Luft zu spielen, ist zu früh. In diesem Fall wird der Schiedsrichterball wiederholt.

Wiederholt wird ebenfalls, wenn der Ball nach dem Bodenkontakt das Spielfeld verlässt, ohne einen Spieler zu berühren. Spielt der Empfänger ihn dagegen ins Aus, ist die folgende normale Spielfortsetzung dran.

Ein Tor nach Schiedsrichterball braucht zwei verschiedene Spieler

Der Empfänger darf den Ball nach dem Bodenkontakt mehrfach spielen und auch dribbeln. Um ein gültiges Tor zu erzielen, muss der Ball nach dem Schiedsrichterball jedoch mindestens zwei verschiedene Spieler berührt haben. Zweimal derselbe Spieler reicht nicht.

Zwei blaue Fußballspieler spielen einen kurzen Pass vor dem gegnerischen Tor, begleitet vom gelben Fragezeichen.
Für ein gültiges Tor nach Schiedsrichterball muss der Ball mindestens zwei verschiedene Spieler berührt haben.
Was passiert?Entscheidung
Nur ein Spieler berührt den Ball, danach geht er ins gegnerische Tor.Kein Tor, Abstoß für den Gegner.
Nur ein Spieler berührt den Ball, danach geht er ins eigene Tor.Kein Eigentor, Eckstoß für den Gegner.
Mindestens zwei verschiedene Spieler berühren den Ball, danach geht er ins Tor.Ein Tor ist möglich, sofern kein anderes Vergehen vorliegt.

Der zweite Spieler kann ein Mitspieler oder ein Gegner sein. Passt der Empfänger zu einem Mitspieler, der abschließt, ist diese Voraussetzung erfüllt. Berührt ein Torwart den Schuss noch und der Ball geht danach hinein, ebenfalls. Der Torwart muss den Ball dafür nicht kontrollieren.

Verletzung oder zweiter Ball: Die Unterbrechung muss begründet sein

Ein zweiter Ball am Rand des Spielfelds führt nicht automatisch zum Schiedsrichterball. Entscheidend ist, ob er das Spiel tatsächlich stört. Dasselbe gilt für ein Tier oder einen Gegenstand auf dem Platz. Ein Hund, der gemütlich hinter der Eckfahne spaziert, übernimmt also noch nicht die Spielleitung.

Bei einer Verletzung muss ebenfalls unterschieden werden: Unterbricht der Schiedsrichter wegen einer ernsthaften Verletzung ohne Regelverstoß, ist Schiedsrichterball die passende Fortsetzung. Liegt ein Foul vor, richtet sich die Fortsetzung nach diesem Vergehen. Wird das Spiel wegen eines Vorfalls endgültig beendet, geht es dagegen um einen Spielabbruch.

Solche Entscheidungen gehören zu den Situationen, die du in der Schiedsrichter-Ausbildung anhand konkreter Fälle lernst. Hilfreich ist immer dieselbe Reihenfolge: Warum wurde unterbrochen? Wo war der Ball? Wer hätte ihn erhalten?

FAQ: Weitere Fragen zum Schiedsrichterball

Darf der Torwart den Schiedsrichterball in die Hand nehmen?

Ja, in seinem eigenen Strafraum und nachdem der Ball den Boden berührt hat. Das direkte Fallenlassen durch den Schiedsrichter ist kein absichtlicher Fußrückpass eines Mitspielers. Bei einem späteren Zuspiel des Mitspielers gilt dagegen wieder die Rückpassregel.

Darf der Gegner nach dem Bodenkontakt den Ball erobern?

Ja. Sobald der Ball den Boden berührt, ist er für alle spielbar. Die anderen Spieler dürfen dann anlaufen, sofern sie bis zu diesem Moment die vier Meter eingehalten haben. Der benannte Empfänger hat kein garantiertes Recht auf die erste Berührung.

Muss die Mannschaft den Ball nach Schiedsrichterball zurückgeben?

Eine allgemeine Pflicht zum Rückpass an den Gegner besteht nicht. Die heutige Regel bestimmt bereits, für wen der Ball fallengelassen wird. Ein freiwilliges Zurückspielen ist eine mögliche Fair-Play-Geste, keine zusätzliche Ausführungsregel.

Kann nach Schiedsrichterball Abseits entstehen?

Ja. Spielt der Empfänger nach dem Bodenkontakt zu einem Mitspieler, gelten die normalen Abseitsbestimmungen. Anders als beim direkten Empfang eines Einwurfs, Eckstoßes oder Abstoßes gibt es für diesen anschließenden Pass keine besondere Ausnahme.

Wie heißt Schiedsrichterball auf Englisch?

Die englische Bezeichnung lautet „dropped ball“. Sie beschreibt den Ablauf ziemlich genau: Der Schiedsrichter lässt den Ball fallen, statt ihn anzuspielen.

Spielleitung vorbereiten und Regelfälle üben

Um einen Schiedsrichterball zu verstehen, brauchst du nichts zu kaufen. Ein vorhandener Ball genügt zum Ausprobieren. Die folgenden Hilfen sind für Regelbesprechungen oder eigene Spielleitungen gedacht und kein spezielles Schiedsrichterball-Zubehör.

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