Rückpassregel im Fußball: Wann darf der Torwart den Ball aufnehmen?

Die Rückpassregel verbietet dem Torwart, einen absichtlichen Fußpass eines Mitspielers mit Hand oder Arm zu berühren. Dasselbe gilt für einen direkt erhaltenen Einwurf aus dem eigenen Team. Mit dem Fuß darf er diese Bälle spielen. Verstößt er innerhalb seines Strafraums gegen die Regel, erhält der Gegner einen indirekten Freistoß. Klingt überschaubar. Die Diskussion beginnt meist bei Kopfball, missglücktem Schuss oder der Behauptung: „Aber er hat ihn doch gar nicht nach hinten gespielt!“

Was besagt die Rückpassregel im Fußball?

Ein Pass zum eigenen Torwart ist grundsätzlich erlaubt. Die Rückpassregel beschränkt die anschließende Benutzung der Hände und Arme. Sie soll verhindern, dass ein Team den Ball immer wieder gezielt zum Keeper spielt und dieser ihn dort bequem aus dem Spiel nimmt.

Für die häufigsten Situationen hilft diese Übersicht. Sie bezieht sich auf den Torwart innerhalb seines eigenen Strafraums:

Wie kommt der Ball zum Torwart?Darf er Hand oder Arm benutzen?
Absichtliches Zuspiel eines Mitspielers mit dem FußNein, abgesehen von der besonderen Ausnahme nach einem klaren Klärungsversuch
Direkter Einwurf eines MitspielersNein, mit derselben eng begrenzten Ausnahme
Normaler Kopfball, Brust- oder Kniezuspiel eines MitspielersJa, sofern kein Umgehungstrick vorliegt
Schuss oder Pass eines GegnersJa
Zufälliger Abpraller vom Mitspieler ohne absichtlichen Fußpass zum KeeperJa

Die Grundlage ist die deutschsprachige IFAB-Regel 12. „Aufnehmen“ ist dabei nur die Alltagssprache: Schon eine unerlaubte Berührung mit Hand oder Arm reicht. Der Keeper muss den Ball nicht erst festhalten und unter den Arm klemmen.

Ein Rückpass muss nicht rückwärts gespielt werden

Der Name führt ein bisschen in die Irre. Entscheidend ist nicht die Passrichtung, sondern das absichtliche Zuspiel mit dem Fuß zum eigenen Torwart. Auch ein seitlicher oder nach vorn gespielter Ball kann darunterfallen, wenn der Keeper entsprechend steht.

Spielt ein Verteidiger den Ball bewusst in einen Bereich neben dem Tor, damit der Torwart ihn übernimmt, wird die Regel nicht durch einen fehlenden direkten Zielpunkt ausgehebelt. Der Schiedsrichter beurteilt die tatsächliche Spielsituation.

Umgekehrt ist nicht jede Fußberührung automatisch ein Rückpass. Prallt ein gegnerischer Schuss zufällig vom Schuh eines Verteidigers zum Keeper, liegt kein absichtlicher Fußpass vor. Auch ein klar missglückter Befreiungsschlag, der nicht als Zuspiel zum Torwart gedacht war, ist anders zu bewerten als ein gewollter Rückpass.

Beim Einwurf zum Torwart bleiben die Hände ebenfalls tabu

Wirft ein Mitspieler den Ball direkt zum eigenen Torwart ein, darf dieser ihn innerhalb seines Strafraums nicht mit Hand oder Arm spielen. Das Verbot gilt, obwohl der Einwerfer den Ball selbstverständlich mit den Händen abwirft.

Der Keeper darf den Ball mit Fuß, Kopf oder Körper kontrollieren und weiterspielen. Eine kurze Annahme mit dem Fuß macht das anschließende Fangen jedoch nicht automatisch zulässig. Die Berührung muss unter die spezielle Klärungs-Ausnahme fallen, um etwas an der Beschränkung zu ändern.

Kommt der Einwurf hingegen von einem Gegner, darf der Torwart grundsätzlich zugreifen. Die übrigen Einwurf-Regeln gelten trotzdem, etwa dass ein Einwurf ohne weitere Spielerberührung kein direkt erzieltes Tor ergibt.

Kopfball, Knie und Brust: Diese Rückpässe darf der Torwart fangen

Köpft ein Verteidiger einen ankommenden hohen Ball regulär zum eigenen Torwart, darf der ihn innerhalb des Strafraums aufnehmen. Auch ein gewöhnliches Zuspiel mit Brust, Knie oder Oberschenkel fällt nicht unter das Verbot eines Fußpasses.

„Absichtlich“ allein bedeutet also nicht „Hände verboten“. Die Absicht muss sich bei der Grundregel auf ein Zuspiel mit dem Fuß beziehen. Ein bewusst zurückgeköpfter Ball ist deshalb grundsätzlich erlaubt.

Das ist allerdings kein Baukasten für Tricks. Wird eine künstliche Abfolge nur gewählt, um das Handspielverbot zu umgehen, gelten andere Regeln. Dazu kommen wir gleich.

Die besondere Ausnahme nach einem missglückten Klärungsversuch

Hat der Torwart nach einem solchen Zuspiel eindeutig versucht, den Ball mit dem Fuß zu klären, darf er den Ball anschließend im Strafraum mit den Händen spielen. Diese Ausnahme schützt zum Beispiel einen Keeper, der den Ball wegschlagen will, ihn aber deutlich verfehlt oder beim Klärungsversuch nur unzureichend trifft.

Eine normale Ballannahme, ein kurzes Antippen oder ein absichtlich vorgetäuschter Schuss genügt nicht. Es muss erkennbar um das Weiterspielen beziehungsweise Klären gehen. Der Unterschied ist wichtig: „Ich habe ihn erst mit dem Fuß berührt“ hebt die Rückpassregel nicht auf.

Ein Fußballspieler bereitet einen Einwurf zum eigenen Torwart vor, der die Rückpassregel beachten muss. Immer dabei: das gelbe Fragezeichen-Maskottchen.
Auch einen direkt erhaltenen Einwurf eines Mitspielers darf der Keeper grundsätzlich nicht mit den Händen aufnehmen.

Die Rückpassregel umgehen: Auch ohne Handkontakt kann es Gelb geben

Ein Spieler darf nicht absichtlich einen Trick initiieren, bei dem er die Fußpass-Beschränkung durch Kopf, Brust oder Knie umgeht. Ein typisches Beispiel: Er lupft einen am Boden liegenden Ball mit dem Fuß hoch und köpft ihn anschließend zum Torwart, damit dieser zugreifen kann.

Der Unterschied zum normalen Rückkopfball liegt in der gezielt konstruierten Umgehung. Ein ankommender hoher Ball und ein regulärer Kopfball zum Keeper sind etwas anderes als das selbst erzeugte Hochlupfen für diesen Zweck.

Für einen solchen Trick erhält der Verantwortliche eine Gelbe Karte, und das Spiel wird mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt. Initiiert der Torwart die Umgehung, wird er bestraft. Das gilt ausdrücklich auch bei entsprechenden Tricks rund um Abstoß oder Freistoß.

Ob der Keeper den Ball tatsächlich mit den Händen berührt, ist für dieses Vergehen nicht entscheidend. Die Unsportlichkeit steckt bereits im Trick. „Er hat ihn dann doch mit dem Fuß gespielt“ ist deshalb keine automatische Entlastung.

Welche Strafe gibt es für einen verbotenen Rückpass?

Berührt der Torwart ein entsprechend gesperrtes Zuspiel im eigenen Strafraum mit Hand oder Arm, erhält die gegnerische Mannschaft einen indirekten Freistoß. Der Rückpass selbst löst den Pfiff noch nicht aus.

Ein Elfmeter wird für diesen gewöhnlichen Verstoß nicht gegeben. Innerhalb des Strafraums gelten für den Torwart besondere Handspielbeschränkungen. Außerhalb wird sein Handspiel dagegen wie das eines Feldspielers beurteilt, mit direktem Freistoß und gegebenenfalls einer persönlichen Strafe. Das ist eine andere Ausgangslage.

Wo wird der indirekte Freistoß ausgeführt?

Maßgeblich ist normalerweise die Stelle, an der der Keeper den Ball unerlaubt mit Hand oder Arm berührt. Liegt diese Stelle im Torraum, wird der Freistoß auf die parallel zur Torlinie verlaufende Torraumlinie verlegt, und zwar an den dem Vergehen nächstgelegenen Punkt. Beim Großfeld ist das die häufig als Fünfmeterlinie bezeichnete Linie, die tatsächlich 5,50 Meter vom Tor entfernt liegt.

Das ist ausdrücklich nicht der Elfmeterpunkt und auch nicht die Strafraumgrenze. Die Unterschiede erklärt der Beitrag zum Strafraum und Torraum. Der Schiedsrichter hebt für den indirekten Freistoß einen Arm. Ein Tor kann daraus erst zählen, wenn ein weiterer Spieler den Ball berührt hat. Wo Freistöße ausgeführt werden, regelt die IFAB-Regel 13.

Sieht der Torwart dafür automatisch Gelb oder Rot?

Nein. Für die gewöhnliche unerlaubte Handberührung innerhalb seines Strafraums sieht die Regel keine persönliche Strafe vor. Auch eine dadurch verhinderte klare Torchance macht dieses spezielle Vergehen nicht automatisch zur Roten Karte.

Anders liegt es beim erwähnten Umgehungstrick oder bei eigenständigen weiteren Vergehen. Auch eine unerlaubte zweite Ballberührung nach einer Spielfortsetzung folgt anderen Regeln. Diese Fälle solltest du nicht mit dem normalen Rückpassverstoß vermischen.

Ein Schiedsrichter hebt den Arm für einen indirekten Freistoß nahe dem Tor, neben ihm das gelbe Question-King-Fragezeichen.
Nach dem gewöhnlichen Rückpassverstoß im Strafraum folgt ein indirekter Freistoß.

Seit wann gilt die Rückpassregel?

Die Rückpassregel wurde 1992 eingeführt. Zuvor konnte ein Team den Ball immer wieder zum Torwart zurückspielen und ihn dort in dessen Händen sichern. Gerade beim Verwalten einer Führung entstand dadurch viel Stillstand.

Die Änderung machte Torhüter stärker zu Mitspielern: Sie mussten Rückpässe mit dem Fuß verarbeiten und unter Gegnerdruck passende Entscheidungen treffen. Diese Entwicklung prägt die Aufgaben eines modernen Torwarts bis heute.

Die Rückpassregel wurde nicht abgeschafft. Auch die seit 2025/26 geltende Acht-Sekunden-Regel ersetzt sie nicht. Diese regelt die Dauer der erlaubten Handkontrolle. Die Rückpassregel klärt vorher, ob der Keeper seine Hände bei diesem Zuspiel überhaupt einsetzen darf. Mehr zur zeitlichen Begrenzung steht im Beitrag über Zeitspiel im Fußball.

Gilt die Rückpassregel auch in der E-Jugend und im Hallenfußball?

Für Kinderfußball, einzelne Jugendstaffeln und Hallenturniere können abweichende Bestimmungen gelten. Eine bundesweit einheitliche Antwort wie „ab der E-Jugend immer“ ist deshalb zu grob. Prüfe Altersklasse, Spielform und die aktuelle Ausschreibung deines Verbands oder Turniers.

Beim Futsal kommen weitere Einschränkungen für Torwartkontakte und Ballkontrolle hinzu. Die Feldfußballregel lässt sich daher nicht vollständig auf die Halle übertragen. Bei Spielformen ohne festen Torwart stellt sich die Frage nach dessen besonderem Handspielrecht ohnehin anders.

So vermeidest du einen unnötigen Rückpasspfiff

Für Feldspieler und Torwart hilft vor allem eine klare Absprache: Wird der Keeper absichtlich mit dem Fuß angespielt, soll er mit dem Fuß weiterarbeiten. Ein zu kurzer Rückpass wird nicht dadurch zu einem erlaubten Fangball, dass schon ein Stürmer heranläuft.

Spiele den Ball möglichst in einen kontrollierbaren Bereich und biete danach eine Anschlussoption an. Als Keeper schaust du vor der Annahme, wo Gegner und freie Mitspieler stehen. Das löst die Situation meist besser als die spontane Bitte an den Schiedsrichter, diesmal ein Auge zuzudrücken. Wie solche Ballaktionen geübt werden, gehört ins Torwarttraining.

FAQ: Häufige Fragen zur Rückpassregel

Darf der Torwart den Ball nach einer gegnerischen Berührung aufnehmen?

Wurde der Pass zwischenzeitlich von einem Gegner gespielt oder berührt, ist die Beschränkung aus dem ursprünglichen Zuspiel grundsätzlich aufgehoben. Andere eigenständige Handspielbeschränkungen müssen trotzdem berücksichtigt werden.

Was passiert, wenn ein Rückpass ins eigene Tor rollt?

Ein mit dem Fuß gespielter Rückpass kann ein Eigentor ergeben, wenn der Ball vollständig die Torlinie zwischen den Pfosten und unter der Latte überquert. Dass der Keeper ihn wegen der Rückpassregel nicht fangen durfte, verhindert den Treffer nicht.

Darf der Torwart einen vom Mitspieler zugespielten Ball außerhalb des Strafraums mitnehmen?

Ja, mit Fuß, Kopf oder einem anderen erlaubten Körperteil. Das Weiterdribbeln in den eigenen Strafraum macht einen absichtlichen Fußpass aber nicht nachträglich zum Fangball. Eine gewöhnliche Ballmitnahme ist kein Klärungsversuch.

Wie heißt die Rückpassregel auf Englisch?

Üblich ist back-pass rule. Im offiziellen Regeltext wird die konkrete Handlung beschrieben: ein absichtlich mit dem Fuß zum eigenen Torwart gespielter Ball beziehungsweise ein direkt empfangener Einwurf eines Mitspielers.

Rückpässe erklären und den ersten Kontakt üben

Zum Verstehen der Regel brauchst du keine neue Ausrüstung. Wenn du Rückpässe zusätzlich praktisch üben oder im Team besprechen möchtest, können diese Dinge helfen. Nutze zuerst die vorhandenen Bälle und das Vereinsmaterial.

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