Der VAR darf im Fußball nicht bei jedem Fehler eingreifen, sondern nur bei genau festgelegten und besonders wichtigen Situationen. Die Abkürzung steht für „Video Assistant Referee“. Der Video-Assistent prüft mithilfe verschiedener Kameraaufnahmen unter anderem Tore, mögliche Elfmeter und Platzverweise. Er kann den Schiedsrichter auf einen klaren Fehler hinweisen, trifft die endgültige Entscheidung aber nicht selbst. Wie aus einem stillen VAR-Check eine sichtbare Überprüfung wird und warum manche strittige Szene ungeprüft bleibt, erklären wir hier.
Was bedeutet VAR im Fußball?
VAR bedeutet „Video Assistant Referee“ und bezeichnet einen ausgebildeten Schiedsrichter, der das Spiel anhand von Videoaufnahmen verfolgt. Im Deutschen sind auch die Begriffe „Video-Assistent“ und „Videoschiedsrichter“ gebräuchlich.
Der VAR ist also keine Software, die selbstständig über Abseits, Handspiel oder Foul entscheidet. Er gehört zum Schiedsrichterteam und steht über Funk mit dem Unparteiischen auf dem Platz in Verbindung. Unterstützt wird er von mindestens einem Assistant Video Assistant Referee, kurz AVAR. Dieser Assistent behält beispielsweise das laufende Spiel im Blick, während der VAR eine frühere Szene prüft. Wiederholungsoperatoren wählen dazu schnell geeignete Kameraperspektiven aus.
Während die Linienrichter und der vierte Offizielle direkt am Spielfeld arbeiten, sitzt das Video-Team in einem dafür eingerichteten Raum.
Wann darf der VAR eingreifen?
Der VAR darf nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen oder schwerwiegenden übersehenen Vorfällen innerhalb weniger festgelegter Kategorien eingreifen. Die folgende Übersicht entspricht dem Regelstand der Saison 2026/27:
| Überprüfbare Situation | Was kann der VAR prüfen? |
|---|---|
| Tor oder kein Tor | Abseits, Foul, Handspiel, Ball im Aus und andere relevante Vergehen der angreifenden Mannschaft vor dem Treffer |
| Strafstoß oder kein Strafstoß | Einen zu Unrecht gegebenen oder nicht gegebenen Elfmeter, den Ort des Vergehens und Regelverstöße in der vorausgehenden Angriffsphase |
| Rote Karte | Eine zu Unrecht gegebene oder übersehene direkte Rote Karte sowie eine eindeutig falsche zweite Gelbe Karte, die zu Gelb-Rot führt |
| Spielerverwechslung | Eine Karte, die der falsche Spieler erhalten hat – seit 2026/27 auch bei einer Verwechslung zwischen den Mannschaften |
| Falsch zugesprochener Eckstoß | Nur wenn der Wettbewerb diese seit 2026/27 mögliche Zusatzprüfung eingeführt hat |
Bei einem möglichen Elfmeter kann der Video-Assistent somit sowohl einen Pfiff als auch das Ausbleiben eines Pfiffs prüfen. Auch bei einer möglichen direkten Roten Karte darf er den Schiedsrichter auf einen übersehenen Vorfall oder eine deutlich falsche Bewertung hinweisen.
Neu ist seit dem 1. Juli 2026 die Überprüfung einer eindeutig falschen zweiten Gelben Karte, durch die ein Spieler vom Platz gestellt wurde. Eine gewöhnliche erste Gelbe Karte darf der VAR dagegen nicht isoliert auf ihre inhaltliche Berechtigung prüfen. Er kann lediglich eine Verwechslung des bestraften Spielers korrigieren. Auch eine zweite Verwarnung, die der Schiedsrichter gar nicht gezeigt hat, darf der VAR nicht nachträglich verlangen. Er darf daher keinen bislang übersehenen gelbwürdigen Vorfall suchen, um einen Platzverweis herbeizuführen.
Das IFAB führt damit fünf Kategorien auf, wobei die fünfte eine Wettbewerbsoption ist. Die Regeländerungen des IFAB erlauben, einen eindeutig zu Unrecht zugesprochenen Eckstoß sofort zu korrigieren. Die Bilder müssen den Fehler klar zeigen, und die Korrektur muss vor der Ausführung möglich sein, ohne die Spielfortsetzung zu verzögern. Ein zu Unrecht verweigerter Eckstoß fällt nicht unter diese Zusatzregel. In der Bundesliga und der 2. Bundesliga werden Eckstoßentscheidungen nicht vom VAR überprüft.
Was ist eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung?
Eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung liegt vor, wenn die Aufnahmen einen erheblichen Fehler des Schiedsrichters eindeutig belegen. Dass der VAR persönlich anders entschieden hätte, genügt nicht. Ist die ursprüngliche Bewertung nach den Regeln vertretbar, soll sie bestehen bleiben.
Leicht feststellen lässt sich zum Beispiel, ob ein Kontakt innerhalb oder außerhalb des Strafraums stattgefunden hat. Solche messbaren oder eindeutig erkennbaren Punkte gelten als Tatsachenentscheidungen. Mehr Spielraum gibt es bei der Frage, wie hart ein Zweikampf war oder ob ein strafbares Handspiel vorliegt. Die Bilder können hier zwar zusätzliche Einzelheiten zeigen, beseitigen aber nicht jede Auslegungsfrage.
Deshalb können zwei ähnliche Szenen trotz VAR unterschiedlich bewertet werden. Der Videobeweis soll schwere Fehler korrigieren, aber nicht jeden Zweikampf vollständig neu bewerten.
Wie läuft eine VAR-Prüfung ab?
Eine VAR-Prüfung beginnt mit einem routinemäßigen stillen Check durch den Video-Assistenten und führt nur bei einem möglichen klaren Fehler zu einer sichtbaren Überprüfung. Im VAR-Protokoll des IFAB sind die einzelnen Schritte genau festgelegt.
Der stille Check läuft meist unbemerkt
Der Video-Assistent kontrolliert Tore, Strafstoßentscheidungen, mögliche Rote Karten und andere prüfbare Vorfälle routinemäßig im Hintergrund. Weder ein Trainer noch ein Spieler muss oder darf einen Videobeweis beantragen. Ergibt die kurze Kontrolle keinen Grund zum Eingreifen, läuft das Spiel weiter. Viele VAR-Checks bemerken Zuschauer deshalb gar nicht.
Benötigt der Video-Assistent mehr Zeit, informiert er den Schiedsrichter per Funk. Dieser hält häufig einen Finger an sein Headset und streckt den anderen Arm aus. Damit zeigt er an, dass die Prüfung noch läuft.
Beim On-Field-Review schaut der Schiedsrichter selbst auf den Bildschirm
Ein On-Field-Review ist die Überprüfung einer Szene durch den Schiedsrichter am Monitor neben dem Spielfeld. Der englische Begriff bedeutet sinngemäß Überprüfung auf dem Platz. Dazu zeichnet der Unparteiische zunächst mit beiden Händen ein Rechteck in die Luft.
Der Gang zum Bildschirm ist vor allem bei Entscheidungen mit Auslegungsspielraum vorgesehen. Dazu gehören die Intensität eines Fouls, die Armhaltung und der Bewegungsablauf bei einem Handspiel oder die Bewertung einer möglichen Roten Karte. Der VAR empfiehlt die Überprüfung, die formelle Entscheidung darüber und das abschließende Urteil liegen jedoch beim Schiedsrichter.
Bei eindeutigen Tatsachen ist ein Monitorbesuch normalerweise nicht erforderlich. Ergibt die Prüfung etwa eine rein positionsbezogene Abseitsstellung oder stellt der VAR fest, dass ein Foul knapp außerhalb des Strafraums geschah, kann er diese Information direkt per Funk weitergeben. Der Schiedsrichter zeigt anschließend das TV-Zeichen und verkündet seine Entscheidung.
Für die Dauer eines VAR-Checks gibt es keine feste Obergrenze
Ein VAR-Check darf so lange dauern, wie die sorgfältige Prüfung der verfügbaren Bilder erfordert. Eine vorgeschriebene Höchstdauer gibt es nicht. Trotzdem sollen unnötige Verzögerungen vermieden werden.

Längere Unterbrechungen entstehen beispielsweise, wenn der erste Ballkontakt beim Abspiel gesucht, mehrere mögliche Vergehen nacheinander geprüft oder verschiedene Kamerawinkel verglichen werden müssen. In der Bundesliga erklärt der Schiedsrichter eine geänderte Entscheidung oder das Ergebnis eines Monitor-Reviews inzwischen zusätzlich per Stadiondurchsage.
Wer trifft nach dem VAR-Check die endgültige Entscheidung?
Die endgültige Entscheidung trifft immer der Schiedsrichter auf dem Spielfeld. Der Video-Assistent ist kein Oberschiedsrichter und kann weder selbst pfeifen noch eine Entscheidung verbindlich aufheben.
Das Team auf dem Platz muss eine Szene zunächst so beurteilen, als gäbe es keinen VAR. Auch bewusstes Weiterspielenlassen gilt als Entscheidung. Der Schiedsrichter darf einen knappen Vorfall nicht absichtlich offenlassen, damit das Video-Team anschließend die Verantwortung übernimmt.
Findet der VAR einen möglichen klaren Fehler, liefert er zusätzliche Informationen oder empfiehlt ein On-Field-Review. Danach kann der Schiedsrichter seine ursprüngliche Entscheidung bestätigen, ändern oder zurücknehmen.
Warum greift der VAR bei manchen Fehlern nicht ein?
Der VAR bleibt untätig, wenn eine Szene außerhalb seiner Zuständigkeit liegt oder die ursprüngliche Entscheidung nicht eindeutig falsch war. Ein Fernsehbild, über das sich Fans streiten, ist daher noch kein Beweis für einen erforderlichen Eingriff.
Häufige Gründe für das Ausbleiben einer Korrektur sind:
- Das Vergehen betrifft keine erlaubte Kategorie, sondern beispielsweise ein gewöhnliches Foul im Mittelfeld oder die inhaltliche Bewertung einer ersten Gelben Karte.
- Die Entscheidung des Schiedsrichters ist trotz einer möglichen anderen Auslegung vertretbar.
- Die Kameraaufnahmen zeigen den entscheidenden Kontakt oder Blickwinkel nicht eindeutig.
- Die betreffende Spielfortsetzung wurde bereits ausgeführt. Danach kann eine Entscheidung nur noch in wenigen Ausnahmefällen geändert werden.
- Der Wettbewerb nutzt eine optionale VAR-Prüfung nicht. Das gilt in der Bundesliga beispielsweise für falsch zugesprochene Eckstöße.
Der VAR kann also durchaus erkennen, dass eine andere Entscheidung möglich gewesen wäre, ohne eingreifen zu dürfen. Seine Aufgabe ist die Korrektur klarer Fehler und nicht die Suche nach der theoretisch besten Bewertung jeder Szene.
Wie weit darf der VAR vor einem Tor zurückgehen?
Der VAR darf bis zum Beginn der unmittelbar zum Tor führenden Angriffsphase zurückgehen; eine feste Grenze in Sekunden, Pässen oder Metern gibt es nicht. Diese Phase wird im Regelwerk als Attacking Possession Phase, kurz APP, bezeichnet. Vereinfacht ist damit die Angriffsphase gemeint, die unmittelbar zum Treffer führte und auch die Art des Ballgewinns umfassen kann.
Bei der Prüfung kann der VAR unter anderem kontrollieren, ob die Mannschaft den Ball durch ein Foul oder Handspiel erobert hat, ob der Ball zwischenzeitlich im Aus war oder ob eine Abseitsstellung vorlag. Gewinnt der Gegner den Ball kontrolliert und startet danach ein neuer Angriff, ist die frühere Szene normalerweise nicht mehr Teil derselben Phase. Eine kurze Berührung oder ein unkontrollierter Abpraller beendet die Angriffsphase dagegen nicht zwangsläufig.
So kann ein Fehler einige Pässe vor dem Treffer noch relevant sein. Ein lange zurückliegendes Foul ohne Zusammenhang mit dem späteren Angriff darf hingegen nicht nachträglich über den Umweg des Tores geahndet werden.
Wie prüft der VAR eine mögliche Abseitsstellung?
Der VAR prüft Abseits anhand des ersten Ballkontakts beim Abspiel und der Position der beteiligten Körperteile. Die Abseitsregel selbst verändert sich durch den Videobeweis nicht.
In der Bundesliga und der 2. Bundesliga unterstützt seit der Saison 2025/26 die halbautomatische Abseitstechnologie, auf Englisch Semi-Automated Offside Technology oder kurz SAOT, das Video-Team. Spezialkameras verfolgen Spieler und Ball. Aus diesen Daten werden der wahrscheinliche Abspielmoment und eine virtuelle Abseitslinie erstellt, die der VAR kontrolliert.
„Halbautomatisch“ bedeutet, dass die Technik vorbereitet, aber nicht abschließend entscheidet. Sie kann ermitteln, ob sich ein für die Torerzielung zulässiger Körperteil näher an der Torlinie befand als sowohl der Ball als auch der vorletzte Gegenspieler. Hände und Arme zählen dabei nicht. Ob der Spieler aktiv ins Spiel eingriff oder einen Gegner beeinflusste, muss weiterhin nach den Regeln bewertet werden.
Deshalb wartet der Linienrichter bei knappen Situationen häufig mit der Fahne, bis der Angriff abgeschlossen ist. Würde er zu früh abpfeifen, ließe sich eine möglicherweise reguläre Torchance auch mit Videobildern nicht zurückholen. Ein Chip im Ball kann bei entsprechend ausgestatteten Spielbällen zusätzlich den exakten Kontaktzeitpunkt liefern, trifft aber ebenfalls keine Schiedsrichterentscheidung.
Was unterscheidet VAR, Torlinientechnik und halbautomatisches Abseits?
VAR, Torlinientechnik und halbautomatische Abseitserkennung erfüllen unterschiedliche Aufgaben und dürfen nicht gleichgesetzt werden.
| System | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| VAR | Prüft Videoaufnahmen in festgelegten Entscheidungskategorien | Der Schiedsrichter erhält Informationen oder schaut die Szene selbst an |
| Torlinientechnik | Erkennt, ob der Ball die Torlinie vollständig überschritten hat | Der Schiedsrichter erhält innerhalb kürzester Zeit ein Ja-oder-Nein-Signal |
| Halbautomatische Abseitstechnologie | Ermittelt Abspielmoment, Spielerpositionen und eine virtuelle Abseitslinie | Der VAR kontrolliert die technischen Daten und gibt das Ergebnis weiter |
Anders als die Torlinientechnik ist der VAR damit kein reines Messsystem. Er bezeichnet einen Menschen, der Bilder und technische Informationen auswertet. Die Entscheidung auf dem Platz bleibt auch dann beim Schiedsrichter, wenn mehrere technische Hilfsmittel an derselben Szene beteiligt sind.
Was ist der „Kölner Keller“?
Der „Kölner Keller“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das deutsche Video-Assist-Center in Köln-Deutz. Dort verfolgen die VAR-Teams die Spiele der Bundesliga und der 2. Bundesliga zentral an mehreren Arbeitsplätzen. Bei einem Bundesligaspiel können sie gewöhnlich auf deutlich mehr Kameraperspektiven zugreifen als der Fernsehzuschauer gerade in der Übertragung sieht.
Der Begriff wird jedoch bald nur noch historische Bedeutung haben. Ab der Rückrunde 2026/27 ist ein Testbetrieb am DFB-Campus in Frankfurt geplant; im Sommer 2027 sollen die Video-Assistenten vollständig dorthin umziehen. Der DFB beschreibt den Standortwechsel als Möglichkeit für mehr Arbeitsplätze, bessere Schulungen und mehr Transparenz.
Seit wann gibt es den VAR in der Bundesliga?
Der VAR wird seit der Saison 2017/18 in der Bundesliga und seit 2019/20 in der 2. Bundesliga eingesetzt. Bei einer Männer-Weltmeisterschaft kam das System erstmals 2018 flächendeckend zum Einsatz. Damit ist der Videobeweis ein vergleichsweise junges Kapitel in der Geschichte des Fußballs.
Nicht jeder Wettbewerb und nicht jede Spielklasse nutzt einen Video-Assistenten. Im DFB-Pokal 2026/27 ist der Einsatz erstmals bereits ab der zweiten Hauptrunde vorgesehen, sofern alle Spiele mit fest installierter oder mobiler Technik abgedeckt werden können. Reichen die verfügbaren Systeme dafür nicht aus, wird in der gesamten Runde ohne VAR gespielt. Ab dem Achtelfinale gehört er regulär dazu. Im Amateurfußball fehlen meist die erforderlichen Kameras, Leitungen und geschulten Video-Spieloffiziellen. Ein Spiel ohne VAR wird natürlich nach denselben Fußballregeln geleitet, nur ohne die zusätzliche Kontrollmöglichkeit.
Macht der VAR den Fußball gerechter?
Der VAR kann klare und möglicherweise spielentscheidende Fehler korrigieren, macht Schiedsrichterentscheidungen aber nicht vollständig objektiv. Abseitspositionen, der Ort eines Fouls oder ein Ball im Aus lassen sich mit guten Aufnahmen genauer beurteilen. Bei der Härte eines Zweikampfs oder einem möglichen Handspiel bleibt dagegen auch vor dem Bildschirm ein Ermessensspielraum.
Den zusätzlichen richtigen Entscheidungen stehen längere Unterbrechungen, ein manchmal verzögerter Torjubel und neue Diskussionen über die Eingriffsschwelle gegenüber. Stadiondurchsagen können Entscheidungen nachvollziehbarer machen; schnellere Abseitstechnik kann Wartezeiten verkürzen. Beides beseitigt aber nicht jede Meinungsverschiedenheit.
Der VAR ist daher am ehesten ein Sicherheitsnetz für besonders folgenreiche Fehler. Er ersetzt weder den Schiedsrichter noch die Auslegung der Fußballregeln – und genau deshalb wird wohl auch künftig nach manchen Videobildern weiterdiskutiert.