Der Koloss-Kalmar ist ein riesiger Tintenfisch aus den kalten Gewässern rund um die Antarktis. Sein Körper ist besonders massig, seine Augen erreichen ungefähr Fußballgröße und seine Fangtentakel tragen drehbare Haken. Ein bekanntes Exemplar brachte gefroren fast eine halbe Tonne auf die Waage.
Das Leben dieses Tiefseebewohners ist aber noch längst nicht vollständig erforscht. Wie groß er maximal wird und wie er im Alltag jagt, wissen Forschende nur teilweise. Gerade deshalb lohnt es sich, Rekordfunde, Schätzungen und echte Aufnahmen auseinanderzuhalten.
Der Koloss-Kalmar ist eine eigene Art der Kopffüßer
Sein wissenschaftlicher Name lautet Mesonychoteuthis hamiltoni. Er gehört zu den Kalmaren innerhalb der Kopffüßer und damit zu den Weichtieren. Ein Fisch ist er also nicht, auch wenn die Bezeichnung Tintenfisch das freundlich behauptet.
Der Koloss-Kalmar besitzt acht Arme und zwei längere Fangtentakel. Damit unterscheidet er sich von einem Oktopus, der acht Arme hat, aber keine zusätzlichen Fangtentakel. Sein großer Rumpf heißt Mantel. Darin liegen unter anderem Kiemen und innere Organe.
Die Art gehört zur Familie der Gallertkalmare. Bei dem 2025 gefilmten Jungtier war der Körper noch weitgehend durchsichtig. Größere untersuchte Exemplare zeigen dagegen eine rot bis rosa gefärbte Haut. Das kleine, zarte Tier und der massige Museumsfund passen deshalb auf den ersten Blick kaum zusammen.
| Koloss-Kalmar im Steckbrief | Das ist bekannt |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Mesonychoteuthis hamiltoni |
| Tiergruppe | Kalmar, Kopffüßer, Weichtier |
| Arme und Fangtentakel | Acht Arme und zwei längere Fangtentakel |
| Lebensraum | Kalte Gewässer des Südlichen Ozeans |
| Bekannter großer Fund | 2007 gefangen, nach dem Auftauen 4,2 Meter Gesamtlänge |
| Gewicht dieses Fundes | 495 Kilogramm gefroren, ohne enthaltenes Eis etwa 470 Kilogramm geschätzt |
| Nahrung | Unter anderem Fische und andere Kalmare |
| Wichtiger Fressfeind | Pottwal |
| Lebensdauer | Nicht zuverlässig geklärt |
Bei der Größe des Koloss-Kalmars zählen Messbedingungen mit
Vier, sieben oder mehr als zehn Meter: Wer nach der Größe sucht, findet erstaunlich unterschiedliche Zahlen. Nicht jede davon beschreibt dasselbe. Mantellänge, Länge einschließlich der Arme und Gesamtlänge mit ausgestreckten Fangtentakeln sind verschiedene Maße.
Hinzu kommt, dass tote Tiere schrumpfen, beschädigt werden oder bei der Konservierung ihre Form verändern können. Ein Kalmar liegt nach dem Auftauen nicht unbedingt mit der Länge im Becken, die er zuvor im Wasser hatte. Seine weichen, dehnbaren Körperteile machen die Sache komplizierter als das Vermessen eines Holzbretts.
Das 2007 gefangene Museumsexemplar hatte nach dem Auftauen eine Gesamtlänge von 4,2 Metern und einen 2,5 Meter langen Mantel. Ein anderer großer Fund von 2003 maß insgesamt 5,4 Meter, obwohl er deutlich leichter war. Länge allein verrät daher noch nicht, wie wuchtig ein Tier ist.
Der größte bekannte Fund ist kein gesichertes Maximum der Art
Das bekannte Tier von 2007 wurde mit ungefähr 495 Kilogramm gewogen. Es war dabei gefroren und enthielt Eis. In der Dokumentation des Museums Te Papa wird deshalb etwa 470 Kilogramm als genauere Schätzung genannt. Die häufig zitierten 495 Kilogramm sind also kein frei erfundener Wert, brauchen aber ihren Zusammenhang.
Es gibt außerdem Hinweise auf noch größere Tiere, etwa auffallend große Schnäbel aus Pottwalmägen. Aus solchen Einzelteilen lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres eine exakte Gesamtlänge oder ein Gewicht berechnen. Dafür fehlen ausreichend viele vermessene Exemplare als Vergleich.
Das Schmidt Ocean Institute nannte 2025 eine geschätzte mögliche Länge bis etwa sieben Meter. Das ist eine wissenschaftliche Größenordnung, kein vollständig vermessener Sieben-Meter-Fund. Ein sicherer Maximalrekord lässt sich derzeit nicht angeben.
Koloss-Kalmar und Riesenkalmar verteilen ihre Größe unterschiedlich
Der Riesenkalmar heißt Architeuthis dux und ist eine andere Art. Er wirkt durch seine sehr langen Fangtentakel besonders gestreckt. Der Koloss-Kalmar besitzt einen kompakteren, schwereren Körper.
Die brauchbare Antwort auf „Welcher ist größer?“ lautet deshalb: Der Riesenkalmar gilt als länger, der Koloss-Kalmar als massiger. Wer nur Zentimeter zählt, beantwortet eine andere Frage als jemand, der beide auf eine Waage stellen möchte. Wobei man für Letzteres erst einmal zwei sehr unkooperative Versuchsteilnehmer finden müsste.
Auch der Fangapparat unterscheidet sich. Beim Riesenkalmar fallen Saugnäpfe mit gezackten Ringen auf. Der Koloss-Kalmar trägt zusätzlich kräftige Haken. Verbreitung und Körperbau sprechen ebenfalls gegen die Vorstellung, beide Namen bezeichneten einfach denselben Riesen.
Drehbare Haken helfen dem Koloss-Kalmar, Beute festzuhalten
Die zwei längeren Fangtentakel enden in verbreiterten Keulen. Dort sitzen Haken, die sich drehen können. Die acht Arme tragen ebenfalls Haken und Saugnäpfe, ihre Haken sind jedoch anders gebaut und nicht auf dieselbe Weise drehbar.
Diese Ausstattung ist beim Festhalten glitschiger, sich wehrender Beute hilfreich. Der Kalmar kann sie heranziehen und mit den Armen nahe am Mund halten. Ob er jeden drehbaren Haken aktiv einzeln steuert oder die Drehung beim Festhalten passiv geschieht, ist nicht geklärt.
Was wie Krallen aussieht, sind anatomisch Haken an Armen und Tentakeln. Sie gehören nicht zu Händen oder Füßen. Das Tier braucht schließlich keine Fingernägel, um einen Fisch ordentlich in Schwierigkeiten zu bringen.

Seine riesigen Augen sammeln das knappe Licht der Tiefsee
Beim Koloss-Kalmar wurden Augen mit ungefähr 27 Zentimetern Durchmesser untersucht. Gemeint ist der Augapfel, nicht nur die Pupille. Diese Augen gehören zu den größten dokumentierten im Tierreich.
Ein großes Auge kann mehr Licht einfangen. Das ist in einem Lebensraum nützlich, in dem Sonnenlicht nur noch schwach ankommt oder vollständig fehlt. Absolute Dunkelheit lässt sich damit allerdings nicht wegsehen. Auch ein Riesenauge benötigt Licht, das beispielsweise von anderen Lebewesen erzeugt wird.
An den Augen des Koloss-Kalmars befinden sich zudem Leuchtorgane. Das zugrunde liegende biologische Prinzip kennst du vielleicht vom Meeresleuchten: Lebewesen können Licht durch chemische Prozesse erzeugen. Welche Rolle einzelne Signale im Alltag der großen Kalmare spielen, lässt sich aus den seltenen Beobachtungen aber noch nicht vollständig rekonstruieren.
Der Lebensraum liegt im kalten Südlichen Ozean
Der Koloss-Kalmar lebt in Gewässern rund um die Antarktis. Große Tiere werden mit Tiefen von ungefähr 1.000 Metern und mehr verbunden. Der berühmte Fang von 2007 begann an einer Fischereileine in etwa 1.500 Metern Tiefe.
Das 2025 gefilmte Jungtier schwamm dagegen auf 600 Metern. Eine einzelne Tiefenangabe beschreibt also nicht automatisch das ganze Leben der Art. Junge und größere Tiere können verschiedene Wasserschichten nutzen.
In der Tiefe herrschen Kälte und hoher Druck. Nahrung ist dort nicht so selbstverständlich verfügbar wie an einer gut besuchten Fischtheke. Flossen und Trichter helfen bei der Fortbewegung. Beim Rückstoßprinzip wird Wasser aus der Mantelhöhle ausgestoßen, wodurch sich das Tier in die entgegengesetzte Richtung bewegt.
Was frisst ein Koloss-Kalmar?
Der Koloss-Kalmar ist ein Räuber. Zu seiner Nahrung gehören Fische und andere Kalmare. Ein konkreter Hinweis ist der Fang von 2007: Das Tier hatte einen an der Leine hängenden Antarktischen Seehecht angegriffen und ließ zunächst nicht los.
Zwischen den Armen sitzt ein harter, gebogener Schnabel. Er zerteilt die Beute, bevor sie verschluckt wird. Eine bezahnte Raspelzunge, die Radula, unterstützt die weitere Verarbeitung. Der Schnabel erinnert äußerlich an den eines Papageis, sitzt hier allerdings mitten in einem Kranz aus Armen.
Wie häufig der Koloss-Kalmar aktiv verfolgt, lauert oder langsam durchs Wasser zieht, wissen wir nicht zuverlässig. Aus dem Fangapparat lässt sich seine grundsätzliche Ernährungsweise erkennen. Eine komplette Jagdstrategie ergibt sich daraus noch nicht.
Der Koloss-Kalmar ist auch Beute für Pottwale
Für einen Pottwal ist der Koloss-Kalmar mögliche Nahrung. Harte Schnäbel bleiben länger erhalten als die weichen Körperteile und wurden in Walmägen gefunden. Solche Reste lieferten schon früh wichtige Informationen über die Art.
Ein großer Pottwal ist dem Kalmar an Körpermasse weit überlegen. Bilder eines dramatischen Zweikampfs können eindrucksvoll aussehen, ersetzen aber keine Beobachtung des tatsächlichen Ablaufs. Wir wissen wesentlich mehr darüber, dass Wale Kalmare fressen, als darüber, wie eine einzelne Begegnung in der Dunkelheit aussieht.
Für Menschen ist der Koloss-Kalmar beim normalen Baden kein realistischer Begegnungspartner. Sein Lebensraum liegt weit unter üblichen Schwimmtiefen. Dass seine Haken und sein Schnabel kräftig sind, ist kein Beleg dafür, dass er Menschen jagt oder Schiffe versenkt.

Die ersten bestätigten Tiefseefilme zeigten 2025 ein Jungtier
Am 9. März 2025 filmte der Tauchroboter SuBastian nahe den Südsandwichinseln einen rund 30 Zentimeter langen Koloss-Kalmar in 600 Metern Tiefe. Die Aufnahmen wurden im April veröffentlicht. Auf dem Video ist ein weitgehend durchsichtiges Jungtier zu sehen, kein ausgewachsener Gigant.
Das Schmidt Ocean Institute beschreibt die Beobachtung als erste bestätigte Aufnahme eines lebenden Koloss-Kalmars in seinem natürlichen Tiefseelebensraum. Diese Formulierung ist wichtig: Fischer hatten zuvor bereits lebende beziehungsweise sterbende große Tiere an der Oberfläche gefilmt.
Auch entdeckt wurde die Art nicht erst 2025. Ihre wissenschaftliche Beschreibung stammt von 1925 und beruhte auf Überresten aus einem Pottwalmagen. Erst ein Jahrhundert später ließ sich ein lebendes Tier in der Tiefe sicher dokumentieren. Die Kamera zeigte damit eine andere Lebensphase als die bekannten Museumspräparate.
FAQ: Häufige Fragen zum Koloss-Kalmar
Wie alt wird ein Koloss-Kalmar?
Seine genaue Lebensdauer ist nicht zuverlässig bekannt. Es gibt Annahmen zu schnellem Wachstum, aber nur wenige untersuchte Tiere und kaum langfristige Beobachtungen. Eine feste Zahl wie „genau fünf Jahre“ würde mehr Sicherheit vortäuschen, als die Forschung derzeit bietet.
Hat der Koloss-Kalmar drei Herzen?
Ja. Wie andere Kalmare besitzt er zwei Kiemenherzen und ein Körperherz. Die Kiemenherzen unterstützen den Blutstrom durch die Kiemen, das Körperherz versorgt den übrigen Körper. Der Sauerstofftransport erfolgt mit dem kupferhaltigen Protein Hämocyanin.
Kann man einen Koloss-Kalmar im Aquarium sehen?
Eine normale Schauaquarienhaltung lebender Koloss-Kalmare gibt es nicht. Im Museum Te Papa in Wellington wird ein konserviertes Exemplar gezeigt. Ein Präparat in einer Flüssigkeit ist etwas anderes als ein Tier, das lebend in einem Aquarium gehalten wird.
Hat der Koloss-Kalmar einen Tintenbeutel?
Bei untersuchten Exemplaren ist ein Tintenbeutel bekannt. Wie die Art ihre Tinte unter natürlichen Bedingungen einsetzt, ist jedoch nicht geklärt. Insbesondere die Vorstellung einer beobachteten leuchtenden Tintenwolke sollte nicht als gesicherte Tatsache dargestellt werden.
Wie heißt der Koloss-Kalmar auf Englisch?
Auf Englisch heißt er „colossal squid“. Der Riesenkalmar heißt dagegen „giant squid“. Beim Suchen nach Videos oder Bildern hilft diese Unterscheidung, denn die beiden Arten werden auch in Bildbeschreibungen und Überschriften gelegentlich verwechselt.
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