Xoloitzcuintle: Charakter, Haltung und Pflege des Xolo

Der Xoloitzcuintle sieht aus, als hätte jemand beim Fell die Lieferoption abgewählt. Tatsächlich ist der mexikanische Nackthund eine alte, intelligente und eng an seine Menschen gebundene Rasse – und es gibt ihn sogar vollständig behaart. Drei Größen, empfindliche Haut, besondere Zähne und ein wachsames Wesen machen den Xolo faszinierend, aber nicht völlig unkompliziert. Hier erfährst du, wie er im Alltag tickt, welche Pflege er braucht und ob dieses ungewöhnliche Original zu dir passt.

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Der Xoloitzcuintle im Steckbrief

MerkmalKurz erklärt
HerkunftMexiko
Andere NamenMexikanischer Nackthund, Xolo, Xoloitzcuintli
FCI-EinordnungGruppe 5, Sektion 6, Urtyp
GrößenMiniatur 25–35 cm, Intermediär 36–45 cm, Standard 46–60 cm
GewichtIm aktuellen FCI-Standard nicht festgelegt
Variantenhaarlos und kurz behaart („coated“)
Wesenruhig, aufmerksam, intelligent, anhänglich und Fremden gegenüber oft reserviert
Bewegungtäglich Spaziergänge, Schnüffeln, Spiel und kurze Denkaufgaben; Bedarf je nach Größe und Individuum
Pflegewenig Fellarbeit, dafür Haut-, Wetter- und Zahnpflege
Lebenserwartungje nach Quelle ungefähr 12 bis 18 Jahre; nur ein Orientierungsbereich
Eignungfür engagierte Anfänger möglich, aber kein Selbstläufer

Wenig Fell bedeutet nicht wenig Verantwortung. Ein haarloser Xolo braucht bei Kälte, Wind und anhaltendem Regen je nach Größe und Empfindlichkeit einen gut sitzenden Hundemantel*. Er darf weder scheuern noch die Schulterbewegung einengen. In der Sonne ist dagegen Schatten wichtiger als ein modisches Ganzkörper-Outfit – der Hund möchte schließlich Gassi gehen und nicht als Sofakissen auf Dienstreise.

Xoloitzcuintle: Aussprache und Bedeutung des Namens

Xoloitzcuintle wird auf Deutsch ungefähr „Scho-lo-itz-KUIN-tle“ ausgesprochen. Bei der Kurzform Xolo reicht ein entspanntes „Scho-lo“. Damit kommst du im Hundepark erheblich eleganter durch als mit einem tapferen Buchstabensalat.

Der Name stammt aus dem Nahuatl. Er wird gewöhnlich aus Xólotl, einer mesoamerikanischen Gottheit, und itzcuintli, dem Wort für Hund, erklärt. Sinngemäß bedeutet er also „Hund des Xólotl“. Die nahuatlische Form Xoloitzcuintli und die international gebräuchliche Schreibweise Xoloitzcuintle bezeichnen dieselbe Rasse.

Die Geschichte des Xoloitzcuintle reicht weit ins alte Mexiko zurück

Hunde vom Typ des Xolo sind in der präkolumbischen Kultur Mexikos seit sehr langer Zeit belegt. Sie hatten nicht nur praktische Aufgaben, sondern auch religiöse Bedeutung. Nach überlieferten Vorstellungen begleiteten Hunde die Seelen Verstorbener auf ihrem Weg in die Unterwelt. Keramikfiguren und andere archäologische Funde zeigen, wie fest Hunde im damaligen Leben verankert waren.

Die hübsche Erzählung vom „seit Jahrtausenden genetisch unveränderten ältesten Hund der Welt“ ist trotzdem zu glatt. Alte Darstellungen belegen die kulturelle Tradition, nicht eine lückenlos unveränderte Abstammung jedes heutigen Xolos. Die moderne Population wurde im 20. Jahrhundert gezielt gesucht, erhalten und als Rasse gefestigt. Seriös formuliert ist der Xolo eine sehr alte, kulturell bedeutende mexikanische Hunderasse – das ist beeindruckend genug, ganz ohne Zeitmaschinen-Zertifikat.

Auch der Chihuahua stammt übrigens aus Mexiko. Trotz dieser gemeinsamen Herkunft unterscheiden sich die beiden Rassen deutlich in Körperbau, Fell und Pflegebedarf

Haarloser Xoloitzcuintle neben einer historischen Keramikfigur und dem Question-King-Fragezeichen in einem mexikanischen Innenhof.

Drei Größen und zwei Fellvarianten gehören zur Rasse

Der Xoloitzcuintle ist kein Hund im Einheitsformat. Der aktuelle deutsche FCI-Rassestandard unterscheidet drei Größenklassen:

GrößenklasseWiderristhöheTypische Einordnung
Miniatur25–35 cmkompakter Begleithund
Intermediär36–45 cmmittelgroßer Begleit- und Wachhund
Standard46–60 cmgroßer Begleit- und Wachhund

Bei besonders vorzüglichen Standard-Xolos toleriert die FCI bis zu zwei Zentimeter mehr. Ein offizielles Gewicht nennt sie nicht. Kilogrammwerte in Rasseporträts sind daher grobe Erfahrungswerte, keine Vorgabe. Körperbau, Geschlecht und Kondition machen bei drei Größen einen erheblichen Unterschied.

Der haarlose Xolo ist nicht immer völlig nackt

Die haarlose Variante besitzt glatte, weiche und häufig berührungsempfindliche Haut. Kurze, harte Haarreste an Stirn, Nacken, Pfoten und Rutenspitze sind erlaubt. Ein kleiner Irokesenschnitt ist also rassetypisch; ein flauschiger Winterpelz wäre es nicht.

Typische Farben reichen von Schwarz und Schiefergrau über Bronze und Leberfarben bis zu rötlichen Tönen. Helle Flecken können vorkommen. Entscheidend ist nicht, ob der Hund wie polierter Ebenholzstein aussieht, sondern ob Körperbau, Haut und Gesundheit stimmen.

Ein Xoloitzcuintle mit Fell ist kein Mischling

Die behaarte, auch coated genannte Variante gehört vollständig zur Rasse. Ihr Fell ist kurz, glatt, dicht und liegt eng an; Unterwolle fehlt. Haarlose und behaarte Welpen können im selben Wurf geboren werden. Der coated Xolo ist damit kein Unfall mit Perücke, sondern genetisch und züchterisch ein wichtiger Teil der Population.

Ein weiterer Unterschied steckt im Maul: Beim behaarten Xolo erwartet der Standard ein vollständiges Gebiss. Beim haarlosen Hund können einzelne Zähne fehlen oder ungewöhnlich geformt sein, weil Haarlosigkeit und Zahnentwicklung genetisch zusammenhängen.

Haarloser und kurz behaarter Xoloitzcuintle stehen mit dem neugierigen Question-King-Fragezeichen in einem mexikanischen Innenhof

Der Xoloitzcuintle hat ein ruhiges, wachsames Temperament

Ein gut sozialisierter Xolo wirkt häufig ruhig, aufmerksam und erstaunlich feinfühlig. Zu seinen Bezugspersonen baut er eine enge Bindung auf. Fremde werden dagegen oft erst einmal geprüft – freundlich ausgedrückt führt der Xolo eine kleine interne Sicherheitsabfrage durch.

Das macht ihn zu einem aufmerksamen Wachhund, aber nicht automatisch zu einem Kläffer oder gar zu einem aggressiven Hund. Der Rassestandard verlangt ein ausgeglichenes, niemals aggressives Wesen. Das ist ein Zuchtziel, keine Garantie: Gene, Aufzucht, Erfahrungen, Gesundheit und Training prägen jeden Hund mit.

Im Familienalltag möchte der Xolo dazugehören

Der Xolo ist kein Hund für den Zwinger und auch keine dekorative Wärmflasche. Er möchte nahe bei seinen Menschen leben, Ruheplätze im Haus haben und in den Alltag einbezogen werden. In einer Wohnung kann er gut zurechtkommen, wenn Bewegung, Beschäftigung, Ruhe und ein vernünftiges Bellmanagement stimmen.

Mit respektvollen Kindern kann das Zusammenleben funktionieren. Gerade die kleine Variante ist jedoch kein robustes Spielzeug, während ein großer Xolo ein Kleinkind versehentlich umstoßen kann. Rückzugsort, Aufsicht und klare Regeln für beide Seiten sind Pflicht.

Katzen und andere Hunde sind bei früher, guter Gewöhnung möglich. Ein pauschales „verträgt sich immer“ wäre dennoch unseriös. Begegnungen sollten ruhig aufgebaut werden, und Kleintiere sollten bei individuell vorhandenem Jagdinteresse gesichert bleiben.

Erziehung gelingt freundlich, klar und ohne Drama

Der Xolo lernt schnell und beobachtet genau. Das ist angenehm, solange er erwünschte Dinge lernt. Leider registriert er ebenso zuverlässig, dass Betteln bei Person A sinnlos ist, Person B aber nach 14 Sekunden weich wird. Konsequenz bedeutet deshalb vor allem: Alle Menschen halten sich an dieselben Regeln.

Positive Verstärkung, überschaubare Einheiten und faire Grenzen passen besser zu seiner Sensibilität als laute Korrekturen. Besonders wichtig sind:

  • ruhige Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, Orten, Geräuschen und Hunden
  • ein sicherer Ruheplatz und gelerntes Abschalten
  • entspannte Leinenführigkeit und Frustrationstoleranz
  • Körperpflege als kleinschrittig trainiertes Ritual
  • ein belastbarer Rückruf, bevor die Leine in spannendem Gelände abkommt

Beim kleinschrittigen Pflegetraining kann eine Schleckmatte die Untersuchung angenehmer machen. Als weiche Belohnung eignet sich – sofern Zutaten und Kalorien zum Hund passen – ein kleiner Klecks flüssiger Hundesnack*. Er ist ein Trainingshelfer, kein Beruhigungsmittel und kein Ersatz für eine Untersuchung bei Schmerzen.

Während der Pubertät kann auch der würdevollste Xolo kurz den Eindruck erwecken, sein Name sei nur eine unverbindliche Empfehlung. Training darf dann wieder einfacher werden. Werden Unsicherheit, Wachverhalten oder Hundebegegnungen schwierig, hilft ein guter Hundetrainer frühzeitig – idealerweise bevor aus einer kleinen Marotte ein Vollzeitprojekt wird.

Bewegung braucht Qualität statt Kilometerrekorde

Für alle drei Größen gilt: Tägliche Spaziergänge sind gesetzt. Hinzu kommen Schnüffelaufgaben, Futtersuche, Tricks, ruhiges Apportieren oder andere Denkspiele. Die größere Variante kann sportlicher sein, doch starre Minutenangaben werden einem Miniatur-Xolo, einem jungen Standardhund und einem Senior gleichzeitig nicht gerecht.

Der Hund sollte weder gelangweilt noch dauerhaft hochgefahren sein. Abwechslungsreiche Spaziergänge, kleine Lernmomente und ausreichend Ruhe bringen häufig mehr als pausenlose Action. Bei Hitze und starker Sonne werden Aktivitäten in die kühleren Tageszeiten verlegt.

Alleinbleiben muss langsam gelernt werden

Weil Xolos eng an ihren Menschen hängen, sollte das Alleinbleiben in winzigen, entspannten Schritten aufgebaut werden. Erst wenn der Hund kurze Abwesenheiten ruhig bewältigt, wird verlängert. Wie lange ein Hund allein bleiben kann, hängt nicht von seiner Rasse allein ab. Entscheidend sind Training, Alter und sein tatsächliches Verhalten während der Abwesenheit. Eine für die Beobachtung des Hundes geeignete Kamera* kann zeigen, ob er wirklich schläft oder direkt nach dem Schließen der Tür unruhig wird. Die Nutzung einer Hundekamera ist sinnvoll, ersetzt aber weder Training noch Betreuung.

Ein haarloser Xoloitzcuintle läuft beim Rückruf zu seinem Menschen, begleitet vom fröhlichen Question-King-Fragezeichen.

Zur Pflege des Xoloitzcuintle gehören Haut, Zähne und Wetterschutz

Beim haarlosen Xolo fällt Bürsten fast aus. Dafür liegt die Haut ohne schützendes Fell direkt an Sonne, Kälte, Nässe, Reibung und Umweltreizen. Sie täglich mit irgendeiner Creme einzuschmieren ist trotzdem keine gute Pauschalregel. Zu viel Öl, Duftstoffe oder häufiges Baden können die Haut reizen und Poren verstopfen.

Eine vernünftige Routine sieht so aus:

  • Haut regelmäßig bei gutem Licht kontrollieren
  • nur nach Bedarf mit lauwarmem Wasser und mildem Hundeshampoo baden
  • nach Nässe sanft trocknen, ohne kräftig zu rubbeln
  • Scheuerstellen an Geschirr, Mantel und Liegeplatz früh erkennen
  • Pickel, Mitesser, Krusten oder kleine Verletzungen nicht ausdrücken
  • Sonnenschutz und Pflegeprodukte mit der Tierarztpraxis abstimmen

Bei anhaltendem Juckreiz, Pusteln, auffälligem Geruch oder offenen Stellen ist keine Kosmetik-Challenge gefragt, sondern eine tierärztliche Untersuchung. Verwende menschliche Sonnencreme, Babyöl, Handcreme oder ätherische Öle nicht auf gut Glück.

Sonne und Kälte verlangen Anpassung

Die nackte Haut fühlt sich warm an, weil keine isolierende Fellschicht zwischen Hand und Hund liegt. Die Körpertemperatur ist deshalb nicht höher als bei anderen Hunden. Xolos schwitzen auch nicht großflächig durch die Haut. Wie andere Hunde regulieren sie Wärme vor allem durch Hecheln.

Im Sommer helfen Schatten, frühe oder späte Spaziergänge und das Meiden heißer Flächen. Zeigt dein Hund Anzeichen von Überhitzung, wird die Aktivität sofort beendet. Helle oder wenig pigmentierte Haut ist besonders sonnenempfindlich. Im Winter schützt ein passender Mantel, aber Bewegung, trockene Haut und warme Ruheplätze bleiben ebenso wichtig.

Ohne Fell sind Parasiten leichter zu entdecken, aber keineswegs arbeitslos. Kontrolliere Ohrenränder, Achseln, Leisten und Zehen nach Spaziergängen. Eine festgesaugte Zecke beim Hund richtig zu entfernen bedeutet, sie mit geeignetem Werkzeug hautnah und kontrolliert herauszuziehen.

Vorhandene Zähne brauchen besonders gute Pflege

Bei haarlosen Xolos fehlen rassetypisch häufiger Zähne. Die vorhandenen Zähne benötigen dennoch regelmäßiges Putzen, passende Kontrollen und bei Auffälligkeiten eine tierärztliche Zahnuntersuchung. Mundgeruch, Blutungen, Schmerz beim Kauen oder einseitiges Fressen sind keine charmanten Eigenarten.

Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Kauen sind keine Einladung zum Improvisieren, sondern ein Grund für eine tierärztliche Untersuchung. Weiche Snacks erleichtern möglicherweise das Fressen, lösen aber keine Erkrankung und reinigen keine Zähne.

Eine Halterin kontrolliert die Haut ihres Xoloitzcuintle neben Mantel, Pflegetuch, Hundezahnbürste und dem Question-King-Fragezeichen.

Haarlos bedeutet nicht allergenfrei

Ein haarloser Xolo verteilt kaum Fell in der Wohnung. Die behaarte Variante kann dagegen wie andere kurzhaarige Hunde Haare verlieren. Weniger herumfliegendes Fell kann die Reinigung erleichtern, macht die Rasse aber nicht automatisch zum Allergikerhund. Allergische Reaktionen richten sich meist gegen Eiweiße aus Speichel, Hautschuppen, Talg oder Urin – nicht gegen das Haar an sich. Wer Tierhaare entfernt, reduziert zwar die sichtbare Belastung, beseitigt dadurch aber nicht zuverlässig sämtliche Allergene.

Wer eine Hundeallergie hat, sollte daher mehrfach längere Zeit mit dem konkreten Hund verbringen und die Reaktion ärztlich einordnen lassen. Ein kurzes Treffen mit einem anderen Xolo reicht nicht. Allergenmenge und individuelle Reaktion unterscheiden sich von Hund zu Hund. Das Etikett „hypoallergen“ ist kein medizinischer Freifahrtschein.

Gesundheit und Lebenserwartung des Xoloitzcuintle verdienen einen nüchternen Blick

Je nach Quelle werden für den Xolo ungefähr 12 bis 18 Jahre genannt. Belastbare rassespezifische Populationsdaten sind jedoch begrenzt; die breite Spanne ist deshalb nur eine Orientierung und keine Garantie.

Welche Gesundheitsuntersuchungen für Größe und Linie empfohlen oder vorgeschrieben sind, sollte der zuständige Zuchtverein transparent dokumentieren. Internationale Screeningprogramme berücksichtigen je nach Größenklasse unter anderem Augen, Herz, Hüften und Kniescheiben. Das bedeutet nicht, dass jede genannte Erkrankung bei der Rasse häufig vorkommt. Lass dir bei einem Welpen die dokumentierten Ergebnisse beider Elterntiere zeigen. „Bei uns war noch nie etwas“ ist eine nette Aussage, aber kein Befundbogen.

Das Haarlosigkeitsgen hat sichtbare Folgen

Die Haarlosigkeit hängt mit einer Variante des Gens FOXI3 zusammen. Lebende haarlose Xolos tragen beim bekannten FOXI3-Merkmal eine veränderte und eine normale Genkopie. Zwei veränderte Kopien sind nicht mit einer normalen Embryonalentwicklung vereinbar. Unter einer vereinfachten mendelschen Modellannahme ergibt sich bei der Verpaarung zweier haarloser, mischerbiger Hunde zum Zeitpunkt der Befruchtung theoretisch folgende Verteilung:

  • 25 Prozent mit zwei veränderten Kopien, die sich nicht lebensfähig entwickeln
  • 50 Prozent haarlose Träger mit einer veränderten Kopie
  • 25 Prozent behaarte Welpen ohne die Variante

Unter den lebensfähig geborenen Welpen ergibt sich daraus nicht 25/50/25. Theoretisch sind etwa zwei Drittel haarlos und ein Drittel behaart. Reale Würfe können davon abweichen. Die behaarte Variante ist deshalb genetisch keine Nebensache. Der FCI-Standard bevorzugt unbehaart × unbehaart. Behaarte Zuchttiere dürfen ausschließlich mit unbehaarten verpaart werden; behaart × behaart ist nach FCI nicht zulässig.

Die Qualzuchtfrage ist nicht mit Ja oder Nein erledigt

Fehlender Fellschutz, häufige Zahnunterzahl, mögliche Hautbeeinträchtigungen und die embryonale Letalität stehen im Zentrum der Tierschutzdebatte. § 11b TierSchG verbietet Zuchten, wenn die dort genannten Voraussetzungen erfüllt sind; ob das bei einer konkreten Zucht zutrifft, bewerten Behörden und Gerichte anhand der verfügbaren Erkenntnisse. Das VG Gelsenkirchen bestätigte 2025 im Eilverfahren die vorläufige Vollziehbarkeit eines gegen eine einzelne Züchterin gerichteten Zuchtverbots für haarlose Mexikanische Nackthunde. Ob ihre Zucht tatsächlich gegen § 11b verstieß, ließ das Gericht dem Hauptsacheverfahren vorbehalten. Daraus folgt weder ein bundesweites Haltungsverbot noch eine abschließende Entscheidung über jeden Xolo.

Kurz gesagt: Nach Stand der Recherche im September 2026 ist die Haltung eines Xolo in Deutschland nicht pauschal verboten. Zucht ist rechtlich und ethisch deutlich komplexer. Ein verantwortungsvoller Züchter spricht offen über FOXI3, Gebiss, Haut, Wurfplanung, Untersuchungen und die örtliche Rechtslage – ohne die Probleme kleinzureden oder die Rasse zum medizinischen Notfall auf vier Pfoten zu erklären.

Wer einen Xoloitzcuintle kaufen möchte, braucht Geduld

Der Xoloitzcuintle ist in Deutschland selten. Auf aktuellen Züchter-, Rasse- und Vermittlungsseiten finden sich als grobe Orientierung häufig Beträge um 2.000 bis 3.500 Euro, vereinzelt auch darüber. Diese nicht repräsentative Momentaufnahme – Stand September 2026 – ist kein offizieller oder allgemein verbindlicher Marktpreis. Größe, Varietät, Herkunft, Gesundheitsvorsorge, Import und Reisekosten beeinflussen den Gesamtbetrag. Für Erstausstattung, Versicherung, Tierarzt und Training solltest du zusätzlich planen.

Ein niedriger Preis ist kein Schnäppchen, wenn Herkunft und Gesundheit im Nebel bleiben. Achte bei Züchtern auf:

  • eine nachvollziehbare Ahnentafel eines VDH-Mitgliedsvereins beziehungsweise eines ausländischen FCI-Landesverbands
  • ein kennenzulernendes Muttertier und eine saubere Aufzuchtumgebung
  • dokumentierte Gesundheitsuntersuchungen beider Elterntiere
  • offene Auskünfte zu Haut, Zähnen, Genetik und Wesen
  • Chip, Heimtierausweis, Impfungen und einen verständlichen Vertrag
  • Fragen des Züchters an dich – gute Zucht ist keine Einbahnstraße
  • keine Parkplatzübergabe, keinen anonymen Transport ohne vorheriges Kennenlernen und keinen künstlichen Zeitdruck

Wartezeiten und eine längere Anfahrt sind bei dieser Rasse normal. Wer nach einem Xoloitzcuintle in Not sucht, sollte außerdem seriöse Tierschutzvereine und Rassehilfen prüfen, wenn auch ein erwachsener Hund infrage kommt. „In Not“ heißt nicht automatisch problematisch; entscheidend sind bekannte Vorgeschichte, Gesundheitsstatus und eine ehrliche Einschätzung des neuen Zuhauses.

Ist der Xoloitzcuintle für Anfänger geeignet – und passt er zu dir?

Ein Xoloitzcuintle kann gut zu dir passen, wenn du:

  • einen engen, eher sensiblen Begleithund suchst
  • ruhige Konsequenz spannender findest als Kasernenhof-Ton
  • Haut-, Zahn- und Wetterschutz zuverlässig in den Alltag einplanst
  • Sozialisation und Alleinbleiben kleinschrittig aufbaust
  • mit einem reservierten Verhalten gegenüber Fremden umgehen kannst
  • bereit bist, für einen seltenen Hund länger zu suchen

Eher nicht passt er, wenn du einen pflegefreien Hund erwartest, der jeden Menschen sofort großartig findet, oft lange allein bleiben soll oder ganzjährig draußen leben müsste. Auch die Hoffnung auf einen garantiert allergiefreien Haushalt sollte nicht über die Anschaffung entscheiden.

Fazit: Ein besonderer Hund, aber kein lebendes Accessoire

Der Xoloitzcuintle verbindet eine außergewöhnliche Erscheinung mit Ruhe, Wachsamkeit und enger Menschenbindung. Seine haarlose Haut macht Pflege nicht überflüssig, sondern nur anders. Wer Sonne, Kälte, Zähne, Sozialisation und die ethischen Fragen der Zucht ernst nimmt, bekommt keinen exotischen Dekogegenstand, sondern einen klugen Partner mit viel Persönlichkeit.

Lerne vor der Entscheidung mehrere erwachsene Xolos und beide Fellvarianten kennen. Beobachte nicht nur, wie fotogen sie sind, sondern wie sie mit Fremden, Alltag, Berührung und Ruhe umgehen. Der richtige Xolo muss nicht zu jedem passen. Er sollte zu deinem Leben passen – und du zu seinem.

Häufige Fragen zum Xoloitzcuintle

Wie viel wiegt ein Xoloitzcuintle?

Der FCI-Standard legt kein Gewicht fest. Je nach Größenklasse, Geschlecht und Körperbau kann es stark variieren. Aussagekräftiger als eine pauschale Kilozahl sind eine erkennbare Taille, gut tastbare Rippen und die tierärztliche Beurteilung der Körperkondition.

Haaren die behaarten Xolos?

Ja. Die coated Variante kann trotz fehlender Unterwolle Haare verlieren. Wie stark, hängt vom einzelnen Hund, der Jahreszeit, Hautgesundheit und Pflege ab. „Xolo“ bedeutet also nicht automatisch „nie wieder Fusselrolle“.

Kuscheln Xolo-Hunde gern?

Viele Xolos suchen engen Kontakt zu ihren Bezugspersonen und genießen Wärme. Ob ein Hund gern lange kuschelt, entscheidet aber das Individuum. Berührung sollte freiwillig bleiben; Wegdrehen, Erstarren oder Ausweichen sind klare Pausensignale.

Riecht ein Xoloitzcuintle weniger als andere Hunde?

Ohne nasses Fell entsteht weniger typischer „Nasse-Hund-Geruch“. Hauttalg, Speichel, Ohren oder Zähne können trotzdem riechen. Auffällig starker oder neuer Geruch sollte tierärztlich abgeklärt und nicht mit Duftprodukten überdeckt werden.