Der Siebenkampf verbindet sieben Leichtathletikdisziplinen an zwei Tagen. Im olympischen Wettbewerb der Frauen sind das 100 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoßen, 200 Meter, Weitsprung, Speerwurf und 800 Meter. Jede Leistung wird in Punkte umgerechnet. Am Ende gewinnt die höchste Gesamtpunktzahl, nicht die größte Sammlung von Einzelsiegen. Wie die Reihenfolge aussieht, warum die 800 Meter so spannend sind und weshalb Männer einen anderen Siebenkampf bestreiten, erfährst du hier.
Welche Disziplinen gehören zum Siebenkampf?
Der internationale Siebenkampf der Frauen folgt einer festen Reihenfolge. Am ersten Tag stehen vier Disziplinen auf dem Programm, am zweiten drei.
| Tag | Reihenfolge | Disziplin | Was besonders gefragt ist |
|---|---|---|---|
| 1 | 1 | 100 Meter Hürden | Schnelligkeit und Hürdenrhythmus |
| 1 | 2 | Hochsprung | Absprung, Timing und Körperkontrolle |
| 1 | 3 | Kugelstoßen | Schnellkraft und Stoßtechnik |
| 1 | 4 | 200 Meter | Sprinttempo und Schnelligkeitsausdauer |
| 2 | 5 | Weitsprung | Schneller Anlauf und genauer Absprung |
| 2 | 6 | Speerwurf | Wurfkoordination und Beschleunigung |
| 2 | 7 | 800 Meter | Ausdauer und passende Renneinteilung |
Das ist die Standardfolge für den Frauen-Siebenkampf bei Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften. Im Nachwuchsbereich können auch die Disziplinen und ihre Reihenfolge abweichen, außerdem Hürdenhöhen und Gerätegewichte. Für den eigenen Wettkampf zählen deshalb immer Altersklasse und Ausschreibung.
Die Disziplinen gehören alle zur Leichtathletik. Der Siebenkampf ist also kein Wechsel zwischen sieben völlig verschiedenen Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Fechten.
Der erste Tag: Hürden, Hochsprung, Kugel und Sprint
100 Meter Hürden: mit Rhythmus beginnen
Zum Auftakt laufen die Athletinnen über zehn Hürden. In der Frauenklasse sind diese 83,8 Zentimeter hoch. Auf der kurzen Strecke muss das Sprinttempo mit der Bewegung über die Hürden zusammenpassen.
Der Hürdenlauf verlangt deshalb mehr als bloß schnelle Beine. Ein unrunder Übergang kann die folgenden Schritte durcheinanderbringen. Für den Mehrkampf zählt die erzielte Zeit, die anschließend in Punkte übersetzt wird.
Hochsprung: jede Höhe verändert die Punktzahl
Beim Hochsprung zählt die größte gültig übersprungene Höhe. Im Mehrkampf wird die Latte in gleichmäßigen Schritten von drei Zentimetern erhöht. Nach drei Fehlversuchen hintereinander ist für die Athletin in dieser Disziplin Schluss.
Die passende Einstiegshöhe muss zwischen zwei Zielen vermitteln: eine gültige Leistung absichern und unnötige zusätzliche Sprünge vermeiden. Schließlich ist der Wettkampf nach dem Hochsprung noch lange nicht vorbei.
Kugelstoßen: drei Chancen auf eine gute Weite
Die Frauen stoßen eine vier Kilogramm schwere Kugel. Anders als bei vielen Einzelwettkämpfen gibt es im Siebenkampf nur drei Versuche. Die beste gültige Weite geht in die Wertung ein.
Beim Kugelstoßen ist die Bewegung aus Beinen, Hüfte, Rumpf und Arm entscheidend. Wer nur auf kräftige Oberarme setzt, verschenkt einen großen Teil der Möglichkeiten.
200 Meter: der Abschluss des ersten Tages
Zum Tagesende steht noch ein Sprint über eine halbe Stadionrunde an. Der Lauf beginnt in der Kurve, jede Athletin bleibt in ihrer Bahn. Nach Hürden, Sprüngen und Stößen muss sie noch einmal konzentriert Geschwindigkeit entwickeln.
Danach gibt es einen Zwischenstand. Der ist interessant, aber keineswegs die halbe Siegerehrung. Eine Athletin mit starkem Weitsprung und Speerwurf kann am zweiten Tag noch deutlich aufholen.
Der zweite Tag: Weitsprung, Speerwurf und 800 Meter
Weitsprung: sicher landen und möglichst weit kommen
Auch im Weitsprung hat jede Athletin nur drei Versuche. Ein gültiger Auftakt nimmt Druck heraus. Drei übertretene Sprünge bringen dagegen null Punkte für diese Disziplin.
Das macht die Aufgabe anders als in einem Einzelfinale mit bis zu sechs Versuchen. Die Athletin muss ihre Anlaufkontrolle und das Risiko eines übertretenen Sprungs in kurzer Zeit gut einschätzen.
Speerwurf: die letzte technische Disziplin
Der Wettkampfspeer der Frauen wiegt 600 Gramm. Er wird nach dem Anlauf über die Schulter beziehungsweise den oberen Teil des Wurfarms geworfen. Wieder zählt der beste von drei gültigen Versuchen.
Eine gute Leistung im Speerwurf kann die Rangfolge vor dem abschließenden Lauf noch einmal verändern. Danach lässt sich berechnen, welche Zeitabstände über 800 Meter für die Gesamtwertung nötig sind.
800 Meter: zwei Runden mit Rechnung im Hinterkopf
Die letzte Disziplin führt zweimal um die 400-Meter-Laufbahn. Jetzt sind Ausdauer, Tempoeinteilung und die nach sechs Disziplinen verbliebenen Kräfte gefragt.
Nicht jede Athletin muss als Erste ins Ziel kommen, um den Siebenkampf zu gewinnen. Wer einen ausreichenden Punktevorsprung hat, darf im Lauf hinter einer Konkurrentin bleiben. Wie groß dieser Abstand sein darf, hängt von den Zeiten und der Punktetabelle ab.
Eine allgemeine Regel wie „100 Punkte sind immer sieben Sekunden“ wäre zu ungenau. Die Punkte verändern sich nicht über alle Leistungsbereiche gleichmäßig.

Wie werden die Punkte im Siebenkampf berechnet?
Für jede Disziplin gibt es eine festgelegte Mehrkampfwertung. Aus einer Laufzeit, Sprunghöhe oder Weite wird eine ganze Punktzahl. Die sieben Einzelwerte werden addiert.
Es gibt keine festen Platzierungspunkte für einen ersten oder zweiten Rang. Eine Athletin kann eine Disziplin deutlich gewinnen und trotzdem vergleichsweise wenig Punkte sammeln, wenn das Leistungsniveau niedrig ist. Umgekehrt kann eine sehr gute Leistung auch dann viele Punkte bringen, wenn andere noch besser sind.
Wer eigene Ergebnisse prüfen möchte, kann den Mehrkampf-Rechner des DLV nutzen. Dort muss der passende Wettbewerb ausgewählt werden. Die Mehrkampftabelle ist nicht mit beliebigen anderen Leichtathletik-Punktetabellen austauschbar.
Ein vollständiges Rechenbeispiel
Die folgende fiktive Athletin erreicht im Frauen-Siebenkampf diese Leistungen. Die Laufzeiten sind elektronisch gemessen. Berechnet wird mit der internationalen Mehrkampfwertung, deren Dezimalergebnisse jeweils auf ganze Punkte abgerundet werden.
| Disziplin | Leistung | Punkte |
|---|---|---|
| 100 Meter Hürden | 14,50 s | 909 |
| Hochsprung | 1,70 m | 855 |
| Kugelstoßen | 12,00 m | 661 |
| 200 Meter | 25,00 s | 887 |
| Weitsprung | 5,70 m | 759 |
| Speerwurf | 40,00 m | 667 |
| 800 Meter | 2:25,00 min | 757 |
| Gesamt | 5.495 |
Das Beispiel zeigt: Es müssen nicht überall gleich viele Punkte herauskommen. Die Athletin sammelt mit Hürden und Sprint mehr als mit Kugel und Speer. Für eine Verbesserung der Gesamtleistung können deshalb mehrere Wege sinnvoll sein.
Kann man über 800 Meter trotz Rückstand gewinnen?
Ja. Nehmen wir an, Athletin A führt vor dem letzten Lauf mit 50 Punkten. Sie läuft 2:25,00 Minuten und erhält dafür 757 Punkte. Athletin B läuft 2:20,00 Minuten und bekommt 824 Punkte.
Damit holt B im Lauf 67 Punkte auf. Aus 50 Punkten Rückstand werden 17 Punkte Vorsprung. Das Beispiel gilt genau für diese beiden Zeiten, nicht als pauschale Umrechnung für jedes 800-Meter-Rennen.
Welche besonderen Regeln gelten im Siebenkampf?
Grundsätzlich gelten die Regeln der einzelnen Disziplinen. Dazu kommen Anpassungen für den Mehrkampf. Die Internationalen Wettkampfregeln unterscheiden ihn an mehreren Stellen vom Einzelwettbewerb.
- Drei Versuche: Im Weitsprung, Kugelstoßen und Speerwurf gibt es jeweils drei Chancen.
- Hochsprungsteigerung: Die Latte wird gleichmäßig um drei Zentimeter erhöht.
- Fehlstartregel: Ein Fehlstart pro Lauf bleibt ohne Disqualifikation. Wer einen weiteren verursacht, wird für diesen Lauf disqualifiziert.
- Teilnahme an allen Disziplinen: Wer eine Disziplin nicht beginnt beziehungsweise keinen Versuch ausführt, darf den Mehrkampf grundsätzlich nicht fortsetzen.
- Punktegleichstand: Haben zwei Athletinnen am Ende dieselbe Gesamtpunktzahl, bleibt der Gleichstand bestehen.
Die Fehlstartregel erlaubt also nicht jeder Athletin einen eigenen kostenlosen Fehlstart. Die erste Verwarnung gilt für den gesamten Lauf.
Eine erfolglose Teilnahme ist außerdem etwas anderes als Nichtantreten: Drei ungültige Weitsprünge ergeben null Punkte, erlauben aber grundsätzlich die Fortsetzung des Siebenkampfs. Die verlorenen Punkte verschwinden dadurch natürlich nicht. Einen Joker für die schwächste Disziplin gibt es nicht.

Siebenkampf der Männer: andere Disziplinen in der Halle
Männer bestreiten bei großen Hallenmeisterschaften ebenfalls einen Siebenkampf. Dieser unterscheidet sich deutlich vom olympischen Frauenwettbewerb.
| Tag | Hallen-Siebenkampf der Männer in der richtigen Reihenfolge |
|---|---|
| 1 | 60 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung |
| 2 | 60 Meter Hürden, Stabhochsprung, 1.000 Meter |
Der Stabhochsprung gehört hier also dazu, Speerwurf und 800 Meter dagegen nicht. Die kürzeren Sprintstrecken passen zum Hallenprogramm.
Bei den Frauen wird international in der Halle ein Fünfkampf ausgetragen. Der klassische olympische Mehrkampf der Männer ist der Zehnkampf. Diese drei Formate sollte man bei Ergebnissen und Rekorden auseinanderhalten.
Weltrekorde im Siebenkampf
Weil die Wettbewerbe unterschiedlich zusammengesetzt sind, lassen sich ihre Gesamtpunktzahlen nicht direkt gegeneinander ausspielen. Die Rekorde lauten mit Stand 24. September 2026:
| Wettbewerb | Weltrekord | Athlet | Ort und Datum |
|---|---|---|---|
| Frauen, Freiluft-Siebenkampf | 7.291 Punkte | Jackie Joyner-Kersee, USA | Seoul, 23./24. September 1988 |
| Männer, Hallen-Siebenkampf | 6.670 Punkte | Simon Ehammer, Schweiz | Toruń, 20./21. März 2026 |
Joyner-Kersee erzielte ihre Bestmarke bei den Olympischen Spielen. Ehammer verbesserte 2026 den langjährigen Hallenrekord von Ashton Eaton. Eine Übersicht, die bei den Männern noch Eaton mit 6.645 Punkten nennt, ist entsprechend veraltet.
Für Anfänger sind solche Zahlen kein brauchbarer persönlicher Zielwert. Ergebnisse sollten zur Altersklasse, zu den Gerätegewichten und zur eigenen Erfahrung passen. Ein erster vollständiger Mehrkampf mit gültigen Leistungen kann ein wesentlich sinnvolleres Ziel sein.
FAQ: Häufige Fragen zum Siebenkampf
Wie lange dauert ein Siebenkampf insgesamt?
Der internationale Siebenkampf wird an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen. Die tatsächliche Zeit auf der Anlage hängt vom Zeitplan, der Zahl der Teilnehmer und dem Verlauf der technischen Disziplinen ab. Es gibt keine feste Gesamtdauer in Minuten.
Seit wann ist der Siebenkampf der Frauen olympisch?
Seit den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Zuvor gehörte ein Fünfkampf zum olympischen Programm der Frauen. Der Wechsel erklärt sich aus der Entwicklung des Wettkampfprogramms, nicht aus einer allgemeinen Aussage darüber, wie viele Disziplinen Frauen bewältigen können.
Was bedeutet die Anzeige „Siebenkampf 800 m“?
Damit ist der abschließende 800-Meter-Lauf innerhalb des Siebenkampfs gemeint. Es handelt sich nicht um sieben Läufe über 800 Meter und auch nicht um einen eigenen siebenteiligen Laufwettbewerb.
Kann man Siebenkampf auch ohne Wettkampferfahrung beginnen?
Ja. In einem Leichtathletikverein lassen sich die verschiedenen Disziplinen schrittweise kennenlernen. Du musst zum Einstieg nicht alle sieben beherrschen. Für Kinder und Jugendliche gibt es altersgerechte Mehrkampfformen, aus denen später ein vollständiger Siebenkampf entstehen kann.
Welche Disziplin ist im Siebenkampf die schwierigste?
Das hängt von den Stärken der Athletin ab. Einer schnellen Läuferin fällt möglicherweise der Speerwurf schwer, einer starken Springerin die abschließende Ausdauerbelastung. Für die Gesamtleistung ist entscheidend, die eigenen Schwächen zu verbessern und die Stärken zuverlässig abzurufen.
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