Beim Hürdenlauf sprintest du über Hindernisse, ohne deinen Laufrhythmus zu verlieren. Das klingt nach „schnell laufen und gelegentlich springen“. Tatsächlich entscheidet oft genau das Gegenteil über eine gute Zeit: Je weniger du nach oben springst, desto flüssiger kommst du vorwärts. Hier erfährst du, wie hoch die Hürden sind, welche Abstände gelten, was beim Umwerfen passiert und wie du die Technik mit einfachen Übungen lernen kannst.
Was ist Hürdenlauf?
Hürdenlauf ist eine Sprintdisziplin der Leichtathletik. Auf der Strecke stehen Hürden in festgelegten Abständen. Die Athleten müssen sie überqueren und möglichst schnell das Ziel erreichen. Auf den üblichen Freiluftstrecken über 100, 110 und 400 Meter sind es jeweils zehn Hürden.
Die besondere Herausforderung liegt im Wechsel zwischen Sprintschritten und Hürdenüberquerungen. Wer schnell läuft, aber vor jedem Hindernis abbremst, verliert seinen Geschwindigkeitsvorteil. Deshalb heißt die Disziplin auch Hürdensprint. Auch im Zehnkampf gehören die 110 Meter Hürden dazu.
Hürdenlauf ist übrigens nicht dasselbe wie Hindernislauf. Beim Hindernislauf, etwa über 3.000 Meter, warten feste Hindernisse und ein Wassergraben. Beim Hürdensprint gibt es keinen Wassergraben. Nasse Füße sind hier höchstens dem Wetter geschuldet.
Hürdenlauf: Höhen und Abstände im Überblick
Für Frauen und Männer gelten unterschiedliche Hürdenhöhen. Auch die kurzen Sprintstrecken unterscheiden sich. Die folgende Tabelle zeigt die internationalen Standardmaße für die Erwachsenenklassen im Freien. Die Höhen entsprechen den Standardwerten des Regelwerks.
| Wettbewerb | Hürdenhöhe | Start bis erste Hürde | Abstand zwischen den Hürden | Letzte Hürde bis Ziel |
|---|---|---|---|---|
| 100 m Hürden, Frauen | 83,8 cm | 13,00 m | 8,50 m | 10,50 m |
| 110 m Hürden, Männer | 106,7 cm | 13,72 m | 9,14 m | 14,02 m |
| 400 m Hürden, Frauen | 76,2 cm | 45,00 m | 35,00 m | 40,00 m |
| 400 m Hürden, Männer | 91,4 cm | 45,00 m | 35,00 m | 40,00 m |
Die zehn Hürden ergeben neun Zwischenräume. Zusammen mit Anlauf und Schlussabschnitt kommt so die jeweilige Wettkampfstrecke zustande. Bei 400 Metern ist die Hürde niedriger als beim kurzen Hürdensprint, dafür müssen die Athleten ihren Rhythmus über eine ganze Stadionrunde erhalten.
In der Halle werden häufig 60 Meter Hürden mit fünf Hürden gelaufen. Im Nachwuchs und im Mastersbereich gelten je nach Altersklasse andere Strecken und Maße. Für einen Wettkampf ist deshalb die passende Altersklassentabelle maßgeblich. Für den ersten Versuch im Schulsport sind Erwachsenenmaße keine sinnvolle Vorgabe.
Welche Regeln gelten beim Hürdenlauf?
Grundsätzlich laufen die Athleten in ihrer zugewiesenen Bahn und müssen alle Hürden überqueren. Am Hindernis vorbeizulaufen ist keine kreative Abkürzung. Auch ein Bein neben der Hürde unterhalb ihrer Oberkante vorbeizuführen ist regelwidrig.

Gibt es eine Strafe, wenn eine Hürde umfällt?
Eine umgefallene Hürde führt nicht automatisch zur Disqualifikation. Strafsekunden gibt es dafür nicht. Entscheidend ist, wie die Hürde umgeworfen oder verschoben wurde und ob andere behindert wurden.
Nach den Internationalen Wettkampfregeln zum Hürdenlauf ist beispielsweise das Umwerfen oder Verschieben durch Hand, Körper oder die Vorderseite des Schwungbeins verboten. Die verbreitete Erklärung „Alles ist erlaubt, solange es aus Versehen passiert“ greift deshalb zu kurz. Die konkreten Umstände zählen.
Unabhängig vom Kampfgericht kostet ein Zusammenstoß oft Tempo und bringt den Rhythmus durcheinander. Die Hürden absichtlich als Dominoanlage zu benutzen wäre schon sportlich keine gute Idee.
Gestartet wird aus Startblöcken. Die Grundlagen des Sprintstarts gelten daher auch hier. Die genaue Technik und die Fehlstartregeln sind eigene Themen, bei denen sich ein genauerer Blick vor dem ersten Wettkampf lohnt.
Hürdenlauf-Technik: Flach überqueren und schnell weiterlaufen
Eine gute Überquerung unterbricht das Laufen möglichst wenig. Dazu müssen Anlauf, Beinführung und Landung zusammenpassen. Die Bewegung lässt sich zum Lernen in einzelne Aufgaben zerlegen.
Der Anlauf bereitet die erste Hürde vor
Beschleunige so, dass du mit einem passenden Abstand an der ersten Hürde ankommst. Viele kurze Korrekturschritte davor zeigen, dass Anlauf und Überquerung noch nicht aufeinander abgestimmt sind.
Der letzte Bodenkontakt liegt deutlich vor dem Hindernis. Wer erst direkt davor nach oben drückt, muss steil hochspringen und verliert Zeit in der Luft. Einen für alle gültigen Absprungabstand gibt es nicht. Körpergröße, Tempo und Hürdenhöhe spielen zusammen.
Schwungbein und Nachziehbein haben verschiedene Aufgaben
Das Schwungbein führt über die Hürde. Zuerst bewegt sich das Knie nach vorn, anschließend öffnet sich der Unterschenkel. Sobald das Bein die Latte passiert hat, wird es aktiv wieder zum Boden geführt.
Das Nachziehbein hat zuvor den letzten Abdruck ausgeführt. Es folgt seitlich mit gebeugtem Knie und wird anschließend wieder nach vorn in Laufrichtung gebracht. Bleibt es hinten hängen, wird der nächste Schritt mühsam.
Der Oberkörper unterstützt die Vorwärtsbewegung. Wie stark er sich neigt, hängt unter anderem von der Hürdenhöhe ab. Ein möglichst tiefer Kopf allein ist deshalb kein Technikziel. Wichtiger ist, dass der Körper nicht unnötig aufsteigt oder seitlich wegdreht.
Die Landung soll sofort zum nächsten Schritt führen
Nach der Hürde möchtest du aktiv aufsetzen und weiterlaufen. Eine weit nach vorn ausgestreckte Landung bremst. Achte deshalb beim Üben auch auf die ersten Schritte nach dem Hindernis, nicht nur darauf, irgendwie darüberzukommen.
Ein hilfreicher Beobachtungsauftrag lautet: „Sieht der Lauf direkt nach der Hürde noch wie Sprinten aus?“ Wenn du erst dein Gleichgewicht zusammensuchen musst, waren Höhe, Abstand oder Tempo vermutlich noch zu anspruchsvoll.
Was bedeutet der Dreischrittrhythmus beim Hürdenlauf?
Beim kurzen Hürdensprint über 100 beziehungsweise 110 Meter laufen geübte Athleten normalerweise drei Schritte zwischen zwei Hürdenüberquerungen. Dadurch führt an der nächsten Hürde wieder dasselbe Schwungbein.
Dieser Rhythmus ist ein technisches Ziel, keine Vorschrift. Im Anfängertraining dürfen die Abstände verkürzt und andere Schrittfolgen genutzt werden. Ein gleichmäßiger Fünfschrittrhythmus ist hilfreicher als drei riesige, erzwungene Schritte. Bei einem geraden Schrittrhythmus wechselt das führende Bein.
Über 400 Meter ist die Aufgabe anders. Zwischen den Hürden liegen 35 Meter, entsprechend sind deutlich mehr Schritte nötig. Die Athleten planen ihre Schrittzahl und trainieren auch das Überqueren mit dem anderen Bein. Bei zunehmender Ermüdung kann ein Rhythmuswechsel sinnvoll oder notwendig werden.
Dass die äußeren Bahnen dabei weiter vorn starten, gleicht den längeren Kurvenweg aus. Wie das auf einer 400-Meter-Laufbahn funktioniert, lässt sich unabhängig von der Hürdentechnik erklären.

Hürdenlauf lernen: Übungen für einen sicheren Einstieg
Beginne auf einer freien, griffigen Fläche und wärme dich mit lockerem Laufen, dynamischen Bewegungen und einigen Steigerungen auf. Übungen aus dem Lauf-ABC bereiten Fußarbeit und Koordination vor. Die Hürdenhöhe kommt erst danach ins Spiel.
Für erste Rhythmusaufgaben reichen flache Markierungen. Sobald echte Hindernisse hinzukommen, sollten sie niedrig und dafür vorgesehen sein. Feste Stangen zwischen Stühlen sind keine geeignete Trainingsanlage.
| Übung | So kannst du sie ausprobieren | Darauf kommt es an |
|---|---|---|
| Markierungen überlaufen | Laufe über mehrere flache Linien in gleichmäßigen Abständen. | Halte dein Tempo ohne hektische Zwischenschritte. |
| Einzelne niedrige Hürde | Überlaufe nach kurzem Anlauf eine niedrige Übungshürde und laufe einige Schritte weiter. | Beobachte besonders den Übergang zurück zum Laufen. |
| Zwei Hürden verbinden | Ergänze ein zweites niedriges Hindernis in einem für dich passenden Abstand. | Der Rhythmus zwischen beiden soll wiederholbar sein. |
| Führungsbein wechseln | Überquere ein einzelnes niedriges Hindernis abwechselnd mit rechts und links zuerst. | Beide Seiten sollen kontrolliert funktionieren. |
Die Idee, zuerst den Rhythmus und danach die Hindernisse zu entwickeln, nutzt auch die Trainingsplattform des Schweizer Bundesamts für Sport beim rhythmischen Überlaufen von Hindernissen.
Arbeite in kurzen Durchgängen und mache ausreichend Pause, um aufmerksam zu bleiben. Erhöhe jeweils nur eine Schwierigkeit: mehr Tempo, mehr Hürden oder größere Höhe. Alles gleichzeitig erschwert die Suche nach der Ursache, wenn plötzlich nichts mehr zusammenpasst.
Typische Fehler beim Hürdenlauf und was dagegen hilft
Du trippelst vor der Hürde. Prüfe zunächst den Anlauf und den Abstand. Mehr Mut allein löst kein Rhythmusproblem. Verschiebe im Training lieber das Hindernis, bis du es flüssig erreichst.
Du springst sehr hoch. Eine niedrigere Übungshürde erleichtert das flache Überlaufen. Denke ans Weiterlaufen hinter der Hürde, statt dich nur auf deren Oberkante zu konzentrieren.
Das Nachziehbein bleibt zurück. Verringere das Tempo und übe zunächst an einem einzelnen niedrigen Hindernis. Eine seitliche Videoaufnahme kann zeigen, ob das Knie rechtzeitig nach vorn kommt.
Die erste Hürde klappt, danach zerfällt der Lauf. Reduziere die Reihe auf zwei Hindernisse. So lässt sich der Anschluss gezielt üben, ohne dass acht weitere Baustellen warten.
Zusätzlich brauchst du die Fähigkeit, locker und kontrolliert schneller zu sprinten. Hürdenübungen und reines Sprinttraining ergänzen sich. Wer nur noch Hürden überläuft, trainiert nicht automatisch alle Voraussetzungen für einen schnellen Hürdensprint.
FAQ: Häufige Fragen zum Hürdenlauf
Muss man für Hürdenlauf besonders groß sein?
Nein, es gibt keine vorgeschriebene Mindestgröße. Körpergröße und Beinlänge beeinflussen zwar, wie du die Hürden bewältigst. Entscheidend sind aber auch Tempo, Beweglichkeit, Koordination und Technik. Gerade beim Lernen lassen sich Hindernishöhen und Abstände anpassen.
Was ist eine gute Zeit beim Hürdenlauf in der Schule?
Das hängt von Strecke, Hürdenhöhe, Abständen, Alter und Bewertungsmaßstab ab. Zeiten sind nur sinnvoll vergleichbar, wenn diese Bedingungen übereinstimmen. Frage nach der konkreten Tabelle deiner Schule, statt eine beliebige Internetzahl als Ziel zu übernehmen.
Darf man nach einem Sturz weiterlaufen?
Ein Sturz beendet den Lauf nicht automatisch. Wenn du weiterlaufen kannst, musst du die Strecke weiterhin regelgerecht bewältigen und darfst niemanden behindern. Eine Hürde auszulassen bleibt auch nach einem Sturz unzulässig.
Welche Schuhe brauche ich für die ersten Hürdenübungen?
Für den Einstieg reichen zum Untergrund passende Sportschuhe mit sicherem Halt. Spikes können später auf der Kunststoffbahn sinnvoll sein. Ob und welche du brauchst, klärst du am besten im Verein. Sie ersetzen weder einen passenden Hürdenabstand noch eine kontrollierte Technik.
Trainingshilfen für Rhythmus und Bewegung
Passende Trainingshürden stellt häufig der Verein. Für zusätzliche Übungen brauchst du deshalb keine eigene Hürdenbahn. Diese Helfer lassen sich auch bei anderen Leichtathletik-Einheiten einsetzen.
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Abstände im Training abstimmen
Ein langes Maßband hilft eurer Trainingsgruppe, die Hürdenabstände passend zur Übung aufzubauen und später wiederzufinden. Die richtigen Abstände legt der Trainer nach Können und Trainingsziel fest.
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Ein leichtes Band lässt sich für kontrollierte Kraftübungen außerhalb der Hürdenläufe einsetzen. Wähle die Übung so, dass du deine Bewegung nicht gegen einen zu starken Widerstand erzwingen musst.
Leichtes Trainingsband ansehen*Den Rhythmus im Video erkennen
Mit einer festen Handyaufnahme kannst du gemeinsam mit dem Trainer die Schritte zwischen den Hürden vergleichen. Ein Ministativ auf einer stabilen Ablage außerhalb der Laufbahn hält den Bildausschnitt gleich.
Mini-Stativ für Handyvideos ansehen*