Eisbären leben in arktischen und angrenzenden subarktischen Regionen rund um den Nordpol. Ihr eigentliches Zuhause ist jedoch nicht das Festland, sondern das Meereis: Dort wandern sie, paaren sich und jagen vor allem Robben. Natürlich kommen Eisbären in Kanada, Grönland, auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen, in Russland und in Alaska vor. Am Südpol leben sie nicht. Dass der größte Bär der Erde in dieser eisigen Umgebung bestehen kann, verdankt er einem erstaunlich gut angepassten Körper – und einem Lebensraum, der buchstäblich unter seinen Tatzen schmilzt.
Eisbär-Lebensraum: Wo leben Eisbären genau?
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Eisbären umfasst die arktischen und angrenzenden subarktischen Meeresregionen Kanadas, Grönlands, Norwegens, Russlands und Alaskas. Es zieht sich ringförmig um den Nordpol und wird deshalb als zirkumpolar bezeichnet.
Fachleute unterscheiden heute 20 räumlich voneinander abgegrenzte Eisbärpopulationen. Diese Gruppen leben unter sehr unterschiedlichen Bedingungen: Manche können sich fast das ganze Jahr auf Meereis aufhalten, während andere im Sommer mehrere Monate an Land verbringen müssen.
Besonders gern nutzen Eisbären einjähriges Meereis über flachen Küstenmeeren. Dort leben viele Ringelrobben und Bartrobben, ihre wichtigste Beute. Das Eis ist für einen Eisbären Jagdrevier, Wanderweg und Ruheplatz zugleich. Auch die Paarung findet darauf statt.
Wenn das Meereis im Sommer schmilzt, bleiben einige Tiere auf weiter nördlich gelegenem Eis. Andere warten an Küsten oder auf Inseln, bis das Meer wieder zufriert. Das geschieht beispielsweise an der Hudson Bay in Kanada. An Land finden die Bären zwar Beeren, Vogeleier oder Kadaver, doch diese Nahrung kann fettreiche Robben nicht dauerhaft ersetzen.
Den arktischen Lebensraum teilen Eisbären unter anderem mit Narwalen und Beluga-Walen. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, können auch diese Meeressäuger zur Beute werden.
Leben Eisbären am Nordpol oder am Südpol?
Eisbären leben auf der Nordhalbkugel in der Arktis, nicht am Südpol in der Antarktis. Einzelne Tiere können weit nach Norden gelangen, doch der geografische Nordpol ist kein typisches Hauptverbreitungsgebiet. Ergiebiger sind die flacheren Meeresregionen über dem Kontinentalschelf, in denen Meereis und robbenreiche Gewässer zusammentreffen.
In der Antarktis gibt es keine wild lebenden Eisbären. Die Art entstand auf der Nordhalbkugel aus einer Bärenlinie, die eng mit Braunbären verwandt war. Zwischen Arktis und Antarktis fehlt eine durchgehend kalte Verbindung, über die sie sich auf natürlichem Weg bis zum Südpol hätte ausbreiten können.
Eisbären und Pinguine begegnen sich in freier Natur folglich nie. Eisbären leben im Norden, die meisten Pinguinarten auf der Südhalbkugel. Das bekannte Postkartenmotiv mit beiden Tieren ist biologisch ungefähr so korrekt wie ein Kamel auf einer Eisscholle.
Eisbär-Steckbrief: Die wichtigsten Fakten
Der Eisbär gehört zur Familie der Bären. Wegen seiner engen Abhängigkeit vom arktischen Meer und besonders vom Meereis wird er zugleich zu den Meeressäugern gezählt.
| Wissenschaftlicher Name | Ursus maritimus |
| Familie | Bären |
| Verbreitung | arktische und angrenzende subarktische Regionen |
| Lebensraum | vor allem Meereis und arktische Küsten |
| Nahrung | hauptsächlich Ringelrobben und Bartrobben |
| Lebensweise | überwiegend Einzelgänger |
| Körperlänge | etwa 1,80 bis 2,70 Meter |
| Schulterhöhe | etwa 1 bis 1,50 Meter |
| Gewicht | Weibchen meist 150 bis 295 Kilogramm, Männchen häufig 350 bis über 600 Kilogramm |
| Lebenserwartung in freier Natur | durchschnittlich etwa 15 bis 18 Jahre |
| Schutzstatus | gefährdet |
Der wissenschaftliche Name Ursus maritimus bedeutet „Meeresbär“. Diese Bezeichnung trifft seinen Alltag besser als die Vorstellung eines reinen Landraubtiers. Eisbären können zwar laufen und schwimmen, für eine erfolgreiche Robbenjagd brauchen sie jedoch in der Regel Eis unter den Pfoten.
Eisbär: Größe und Gewicht
Ein ausgewachsener Eisbär wird ungefähr 1,80 bis 2,70 Meter lang. Männchen wiegen gewöhnlich etwa 350 bis über 600 Kilogramm, Weibchen meist 150 bis 295 Kilogramm. Das Gewicht schwankt stark mit Jahreszeit, Region, Alter und Ernährungszustand.
Sehr große Männchen können deutlich schwerer werden. In Kanada wurde das Gewicht eines außergewöhnlich großen Tieres auf rund 800 Kilogramm geschätzt. Solche Exemplare sind jedoch nicht der Normalfall.
Auf allen vieren beträgt die Schulterhöhe eines erwachsenen Eisbären ungefähr 1 bis 1,50 Meter. Richtet sich ein großes Männchen auf die Hinterbeine auf, kann es eine Höhe von mehr als drei Metern erreichen. Eisbären zählen damit zu den größten an Land lebenden Raubtieren und gelten im Durchschnitt als größte heute lebende Bärenart.
Männchen sind nicht nur schwerer, sondern auch deutlich massiger als Weibchen. Für einen Größenvergleich taugt daher nicht „der Eisbär“ als fester Wert. Ein zierliches Weibchen und ein sehr großes Männchen können sich im Gewicht um mehrere Hundert Kilogramm unterscheiden.
Warum sind Eisbären weiß, obwohl ihre Haut schwarz ist?
Die Haut des Eisbären ist schwarz; weiß wirkt sein Fell, weil dessen farblose Haare das sichtbare Licht streuen und reflektieren. Das einzelne Haar enthält keine weißen Farbpigmente, sondern ist durchsichtig und besitzt einen überwiegend hohlen, luftgefüllten Kern. Je nach Licht, Verschmutzung und Jahreszeit kann das Fell deshalb auch gelblich, grau oder beinahe bräunlich erscheinen.
Unter dem Fell liegt schwarze Haut. Sie kann Sonnenstrahlung gut aufnehmen, während zwei Fellschichten und eine dicke Fettschicht den Körper gegen Kälte und eisiges Wasser isolieren. Ob die dunkle Haut unter dem dichten Fell tatsächlich einen großen zusätzlichen Wärmegewinn bringt, ist allerdings weniger eindeutig, als es in manchen Tierlexika klingt. Für die Isolierung sind vor allem Fell und Körperfett entscheidend.
Zur Kälteausrüstung gehören außerdem:
- kleine Ohren und ein kurzer Schwanz, über die wenig Wärme verloren geht
- breite, behaarte Tatzen, die das Gewicht auf Schnee und dünnem Eis verteilen
- raue Ballen und kräftige Krallen für Halt auf glatten Flächen
- eine längliche Körperform und ein langer Hals, die beim Schwimmen und bei der Robbenjagd helfen
Die Isolierung funktioniert so gut, dass ein Eisbär eher überhitzen als frieren kann, wenn er längere Zeit schnell läuft. Gemächliches Gehen ist in der Arktis also kein Zeichen von Faulheit, sondern vernünftiges Energiemanagement.
Eisbär-Nahrung: Was fressen Eisbären?
Eisbären fressen hauptsächlich Ringelrobben und Bartrobben, wobei sie besonders auf das energiereiche Fett der Tiere aus sind. Häufig warten sie an Atemlöchern oder am Rand einer Eisscholle und schlagen zu, sobald eine Robbe auftaucht.

Ein erfolgreicher Eisbär frisst bei guter Versorgung oft zuerst Haut und Speck. Innereien und Fleisch bleiben mitunter für Polarfüchse, Möwen, Raben oder andere Bären zurück. Diese Vorliebe ist keine Mäkelei: Fett liefert besonders viele Kalorien und hilft beim Aufbau der isolierenden körpereigenen Reserven.
Je nach Gelegenheit stehen auch Walrossjunge, Vogeleier, Fische, Rentiere, Kadaver sowie Belugas oder Narwale auf dem Speiseplan. Besonders gefährdet sind Wale, die an kleinen eisfreien Stellen oder Atemlöchern eingeschlossen sind.
Pflanzliche Nahrung und Beutetiere an Land sind meist zu kalorienarm oder zu selten, um fehlende Robben für ganze Eisbärpopulationen auszugleichen. Ein paar Beeren ergeben schließlich noch lange keinen Ersatz für eine mehrere Zentimeter dicke Robbenspeckschicht.
Können Eisbären gut schwimmen?
Ja, Eisbären sind ausdauernde Schwimmer und bewegen sich mit ihren großen Vorderpfoten durch das Wasser, während die Hinterbeine vor allem zum Steuern dienen. Sie können mehrere Kilometer breite Wasserflächen überwinden; einzelne mit Sendern beobachtete Tiere legten sogar außergewöhnlich lange Strecken von weit über 100 Kilometern zurück.
Solche Rekorde bedeuten nicht, dass lange Schwimmwege harmlos sind. Sie verbrauchen viel Energie und können vor allem für Jungtiere gefährlich werden. Je weiter die Eiskante von der Küste entfernt liegt, desto häufiger müssen manche Bären offene Wasserflächen durchqueren.
Beim Tauchen bleiben Eisbären normalerweise nur kurz unter Wasser. Beobachtet wurden jedoch auch Tauchgänge von mehr als drei Minuten. Unter Wasser können sie sich einer Robbe nähern, ohne sofort entdeckt zu werden. Gegen eine wachsame Robbe bleibt das trotzdem ein schwieriges Jagdmanöver.
Wie schnell sind Eisbären?
Auf kurzen Strecken können Eisbären eine Geschwindigkeit von ungefähr 40 Kilometern pro Stunde erreichen. Meist gehen sie jedoch nur mit etwa fünf bis sechs Kilometern pro Stunde. Längere Sprints vermeiden sie, weil ihr schwerer und hervorragend isolierter Körper schnell überhitzt.
Ein Mensch kann einem Eisbären daher nicht einfach davonlaufen. In bewohnten arktischen Regionen gelten klare Sicherheitsregeln, und Beobachtungen sollten ausschließlich mit großem Abstand sowie unter ortskundiger Führung erfolgen.
Halten Eisbären Winterschlaf?
Nein, Eisbären halten im Allgemeinen keinen Winterschlaf; nur trächtige Weibchen verbringen den Winter über längere Zeit in einer Geburtshöhle. Männchen, nicht trächtige Weibchen und Weibchen mit älteren Jungen bleiben normalerweise aktiv und suchen weiter nach Nahrung.
Das trächtige Weibchen gräbt im Herbst eine Höhle in eine Schneewehe, seltener in Erde oder Torf. Dort lebt es über Monate von seinen Fettreserven, bringt seine Jungen zur Welt und säugt sie, ohne selbst auf Nahrungssuche zu gehen.
Auch die Bezeichnung „Winterruhe“ trifft diesen Zustand nicht vollkommen. Fachleute sprechen bei Eisbären meist vom Höhlenaufenthalt oder verwenden den englischen Begriff „Denning“. Entscheidend ist: Nicht alle Eisbären verschwinden im Winter in einer Höhle.
Wie bekommen Eisbären Nachwuchs?
Nach der Paarung und einer verzögerten Einnistung bringt das Eisbärweibchen in einer Winterhöhle ein bis drei Junge zur Welt, meistens Zwillinge. Eisbären paaren sich zwischen Frühling und Frühsommer. Die befruchtete Eizelle nistet sich jedoch erst Monate später in der Gebärmutter ein. Diese Keimruhe sorgt dafür, dass die Geburt in den geschützten Wintermonaten erfolgt.
Meist kommen die Jungen im November oder Dezember zur Welt. Ein neugeborener Eisbär wiegt nur etwas mehr als ein halbes Kilogramm, ist blind und zahnlos. Neben seiner mehrere Hundert Kilogramm schweren Mutter wirkt er eher wie ein weißes Meerschweinchen als wie ein künftiger Spitzenräuber.

Bis zum Frühjahr wachsen die Jungen in der Höhle rasch heran. Anschließend folgen sie ihrer Mutter aufs Eis und lernen, zu wandern, zu schwimmen und Robben zu jagen. In der Regel bleiben sie etwa zweieinhalb Jahre bei ihr. Die langsame Fortpflanzung macht es Eisbärpopulationen schwer, größere Verluste schnell auszugleichen.
Wie alt werden Eisbären?
In freier Natur werden Eisbären durchschnittlich etwa 15 bis 18 Jahre alt. Einige wissenschaftlich markierte Tiere erreichten ein Alter von mehr als 30 Jahren, solche Fälle sind jedoch selten.
Vor allem die ersten Lebensjahre sind riskant. Jungtiere können verhungern, ertrinken oder von erwachsenen Eisbären und gelegentlich anderen Raubtieren getötet werden. Auch unerfahrene, bereits selbstständige Bären haben es schwer, regelmäßig Robben zu erbeuten.
In menschlicher Obhut können einzelne Tiere deutlich älter werden. Diese Werte lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf das Leben in der Arktis übertragen.
Sind Eisbären gefährlich für Menschen?
Ja, Eisbären können Menschen schwer verletzen oder töten und müssen immer als gefährliche Wildtiere behandelt werden. Sie sind groß, kräftig, schnell und als Spitzenräuber daran angepasst, Beute zu überwältigen.
Begegnungen sind wegen des abgelegenen Lebensraums insgesamt selten. Das macht eine Annäherung aber nicht sicher. Ein Eisbär kann neugierig, hungrig, durch Futter angelockt oder durch Menschen überrascht worden sein. Wer sich in einem Eisbärengebiet aufhält, sollte die örtlichen Vorschriften beachten, Lebensmittel und Abfälle sichern und niemals auf eigene Faust näher herangehen.
Natürliche Feinde haben ausgewachsene Eisbären kaum. Menschen sind ihre wichtigste direkte Gefahr; außerdem kommt es selten zu tödlichen Auseinandersetzungen mit anderen Eisbären. Jungtiere sind wesentlich verletzlicher.
Sind Eisbären vom Aussterben bedroht?
Der Eisbär gilt als bedrohte Art und wird von der Weltnaturschutzunion IUCN in die Stufe „gefährdet“ eingeordnet. Das ist die erste der drei Kategorien, die auf der Roten Liste als bedroht gelten, und bedeutet bereits ein hohes Risiko, in freier Wildbahn auszusterben.
Wie viele Eisbären gibt es noch?
Die meistzitierte wissenschaftliche Schätzung geht weltweit von rund 26.000 Eisbären aus. Der statistische Schätzbereich liegt zwischen ungefähr 22.000 und 31.000 Tieren.
Diese Zahl ist allerdings keine aktuelle Vollzählung. Sie stammt aus der globalen Bewertung von 2015 beziehungsweise der dazugehörigen wissenschaftlichen Veröffentlichung von 2016 und wird im Statusbericht der Eisbär-Fachgruppe von 2024 weiterhin als jüngste globale Schätzung genannt. Neuere Untersuchungen betreffen vor allem einzelne der inzwischen 20 anerkannten Teilpopulationen.
Eine exakte weltweite Zählung ist in der riesigen und schwer zugänglichen Arktis kaum möglich. Einige regionale Schätzungen sind zudem veraltet oder mit großen Unsicherheiten verbunden. Die Zahl von 26.000 sollte deshalb als wissenschaftlich begründete Größenordnung verstanden werden – nicht als genauer aktueller Zählerstand.
Auch eine einzige globale Zahl kann leicht täuschen. Manche Populationen sind stabil, einige nehmen ab und bei anderen reichen die Daten für eine sichere Bewertung nicht aus. Aus einer zeitweisen Zunahme einzelner Bestände lässt sich daher nicht ableiten, dass es der Art insgesamt gut geht.
Warum ist der Eisbär gefährdet?
Die größte langfristige Bedrohung für Eisbären ist der Verlust des Meereises durch die Erderwärmung. Bricht das Eis im Frühjahr früher auf und bildet es sich im Herbst später, verkürzt sich vielerorts die Zeit für die Robbenjagd.
Die Bären müssen dadurch länger fasten, weitere Strecken schwimmen oder häufiger an Land nach Futter suchen. Das kann ihren Ernährungszustand, die Zahl der geborenen Jungen und deren Überlebenschancen verschlechtern.
Weitere Risiken sind:
- Schadstoffe, die sich über die arktische Nahrungskette anreichern
- zunehmende Schifffahrt sowie Öl- und Gasprojekte
- Störungen an Wurf- und Ruheplätzen
- Konflikte mit Menschen, wenn hungrige Tiere Siedlungen aufsuchen
- zu hohe oder unzureichend angepasste Jagdquoten in einzelnen Regionen
Der Eisbär braucht deshalb nicht einfach „mehr Schnee“, sondern vor allem ausreichend lange stabiles Meereis über nahrungsreichen Gewässern. Ohne diese schwimmende Jagdplattform verliert der Meeresbär den Lebensraum, an den sein gesamter Körper angepasst ist.