Weitsprung: Technik, Regeln und Tipps für mehr Weite

Beim Weitsprung zählt jeder Zentimeter. Manchmal steckt er in einem kräftigeren Absprung, manchmal in einer besseren Landung und erstaunlich oft in einem zuverlässig getroffenen Balken. Hier erfährst du, wie die vier Bewegungsphasen zusammenhängen, welcher Abdruck gemessen wird und welche Übungen den Einstieg erleichtern. Dazu kommen die wichtigsten Regeln und Rekorde. Denn besonders weit auszusehen und besonders weit gewertet zu werden, sind zwei verschiedene Dinge.

Was ist Weitsprung?

Weitsprung ist eine Disziplin der Leichtathletik, bei der ein Athlet nach einem Anlauf mit einem Bein abspringt und möglichst weit in einer Sandgrube landet. Im regulären Wettkampf wird von der Absprunglinie bis zum nächstgelegenen Abdruck im Sand gemessen. Es zählt die beste gültige Weite.

Der Sprung verbindet Geschwindigkeit mit einem kräftigen, präzisen Absprung. Beim Hochsprung soll vor allem Höhe entstehen, beim Weitsprung muss möglichst viel Vorwärtsgeschwindigkeit erhalten bleiben. Die Disziplin wird einzeln ausgetragen und gehört unter anderem zum Zehnkampf und zum Siebenkampf.

BestandteilAufgabe
Anlaufkontrolliert Geschwindigkeit aufbauen und den Absprung vorbereiten
Absprungaus einem schnellen Laufschritt einen wirksamen Sprung machen
FlugKörperhaltung und Drehbewegung für die Landung kontrollieren
LandungFüße weit nach vorn bringen und ein Zurückfallen vermeiden

Die vier Phasen der Weitsprung-Technik

Ein guter Weitsprung entsteht bereits vor der Sandgrube. Eine aufwendige Bewegung in der Luft hilft wenig, wenn du vorher stark abgebremst hast.

1. Der Anlauf muss schnell und wiederholbar sein

Beginne jedes Mal möglichst gleich: gleiche Startmarke, gleiche Ausgangshaltung, vergleichbarer Rhythmus. Beschleunige so, dass du kurz vor dem Absprung schnell, aufrecht und kontrolliert läufst. Die passende Anlauflänge hängt von Alter, Können und Geschwindigkeit ab. Mehr Meter machen einen unsteten Anlauf nicht automatisch besser.

Für Anfänger ist ein kürzerer, sicher beherrschter Anlauf meist hilfreicher als die volle Wettkampfbahn. Wenn du schneller sprinten kannst, bringt das grundsätzlich Potenzial mit. Im Weitsprung musst du dieses Tempo zusätzlich in einen präzisen Absprung übertragen.

Praktischer Tipp: Lass mehrere Anläufe beobachten. Liegst du bei gleichmäßigem Rhythmus immer etwas vor dem gewünschten Absprungpunkt, kann die Startmarke angepasst werden. Schwankt der Treffer stark, sollte zuerst der Ablauf stabiler werden. Ständiges Verschieben der Marke löst keine ständig wechselnden Schritte.

2. Der Absprung verbindet Tempo mit Höhe

Du setzt das Sprungbein aktiv auf und streckst dich aus dem Bodenkontakt nach oben und vorn. Das Schwungbein bewegt sich nach vorn oben, die Arme unterstützen den Impuls. Der Absprung ist keine lange Kniebeuge auf dem Balken.

In einer ausgereiften Technik bereiten die letzten beiden Schritte den Absprung vor. Vereinfacht wird ihr Verhältnis oft als „lang–kurz“ beschrieben. Daraus sollte aber kein künstlich riesiger vorletzter Schritt werden. Wer sich nach vorn streckt und dabei stark bremst, verliert genau das Tempo, das er mühsam aufgebaut hat.

Für den Einstieg helfen drei einfache Gedanken: aufrecht bleiben, den Fuß aktiv aufsetzen und über das Sprungbein hinweg nach oben arbeiten. Details wie Schrittgestaltung und Absprungpunkt werden anschließend unter Anleitung verfeinert.

3. In der Flugphase wird die Landung vorbereitet

Nach dem Verlassen des Bodens ist die Flugbahn des Körperschwerpunkts weitgehend festgelegt. Arm- und Beinbewegungen sorgen vor allem dafür, Drehungen zu kontrollieren und die Füße günstig für die Landung zu positionieren. Sie liefern keinen zusätzlichen Antrieb in der Luft.

Deshalb wirken die Sprungtechniken unterschiedlich, erfüllen aber eine gemeinsame Aufgabe: den Flug nach einem gelungenen Absprung möglichst gut nutzen.

4. Bei der Landung darf die Weite nicht wieder verloren gehen

Kurz vor dem Aufkommen werden beide Füße nach vorn geführt. Bei Bodenkontakt geben die Knie nach, der Körper bewegt sich weiter nach vorn beziehungsweise seitlich an den Fußabdrücken vorbei.

Vermeide es, die Hände hinter dem Körper in den Sand zu setzen oder rückwärts auf das Gesäß zu fallen. So ein zusätzlicher Abdruck kann näher am Balken liegen und die gewertete Weite verkürzen. Die Sandgrube hat bei der Messung leider kein Verständnis für einen besonders eleganten Flug.

Lerne die Landung zunächst bei kleinen Sprüngen in einer vorbereiteten Grube. Ein kontrolliertes Aufkommen ist die Voraussetzung, bevor Anlauf und Sprungweite wachsen.

Bündiger weißer Absprungbalken vor einer Weitsprunggrube neben einem orangefarbenen Fragezeichen.
Der Absprung muss vor der maßgeblichen Absprunglinie erfolgen. Übertreten macht den Versuch ungültig.

Welche Weitsprung-Techniken gibt es?

Die bekannten Techniknamen beschreiben vor allem die Bewegung in der Luft. Anlauf, einbeiniger Absprung und Landung bleiben die Grundbausteine.

TechnikKennzeichenFür wen sie interessant ist
SchrittsprungDie Schrittstellung wird nach dem Absprung zunächst gehalten, danach kommt das Sprungbein zur Landung nach vorn.Häufige Lernform für Schule und Einstieg.
HocksprungBeide Beine werden relativ früh angezogen.Kommt bei Anfängern oft spontan vor.
HangsprungDer Körper öffnet sich in der Luft, anschließend werden Beine und Oberkörper zur Landung zusammengeführt.Für Fortgeschrittene mit ausreichender Flugzeit.
LaufsprungDie Beine führen schrittähnliche Bewegungen in der Luft aus.Anspruchsvolle Technik erfahrener Springer.

Für Anfänger ist eine sauber gelernte einfache Form meist wirksamer als der Versuch, den Laufsprung eines Profis zu kopieren. Erst sollte der Absprung stimmen. Die kunstvolle Beinarbeit kann warten.

Weitsprung messen: Welcher Abdruck zählt?

Gemessen wird rechtwinklig von der Absprunglinie bis zum nächstgelegenen Abdruck in der Grube. Dieser kann von den Füßen, einer Hand, dem Gesäß oder einem anderen Körperteil stammen. Auch ein Gegenstand, der beim Verursachen des Abdrucks noch am Körper befestigt war, kann relevant sein.

Die Absprunglinie ist die grubennahe Kante des Balkens. Springst du davor ab, bleibt diese Linie trotzdem der Ausgangspunkt der offiziellen Messung. Der verschenkte Abstand wird dir nicht gutgeschrieben.

Beispiel: Deine Fersen landen 4,20 Meter hinter der Absprunglinie. Beim Zurückfallen setzt du eine Hand bei 3,95 Metern in den Sand. Gewertet werden 3,95 Meter.

Bei einer Messung mit Maßband liegt dessen Nullpunkt am maßgeblichen Abdruck. Das Band wird zur Absprunglinie geführt. Bruchteile eines Zentimeters werden auf den nächstniedrigeren ganzen Zentimeter abgerundet. Die Internationalen Wettkampfregeln beschreiben Messung und Gültigkeit der Versuche im Detail.

Diese Weitsprung-Regeln solltest du kennen

Wann ist ein Versuch ungültig?

Ein Fehlversuch entsteht unter anderem, wenn der vordere Teil des Absprungfußes oder Schuhs beim Absprung die senkrechte Ebene über der Absprunglinie durchbricht. Es reicht also nicht immer, nur nach einem sichtbaren Abdruck hinter dem Balken zu suchen.

Auch ein Absprung vollständig seitlich neben dem Balken oder ein Salto ist nicht erlaubt. Nach der Landung musst du die Grube so verlassen, dass dein erster Fußkontakt außerhalb weiter von der Absprunglinie entfernt ist als der maßgebliche hinterste Abdruck. Nach vorn weitergehen und dort seitlich heraussteigen ist deshalb die einfache Lösung.

Vor dem Balken abzuspringen ist dagegen grundsätzlich erlaubt. Es kostet meist nur Weite.

Wie viele Versuche gibt es beim Weitsprung?

Im üblichen Einzelwettkampf mit mehr als acht Teilnehmern erhalten zunächst alle drei Versuche. Die besten acht bekommen normalerweise drei weitere. Bei höchstens acht Teilnehmern sind grundsätzlich sechs Versuche vorgesehen. Qualifikation, Mehrkampf, Nachwuchs und besondere Veranstaltungsformate können anders geregelt sein.

Bei gleicher Bestweite entscheidet die zweitbeste gültige Weite, dann gegebenenfalls die drittbeste und so weiter. Entscheidend ist damit die weitere Sprungserie.

Rückenwind macht einen Sprung nicht automatisch ungültig

Mehr als 2,0 Meter pro Sekunde Rückenwind verhindern im regulären Einzel-Weitsprung die Anerkennung als Rekord. Für die Platzierung im laufenden Wettbewerb kann ein solcher Sprung trotzdem zählen. Ein windunterstützter Versuch ist daher etwas anderes als ein übertretener Versuch.

Zwei Landespuren in einer Weitsprunggrube neben einem türkisfarbenen Fragezeichen.
Für die Weite zählt der Abdruck im Sand, der der Absprunglinie am nächsten liegt.

Weitsprung trainieren: Vier sinnvolle Übungen für den Einstieg

Wärme dich vor dem Springen mit lockerem Laufen, Gelenkbewegungen und einigen Steigerungen auf. Passende Übungen aus dem Lauf-ABC bereiten Rhythmus und Fußarbeit vor. Die Sprunggrube sollte gelockert, eingeebnet und frei von Gegenständen sein. Gesprungen wird erst, wenn niemand mehr im Landebereich steht. Bei den Bundesjugendspielen kann die Sprungaufgabe je nach Format anders aussehen als der klassische Weitsprung mit Absprungbalken.

Anlauf ohne Absprung wiederholen

Laufe aus derselben Startposition mehrmals kontrolliert bis zu einer Markierung. Ein Partner beobachtet den Fußaufsatz. Die Aufgabe ist zunächst, einen reproduzierbaren Rhythmus zu finden. Hektisches Korrigieren unmittelbar vor dem Ziel zeigt, dass der Anlauf noch nicht stabil ist.

Aus kurzem Anlauf in eine breite Absprungzone springen

Eine großzügige Markierung nimmt den Druck, sofort den schmalen Balken treffen zu müssen. Du kannst dich auf den einbeinigen Absprung und eine sichere Landung konzentrieren. Das ist eine Lernform. Die offizielle Messweise vom Balken wird dadurch nicht ersetzt.

Sprungbein und Schwungbein bewusst verbinden

Aus wenigen ruhigen Anlaufschritten wird ein moderater Sprung in die Grube ausgeführt. Der Schwerpunkt liegt auf dem aktiven Schwungbein und einer aufrechten Position. Lass einen Trainer jeweils einen klaren Hinweis geben. Fünf gleichzeitige Korrekturen passen schlecht in einen Sekundenbruchteil.

Die Landung bei kleinen Sprüngen üben

Übe in der vorbereiteten Sandgrube, beide Füße nach vorn zu führen und mit nachgebenden Knien kontrolliert aufzukommen. Erst wenn das gelingt, werden die Sprünge weiter. Die Landung mit gestreckten, starren Knien zu erzwingen, ist keine hilfreiche Abkürzung.

Zwischen den Versuchen bleibt Zeit für Rückmeldung und Erholung. Wenn das Tempo sinkt oder die Bewegung unkontrolliert wird, ist eine Pause sinnvoller als eine zusätzliche Serie. Steigere jeweils einen Schwerpunkt, etwa Anlauf oder Trefferqualität, statt gleichzeitig alles schwieriger zu machen.

Welche Weltrekorde gelten im Weitsprung?

Der Weltrekord der Männer beträgt 8,95 Meter, der der Frauen 7,52 Meter. Beide Bestmarken stammen aus dem vergangenen Jahrhundert und waren bei der Prüfung am 22. September 2026 weiterhin gültig.

WettbewerbLeistungAthlet oder AthletinDatum und Ort
Weltrekord Männer8,95 mMike Powell, USA30.08.1991, Tokio
Weltrekord Frauen7,52 mGalina Tschistjakowa, Sowjetunion11.06.1988, Leningrad
Deutscher Freiluftrekord Männer8,54 mLutz Dombrowski28.07.1980, Moskau
Deutscher Freiluftrekord Frauen7,48 mHeike Drechsler09.07.1988, Neubrandenburg

Die deutsche Rekordübersicht des DLV unterscheidet zwischen Freiluft und Halle. Sebastian Bayer sprang 2009 in der Halle 8,71 Meter. Diese größere Weite ist deshalb kein Widerspruch zum deutschen Freiluftrekord von 8,54 Metern.

FAQ: Häufige Fragen zum Weitsprung

Gibt es neue Weitsprung-Regeln ohne Absprungbalken?

Die IWR 2026 beschreiben für den regulären Weitsprung weiterhin den Absprungbalken mit Absprunglinie. Eine Absprungzone in einem besonderen Veranstaltungsformat oder im Nachwuchstraining bedeutet keine allgemeine Abschaffung des Balkens. Für solche Varianten sind die jeweiligen Wettbewerbsbestimmungen maßgeblich.

Welche Weite ist beim Weitsprung gut?

Das hängt stark von Alter, Trainingsstand und Rahmenbedingungen ab. Schulnoten, Sportabzeichen und Vereinswettkämpfe verwenden unterschiedliche Maßstäbe. Vergleiche deine Leistung deshalb mit der passenden Tabelle und möglichst unter gleichen Bedingungen. Eine allgemeine Internetzahl für „normal“ sagt wenig aus.

Ist Standweitsprung dasselbe wie Weitsprung?

Nein. Beim Standweitsprung entfällt der Anlauf und der Absprung erfolgt aus dem Stand mit beiden Beinen. Er kann Sprungkraft und Koordination fordern, ist aber eine andere Aufgabe. Seine Ergebnisse lassen sich nicht direkt mit dem Weitsprung nach Anlauf vergleichen.

Welche Schuhe eignen sich für Weitsprung?

Für die ersten angeleiteten Versuche genügen häufig gut sitzende Sportschuhe mit geeignetem Halt. Wer regelmäßig trainiert, kann über spezielle Weitsprung-Spikes nachdenken. Sie sollen zum Fuß und zur Belastung beim Absprung passen. Erlaubte Dornenlängen und Beläge klärst du beim Verein oder Anlagenbetreiber.

Nützliches fürs Weitsprungtraining

Für gute Sprünge brauchst du vor allem eine sichere Anlage und regelmäßiges Üben. Diese Ergänzungen helfen beim Messen, Markieren und Bewegen. Frage zuerst nach dem Material, das im Verein bereits vorhanden ist.

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