Stabhochsprung: Weltrekorde, Technik und die wichtigsten Regeln

Beim Stabhochsprung beschleunigt ein Athlet auf der Anlaufbahn, setzt seinen Stab in einen Einstichkasten und überquert damit eine möglichst hohe Latte. Klingt nach einem kurzen Arbeitsauftrag. Tatsächlich müssen Sprint, Absprung und eine anspruchsvolle Bewegung in der Luft zusammenpassen. Hier erfährst du, wer die Weltrekorde hält, warum der Stab sich biegt, welche Regeln gelten und wie Anfänger die Disziplin kennenlernen.

Stabhochsprung-Weltrekord: Wie hoch ist die Bestmarke?

Der Weltrekord der Männer liegt bei 6,31 Metern, aufgestellt von Armand „Mondo“ Duplantis. Bei den Frauen hält Jelena Issinbajewa die Bestmarke mit 5,06 Metern. Stand: 24. September 2026.

WettbewerbWeltrekordAthletOrt und Datum
Männer6,31 mArmand Duplantis, SchwedenUppsala, 12. März 2026, Halle
Frauen5,06 mJelena Issinbajewa, RusslandZürich, 28. August 2009

Duplantis übersprang die 6,31 Meter beim Mondo Classic in Schweden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband dokumentiert diesen Rekordsprung. Seine vorherige Marke von 6,30 Metern stammte von der WM 2025 in Tokio.

Dass die Männerbestmarke in einer Halle erzielt wurde, steht einem absoluten Weltrekord nicht entgegen. Wer eine Statistik liest, sollte deshalb auf deren Bezeichnung achten: Eine Liste ausschließlich mit Freiluftleistungen kann eine andere Bestmarke ausweisen als die Gesamtübersicht.

Und nein: Die Rekordhöhe entspricht nicht einfach der Länge des Stabs. Der Athlet kann sich deutlich über seine obere Griffposition hinaus bewegen.

Wie funktioniert Stabhochsprung?

Beim normalen Hochsprung wird die Latte ohne Hilfsmittel überwunden. Beim Stabhochsprung kommt ein elastischer Sprungstab hinzu. Sein unteres Ende wird während des Anlaufs nach vorn abgesenkt und in einen fest eingebauten Kasten geführt.

Der Springer setzt mit einem Bein zum Absprung an, während der Stab belastet wird. Der gebogene Stab speichert vorübergehend Energie. Beim Zurückstrecken unterstützt er die Aufwärtsbewegung. Gleichzeitig arbeitet der Athlet aktiv mit dem ganzen Körper, schwingt die Beine nach oben, dreht sich und drückt sich schließlich vom Stab weg.

Der Stab produziert also keine kostenlose Zusatzenergie. Sie kommt vor allem aus der Bewegung und der Muskelarbeit des Springers. Ohne passenden Absprung und korrektes Timing wird aus einem schnellen Anlauf noch kein hoher Sprung.

Genau diesen Zusammenhang beschreibt der DLV in seiner Analyse zur Energie beim Stabhochsprung: Entscheidend sind sowohl die Verluste beim Absprung als auch die aktive Arbeit am Stab.

Die Stabhochsprung-Technik in fünf Phasen

Beim Zuschauen sieht man hauptsächlich den kurzen Moment über der Latte. Die Voraussetzungen dafür entstehen weit vorher. Die folgenden Phasen helfen, die Bewegung zu verstehen. Sie ersetzen keine praktische Anleitung durch einen Trainer.

1. Anlauf: Geschwindigkeit mit einem langen Stab

Der Springer beschleunigt auf einer geraden Bahn. Dabei hält er den Stab so, dass seine Laufbewegung möglichst wenig gestört wird. Gegen Ende des Anlaufs senkt sich die Spitze zum Einstichkasten.

Anlauflänge und Geschwindigkeit unterscheiden sich zwischen Athleten. Entscheidend ist, das Tempo bis zum Absprung kontrollieren zu können. Ein Sprint, der am Kasten mit hektischen Ausgleichsschritten endet, hilft wenig.

Deshalb spielt Sprinttraining eine wichtige Rolle. Im Stabhochsprung muss die Geschwindigkeit zusätzlich mit Stabtragen, Einstich und Absprung abgestimmt werden.

2. Einstich und Absprung: der Übergang nach oben

Die Stabspitze gleitet in den Einstichkasten und erreicht dessen hintere Stoppwand. Währenddessen werden die Hände nach oben geführt und der Athlet springt aktiv ab.

Das ist kein Vorgang nach dem Motto „Stab abstellen und warten, was passiert“. Der Springer gestaltet den Übergang. Stimmen Abstand, Armposition oder Rhythmus nicht, verändert sich der ganze weitere Sprung.

3. Schwung und Aufrollen: die Beine kommen nach oben

Nach dem Absprung schwingt der Körper am Stab weiter. Die Beine und anschließend die Hüfte bewegen sich nach oben. Der Springer bringt sich zunehmend in eine umgekehrte Position.

Diese Phase erklärt, warum turnerische Fähigkeiten hilfreich sind. Es geht um Körperspannung, Orientierung und die Fähigkeit, eine Bewegung auch dann zu kontrollieren, wenn die Füße plötzlich deutlich höher sind als der Kopf.

4. Streckung, Drehung und Lattenüberquerung

Während der Stab sich wieder streckt, richtet sich der Athlet nach oben auf. Er dreht sich, löst sich vom Stab und führt den Körper über die Latte. Die genaue Reihenfolge und das Timing greifen eng ineinander.

Oben zählt nicht nur die erreichte Höhe. Auch die Position zur Latte muss passen. Ein Springer kann hoch genug sein und sie trotzdem mit Beinen, Rumpf oder Armen abräumen.

Stabhochsprunganlage mit großen Landematten, Ständern und aufgelegter Latte.
Eine geeignete Anlage mit gepolstertem Landebereich ist beim Stabhochsprung unverzichtbar.

5. Landung auf der Stabhochsprungmatte

Nach der Überquerung fällt der Athlet auf die dafür gebaute Landefläche. Diese gehört genauso zur Disziplin wie der Stab. Die Anlage muss vollständig und korrekt aufgebaut sein, der Landebereich frei bleiben.

Eine zufällig verfügbare Turnmatte macht aus einer Wiese deshalb noch keine Stabhochsprunganlage.

Der Stab: Material, Länge und passende Härte

Moderne Sprungstäbe bestehen meist aus faserverstärkten Kunststoffen, etwa mit Glasfasern und je nach Modell Kohlenstofffasern. Ihr Aufbau bestimmt unter anderem, wie sie sich unter Belastung biegen und zurückstrecken.

Eine einheitliche Stablänge gibt es nicht. Die internationalen Regeln legen keine feste maximale Länge und kein einheitliches Material für alle Athleten fest. Länge, Durchmesser und Material dürfen grundsätzlich unterschiedlich sein, die grundlegenden Bauanforderungen müssen erfüllt werden.

In der Praxis muss ein Stab zu mehreren Faktoren passen:

  • Körpergewicht und körperliche Voraussetzungen
  • Anlaufgeschwindigkeit und technische Erfahrung
  • Griffhöhe am Stab
  • Biegeverhalten und Herstellerangaben

Ein längerer oder härterer Stab ist daher kein automatisches Upgrade. Er kann für einen bestimmten Springer schlicht ungeeignet sein. Trainer stimmen die Auswahl auf den Athleten und die jeweilige Aufgabe ab. Auch innerhalb eines Wettkampfs dürfen Stäbe gewechselt werden.

Auch das Eigengewicht ist nicht bei allen Stäben gleich. Es hängt unter anderem von Länge und Aufbau ab. Eine aufgedruckte Gewichtsangabe kann sich auf die vorgesehene Belastung beziehen und darf deshalb nicht einfach als Gewicht des Stabs verstanden werden. Entscheidend sind die Erläuterungen des jeweiligen Herstellers.

Für einen ersten Schnuppertermin brauchst du normalerweise keinen eigenen Stab. Zuerst wird mit dem Verein geklärt, welche passende Ausrüstung vorhanden ist. Das spart nicht nur Geld, sondern auch einen ziemlich unhandlichen Fehlkauf.

Stabhochsprung-Regeln: Versuche, Fehlversuche und Gleichstand

Der Wettkampf beginnt mit einer festgelegten Anfangshöhe. Athleten können bei einer höheren Höhe einsteigen und Höhen auslassen. Wer die größte Höhe regelgerecht überquert, liegt zunächst vorn.

Drei Fehlversuche in Folge bedeuten das Aus

Die wichtige Regel lautet: Drei aufeinanderfolgende Fehlversuche beenden den Wettbewerb für den Athleten. Das gilt auch, wenn sie sich auf unterschiedliche Höhen verteilen.

Ein Beispiel: Ein Springer scheitert zweimal an 5,60 Metern und lässt seinen verbleibenden Versuch auf dieser Höhe aus. Er darf bei 5,65 Metern weitermachen, hat dort zunächst aber nur noch einen Versuch. Gelingt dieser, beginnt die Fehlversuchsfolge neu. Scheitert er, ist der Wettkampf vorbei.

„Bei jeder Höhe automatisch drei neue Versuche“ wäre deshalb die falsche Merkhilfe.

Wann ist ein Sprung ungültig?

Ein Fehlversuch liegt unter anderem vor, wenn die Latte durch die Aktion des Springers nicht auf den Auflegern bleibt. Bloßes Berühren macht einen Sprung dagegen nicht automatisch ungültig.

Nach dem Absprung darf man am Stab nicht nach oben klettern. Auch bestimmte Berührungen des Bereichs hinter der Nulllinie vor der Lattenüberquerung führen zu einem Fehlversuch. Gemeint ist die gedachte senkrechte Ebene an der hinteren Kante des Einstichkastens. Bricht der Stab während des Versuchs, ist das allein kein Fehlversuch. Der Athlet erhält einen Ersatzversuch.

Was passiert bei gleicher Höhe?

Zunächst werden die Versuche auf der zuletzt übersprungenen Höhe verglichen. Wer dafür weniger benötigte, wird besser platziert. Besteht weiter Gleichstand, zählen die Fehlversuche bis einschließlich dieser Höhe.

Bleibt danach auch der erste Platz gleich, kann ein Stechen nötig werden. Ob es durchgeführt wird oder der Gleichstand bestehen bleibt, richtet sich nach den geltenden Regeln und den Festlegungen für den Wettbewerb.

Trainerin und Sportler besprechen am Sportplatz einen Stab für den Stabhochsprung.
Welcher Stab passt und wie der Einstieg gelingt, gehört in die Hände erfahrener Trainer.

Stabhochsprung lernen: So beginnt das Training

Der Einstieg findet in einer betreuten Trainingsgruppe mit geeigneter Anlage statt. Am Anfang geht es nicht darum, möglichst hoch zu fliegen. Zunächst werden Stabtragen, Absprung, das Schwingen am Stab und eine kontrollierte Landung gelernt.

In der Nachwuchsausbildung gehören dazu auch vereinfachte Formen mit einem starren Stab. Die Biegung wird später schrittweise eingebaut. Kinder müssen also nicht gleich den gebogenen Wettkampfstab beherrschen, um erste Erfahrungen sammeln zu können.

Zum Training passen mehrere Bausteine:

BereichWozu er gebraucht wird
Laufen und BeschleunigenKontrollierbares Tempo im Anlauf
Turnen und SchwingenOrientierung und Körperkontrolle in der Luft
Kraft und StabilitätAktive Arbeit am Stab und belastbare Bewegungen
TechnikübungenAbstimmung von Tragen, Einstich und Absprung
Sprünge an der AnlageDie einzelnen Teile sicher zusammenführen

Ein Lauf-ABC kann die allgemeine Laufkoordination verbessern. Wie viele technische Sprünge sinnvoll sind und welcher Stab passt, entscheidet sich dagegen individuell im Training.

Wenn du die Disziplin ausprobieren möchtest, frage einen Leichtathletikverein ausdrücklich nach einer Stabhochsprunggruppe. Nicht jede Trainingsstätte bietet die Anlage und die entsprechende Betreuung.

FAQ: Häufige Fragen zum Stabhochsprung

Gehört Stabhochsprung zum Zehnkampf?

Ja. Im Zehnkampf ist er die achte Disziplin und findet am zweiten Tag statt. Auch der Hallen-Siebenkampf der Männer enthält Stabhochsprung. Im olympischen Siebenkampf der Frauen ist er nicht dabei.

Seit wann ist Stabhochsprung olympisch?

Der Wettbewerb der Männer gehört seit 1896 zum olympischen Programm. Frauen springen seit den Spielen 2000 in Sydney um olympische Medaillen.

Ist Körpergröße beim Stabhochsprung entscheidend?

Sie beeinflusst die körperlichen Voraussetzungen, entscheidet aber nicht allein über die Leistung. Geschwindigkeit, Technik, Kraft und das passende Material wirken zusammen. Aus der Körpergröße lässt sich deshalb keine zuverlässige maximale Sprunghöhe ableiten.

Was bedeuten O, X und ein Strich in der Ergebnisliste?

O steht für einen gültigen Versuch, X für einen Fehlversuch. Ein Strich bedeutet, dass ein Versuch oder eine Höhe ausgelassen wurde. „XXO“ zeigt also: Die Höhe gelang im dritten Anlauf.

Gibt es beim Stabhochsprung ein Rückenwindlimit wie beim Weitsprung?

Nein. Für Stabhochsprungrekorde gilt nicht die Rückenwindgrenze von 2,0 Metern pro Sekunde, die du etwa vom Weitsprung kennst. Wind kann den Anlauf und die Stabkontrolle trotzdem deutlich beeinflussen.

Anlauf beobachten und das Training ergänzen

Stäbe, Landekissen und eine passende Anlage gehören in fachkundige Hände. Für das begleitende Training reichen oft wenige persönliche Hilfen. Vereinsmaterial und eine vorhandene Bodenmatte kannst du zuerst nutzen.

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Den Anlaufpunkt wiederfinden

Flache Marken können seitlich der Anlaufbahn den Startpunkt kennzeichnen. Sie gehören außerhalb des Laufwegs und werden mit dem Trainer abgestimmt.

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Anlauf und Einstich aufzeichnen

Eine ruhige Aufnahme macht den Ablauf für die spätere Besprechung sichtbar. Das Stativ steht mit Zustimmung der Beteiligten außerhalb von Anlauf, Sprung- und Landebereich.

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Eine Matte für Übungen am Boden

Die faltbare Gymnastikmatte ist für ergänzende Rumpf- und Beweglichkeitsübungen gedacht. Sie ist keine Stabhochsprung-Landematte und eignet sich nicht zum Auffangen von Sprüngen.

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