Bundesjugendspiele: Disziplinen, Punkte und Urkunden erklärt

Bei den Bundesjugendspielen laufen, springen und werfen Kinder um die Wette. Aber wer bekommt eigentlich eine Ehrenurkunde? Warum zählt an einer Schule die genaue Weite und an einer anderen eine Sprungzone? Und wurden die Spiele nicht irgendwann abgeschafft? Die kurze Antwort: Es gibt sie weiterhin, allerdings in unterschiedlichen Formen. Wenn du Wettbewerb und Wettkampf auseinanderhältst, werden auch die Regeln verständlich. Hier erfährst du, was im Schuljahr 2026/27 gilt und wie Kinder gut vorbereitet zum Sportfest gehen.

Bundesjugendspiele 2026/27: Was gilt aktuell?

Die Bundesjugendspiele sind eine jährliche Schulsportveranstaltung. Sie können in Leichtathletik, Schwimmen oder Turnen stattfinden. Außerdem gibt es einen Mehrkampf, der diese drei Sportarten verbindet. Die aktuelle Ausschreibung der Bundesjugendspiele sieht die Durchführung an allgemeinbildenden Schulen für die Klassen 1 bis 10 verbindlich vor. Auch Vereine können Veranstaltungen ausrichten.

Neu seit dem Schuljahr 2026/27: In Leichtathletik und Schwimmen dürfen Schulen in den Klassen 3 und 4 wieder den klassischen Wettkampf anbieten. Daneben bleibt der Wettbewerb möglich. Für die Klassen 1 und 2 ist der klassische Wettkampf in diesen beiden Sportarten weiterhin nicht vorgesehen.

Die häufig gelesene Aussage „In der Grundschule gibt es nur noch den Wettbewerb“ ist damit für die Klassen 3 und 4 überholt. Gleichzeitig besteht keine Pflicht, dort zum Wettkampf zurückzukehren. Bis einschließlich Klasse 6 wird weiterhin die Wettbewerbsform empfohlen.

Die Bundesjugendspiele wurden also nicht abgeschafft. Auch die Urkunden sind geblieben. Verändert haben sich vor allem die Auswahl der möglichen Formen und die Diskussion darüber, wie Kinder altersgerecht Leistung zeigen können.

Wettbewerb, Wettkampf und Mehrkampf: der Unterschied

Im Alltag bedeuten Wettbewerb und Wettkampf ungefähr dasselbe. Bei den Bundesjugendspielen bezeichnen sie zwei unterschiedliche Angebote. Diese kleine sprachliche Stolperfalle erklärt einen großen Teil der Verwirrung.

FormWas passiert?Wie wird die Leistung eingeordnet?
Wettbewerb LeichtathletikVier vielseitige Aufgaben aus Laufen, Springen und Werfen beziehungsweise StoßenRangpunkte innerhalb einer Vergleichsgruppe
Wettkampf LeichtathletikKlassische Disziplinen aus vier Bereichen, die besten drei Ergebnisse zählenLeistungspunkte anhand offizieller Tabellen
Sportartenübergreifender MehrkampfSechs Aufgaben, jeweils zwei aus Leichtathletik, Schwimmen und TurnenBewertung nach dem eigenen Mehrkampf-Regelwerk

Der Wettbewerb soll besonders jüngere Kinder vielseitig an Bewegung heranführen. Dabei kommen beispielsweise Sprungzonen oder wechselnde Laufaufgaben zum Einsatz. Das bedeutet keineswegs, dass alle Ergebnisse gleich wären. Es wird weiterhin gewertet, nur anders.

Der Wettkampf arbeitet stärker mit bekannten Disziplinen und festgelegten Anforderungen. Der sportartenübergreifende Mehrkampf ist wiederum weder ein klassischer Siebenkampf noch ein Zehnkampf. Hier zählen auch Aufgaben im Wasser und an Turngeräten.

Welche Disziplinen gibt es bei den Bundesjugendspielen?

In diesem Beitrag steht die Leichtathletik im Mittelpunkt. Ihre Aufgaben greifen grundlegende Bewegungen auf, die auch hinter den übrigen Leichtathletik-Disziplinen stecken: schnell oder ausdauernd laufen, springen und werfen.

Wettbewerb: vier Bereiche mit wechselnden Übungen

Im Leichtathletik-Wettbewerb absolviert jedes Kind einen Vierkampf aus diesen Bereichen:

  • Schnell laufen: beispielsweise ein Wendesprint oder eine Laufaufgabe mit Hindernissen.
  • Weit oder hoch springen: etwa Zielsprünge oder Sprünge in markierte Zonen.
  • Weit werfen oder stoßen: eine zur Klassenstufe passende Aufgabe mit dem vorgesehenen Gerät.
  • Ausdauernd laufen: eine Laufaufgabe, bei der längeres Bewegen und sinnvolle Krafteinteilung gefragt sind.

Welche Übungen angeboten werden, richtet sich unter anderem nach der Klassenstufe. Die Schule wählt aus dem offiziellen Übungsangebot aus. Deshalb müssen zwei dritte Klassen an verschiedenen Schulen nicht exakt dasselbe Programm absolvieren.

Zonen erleichtern dabei die Auswertung. Liegt ein Sprung innerhalb einer bestimmten Zone, muss nicht jeder einzelne Zentimeter nachgemessen werden. Das soll Wartezeiten verkürzen und mehr Bewegungszeit ermöglichen.

Wettkampf: Sprint, Lauf, Sprung und Wurf oder Stoß

Im klassischen Wettkampf werden Übungen aus vier Bereichen angeboten. Dazu gehören je nach Alter beispielsweise ein Sprint, ein längerer Lauf, Weit- oder Hochsprung sowie Ballwurf oder Kugelstoßen. Die drei besten Einzelwertungen ergeben das Gesamtergebnis. Empfohlen wird, zunächst alle vier Bereiche anzubieten und anschließend das schwächste Ergebnis zu streichen.

Die Auswahl ist altersabhängig. Nicht jedes Kind läuft dieselbe Sprintstrecke, und beim Wurf oder Stoß unterscheiden sich auch die Geräte. Eine Tabelle für Jugendliche lässt sich deshalb nicht einfach auf Achtjährige übertragen.

Beim Weitsprung helfen ein wiederholbarer Anlauf und eine sichere Landung. Wer beim Kugelstoßen antritt, braucht dagegen eine Stoßbewegung aus Körper und Beinen. Die Kugel wird nicht wie ein Ball geworfen. Solche technischen Grundlagen gehören vor der Veranstaltung in den Unterricht.

Wurfbälle, flache Markierungen und Maßband für ein Schulsportfest.
Mit unterschiedlichen Lauf-, Sprung- und Wurfaufgaben lässt sich ein Sporttag abwechslungsreich gestalten.

Bundesjugendspiele: So werden Punkte und Urkunden vergeben

Es gibt Ehrenurkunden, Siegerurkunden und Teilnahmeurkunden. Die Ehrenurkunde ist die höchste der drei Auszeichnungen. Welche ein Kind erhält, hängt jedoch davon ab, an welcher Form der Bundesjugendspiele es teilnimmt.

Urkunden im Wettbewerb: Die Vergleichsgruppe entscheidet

Im Wettbewerb werden die Ergebnisse innerhalb einer geeigneten Gruppe verglichen, grundsätzlich getrennt nach Mädchen und Jungen. Häufig ist das eine Klassenstufe. Für jede der vier Übungen entstehen Rangpunkte. Ein erster Platz bringt einen Punkt, ein zweiter Platz zwei Punkte und so weiter. Die Summe entscheidet über die Gesamtreihenfolge. Weniger Rangpunkte sind hier besser.

Die Verteilung sieht grundsätzlich so aus:

UrkundeAnteil der Vergleichsgruppe
Ehrenurkundedie besten 20 Prozent
Siegerurkundedie nächsten 50 Prozent
Teilnahmeurkundedie übrigen 30 Prozent

Bei 20 Kindern wären das ohne Gleichstände vier Ehrenurkunden, zehn Siegerurkunden und sechs Teilnahmeurkunden. Bei anderen Gruppengrößen und gleichen Ergebnissen greifen die Rundungs- und Gleichstandsregeln des Handbuchs.

Es gibt deshalb im Wettbewerb keine bundesweit feste Weite, die automatisch eine Ehrenurkunde bedeutet. Die gleiche sportliche Leistung kann in zwei verschiedenen Vergleichsgruppen zu unterschiedlichen Urkunden führen.

Punktetabelle im Wettkampf: Mindestpunkte nach Alter

Im Wettkampf werden Zeiten und Weiten in Leistungspunkte umgerechnet. Hier sind mehr Punkte besser. Die Summe der drei gewerteten Disziplinen wird mit den Urkundengrenzen verglichen.

Die folgenden Mindestwerte gelten ausschließlich für den Wettkampf Leichtathletik, nicht für den Wettbewerb und nicht für Schwimmen oder Turnen:

AlterMädchen: SiegerurkundeMädchen: EhrenurkundeJungen: SiegerurkundeJungen: Ehrenurkunde
8 Jahre475625450575
9 Jahre550725525675
10 Jahre625825600775
11 Jahre700900675875
12 Jahre775975750975
13 Jahre8251.0258251.050
14 Jahre8501.0509001.125
15 Jahre8751.0759751.225
16 Jahre9001.1001.0501.325
17 Jahre9251.1251.1251.400

Die Tabellenzeilen für Acht- und Neunjährige setzen voraus, dass der Wettkampf für ihre Klassenstufe zulässig ist. In Klasse 1 und 2 bleibt er ausgeschlossen.

Unterhalb der Siegerurkunden-Grenze gibt es eine Teilnahmeurkunde. Maßgeblich ist das Alter, das im Veranstaltungsjahr erreicht wird. Ein im Dezember 2016 geborenes Kind wird bei einer Veranstaltung 2026 somit als zehnjährig gewertet, auch wenn sein Geburtstag noch bevorsteht.

Die offiziellen Disziplintabellen, weitere Altersstufen und Regeln findest du im Handbuch der Bundesjugendspiele. Für eine eigene Berechnung brauchst du die richtigen Disziplinen und Gerätegewichte. Eine frei gefundene Punktetabelle ohne Angabe der Angebotsform ist ungefähr so hilfreich wie ein Stundenplan ohne Wochentage.

Für die Bundesjugendspiele üben: Was Kindern wirklich hilft

Die sinnvollste Vorbereitung beginnt mit einer einfachen Frage an die Schule: Welche Aufgaben werden tatsächlich angeboten? Wer einen Zielsprung üben soll, braucht keinen Trainingsplan für den Hochsprung.

Danach reichen meist kurze, spielerische Einheiten. Kleine Fangspiele, lockere Laufabschnitte, Sprünge über flache Markierungen und Zielwürfe mit weichen Bällen vermitteln Bewegungserfahrung. Einfache Übungen aus dem Lauf-ABC können helfen, Arme und Beine bewusster einzusetzen.

Wichtig ist, Abläufe kennenzulernen: Wo wird gestartet? Wann ist der nächste Versuch dran? Wo warten die anderen? Wer die Regeln versteht, muss am Veranstaltungstag weniger gleichzeitig sortieren.

Beim Ausdauerlauf lohnt es sich, den Anfang bewusst ruhig anzugehen. Direkt hinter dem Start den inneren Raketenantrieb einzuschalten, fühlt sich kurz großartig an. Für den Rest der Strecke bleibt dann manchmal erstaunlich wenig übrig.

Am Vortag ist kein letzter Härtetest nötig. Hilfreicher sind vertraute Bewegungen, ausreichend Ruhe und rechtzeitig gepackte Sachen. Gut sitzende Sportschuhe, bequeme Kleidung, Wasser, ein kleiner Snack und wettergerechter Sonnenschutz genügen normalerweise. Teure Spezialausrüstung ist keine Voraussetzung für einen guten Sporttag.

Kinder und Sportlehrerin freuen sich gemeinsam nach einem Schulsportfest.
Persönliche Fortschritte und gegenseitiges Anfeuern machen einen Sporttag für viele Kinder wertvoll.

Wenn die Bundesjugendspiele Stress auslösen

Manche Kinder freuen sich auf den Wettkampf. Andere fürchten, beim Laufen abgehängt zu werden oder vor der Klasse einen Fehler zu machen. Beides darf ausgesprochen werden.

Ein hilfreiches Ziel muss nicht „Ehrenurkunde“ heißen. Es kann auch sein, kontrolliert zu starten, einen Wurf technisch besser hinzubekommen oder beim Ausdauerlauf das eigene Tempo zu finden. Solche Ziele bleiben erreichbar, auch wenn andere Kinder schneller sind.

Für Eltern lohnt sich ein genauer Blick auf die Sorge: Geht es um die Anstrengung, um unklare Regeln oder um abwertende Kommentare? Je konkreter das Problem benannt wird, desto eher kann die Lehrkraft bei Ablauf, Gruppeneinteilung oder Begleitung helfen. Ein Kind wegen seiner Urkunde bloßzustellen, macht jedenfalls niemanden sportlicher.

Können Kinder mit Behinderung teilnehmen?

Ja. Die Bundesjugendspiele sind auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderung vorgesehen, sowohl an Regel- als auch an Förderschulen. Dafür gibt es angepasste Aufgaben und besondere Auswertungsregeln.

Beim Wettkampf in Leichtathletik und Schwimmen können beispielsweise festgelegte Umrechnungsfaktoren zur Anwendung kommen. Im Wettbewerb ermöglichen unterschiedliche Übungsvarianten eine passende Gestaltung. Welche Regelung sinnvoll ist, sollte die Schule rechtzeitig anhand des individuellen Unterstützungsbedarfs planen. Das Kind nur zum Zuschauen einzuteilen, sollte nicht die automatische Lösung sein.

FAQ: Häufige Fragen zu den Bundesjugendspielen

Wann finden die Bundesjugendspiele statt?

Einen bundesweit einheitlichen Termin gibt es nicht. Die Schule oder der Veranstalter legt den Tag fest. Die Spiele können grundsätzlich das ganze Jahr über stattfinden. Den Termin für dein Kind findest du deshalb im Schulkalender oder Elternbrief.

Zählen die Bundesjugendspiele für die Sportnote?

Nach den offiziellen Hinweisen ist eine Anrechnung der Ergebnisse auf die Schulnote nicht vorgesehen. Die Entscheidung obliegt jedoch der jeweiligen Schule. Frage deshalb vorher nach, ob und wie die Veranstaltung in die Leistungsbewertung einfließt. Urkunde und Sportnote sind nicht automatisch dasselbe.

Ist die Bundesjugendspiele-App für Kinder gedacht?

Die offizielle App unterstützt Helfer und Lehrkräfte bei der Leistungserfassung. Sie ergänzt den Bundesjugendspiele-Assistenten, mit dem Veranstaltungen organisiert und ausgewertet werden. Kinder müssen dafür keine eigene App installieren. Die digitale Auswertung ist für Veranstalter optional.

Sind Bundesjugendspiele und Sportabzeichen dasselbe?

Nein. Das Deutsche Sportabzeichen hat eigene Anforderungen. Einzelne Leistungen können bei passenden Bedingungen für beide Angebote nutzbar sein. Eine Urkunde der Bundesjugendspiele bedeutet aber nicht automatisch, dass auch alle Bedingungen für das Sportabzeichen erfüllt sind.

Praktische Dinge für den Sporttag

Für die Bundesjugendspiele ist keine neue Komplettausstattung nötig. Sportsachen, Wasser und eine vorhandene Brotdose reichen häufig. Die zusätzlichen Übungs- und Organisationshilfen sind vor allem für Familien, Schulen und Vereine gedacht, die sie öfter nutzen.

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Mit dem passenden Ball üben

Ein 80-Gramm-Schlagball ist dann sinnvoll, wenn die Schule genau mit diesem Gerät arbeitet. Frage vorher nach und übe Würfe nur auf einer freien, geeigneten Fläche unter Aufsicht.

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Verpflegung für den langen Vormittag

Eine Brotdose hält vertraute Snacks und das Pausenbrot zusammen. Wenn zu Hause eine passende Dose vorhanden ist, brauchst du keine zusätzliche.

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Listen an der Station zusammenhalten

Für Helfer und Lehrkräfte hält ein Klemmbrett Riegenlisten und Ergebnisblätter griffbereit. Das ist besonders praktisch, wenn an der Station kein Tisch steht.

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Übungsstationen sichtbar machen

Flache Markierungen helfen, Startpunkte, Wartebereiche oder kleine Laufspiele übersichtlich aufzubauen. Vorhandene Hallenmarkierungen oder geeignetes Vereinsmaterial erfüllen oft denselben Zweck.

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