Hinterlaufen im Fußball: Laufweg, Timing und passende Übungen

Beim Hinterlaufen im Fußball läuft ein Mitspieler von hinten auf der Außenseite am Ballführenden vorbei. Der Lauf schafft eine zusätzliche Passmöglichkeit und zwingt die Verteidigung, Ball und Bewegung gleichzeitig zu beachten. Häufig hinterläuft ein Außenverteidiger seinen Flügelspieler. Das Prinzip funktioniert aber auch mit anderen Positionen. Entscheidend sind der freie äußere Raum, das gemeinsame Timing und die Frage, ob ein Pass zum Läufer oder eine andere Fortsetzung besser passt.

Was bedeutet Hinterlaufen im Fußball?

Hinterlaufen ist eine abgestimmte Angriffsbewegung, bei der ein Spieler zunächst hinter dem Ballführenden startet und dann außen an ihm vorbeiläuft. Auf der rechten Seite nutzt er die Spur rechts vom Mitspieler, auf der linken entsprechend die linke.

Stell dir einen Rechtsaußen mit Ball am Fuß vor. Der gegnerische Außenverteidiger steht vor ihm. Aus dem Rücken des Rechtsaußen beschleunigt der eigene Rechtsverteidiger entlang der Seitenlinie. Der Ballführende kann jetzt selbst dribbeln oder den Läufer bedienen.

Der Name ist etwas irreführend: Der Läufer bleibt gerade nicht hinter seinem Mitspieler. Er zieht an ihm vorbei und bietet eine Möglichkeit weiter vorne an. „Hinter“ beschreibt den Auftakt der Bewegung aus dem Rücken, nicht das Ziel des Laufs.

Hinterlaufen gehört zur Gruppentaktik, weil mindestens zwei Spieler ihre Handlungen aufeinander abstimmen. Der Außenverteidiger ist ein häufiger Läufer, aber auch ein Achter, ein Flügelspieler oder ein Schienenspieler kann einen Mitspieler außen überlaufen.

Was bewirkt der Lauf gegen die Verteidigung?

Ein Hinterlaufen stellt die Verteidigung vor die Entscheidung, ob sie den Ballführenden oder den zusätzlichen äußeren Läufer kontrolliert. Dadurch können neue Räume und Passwinkel entstehen.

In einem Zwei-gegen-eins kann der einzelne Verteidiger beide Möglichkeiten nicht gleich eng decken. Folgt er dem Läufer, erhält der Ballführende Platz für ein Dribbling nach innen. Bleibt er eng beim Ball, kann der äußere Mitspieler anspielbar werden.

Bei mehreren Verteidigern ist die Entscheidung weniger einfach. Ein gegnerischer Mittelfeldspieler kann den Lauf aufnehmen, während der Außenverteidiger beim Ball bleibt. Dann entsteht nicht automatisch ein freier Spieler. Der Angriff muss erkennen, ob trotzdem eine Lücke geöffnet wurde oder eine andere Lösung besser ist.

Ein Lauf ohne anschließenden Ballkontakt kann ebenfalls erfolgreich sein. Zieht er einen Verteidiger nach außen, kann sich innen ein Passweg zum Achter öffnen. Der Läufer hat dann Raum für seinen Mitspieler geschaffen. Sein Aufwand wird nicht allein dadurch wertvoll, dass er selbst die Flanke spielt.

So funktioniert ein Hinterlaufen Schritt für Schritt

Ein gelungenes Hinterlaufen verbindet eine kontrollierte Ballführung mit einem rechtzeitigen Lauf in den freien äußeren Raum. Der genaue Ablauf wird an die Reaktion der Gegner angepasst.

Der Ballführende schafft Platz und bindet einen Gegner

Der Ballführende sollte den Gegner beschäftigen und gleichzeitig einen erreichbaren äußeren Laufweg offenhalten. Häufig dribbelt er leicht diagonal nach innen, sodass außen Platz entsteht.

Er darf dabei nicht so weit nach innen ziehen, dass mehrere Gegner den Ball einkesseln. Ebenso wenig sollte er ungebremst die Außenlinie entlang sprinten, wenn sein Mitspieler dann kaum vorbeikommen kann. Das Dribbeltempo muss zum gemeinsamen Angriff passen.

Bei einer breiten Ballannahme kann der Läufer zunächst etwas warten, bis der Empfänger kontrolliert zum Feld steht. Ein guter erster Kontakt ist wichtiger als die Vorstellung, jeder Pass nach außen müsse sofort von einem Sprint begleitet werden.

Der Läufer beschleunigt im passenden Moment

Der hinterlaufende Spieler sollte dann vorbeiziehen, wenn sein Mitspieler den Ball kontrolliert und eine sinnvolle Fortsetzung möglich ist. Er braucht einen freien Weg und Blickkontakt zur sich entwickelnden Szene.

Er startet aus einer tieferen Position und nimmt Tempo auf, bevor er vorbeiläuft. Der Weg sollte den Ballführenden nicht behindern und nicht unnötig weit von ihm entfernt liegen. Ein riesiger Bogen kündigt die Aktion früh an und verlängert das Zuspiel.

In der FIFA-Analyse zum Flügelspiel steht die Abstimmung zwischen Außenspieler und Außenverteidiger im Mittelpunkt. Die Innenbewegung des einen und der äußere Lauf des anderen müssen zusammenpassen. Eine feste Sekundenangabe kann diese Entscheidung nicht ersetzen.

Der Pass folgt der Bewegung

Das Zuspiel sollte den Läufer möglichst in seinem Tempo erreichen und ihm eine sinnvolle nächste Aktion ermöglichen. Häufig passt der Ballführende vor die Bewegung, statt direkt in den Fuß oder hinter den laufenden Mitspieler.

Wie weit vorgelegt wird, hängt von Sprinttempo, Entfernung und Druck des Gegners ab. Ein zu kurzer Pass zwingt zum Bremsen. Ein zu langer landet im Aus oder beim nächsten Verteidiger. Auf nassem Rasen kann derselbe Pass anders rollen als auf einem trockenen Platz.

Am entscheidenden Passmoment muss der Läufer außerdem die Abseitsregel beachten. Nur weil er hinter dem Ballführenden gestartet ist, bleibt er nicht während der ganzen Aktion automatisch anspielbar.

Wann sollte der Ballführende den Läufer anspielen?

Der Pass zum hinterlaufenden Spieler passt, wenn dessen Weg frei ist und seine Anschlussposition den Angriff verbessert. Der Verteidiger und weitere absichernde Gegner entscheiden mit darüber.

Bleibt der direkte Gegner beim Ballführenden, öffnet sich häufig die äußere Lösung. Folgt er dem Läufer, ist dagegen ein Dribbling nach innen oder ein Pass durch den geöffneten inneren Raum interessant. Steht ein zweiter Verteidiger bereits im äußeren Passweg, sollte der Ball nicht bloß aus Gewohnheit dorthin gespielt werden.

Der Ballführende muss den Läufer deshalb wahrnehmen und den Gegner trotzdem weiter beobachten. Kurze Absprachen können helfen. Ein Ruf wie „Außen!“ informiert über die Möglichkeit, ist aber keine Pflicht zum Abspiel. Der Spieler am Ball wählt die passende Lösung.

Startet der Lauf rechtzeitig, darf der Pass ebenfalls früh kommen. Die häufige Traineranweisung, den Gegner erst zu binden, bedeutet nicht, dass der Ball bis zum letzten Zentimeter am Fuß bleiben muss. Ist das Passfenster bereits offen, kann weiteres Warten es wieder schließen.

Hinterlaufen, Unterlaufen und Vorderlaufen: Was ist der Unterschied?

Beim Hinterlaufen führt der Lauf außen am Ballführenden vorbei, beim Unterlaufen auf dessen Innenseite in Richtung Halbraum. Die Begriffe beschreiben also vor allem den Laufweg im Verhältnis zum Mitspieler.

BewegungTypischer LaufwegPassende Ausgangslage
Hinterlaufen / Overlapvon hinten außen am Ballführenden vorbeider Ballführende zieht eher nach innen, außen ist Platz
Unterlaufen / Underlapinnen am Ballführenden vorbei in Halbspur oder Schnittstelleder Ballführende hält die Breite und innen ist ein Raum offen
Vorderlaufenin vielen deutschen Trainingsbeschreibungen die innere Variantedie genaue Verwendung sollte im Trainerteam abgestimmt werden

Vorderlaufen und Unterlaufen werden im deutschen Fußball nicht überall streng voneinander getrennt. Entscheidend ist daher die Erklärung des tatsächlichen Wegs. „Links am Mitspieler vorbei“ wäre auf der anderen Spielfeldseite sogar die falsche Anweisung. Außen und innen sind für das gemeinsame Verständnis klarer.

Beim Unterlaufen bleibt der Flügelspieler beispielsweise breit, während der Außenverteidiger diagonal zwischen gegnerischem Außen- und Innenverteidiger startet. Dadurch kann eine innere Passoption entstehen. Diese Bewegung kann in einem Abschluss, einer Hereingabe oder einem weiteren Pass enden. Eine feste Zuordnung „außen immer Flanke, innen immer Schuss“ wäre zu schematisch.

Auch ein dritter Spieler kann den Läufer bedienen

Ein Hinterlaufen lässt sich über eine dritte Anspielstation vorbereiten, wenn der direkte Pass vom Ballführenden zum Läufer geschlossen ist. Der Lauf bleibt derselbe, aber das Zuspiel kommt aus einem anderen Winkel.

Ein Beispiel über links: Der Außenverteidiger passt zum Linksaußen. Dieser dribbelt nach innen und spielt zum Achter. Der Außenverteidiger hat inzwischen außen beschleunigt. Der Achter spielt nun in dessen Lauf. Der zunächst ballführende Flügelspieler kann anschließend selbst in Richtung Strafraum nachrücken.

Der BFV zeigt dieses Hinterlaufen über eine zentrale Station als Trainingsschwerpunkt. Der dritte Spieler braucht dafür ebenfalls eine passende Position und ein rechtzeitiges Zuspiel. Steht er gedeckt, wird der Umweg nicht allein durch seine zusätzliche Beteiligung besser.

Ein Doppelpass kann mit dem Hinterlaufen kombiniert werden. Die beiden Begriffe meinen trotzdem nicht dasselbe: Beim Doppelpass wird nach Abspiel und Lauf erneut kombiniert. Hinterlaufen beschreibt den äußeren Laufweg, der auch ohne direkten Rückpass wirksam sein kann.

Welche Fortsetzung passt nach dem Durchbruch?

Nach dem Durchbruch sollte der Läufer die Positionen seiner Mitspieler prüfen und zwischen Hereingabe, weiterem Dribbling und Rückpass wählen. Eine hohe Flanke ist nur eine Möglichkeit.

Ist ein Angreifer am kurzen oder langen Pfosten frei, kann eine gezielte Flanke passen. Läuft ein Mitspieler in den Rückraum ein, bietet sich häufig ein flacher Rückpass an. Dieser kann eine zurückweichende Abwehr erreichen, während die Angreifer mit Blick zum Tor abschließen.

Wird der äußere Spieler schon vor der Grundlinie gestellt, kann er zum unterstützenden Achter zurückspielen. Ein abgebrochener Lauf ist nicht automatisch ein Fehler. Die Mannschaft hält den Ball und kann den Gegner mit einer anderen Kombination erneut bewegen.

Im Strafraum sollten die Mitspieler verschiedene Abschlussräume besetzen und ihre Laufwege auf die Hereingabe abstimmen. Sind alle schon lange am Tor angekommen, während der Läufer den Ball erst annimmt, können die Verteidiger sie leichter kontrollieren.

Außenverteidiger erhält den Ball nach einem Hinterlaufen
Das Zuspiel sollte den Läufer in seinem Tempo erreichen und eine passende Fortsetzung ermöglichen.

Wie sichert die Mannschaft das Hinterlaufen ab?

Die Mannschaft muss den Raum hinter dem vorstoßenden Läufer bereits während des Angriffs kontrollieren. Ein offensiver Lauf ist nur dann gut eingebunden, wenn ein Ballverlust nicht sofort einen freien Weg zum eigenen Tor öffnet.

Hinterläuft der Rechtsverteidiger, können der Sechser und der rechte Innenverteidiger ihre Positionen anpassen. Der zweite Außenverteidiger kann tiefer oder enger bleiben. Welche Verteilung passt, hängt von den zurückgebliebenen Gegenspielern und eurer Restverteidigung ab.

Geht der Ball verloren, muss der Läufer sofort reagieren. Ist er nah genug und wird unterstützt, kann er den neuen Ballbesitzer unter Druck setzen. Ist der Gegner bereits entkommen, geht es um den schnellen Rückweg und den Schutz gefährlicher Passrichtungen.

Die Belastung besteht deshalb nicht nur aus dem Vorwärtssprint. Wer ständig bis zur Grundlinie läuft, braucht auch die Möglichkeit, wieder in eine passende Abwehrposition zurückzukehren. Lange Wege und Ermüdung sollten bei Training, Wechseln und der taktischen Aufgabenverteilung berücksichtigt werden.

Diese Fehler stören das Hinterlaufen

Die häufigsten Fehler sind ein schlecht vorbereiteter Raum, unpassendes Timing und ein Zuspiel gegen die Laufrichtung. Du kannst ihre Ursachen im Training getrennt prüfen.

  • Der Läufer startet zu früh: Er ist bereits vorne angekommen, obwohl der Ball noch nicht kontrolliert ist. Zuerst eine spielbare Situation herstellen.
  • Der Läufer startet zu spät: Der Gegner hat den Passweg schon geschlossen. Den gemeinsamen Auftakt früh erkennen.
  • Beide bleiben in derselben äußeren Spur: Einer blockiert den Laufweg des anderen. Breite und Innenbewegung abstimmen.
  • Der Ballführende läuft dem Läufer davon: Die Überholung entsteht nicht. Dribbeltempo und Beschleunigung aufeinander beziehen.
  • Der Pass kommt in den Rücken: Der Läufer muss abbremsen. Vor die Bewegung spielen, sofern der Raum frei ist.
  • Das Abspiel wird vorab festgelegt: Ein Verteidiger kann die bekannte Lösung zustellen. Andere Entscheidungen zulassen.

Ein weiteres Problem sind zu weite Wege um den Mitspieler. Sie kosten Zeit und erleichtern das Verfolgen. Nah vorbeilaufen bedeutet allerdings nicht, eine Kollision zu riskieren. Genügend Abstand für Ballführung und natürliche Laufbewegungen bleibt nötig.

Wie kannst du Hinterlaufen trainieren?

Hinterlaufen lernst du über einen klaren Bewegungsablauf und anschließend mit Gegnerdruck. Die folgenden redaktionellen Übungen lassen sich nach Alter, Technik und verfügbarer Fläche anpassen.

Zwei Spieler stimmen Pass und Lauf ab

Eine einfache Pass-Lauf-Übung macht den äußeren Weg und den Zeitpunkt des Zuspiels verständlich. Markiere eine etwa 20 Meter lange und 12 Meter breite Bahn mit einem sicheren Dribbeltor als Ziel.

Spieler A startet etwas hinter B, spielt ihn an und läuft außen vorbei. B nimmt leicht nach innen mit und passt A in die Bewegung. A führt den Ball durch das Ziel. Danach wechseln die Aufgaben. Übt links und rechts und beginnt mit mäßigem Tempo.

Die Gruppe achtet zunächst auf drei Dinge: Bleibt der äußere Weg frei? Kommt A mit Tempo am Mitspieler vorbei? Erreicht der Ball ihn ohne Bremsen? Erst wenn der Ablauf verstanden ist, erhöht ihr das Tempo.

Zwei gegen eins mit freier Entscheidung

Ein Zwei-gegen-eins verbindet das Hinterlaufen mit der notwendigen Entscheidung gegen einen Verteidiger. Nutze dieselbe Bahn und ergänze einen Gegner zwischen Angreifern und Ziel.

B darf den Läufer A anspielen, selbst dribbeln oder den Angriff neu vorbereiten. Der Verteidiger versucht, den Durchbruch zu verhindern und kann nach Ballgewinn über die gegenüberliegende Linie kontern. Dadurch müssen die Angreifer auch auf einen Ballverlust reagieren.

Der Trainer kann kurz nachfragen, welche Bewegung des Gegners die Entscheidung ausgelöst hat. Gibst du in jeder Runde den Pass nach außen vor, wird zwar ein Muster wiederholt. Das Lesen der Verteidigung trainierst du damit kaum.

Kleines Spiel mit Bonus für den gelungenen Lauf

Ein Vier-gegen-vier überträgt die Gruppenlösung in wechselnde Spielsituationen. Wähle zunächst ein ungefähr 32 × 24 Meter großes Feld mit zwei Toren oder sicher markierten Dribbellinien.

Jedes Tor zählt. Ein Treffer nach einem tatsächlich hilfreichen Hinterlaufen kann einen Zusatzpunkt bekommen. Andere Lösungen bleiben erlaubt. Verändere die Feldbreite, wenn außen überhaupt kein Laufraum entsteht oder die Läufer ungestört bis zum Ziel durchkommen.

Im letzten Durchgang entfällt der Bonus. Beobachte, ob die Spieler das Hinterlaufen weiter nutzen, sobald der Gegner und der freie Raum dafür sprechen. Dann ist die Bewegung im Spielverständnis angekommen und nicht nur in der Übungswertung.

Zwei Mitspieler üben Laufweg und Timing gegen einen Verteidiger
Mit Gegnerdruck müssen Ballführender und Läufer zwischen Pass, Dribbling und anderer Fortsetzung wählen.

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