Krill sind kleine, garnelenähnliche Krebstiere, die im offenen Meer leben. Besonders bekannt ist der Antarktische Krill: Er wird bis etwa sechs Zentimeter lang und bildet riesige Schwärme. Von diesen Tieren ernähren sich unter anderem Wale, Pinguine, Robben und Fische.
Ein einzelner Krill wirkt neben einem Wal wie ein Krümel neben einem Lastwagen. Als Schwarm ist er jedoch eine entscheidende Verbindung im Nahrungsnetz. Dabei können die kleinen Krebse schwimmen, unter Eis fressen und sogar Licht erzeugen.
Krill bezeichnet eine ganze Gruppe von Krebstieren
Hinter dem Namen steckt nicht nur eine Tierart. Krill umfasst mehr als 80 Arten aus der Ordnung der Leuchtgarnelen, wissenschaftlich Euphausiacea. Sie kommen in verschiedenen Meeresregionen vor, nicht ausschließlich rund um die Antarktis.
Wenn Dokumentationen von den gewaltigen Krillschwärmen im Südpolarmeer erzählen, meinen sie häufig Euphausia superba, den Antarktischen Krill. Andere Arten leben beispielsweise im Nordatlantik oder in wärmeren Gewässern. Eine Aussage über Antarktischen Krill lässt sich deshalb nicht automatisch auf jeden Vertreter der Gruppe übertragen.
Krill ist ein Tier, kein Fisch und keine Alge. Er besitzt ein Außenskelett, gegliederte Körperabschnitte, Fühler und zahlreiche Gliedmaßen. Die Ähnlichkeit mit einer kleinen Garnele ist also nachvollziehbar, auch wenn handelsübliche Garnelen zu anderen Gruppen gehören.
| Antarktischer Krill im Steckbrief | Kurz erklärt |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Euphausia superba |
| Tiergruppe | Krebstiere, Ordnung Leuchtgarnelen |
| Größe | Bis ungefähr sechs Zentimeter |
| Aussehen | Weitgehend durchsichtig, rötliche Pigmentpunkte und große schwarze Augen |
| Lebensraum | Südlicher Ozean rund um die Antarktis |
| Nahrung | Unter anderem mikroskopische Algen und andere kleine Organismen |
| Fressfeinde | Viele Wale, Robben, Pinguine, Fische und Kalmare |
| Lebensdauer | Mehrere Jahre, genaue Altersbestimmung schwierig |
Krill ist Plankton, obwohl er selbst schwimmen kann
Krill wird zum tierischen Plankton, dem Zooplankton, gerechnet. Das bedeutet nicht, dass er regungslos im Wasser hängt. Seine Gliedmaßen ermöglichen aktive Schwimmbewegungen, und Krill kann zwischen verschiedenen Wassertiefen wechseln.
Für die Einordnung zählt, dass Meeresströmungen seine großräumige Verteilung wesentlich bestimmen. Ein Krill kann sich innerhalb seines Umfelds bewegen, aber nicht beliebig gegen große Strömungssysteme durchs Meer reisen.
Die Begriffe beschreiben also verschiedene Dinge: „Krill“ nennt eine bestimmte Tiergruppe, „Plankton“ eine Lebensweise. Zum Plankton gehören daneben beispielsweise Mikroalgen, Ruderfußkrebse und viele Tierlarven. Ein Krillschwarm ist Plankton, aber eine Wasserprobe voller Plankton muss keinen einzigen Krill enthalten.
Wie groß ist Krill und wie sieht er aus?
Antarktischer Krill erreicht ungefähr sechs Zentimeter Körperlänge. Du könntest ein großes Tier problemlos mit bloßem Auge erkennen. Die Vorstellung, Krill sei grundsätzlich nur unter dem Mikroskop sichtbar, führt deshalb in die falsche Richtung.
Viele Krillarten bleiben deutlich kleiner, einzelne Tiefseearten werden aber größer. Thysanopoda spinicaudata erreicht bis zu 15 Zentimeter. Eine pauschale Größe für die ganze Gruppe wäre ähnlich hilfreich wie eine einzige Schuhgröße für sämtliche Menschen.
Der Körper ist weitgehend durchsichtig und trägt rötliche Pigmentpunkte. Auffällig sind die schwarzen Augen. Durch die Körperwand kann bei einem frisch gefressenen Tier sogar der grünlich gefüllte Verdauungstrakt sichtbar sein. Der Krill trägt seine letzte Mahlzeit damit gewissermaßen als kleines Schaufenster durch das Meer.
Der Panzer ist kein starres Gefängnis fürs ganze Leben. Zum Wachsen häutet sich das Tier. Es streift seine alte äußere Hülle ab und bildet eine neue. Das ist wichtig, weil ein Außenskelett nicht einfach wie menschliche Haut mitwachsen kann.
Die riesigen Schwärme sind ungleichmäßig verteilt
Antarktischer Krill kann sich in dichten Schwärmen sammeln. Das Australian Antarctic Program beschreibt Dichten bis zu mehreren Zehntausend Tieren pro Kubikmeter. Solche Werte beziehen sich auf besonders dichte Ansammlungen, nicht auf jeden beliebigen Liter Wasser im Südlichen Ozean.
Die Schwärme bilden größere Flecken und verändern ihre Position. Nahrung, Strömungen, Tageszeit und die Anwesenheit von Räubern beeinflussen die Verteilung. Das Meer ist deshalb nicht überall gleichmäßig mit Krill gefüllt.
Für einen Wal macht genau das einen Unterschied: Er benötigt ausreichend dichte Beuteansammlungen, damit sich ein Fressvorgang lohnt. Viele vereinzelte Krebse über eine große Fläche verteilt helfen ihm weniger als ein konzentrierter Schwarm. Die bloße Gesamtmenge erklärt also noch nicht, wie gut einzelne Tiere an Nahrung gelangen.
Was frisst Krill?
Antarktischer Krill frisst häufig Phytoplankton, also mikroskopisch kleine Algen im Wasser. Seine fein strukturierten Gliedmaßen helfen dabei, Nahrung aufzunehmen. An der Unterseite des Meereises kann er zudem dort wachsende Algen nutzen.
Sein Speiseplan ist allerdings vielseitiger als das Bild eines winzigen Vegetariers. Je nach Jahreszeit, Lebensstadium und Region kann er auch kleinere tierische Organismen fressen. Untersuchungen junger Krilltiere zeigen, dass tierische Nahrung lokal erheblich zur Ernährung beitragen kann.
Das Nahrungsangebot verändert sich mit dem Licht. Während der hellen Jahreszeit wachsen viele Algen. Wenn die Tage kürzer werden, ist die Versorgung schwieriger. Laut einer Studie zu Schwankungen der Krillbestände kann auch die Konkurrenz innerhalb großer Bestände eine wesentliche Rolle spielen. Mehr Krill bedeutet schließlich mehr hungrige Mäuler.

Unter dem antarktischen Eis liegt eine wichtige Kinderstube
Für jungen Antarktischen Krill ist Meereis mehr als eine kalte Decke. An seiner Unterseite wachsen Algen, die Nahrung bieten. Die Eisstruktur schafft außerdem ein besonderes Umfeld, in dem die jungen Tiere leben und fressen können.
Der Lebenszyklus beginnt dennoch nicht einfach mit winzigen Krebsen, die direkt neben der Mutter lospaddeln. Weibchen geben Eier ins Wasser ab. Diese sinken während ihrer Entwicklung ab und können große Tiefen erreichen. Nach dem Schlüpfen steigen die frühen Larvenstadien wieder Richtung Oberfläche auf.
Bis ein erwachsener Krill daraus wird, folgen mehrere Entwicklungsstadien und Häutungen. Die jungen Tiere sehen deshalb nicht in jeder Phase wie eine kleine fertige Garnele aus. Ob sie ausreichend Nahrung finden und den Winter überstehen, hat großen Einfluss auf den späteren Bestand.
Krill kann beim Überwintern Energie sparen
Im antarktischen Winter wird Nahrung knapp. Krill reagiert darauf unter anderem mit Veränderungen seines Stoffwechsels und nutzt verfügbare Nahrungsquellen. Besonders junge Tiere sind auf eine passende Versorgung angewiesen.
Eine ungewöhnliche Fähigkeit wurde in Laboruntersuchungen festgestellt: Antarktischer Krill kann bei Nahrungsmangel mit Häutungen auch kleiner werden. Er muss also nicht bei jeder Häutung wachsen. Wie häufig und in welchem Umfang solche Schrumpfung im offenen Meer stattfindet, lässt sich schwieriger beobachten.
Diese Flexibilität macht zugleich die Altersbestimmung kompliziert. Ein kleines Tier muss nicht automatisch besonders jung sein. Während Forschende bei anderen Tieren oft Größe und Alter miteinander verbinden können, ist dieser Zusammenhang beim Krill keine zuverlässige Uhr.
Warum Wale, Pinguine und Robben Krill brauchen
Krill verbindet kleine Nahrungsorganismen mit wesentlich größeren Tieren. Er frisst unter anderem Algen und wird selbst von vielen Meerestieren gefressen. So gelangt die in winzigen Organismen gebundene Energie in höhere Ebenen des Nahrungsnetzes.
Der Blauwal ist das bekannteste Größenbeispiel. Er nimmt beim Fressen viel Wasser samt Beute ins Maul und presst das Wasser anschließend durch seine Barten wieder hinaus. Die kleinen Krebse bleiben zurück. Nicht jeder Krill muss einzeln verfolgt werden, ein ganzer Schwarm lässt sich auf diese Weise nutzen.
Auch der Buckelwal frisst Krill, je nach Region aber ebenfalls kleine Schwarmfische. Pinguine, Robben, Fische und Kalmare wiederum nutzen die Krebstiere auf ihre jeweils eigene Weise. Nicht alle Arten sind gleich stark von Krill abhängig, und nicht alle fressen ausschließlich Krill.
Ein Rückgang verfügbarer Schwärme kann sich deshalb auf viele Tiere auswirken. Entscheidend ist dabei auch, wo und wann Krill vorkommt. Ein weit entfernter Schwarm füttert keinen Pinguin, der in der Nähe seiner Brutkolonie Nahrung finden muss.

Krill transportiert Kohlenstoff in tiefere Wasserschichten
Mit seiner Nahrung nimmt Krill Kohlenstoff auf. Ein Teil davon steckt anschließend in Kotpartikeln, abgestreiften Körperhüllen oder abgestorbenen Tieren. Wenn solches Material absinkt, kann es Kohlenstoff aus oberen Wasserschichten in die Tiefe transportieren.
Das ist Teil der biologischen Kohlenstoffpumpe des Meeres. Nicht jedes Partikel erreicht den Boden. Andere Tiere und Mikroorganismen fressen oder zersetzen vieles unterwegs, wodurch der Kohlenstoff wieder in den Kreislauf gelangt.
Wie viel langfristig gespeichert wird, hängt deshalb unter anderem von Sinkgeschwindigkeit, Wassertiefe und Abbau ab. Krill ist ein bedeutsamer Mitspieler in diesem Prozess, aber kein Zaubertrick, der menschliche Emissionen einfach verschwinden lässt.
Warum Krill gefischt wird und Schutz nicht nur eine Mengenfrage ist
Menschen nutzen Krill unter anderem für Aquakulturfutter und zur Herstellung von Krillöl. Aus den kleinen Krebstieren wird dafür Öl gewonnen und in verarbeiteter Form verkauft. Die wirtschaftliche Nutzung erklärt, weshalb Krill neben der Meeresbiologie auch in Produktbeschreibungen auftaucht.
Fischerei und natürliche Fressfeinde können dieselben Schwärme nutzen. Selbst eine vergleichsweise kleine Entnahme aus einer großen geschätzten Gesamtmenge kann lokal bedeutsam sein, wenn sie an wichtigen Futterplätzen stattfindet.
Das Alfred-Wegener-Institut beschreibt in seinem Forschungskonzept zur Krillfischerei deshalb die Bedeutung engmaschiger Daten. Neben der Entnahmemenge müssen Verteilung, Bestandsentwicklung und das gesamte Nahrungsnetz berücksichtigt werden. Veränderungen des Meereises und der Umwelt kommen als weitere Einflussfaktoren hinzu.
FAQ: Häufige Fragen über Krill
Kann Krill leuchten?
Ja, viele Krillarten besitzen Lichtorgane, sogenannte Photophoren. Auch Antarktischer Krill kann biologisch erzeugtes Licht abgeben. Die verschiedenen Funktionen solcher Lichtsignale sind nicht in jedem Detail geklärt. Die Bezeichnung Leuchtgarnelen kommt jedenfalls nicht von einem glänzenden Panzer.
Gibt es Krill nur in der Antarktis?
Nein. Krillarten leben in verschiedenen Ozeanen. Im Nordatlantik kommt beispielsweise Nördlicher Krill vor, wissenschaftlich Meganyctiphanes norvegica. Antarktischer Krill ist besonders bekannt, weil seine großen Schwärme eine zentrale Rolle im Südpolarmeer spielen.
Wie zählen Forschende riesige Krillschwärme?
Sie zählen nicht jedes Tier einzeln. Unter anderem werden akustische Messungen mit Echoloten und biologische Proben kombiniert. Die zurückgeworfenen Schallsignale helfen, Ansammlungen zu erkennen. Proben zeigen, welche Tiere vorkommen und wie groß sie sind. Daraus entstehen Schätzungen statt einer lückenlosen Volkszählung.
Kann man Krill selbst im Aquarium halten?
Antarktischer Krill wird in spezialisierten Forschungsaquarien untersucht. Dafür müssen unter anderem kalte Wassertemperaturen, Wasserqualität und passende Nahrung kontrolliert werden. Das ist keine unkomplizierte Haltung für ein gewöhnliches Heimaquarium. Ein vorhandenes Mikroskop und heimische Wasserproben erschließen andere kleine Wasserlebewesen deutlich einfacher.
Das kleine Leben im Meer größer denken
Krill zeigt, wie viel an den kleinen Meerestieren hängt. Diese Ideen verbinden Ozeanwissen mit eigenem Entdecken. Für einen ersten Blick ins heimische Plankton reicht auch ein geliehenes Mikroskop.
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Das Nahrungsnetz der Ozeane verstehen
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Die Blauwalfigur anschauen *