Beim Hochsprung entscheidet manchmal ein Zentimeter zwischen Jubel und einer herunterfallenden Latte. Dahinter steckt weit mehr als kräftiges Abspringen: Anlauf, Rhythmus und Körperhaltung müssen zusammenpassen. Hier erfährst du, wie der Fosbury-Flop funktioniert, welche Regeln im Wettkampf gelten und wie du den Einstieg sinnvoll angehst. Auch die wichtigsten Rekorde kommen vor. Die musst du beim ersten Training allerdings noch nicht persönlich überprüfen.
Was ist Hochsprung?
Hochsprung ist eine Disziplin der Leichtathletik, bei der du nach einem Anlauf mit einem Fuß abspringst und eine waagerechte Latte überquerst. Gewertet wird die größte gültig übersprungene Höhe. Der Sprungstil ist grundsätzlich frei, der einbeinige Absprung vorgeschrieben. Im modernen Spitzenbereich dominiert der Fosbury-Flop, bei dem die Athleten mit dem Rücken zuerst über die Latte fliegen.
Anders als beim Weitsprung geht es darum, möglichst viel Höhe zu gewinnen. Die Bewegung gehört außerdem zum Zehnkampf und zum Siebenkampf. Innerhalb der Leichtathletik-Disziplinen zählt Hochsprung zu den technischen Wettbewerben.
| Merkmal | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Ziel | eine möglichst große Höhe gültig überspringen |
| Absprung | mit einem Fuß |
| Üblicher Sprungstil | Fosbury-Flop |
| Landung beim Flop | auf Rücken und Schultern auf einer geeigneten Hochsprungmatte |
| Ausscheiden | nach drei aufeinanderfolgenden Fehlversuchen, abgesehen von Sonderregeln beim Stichkampf |
Die Hochsprung-Technik besteht aus vier Phasen
Anlauf, Absprung, Lattenüberquerung und Landung bilden eine zusammenhängende Bewegung. Wenn der Anlauf nicht passt, lässt sich der Sprung über der Latte nur noch begrenzt retten.
1. Der Anlauf führt beim Fosbury-Flop durch eine Kurve
Ein typischer Flop-Anlauf beginnt geradlinig und geht in einen Bogen über. Von oben erinnert die Bahn an ein J. Die Kurve bereitet die Körperneigung und Drehung vor, die du später für die Rückenlage brauchst.
Dabei steigt das Tempo kontrolliert an. Die letzten Schritte sollen rhythmisch bleiben, statt vor der Latte in kleine Suchschritte zu zerfallen. Ein möglichst langer Anlauf ist kein eigenes Trainingsziel. Entscheidend ist, ob du zuverlässig am passenden Absprungpunkt ankommst.
Beim Üben helfen eine feste Startmarke und ein gleichbleibender Ablauf. Länge, Kurvenradius und Tempo werden an Sprungbein, Körperbau und Können angepasst. Eine Trainerin kann diese Zusammenhänge von außen deutlich besser beurteilen als du mitten in der Kurve.
2. Beim Absprung geht die Bewegung zuerst nach oben
Beim Flop springst du mit dem lattenfernen Bein ab. Das andere Bein schwingt aktiv nach oben, die Arme unterstützen die Bewegung. Der Körper richtet sich aus der Kurvenneigung auf, während die Drehung für die Lattenüberquerung entsteht.
Ein häufiger Anfängerfehler ist, sich sofort nach hinten auf die Matte fallen zu lassen. Das sieht entfernt nach Flop aus, verschenkt aber Höhe. Erst muss ein wirksamer Absprung nach oben entstehen. Die Rückenlage ersetzt den Absprung nicht.
Ob links oder rechts dein besseres Sprungbein ist, lässt sich mit einfachen einbeinigen Sprüngen unter Anleitung ausprobieren. Schreibhand und Schussbein liefern dafür keine sichere Antwort.
3. Die Lattenüberquerung nutzt die Bogenform des Körpers
Nach dem Absprung bewegen sich Kopf und Schultern über die Latte, dann folgt die Hüfte. Der Rücken bildet dabei einen Bogen. Sobald die Hüfte die Latte passiert hat, werden die Beine für die Überquerung nachgeführt.
Diese zeitliche Abstimmung ist der Trick: Nicht der gesamte Körper muss gleichzeitig über der Latte liegen. Bei einer passenden Körperform kann der Körperschwerpunkt sogar unterhalb der Latte verlaufen, während die einzelnen Körperteile darüber hinwegkommen. Die Schwerkraft wird dabei selbstverständlich nicht abgeschaltet.
Eine möglichst extreme Rückenkrümmung ist deshalb kein sinnvolles Anfängerziel. Viel wichtiger sind zunächst ein passender Anlauf und genügend Höhe am richtigen Ort.
4. Die Landung gehört zur Technik
Beim Flop erfolgt die Landung auf Rücken und Schultern auf einer dafür vorgesehenen Hochsprungmatte. Sie wird unter Anleitung gelernt. Kopf, Nacken und ausgestreckte Hände sollen die Landung nicht abfangen.
Eine Matratze im Garten oder mehrere dünne Turnmatten ersetzen die Anlage nicht. Auch hinter einer niedrigen Latte bleibt eine sichere Landefläche erforderlich. Der nächste Versuch beginnt erst, wenn die Matte wieder frei ist.
Fosbury-Flop, Schersprung und Straddle unterscheiden sich deutlich
Rückwärts über die Latte zu springen ist keine Wettkampfpflicht. Frühere Techniken und einfache Lernformen erfüllen dieselbe Grundaufgabe auf andere Weise.
| Technik | Typische Bewegung | Einordnung |
|---|---|---|
| Schersprung | Die Beine passieren die Latte nacheinander, der Oberkörper bleibt vergleichsweise aufrecht. | Gut zugängliche Einstiegsform bei geeigneter Anlage und Anleitung. |
| Rollsprung | Der Körper überquert die Latte stärker seitlich. | Historische Weiterentwicklung früher Sprungformen. |
| Straddle beziehungsweise Wälzer | Die Latte wird in einer bäuchlings orientierten Lage überquert. | Technisch anspruchsvoll, vor dem Flop im Spitzenbereich verbreitet. |
| Fosbury-Flop | Kurvenanlauf, einbeiniger Absprung und Überquerung in Rückenlage. | Heute die vorherrschende Wettkampftechnik. |
Je nach Lehrbuch werden historische Varianten unterschiedlich zusammengefasst. Eine angeblich verbindliche Liste von genau fünf Hochsprungtechniken ist deshalb wenig hilfreich. Für den Einstieg zählt vielmehr, welche Form zur Lerngruppe und zur vorhandenen Anlage passt.
Dick Fosbury verhalf dem nach ihm benannten Flop mit seinem Olympiasieg 1968 zum internationalen Durchbruch. Für Kinder ist trotzdem oft zunächst der Schersprung sinnvoll. Eine Bewegung wird nicht anfängerfreundlicher, nur weil sie im Fernsehen ständig zu sehen ist.
Die wichtigsten Hochsprung-Regeln im Wettkampf
Die Anfangshöhe und die weiteren Höhen werden vor dem Wettbewerb festgelegt. Du kannst eine passende Einstiegshöhe wählen und später einzelne Höhen auslassen. Die Details regeln die Internationalen Wettkampfregeln des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.
Ein Sprung kann gültig bleiben, obwohl du die Latte berührst. Entscheidend ist, dass sie durch deine Aktion nicht von den Auflegern fällt. Abspringen mit beiden Füßen ist dagegen nicht erlaubt. Auch das Berühren der Matte oder des Bodens hinter der Lattenebene, ohne die Latte zuvor zu überqueren, führt grundsätzlich zu einem Fehlversuch.
Drei Fehlversuche zählen auch über mehrere Höhen hinweg
Die verbreitete Kurzfassung „drei Versuche pro Höhe“ ist unvollständig. Maßgeblich sind drei Fehlversuche hintereinander, unabhängig von der Höhe.
Beispiel: Du reißt zweimal 1,40 Meter und lässt den verbleibenden Versuch aus. Bei 1,45 Metern hast du dann nur noch einen Versuch. Gelingt er, beginnt die Folge der Fehlversuche wieder bei null. Misslingt er, bist du ausgeschieden. Das Auslassen einer Höhe löscht also keine Fehler.
Bei gleicher Höhe entscheiden zunächst die Versuche
Bei gleicher Besthöhe liegt vorne, wer diese Höhe mit weniger Versuchen geschafft hat. Danach zählt die geringere Gesamtzahl der Fehlversuche bis einschließlich dieser Höhe. Bleibt Gleichstand, wird normalerweise derselbe Platz vergeben.
Für den ersten Platz ist grundsätzlich ein Stichkampf vorgesehen. Unter den im Regelwerk beschriebenen Voraussetzungen kann darauf verzichtet werden. Im Mehrkampf gibt es keinen Stichkampf, dort zählt die erreichte Höhe für die Punktewertung.
Die Höhe wird senkrecht vom Boden bis zum niedrigsten Punkt der Lattenoberseite gemessen. Weil die Latte etwas durchhängt, liegt dieser Punkt gewöhnlich in der Mitte.

Hochsprung lernen: Erst Rhythmus, dann höhere Latten
Ein gutes Einstiegstraining beginnt mit lockerem Laufen, beweglichen Gelenken und einigen kontrollierten Steigerungen. Übungen aus dem Lauf-ABC können Fußarbeit und Bewegungsrhythmus vorbereiten. Danach folgen wenige konzentrierte Sprünge mit Rückmeldung.
Diese Übungsformen lassen sich im Schul- oder Vereinstraining sinnvoll aufbauen:
- Kurvenanlauf ohne Sprung: Laufe einen mit flachen Markierungen vorgegebenen Bogen. Achte auf flüssige Schritte und eine natürliche Neigung des ganzen Körpers. Erst wenn das gelingt, wird das Tempo erhöht.
- Einbeiniger Absprung aus kurzem Anlauf: Übe unter Anleitung den Impuls nach oben, zunächst ohne Lattenüberquerung. Ein gut erreichbares Ziel kann helfen, die Streckbewegung zu verstehen.
- Niedriger Schersprung: An einer geeigneten Anlage werden Absprung, Beinschwung und Landung verbunden. Höhe und Aufbau bleiben so einfach, dass kontrolliertes Lernen möglich ist.
- Flop in Teilschritten: Wenn Anlauf und Landung sicher sind, führt der Trainer zur Rückenüberquerung. Eine geeignete elastische Trainingsschnur kann die feste Latte vorübergehend ersetzen.
Beurteile zunächst drei Dinge: Triffst du deinen Absprungbereich wiederholt? Springst du erkennbar nach oben? Landest du kontrolliert auf der vorgesehenen Fläche? Erst danach wird die Höhe zum Hauptthema.
Typische Fehler beim Hochsprung
| Beobachtung | Sinnvoller Ansatz |
|---|---|
| Vor dem Absprung werden die Schritte hektisch. | Startmarke, Tempo und Anlauflänge gemeinsam überprüfen. |
| Du fällst fast direkt rückwärts auf die Matte. | Absprung nach oben wieder getrennt üben. |
| Der Körper trifft die Latte trotz ausreichender Höhe. | Absprungabstand und Zeitpunkt der Überquerung von außen beurteilen lassen. |
| Mit wachsender Höhe verschwindet die sichere Bewegung. | Höhe reduzieren und den vertrauten Ablauf festigen. |
Nicht jeder Lattenkontakt hat dieselbe Ursache. Eine kurze Videoaufnahme aus einer sicheren Position kann beim Besprechen helfen. Zwanzig weitere Versuche mit demselben Fehler sind meist die anstrengendere Lösung.
Welche Weltrekorde gelten im Hochsprung?
Die Weltrekorde liegen bei 2,45 Metern für Männer und 2,10 Metern für Frauen. Die folgenden Bestmarken wurden am 22. September 2026 geprüft.
| Wettbewerb | Leistung | Athlet oder Athletin | Datum und Ort |
|---|---|---|---|
| Weltrekord Männer | 2,45 m | Javier Sotomayor, Kuba | 27.07.1993, Salamanca |
| Weltrekord Frauen | 2,10 m | Jaroslawa Mahutschich, Ukraine | 07.07.2024, Paris |
| Deutscher Freiluftrekord Männer | 2,37 m | Carlo Thränhardt | 02.09.1984, Rieti |
| Deutscher Freiluftrekord Frauen | 2,06 m | Ariane Friedrich | 14.06.2009, Berlin |
Bei der Frage nach dem deutschen Rekord lohnt der genaue Blick: Die Rekordübersicht des DLV führt auch Hallenrekorde. Dort stehen 2,42 Meter von Carlo Thränhardt und 2,07 Meter von Heike Henkel. Die besten deutschen Hallenleistungen sind damit höher als die genannten Freiluftrekorde.
FAQ: Häufige Fragen zum Hochsprung
Welche Muskeln braucht man beim Hochsprung?
Beim Absprung arbeiten vor allem die Bein- und Hüftstrecker sowie die Muskulatur rund um das Sprunggelenk. Der Rumpf stabilisiert die Bewegung. Arme und Schwungbein unterstützen den Impuls. Isoliertes Wadentraining allein bildet diese Zusammenarbeit daher nur sehr unvollständig ab.
Muss man für Hochsprung besonders groß sein?
Körpergröße kann Vorteile bringen, legt die Leistung aber nicht allein fest. Sprungkraft, Anlauf, Timing und Technik beeinflussen die erreichbare Höhe erheblich. Gerade am Anfang ist die eigene Entwicklung aussagekräftiger als der Vergleich mit dem größten Menschen in der Trainingsgruppe.
Braucht man sofort Hochsprung-Spikes?
Für ein erstes angeleitetes Training genügen oft passende, rutschfeste Sportschuhe. Spezielle Hochsprung-Spikes werden interessant, wenn du regelmäßig trainierst. Sie besitzen üblicherweise auch im Fersenbereich Dornen. Welches Modell und welche Dornenlänge geeignet sind, hängt von Anlage, Fuß und Trainingsstand ab.
Kann man Hochsprung zu Hause trainieren?
Du kannst Grundlagen wie kontrollierte Beinkraft, Gleichgewicht und Rumpfstabilität üben. Die komplette Lattenüberquerung mit Rückenlandung gehört jedoch auf eine geeignete Anlage. Wer daheim keine Hochsprungmatte besitzt, hat vor allem einen guten Grund, zum Verein zu gehen.
Kleine Helfer für dein Hochsprungtraining
Eine geeignete Hochsprunganlage und fachkundige Anleitung sind die Grundlage. Die folgenden Dinge können das Training ergänzen. Vereinsmaterial und vorhandene Ausrüstung reichen oft schon aus.
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