Der Weihnachtsmarkt hat seinen Ursprung in spätmittelalterlichen Märkten, auf denen Menschen Lebensmittel und andere Waren für die Winter- und Weihnachtszeit kauften. Aus solchen Verkaufsgelegenheiten entwickelten sich nach und nach Märkte für Geschenke, Süßigkeiten und gemeinsames Vergnügen. Das geschah in verschiedenen Städten auf unterschiedliche Weise. Einen einzigen Erfinder mit einem fertigen Konzept aus Holzbude, Lichterkette und Glühweintasse gab es nicht. Auch die Frage nach dem ältesten Weihnachtsmarkt ist deshalb schwieriger, als manche Reklame vermuten lässt.
Wozu dienten die ersten vorweihnachtlichen Märkte?
Die frühen Märkte dienten vor allem dem Einkaufen und der Versorgung. Stadtbewohner konnten Fleisch, Gebäck und Gebrauchsgegenstände erwerben. Handwerker und Händler bekamen dafür zu bestimmten Zeiten einen erlaubten Verkaufsplatz.
Eine solche Erlaubnis war wichtig. Wer Waren anbieten durfte, an welchen Tagen verkauft wurde und ob fremde Händler teilnehmen konnten, war keineswegs beliebig. Marktprivilegien regelten wirtschaftliche Rechte. Ein Herrscher, der einen freien Fleischmarkt genehmigte, organisierte damit zunächst Handel und Versorgung, nicht automatisch eine vorweihnachtliche Vergnügungsmeile.
Mit der Zeit kamen weitere Angebote hinzu. Korbwaren, Kerzen, Holzspielzeug, Backwaren und kleine Geschenke machten die Märkte auch jenseits des Lebensmitteleinkaufs interessant. Dass dort Menschen zusammenkamen, Neuigkeiten austauschten und etwas aßen, war eine naheliegende Ergänzung.
Der heutige Weihnachtsmarkt entstand also aus einer Entwicklung. Er ist weder ein plötzlich erfundener Brauch noch ein seit dem Mittelalter unverändertes Gesamtpaket.
Seit wann gibt es Weihnachtsmärkte?
Vorläufer heutiger Weihnachtsmärkte lassen sich bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen. Die überlieferten Jahreszahlen bezeichnen jedoch unterschiedliche Dinge: eine Verkaufserlaubnis, einen bestimmten Markt oder die erste nachweisbare Nennung eines Namens.
| Ort | Historischer Anhaltspunkt | Was damit belegt wird |
|---|---|---|
| Bautzen | 1384 | Ein in Chroniken überliefertes Recht für einen freien Fleischmarkt vor Weihnachten. |
| Dresden | 1434 | Ein Marktprivileg, auf das sich die Geschichte des heutigen Striezelmarkts zurückführen lässt. |
| Nürnberg | 1678 | Die nach heutigem Forschungsstand älteste bekannte namentliche Erwähnung des Christkindlesmarkts auf einer Spanschachtel. |
| Wien, Freyung | 1722 | Der von der Stadt dokumentierte Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt auf diesem Platz. |
Der Bautzener Wenzelsmarkt beruft sich auf das von König Wenzel IV. verliehene Marktrecht. Der Verkauf war nach den von der Stadt angeführten Chroniken ab dem Michaelistag an Samstagen bis Weihnachten erlaubt. Das zeigt einen frühen Zusammenhang mit der Versorgung vor dem Fest. Es beschreibt aber noch nicht die heutigen geschmückten Buden.
Die Wiener Geschichte veranschaulicht das Problem ebenfalls: Ein Markt konnte den Platz wechseln, einen neuen Namen erhalten und später elektrisch beleuchtet werden. Die Stadt nennt für ihren Markt die Freyung, später den Platz Am Hof und den Stephansplatz als historische Standorte. Ein heutiger Veranstaltungsort ist deshalb nicht unbedingt der ursprüngliche.
Welcher Weihnachtsmarkt ist der älteste?
Eine eindeutige Antwort hängt davon ab, was als Weihnachtsmarkt gezählt wird. Ein altes Dezember-Marktrecht ist nicht dasselbe wie der Nachweis eines bereits als Weihnachtsmarkt bezeichneten Festmarktes.
Bautzen verweist auf die Chroniküberlieferung zu 1384. Dresden stellt seine urkundlich belegte Tradition seit 1434 heraus. Auch die häufig genannten Wiener Dezembermärkte von 1296 gehören zur Diskussion um frühe Vorläufer. Aus dem Monat ihrer Durchführung allein folgt jedoch noch kein spezifisch weihnachtlicher Charakter.
Ebenso wenig darf man aus einem ersten bekannten Beleg automatisch das genaue Gründungsjahr machen. Ein Schriftstück kann einen Markt nennen, der bereits länger bestand. Umgekehrt beweist eine frühe Wintermesse nicht, dass jedes Element des heutigen Weihnachtsmarkts damals schon vorhanden war.
Wenn du eine Aussage wie „der älteste Weihnachtsmarkt der Welt“ liest, lohnt deshalb die Zusatzfrage: Geht es um eine Chronik, eine erhaltene Urkunde, eine Namensnennung oder eine behauptete ununterbrochene Veranstaltungsreihe? Ohne diese Unterscheidung werden sehr verschiedene Geschichten miteinander verglichen.
Warum heißt der Dresdner Markt Striezelmarkt?
Der Striezelmarkt hat seinen Namen von einem länglichen Festgebäck, dem Striezel beziehungsweise Stollen. Die Bezeichnung bewahrt damit die Erinnerung an eine wichtige Handelsware.
Die Stadt Dresden dokumentiert die Entwicklung des Striezelmarkts vom anfangs kurzen Fleischmarkt zum vielfältigen Marktgeschehen. Später wurden die Gebäcke auf Brettern ausgelegt, die der Rat gegen eine Gebühr verlieh. Es mussten also nicht von Anfang an vollständig ausgebaute Holzhäuschen auf dem Platz stehen.
Die Bezeichnung „Striezelmontag“ erinnert an den Markttag am Montag vor Weihnachten. Im Laufe der Zeit wurden Verkaufsdauer und Angebot erweitert. Auswärtige Händler brachten zusätzliche Waren mit, was das Angebot bereicherte und zugleich Streit mit einheimischen Gewerbetreibenden auslösen konnte.
Der Name verbindet den Markt bis heute mit dem Stollen. Er ist aber keine andere Bezeichnung für Baumstriezel. Das ähnlich klingende Drehgebäck besitzt eine eigene Geschichte. Auf dem Weihnachtsmarkt können beide nebeneinander auftauchen, ohne deshalb dasselbe Gebäck zu sein.
Warum wurde ein berühmter Nürnberger Beleg neu datiert?
Der älteste bekannte namentliche Nachweis des Nürnberger Christkindlesmarkts wird heute auf 1678 datiert, nicht mehr auf 1628. Die Korrektur wurde 2025 nach neuen Untersuchungen bekannt gemacht.
Der entscheidende Gegenstand ist eine kleine bemalte Spanschachtel im Germanischen Nationalmuseum. Auf ihrer Unterseite steht eine Widmung, in der ein „Kindlesmarck“ genannt wird. Ausgerechnet eine Ziffer der Jahreszahl ist verschmiert und schwer zu lesen.
Das Museum und das Stadtarchiv prüften deshalb auch die Lebensdaten der Frauen, die in der Widmung genannt werden. Diese passen zu 1678 und schließen die ältere Lesart aus. Die offizielle Darstellung der neuen Nürnberger Forschungsergebnisse erklärt diesen Abgleich.
Das Beispiel ist ein guter Grund, alte Jahreszahlen nicht ungeprüft weiterzureichen. Der Markt verliert durch die Korrektur weder seine lange Tradition noch seine Lebkuchen. Nur das geplante Jubiläum musste wissenschaftlich ein Stück nach hinten rücken.
Wie wurde aus dem Einkaufsmarkt ein stimmungsvolles Fest?
Das heutige Weihnachtsmarktgefühl entstand durch zusätzliche Angebote, veränderte Einkaufsgewohnheiten und bewusste Gestaltung. Besonders Geschenke, Spielzeug, Speisen und gemeinsame Unterhaltung machten den Markt zum Aufenthaltsort.

Als Weihnachten stärker als Familienfest mit Bescherung gefeiert wurde, passten Puppen, Holzfiguren und Süßigkeiten gut ins Angebot. Später setzten Kaufhäuser die Märkte unter Konkurrenzdruck: Viele Waren waren nun anderswo dauerhaft, günstiger oder in größerer Auswahl erhältlich. Der Markt musste dadurch nicht verschwinden, bekam aber eine andere Rolle.
Die vermeintlich zeitlose Kulisse wurde ebenfalls immer wieder verändert. In Nürnberg musste der Markt um 1900 mehrfach den Standort wechseln. 1933 kehrte er auf den Hauptmarkt zurück und wurde von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda vereinnahmt. Romantisierte Gestaltung und ein feierliches Eröffnungszeremoniell sollten das gewünschte Bild deutscher Tradition vermitteln.
Das bedeutet nicht, dass die Nationalsozialisten Weihnachtsmärkte erfanden. Es zeigt, dass auch vertraute Traditionen politisch gestaltet und benutzt werden können. Während des Zweiten Weltkriegs fiel der Nürnberger Markt aus. 1948 wurde er in der zerstörten Altstadt wieder abgehalten, mit einem neu verfassten Prolog für das Christkind.
Heutige Weihnachtsmärkte sind deshalb zugleich Handelsplätze, Treffpunkte und inszenierte Erlebnisse. Lichter, Gerüche, Musik und der vorübergehend veränderte Stadtraum wirken zusammen. Dass die Atmosphäre gezielt gestaltet wird, macht sie für Besucher nicht weniger angenehm. Man muss nur nicht jede Lichterkette für einen mittelalterlichen Fund halten.
Warum gehört so viel Essen zum Weihnachtsmarkt?
Essen passt zum Weihnachtsmarkt, weil Warenverkauf und geselliges Treffen dort seit Langem zusammenkommen. Heute ist die gemeinsame Pause mit etwas Warmem für viele Besucher sogar wichtiger als ein geplanter Einkauf.
Einige Speisen sind stark regional geprägt, andere wandern mit Schaustellern, Händlern und Publikum von Ort zu Ort. Lebkuchen, heiße Maronen und gebrannte Mandeln gehören zum vertrauten Bild. In manchen Regionen sind auch Mutzen typische Begleiter des Bummels.
Aus dem heutigen Angebot lässt sich allerdings keine vollständige mittelalterliche Speisekarte rekonstruieren. Ein gut besuchter Baumstriezelstand beweist beispielsweise nicht, dass dieses Gebäck schon auf dem ersten Dresdner Markt verkauft wurde. Markttraditionen bleiben beweglich und nehmen neue Gerichte auf.
Gerade die sichtbare Zubereitung kann Teil des Erlebnisses sein: Teig dreht sich, Mandeln werden gerührt, Dampf steigt auf. Der Kauf ist dann zugleich eine kleine Vorführung. Der Geruch erledigt einen erstaunlich großen Teil der Werbung, ohne dafür eine einzige Durchsage zu benötigen.

Sind Christkindlmarkt, Adventsmarkt und Weihnachtsmarkt dasselbe?
Die Begriffe bezeichnen meist verwandte vorweihnachtliche Marktformen, setzen aber unterschiedliche sprachliche Akzente. Allein am Namen erkennst du weder das genaue Alter noch das Warenangebot.
„Christkindlmarkt“ oder „Christkindlesmarkt“ verweist auf das Christkind als Geschenkebringer. „Adventsmarkt“ betont die Zeit vor Weihnachten. Der Begriff Weihnachtsmarkt ist die allgemein verständliche Bezeichnung, während Namen wie Striezelmarkt oder Wenzelsmarkt eine örtliche Geschichte hervorheben.
Die Adventszeit ist kirchlich eine Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Ein Weihnachtsmarkt liegt deshalb häufig schon vor dem eigentlichen Fest. Das ist kein Kalenderfehler. Manche Märkte beginnen inzwischen noch vor dem ersten Advent, andere öffnen nur ein Wochenende. Wieder andere bleiben nach Weihnachten bestehen. Daraus ergibt sich keine überall verbindliche Marktregel.
Warum gibt es deutsche Weihnachtsmärkte auch im Ausland?
Das Weihnachtsmarktmodell lässt sich gut in andere Städte übertragen, weil es Handel mit einem klar erkennbaren saisonalen Erlebnis verbindet. Buden, Geschenkartikel, heiße Getränke und ein Musikprogramm funktionieren auch außerhalb des deutschsprachigen Raums.
Ein bekanntes Beispiel ist der Frankfurt Christmas Market in Birmingham. Das Stadtarchiv der dortigen Bibliothek beschreibt einen ersten Gastmarkt 1997 und die Rückkehr 2001. Der heutige Veranstalter verbindet deutsche Speisen und Handwerksangebote mit einem öffentlichen Treffpunkt in der Innenstadt.
Eine solche Übernahme muss nicht bedeuten, dass im jeweiligen Land bereits seit Jahrhunderten dieselbe Tradition gepflegt wurde. Ein Markt kann bewusst nach deutschem Vorbild gegründet worden sein und trotzdem mit der Zeit Teil des örtlichen Jahreslaufs werden.
Woran erkennst du bei einem Marktbesuch seine eigene Geschichte?
Regionale Waren, konkrete Handwerksvorführungen und nachvollziehbare Informationen zum Ort zeigen oft mehr als ein besonders rustikales Budendach. Schau beispielsweise darauf, ob Händler Herkunft und Herstellung ihrer Produkte erklären.
Ein alter Marktname, ein regionales Gebäck oder ein örtlicher Eröffnungsbrauch sind gute Anknüpfungspunkte. Eine mittelalterlich verkleidete Person macht dagegen nicht jeden angebotenen Gegenstand automatisch historisch. Spaß und Wissen dürfen nebeneinanderstehen, solange die Kulisse nicht mit einem Quellenbeleg verwechselt wird.
Für deinen Besuch bleiben außerdem die aktuellen Angaben des Veranstalters entscheidend. Öffnungstage, Standorte und Programme können sich ändern. Die Geschichte erklärt, wie der Markt geworden ist. Wo in diesem Jahr die nächste Punschbude steht, weiß die Gegenwart meistens genauer.
Für Weihnachtsmarktstimmung zu Hause
Werbung/Affiliate-Hinweis: Die mit * gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst oder buchst, können wir eine Provision erhalten. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.
Amazon.de
Emsa Travel Mug Classic N20224, 0,5 l
Der wiederverwendbare Isolierbecher mit Schraubdeckel eignet sich für ein warmes Getränk auf dem winterlichen Spaziergang. Für den eigentlichen Weihnachtsmarktbesuch lohnt sich vorher ein Blick darauf, ob der jeweilige Stand mitgebrachte Becher annimmt.
Bei Amazon.de ansehen*World of Sweets
agilus dragees Gebrannte Mandeln, 300 g
Die gezuckerten Mandeldragées bringen einen süßen Mandelknusper auf den Tisch. Sie passen zu einer gemütlichen Runde nach dem Marktbesuch oder zu einem kleinen Weihnachtsmarktabend zu Hause.
Bei World of Sweets ansehen*Lunzo
Thermoskanne 1 l C201
Die Isolierkanne mit Glaseinsatz fasst einen Liter und ist für die warme Getränkerunde zu Hause gedacht. Darin lässt sich etwa Tee bereitstellen, wenn nach dem Weihnachtsmarktbesuch alle wieder am Tisch sitzen.
Bei Lunzo ansehen*