Tätlichkeit im Fußball: Was zählt dazu und wann gibt es Rot?

Eine Tätlichkeit im Fußball ist eine übermäßig harte oder brutale Handlung gegen eine andere Person ohne Kampf um den Ball. Auch der Versuch kann eine direkte Rote Karte auslösen. Aber ist jedes Schubsen schon eine Tätlichkeit? Und gibt es nach einem Schlag im Strafraum wirklich Elfmeter, obwohl der Ball ganz woanders liegt? Hier erfährst du, worauf es bei der Entscheidung ankommt.

Was ist eine Tätlichkeit im Fußball?

Bei einer Tätlichkeit richtet sich die Aktion gegen eine Person, ohne dass um den Ball gekämpft wird. Das können etwa ein absichtlicher Schlag, ein brutaler Stoß oder ein Tritt aus Wut sein. Entscheidend ist die Handlung, nicht die Bezeichnung, die ein Spieler hinterher dafür findet.

Die offizielle Regel 12 des IFAB erfasst ausdrücklich auch den Versuch. Ob der Betroffene tatsächlich getroffen wird, ist für diese Einordnung deshalb nicht ausschlaggebend. Ein gewaltsamer Angriff kann ebenso gegen einen Mitspieler, einen Schiedsrichter oder eine andere anwesende Person gerichtet sein.

Für absichtliche Schläge mit Hand oder Arm gegen Kopf oder Gesicht gibt es eine besonders klare Vorgabe: Ohne Kampf um den Ball ist das eine Tätlichkeit, sofern die eingesetzte Kraft nicht vernachlässigbar war. Eine sichtbare Verletzung wird dafür nicht vorausgesetzt.

Tätlichkeit oder grobes Foulspiel: Der Kampf um den Ball macht den Unterschied

Beides kann Rot bedeuten, wird aber unterschiedlich eingeordnet. Grobes Foulspiel entsteht bei einem Tackling oder Zweikampf um den Ball. Eine Tätlichkeit kommt ohne diesen Kampf um den Ball zustande.

BeispielEinordnung
Ein Spieler springt beim Tackling übermäßig hart in den Gegner.Grobes Foulspiel
Nach dem Zweikampf tritt er absichtlich brutal nach.Tätlichkeit
Abseits des Balls versetzt er einem Gegenspieler einen Kopfstoß.Tätlichkeit
Er versucht, einem Gegner ins Gesicht zu schlagen, verfehlt ihn aber.Tätlichkeit kann auch ohne Treffer vorliegen.
Zwei Spieler berühren sich beim friedlichen Trennen eines Streits.Nicht automatisch eine Tätlichkeit

Ein Foul ist also nicht gleich eine Tätlichkeit. Umgekehrt braucht es für eine Tätlichkeit keine spektakuläre Szene. Eine kurze, gezielte Aktion kann regeltechnisch schwerer wiegen als ein Zusammenstoß, der im Fernsehen dramatisch aussieht.

Bei einer Grätsche hilft deshalb der Blick auf den Ablauf: Ging es um den Ball oder wurde nach dem eigentlichen Zweikampf gezielt gegen die Person gehandelt? „Der Ball war doch irgendwo in der Nähe“ ist kein Freifahrtschein.

Schiedsrichter trennt zwei Fußballspieler abseits des Balls, begleitet vom gelben Question-King-Fragezeichen.

Bei einer Tätlichkeit wird nicht um den Ball gekämpft. Der Schiedsrichter bewertet die konkrete Aktion.

Ist Schubsen im Fußball eine Tätlichkeit?

Schubsen ist nicht automatisch eine Tätlichkeit. Ein Stoß kann ein körperliches Vergehen sein, ohne bereits die Schwelle zur übermäßigen Härte oder Brutalität zu erreichen. Der Schiedsrichter beurteilt unter anderem Kraft, Dynamik und die konkrete Situation.

Ein rücksichtsloses Wegstoßen kann Gelb nach sich ziehen. Wird außerhalb eines Ballzweikampfs übermäßig hart oder brutal gestoßen, kommt eine Tätlichkeit mit Rot in Betracht. Ein leichter Kontakt ist wiederum anders zu bewerten als ein wuchtiger Stoß gegen einen unvorbereiteten Gegner.

Gerade in einer Rudelbildung ist diese Unterscheidung wichtig. Nicht jeder im Pulk ist Täter, und nicht jede ausgestreckte Hand bedeutet einen Schlag. Beobachte möglichst die einzelne Aktion statt nur die Menschenmenge.

Beißen und Spucken in Richtung einer anderen Person sind ebenfalls Gründe für einen direkten Feldverweis. Das Regelwerk führt diese Vergehen gesondert auf. Für die Folgen auf dem Platz macht sie das nicht harmloser.

Für eine Tätlichkeit gibt es direkt Rot

Wird eine Handlung als Tätlichkeit bewertet, folgt die direkte Rote Karte. Der Spieler muss die Umgebung des Spielfelds und die technische Zone verlassen. Hat er nach dem Anstoß auf dem Feld gespielt, darf ihn die Mannschaft nicht durch einen Ersatzspieler ersetzen.

Auch ein Auswechselspieler oder ein bereits ausgewechselter Spieler kann wegen einer Tätlichkeit Rot sehen. Wird ein Bankspieler ausgeschlossen, verliert das Team dadurch allerdings keinen der gerade auf dem Feld eingesetzten Spieler.

Die persönliche Strafe und die Entscheidung über den Ball sind zwei verschiedene Dinge. Aus „Rot“ folgt nicht automatisch „Elfmeter“. Dafür müssen Zeitpunkt, Ort und Beteiligte betrachtet werden.

Tätlichkeit im Strafraum ohne Ball: Wann gibt es Elfmeter?

Begeht ein Spieler bei laufendem Spiel im eigenen Strafraum eine Tätlichkeit gegen einen Gegner, kann das Rot und Strafstoß bedeuten. Der Ball muss sich dafür nicht ebenfalls im Strafraum befinden. Es kommt darauf an, dass er im Spiel ist und wo das Vergehen stattfindet.

SituationSpielfortsetzung im Beispiel
Ein Verteidiger schlägt einen Gegner im eigenen Strafraum, der Ball ist im Spiel.Strafstoß für den Gegner
Ein Spieler schlägt einen Gegner außerhalb des eigenen Strafraums, der Ball ist im Spiel.Direkter Freistoß für den Gegner am Tatort
Der Ball ist bereits zum Einwurf aus, danach erfolgt der Schlag.Der zuvor feststehende Einwurf bleibt die Spielfortsetzung.

In allen drei Beispielen bleibt der Feldverweis für den Schlag bestehen. Die Beispiele beziehen sich auf Vergehen eines Spielers gegen einen Gegner auf dem Spielfeld. Bei Vorfällen außerhalb des Felds oder gegen andere Personen gelten zusätzliche Einzelregelungen.

Ein Freistoß oder die Elfmeter-Regeln beantworten anschließend, wie die entsprechende Fortsetzung ausgeführt wird. Die Rote Karte ersetzt diese Entscheidung nicht.

Kapitän führt seinen Mitspieler aus einer angespannten Situation, während Schiedsrichter und gelbes Fragezeichen beobachten.
Abstand und eine ruhige Ansprache helfen, eine aufgeheizte Situation zu beenden.

Wie lange ist die Sperre nach einer Tätlichkeit?

Für eine Tätlichkeit gibt es keine überall gleiche Zahl gesperrter Spiele. Das Strafmaß richtet sich nach dem zuständigen Verband, dem Wettbewerb und dessen Rechtsordnung. Auch Art und Schwere der Handlung sowie mögliche Milderungsgründe können eine Rolle spielen.

Der Schiedsrichter spricht den Feldverweis für die Partie aus und dokumentiert den Vorfall. Über die anschließende Sperre entscheidet die zuständige Sportgerichtsbarkeit. Wie das auf DFB-Ebene organisiert ist, erläutert die Seite zum DFB-Sportgericht.

Ein Urteil aus der Bundesliga lässt sich deshalb nicht einfach auf die Kreisliga oder einen Jugendwettbewerb übertragen. Wer die Sperre in einem konkreten Fall wissen möchte, braucht die gültige Entscheidung beziehungsweise die einschlägige Verbandsordnung. Eine Schlagzeile über einen anderen Spieler genügt dafür nicht.

Nach einer Provokation hilft Abstand mehr als Nachtreten

Auf dem Platz kochen Emotionen schnell hoch. Für die nächste Aktion bist du trotzdem selbst verantwortlich. Weggehen, den Kapitän ansprechen oder einem Mitspieler ein kurzes „Komm, wir spielen weiter“ zurufen hilft der Mannschaft mehr als eine Antwort mit dem Ellbogen.

Als Trainer lohnt es sich, solche Situationen vor dem Spiel zu besprechen: Wer begleitet einen aufgebrachten Spieler aus der Szene? Wer spricht ruhig mit dem Schiedsrichter? Und welches kurze Signal bedeutet, dass die Diskussion beendet ist? Eine klare Absprache hilft mehr als der nächste lautstarke Vortrag über Disziplin.

FAQ: Häufige Fragen zur Tätlichkeit im Fußball

Kann eine Tätlichkeit gegen den eigenen Mitspieler Rot bedeuten?

Ja. Die Regel schützt auch Mitspieler. Ein gewaltsamer Angriff wird nicht dadurch erlaubt, dass beide dieselbe Trikotfarbe tragen. Für die Spielfortsetzung kommt es zusätzlich auf Ort und Zeitpunkt des Vorfalls an.

Kann ein Trainer wegen einer Tätlichkeit ausgeschlossen werden?

Ja. Auch Teamoffizielle unterliegen der Disziplinargewalt des Schiedsrichters. Eine Tätlichkeit ist ein Feldverweisgrund. Der Trainer muss dann den Innenraum entsprechend den geltenden Vorgaben verlassen.

Hebt eine vorherige Tätlichkeit des Gegners die eigene Strafe auf?

Nein. Beide Handlungen werden getrennt bewertet. Ein Gegenspieler kann für seinen Angriff Rot bekommen und du für deine gewaltsame Reaktion ebenfalls. Eine vorausgegangene sportwidrige Handlung kann je nach Rechtsordnung für das spätere Strafmaß relevant sein, erlaubt aber keine Vergeltung auf dem Platz.

Darf der Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff noch Rot zeigen?

Ja, solange er noch die entsprechende Disziplinargewalt besitzt, insbesondere beim Verlassen des Spielfelds nach Spielende. Der Abpfiff ist keine Einladung zur nachträglichen Abrechnung. Später beobachtete Vorfälle können zudem im Bericht festgehalten werden.

Kann der VAR eine übersehene Tätlichkeit prüfen?

In Spielen mit Video-Assistent kann eine mögliche direkte Rote Karte überprüft werden. Das betrifft auch schwerwiegende übersehene Vorfälle. Wie Prüfung und Entscheidung ablaufen, erklärt unser Beitrag zum VAR im Fußball. In einer Partie ohne VAR steht diese technische Hilfe nicht zur Verfügung.

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