Abstoß im Fußball: Regeln, Zeitlimit und Spielaufbau

Ein Abstoß im Fußball setzt das Spiel fort, wenn der Ball vollständig über die Torlinie geht, kein Tor fällt und zuletzt ein Angreifer am Ball war. Die verteidigende Mannschaft spielt den ruhenden Ball aus dem Torraum wieder ins Feld. Der Ball ist im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt. Seit 2026/27 gehört ein Fünf-Sekunden-Countdown gegen absichtliche Verzögerung zu den Regeln. Diese Frist startet der Schiedsrichter durch ein sichtbares Signal.

Wann gibt es einen Abstoß und wann einen Eckstoß?

Ein Abstoß folgt normalerweise auf einen Ball über der Torlinie, den zuletzt die angreifende Mannschaft berührt hat, sofern kein Tor erzielt wurde. Berührt zuletzt ein Verteidiger den Ball, erhält der Gegner stattdessen einen Eckstoß.

Der ganze Ball muss die Linie überquert haben. Das gilt am Boden und in der Luft. Ein Schuss über die Latte führt also zum Abstoß, ein vom Torwart über die Latte gelenkter Schuss zum Eckstoß.

Es gibt weitere Fälle, in denen die Regeln einen Abstoß vorsehen. Wirft ein Angreifer einen Einwurf ohne weitere Berührung direkt ins gegnerische Tor, zählt der Treffer nicht. Das Spiel geht mit Abstoß weiter. Dasselbe gilt für einen indirekten Freistoß, der ohne Kontakt eines weiteren Spielers direkt ins gegnerische Tor geht.

Wo liegt der Ball und wer darf den Abstoß ausführen?

Der Ball muss ruhig am Boden an einem beliebigen Punkt im eigenen Torraum liegen, und jeder Spieler der verteidigenden Mannschaft darf ihn mit dem Fuß ausführen. Der Abstoß ist keine ausschließliche Aufgabe des Torwarts.

Der Torraum ist das kleine Rechteck unmittelbar vor dem Tor. Auf dem üblichen Großfeld reicht es 5,50 Meter ins Spielfeld hinein. Er ist damit deutlich kleiner als der Strafraum.

Der Ball darf links, rechts oder mittig im Torraum platziert werden. Du musst nicht die Seite wählen, auf der er zuvor ins Aus gegangen ist. Auch die Begrenzungslinien gehören zum Torraum.

Ein Innenverteidiger kann den Abstoß zum Torwart spielen, der anschließend den Aufbau fortsetzt. Entscheidend sind der ruhende Ball, die korrekte Position und ein klarer Fußkontakt. Ein Abwurf aus der Hand ersetzt den Abstoß nicht.

Wann ist der Ball beim Abstoß im Spiel?

Der Ball ist im Spiel, sobald er mit dem Fuß gespielt wurde und sich eindeutig bewegt hat. Er muss den Strafraum nicht verlassen.

Seit der Regeländerung von 2019/20 darf deshalb ein Mitspieler schon innerhalb des Strafraums angespielt werden. Ein kurzer Pass auf einen nahen Innenverteidiger kann ein vollständig ausgeführter Abstoß sein.

Ein bloßes Berühren ohne erkennbare Bewegung genügt nicht. Bewegt sich der Ball dagegen nach einem kleinen Pass deutlich, läuft das Spiel bereits. Jetzt dürfen die Gegner in den Strafraum hineinlaufen und Druck machen.

Verlasse dich nach einem misslungenen kurzen Pass also nicht darauf, dass der Ball „erst noch raus muss“. Diese frühere Voraussetzung gilt im aktuellen Regelwerk nicht mehr.

Torwart spielt den Ball kurz zu einem Mitspieler vor dem eigenen Tor
Beim kurzen Aufbau braucht der Empfänger eine erreichbare Anschlusslösung.

Dürfen Gegner beim Abstoß im Strafraum stehen?

Gegner müssen den Strafraum grundsätzlich verlassen und draußen bleiben, bis der Ball im Spiel ist. Für schnell ausgeführte Abstöße gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme.

Hat ein Gegner tatsächlich keine Zeit mehr, den Strafraum zu verlassen, darf der Schiedsrichter weiterspielen lassen. Sobald der Ball im Spiel ist, darf dieser Gegner ihn erobern. Daraus kann auch ein gültiges Tor entstehen.

Beispiel: Ein Angreifer läuft nach einem Fehlschuss sofort Richtung Strafraumgrenze. Der Torwart führt den Abstoß vorher schnell aus. Der Angreifer dreht sich nach dem klaren Ballkontakt um, fängt das Zuspiel ab und trifft. Allein seine anfängliche Position macht das Tor nicht ungültig.

Anders liegt der Fall, wenn ein Angreifer bewusst im Strafraum bleibt und auf die Gelegenheit wartet. Daraus darf er keinen unfairen Vorteil ziehen. Erobert er anschließend den Ball, wird der Abstoß wiederholt. Die IFAB-Auslegung unterscheidet ausdrücklich zwischen fehlender Zeit zum Verlassen und absichtlichem Verbleiben.

Berührt ein Gegner den Ball oder beginnt er einen Zweikampf schon bevor der Ball im Spiel ist, wird ebenfalls wiederholt. Ein dabei begangenes Foul kann zusätzlich eine persönliche Strafe nach sich ziehen. Deine eigenen Mitspieler dürfen sich dagegen bereits bei der Ausführung im Strafraum befinden.

Was gilt seit 2026/27 gegen Zeitspiel beim Abstoß?

Verzögert die ausführende Mannschaft den Abstoß unfair, startet der Schiedsrichter einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown. Wird der Abstoß nicht rechtzeitig ausgeführt, bekommt der Gegner einen Eckstoß.

Die fünf Sekunden laufen nicht automatisch ab dem Moment, in dem der Ball ins Aus geht. Der Schiedsrichter beurteilt die Verzögerung, pfeift, fordert die Ausführung durch ein Hand- oder Armzeichen und zählt mit den Fingern seiner erhobenen Hand herunter. Eine vorherige Ermahnung ist möglich, aber nicht zwingend.

Absichtlich langsames Ballholen oder wiederholtes falsches Platzieren kann den Countdown auslösen. Der Schiedsrichter muss dafür nicht warten, bis der ausführende Spieler den Ball schon besitzt.

Nach Ablauf wird der Eckstoß auf der Seite ausgeführt, die dem vorgesehenen Abstoßort am nächsten liegt. Für die bloße Überschreitung gibt es keine automatische Gelbe Karte. Eine Verwarnung kommt hinzu, wenn anschließend auch die gegnerische Spielfortsetzung übermäßig verzögert wird.

Das offizielle Protokoll verlangt Augenmaß: Ist der Spieler beim Ablauf gerade dabei, den Abstoß auszuführen, soll er dafür nicht bestraft werden. Der Countdown soll absichtliches Zeitschinden unterbinden.

Diese Regel ist von der Acht-Sekunden-Grenze zu unterscheiden, wenn der Torwart einen bereits laufenden Ball mit Hand oder Arm kontrolliert. Beim Abstoß liegt der Ball am Boden, und es geht um die verzögerte Spielfortsetzung. Weitere Formen des Zeitspiels haben eigene Voraussetzungen.

Was passiert bei einer zweiten Ballberührung?

Der ausführende Spieler darf den Ball nach dem Abstoß erst wieder berühren, wenn ein anderer Spieler am Ball war. Ein zweiter Kontakt vorher führt grundsätzlich zu einem indirekten Freistoß für den Gegner.

Das gilt auch für den Torwart. Rollt sein misslungener Abstoß nur wenige Meter und er schießt sofort noch einmal, ist das kein erlaubter Neustart. Der erste klare Kontakt hatte den Ball schon ins Spiel gebracht.

Zweiter Kontakt des ausführenden SpielersGrundsätzliche Spielfortsetzung
Erneuter Fußkontakt vor jeder weiteren SpielerberührungIndirekter Freistoß für den Gegner
Handspielvergehen eines Spielers außerhalb des eigenen StrafraumsDirekter Freistoß
Handspielvergehen eines Feldspielers im eigenen StrafraumStrafstoß
Erneuter Handkontakt des Torwarts im eigenen StrafraumIndirekter Freistoß

Passiert das Vergehen im Torraum, wird der indirekte Freistoß für den Gegner zum nächstgelegenen Punkt der parallel zur Torlinie verlaufenden Torraumlinie verlegt.

Stoppt die verbotene zweite Berührung einen aussichtsreichen Angriff, kann zusätzlich Gelb erforderlich sein. Verhindert eine zweite Fußberührung eine offensichtliche Torchance, ist ein Platzverweis vorgesehen. Auch der Torwart kann für eine unerlaubte zweite Berührung wegen verhinderter Torchance Rot erhalten, selbst bei einem Handkontakt im eigenen Strafraum. Erzielt der Gegner nach einem gewährten Vorteil trotzdem ein Tor, entfällt die Karte für das taktische Verhindern dieser Torchance. Andere strafwürdige Handlungen werden dadurch nicht freigestellt.

Für deine Praxis genügt die klare Regel: Ein schwacher Abstoß wird nicht dadurch repariert, dass derselbe Spieler den Ball gleich wieder spielt. Erst ein Kontakt eines anderen Spielers gibt ihn für die nächste Berührung frei.

Kann aus einem Abstoß direkt ein Tor entstehen?

Ja, ein direkt ins gegnerische Tor gespielter Abstoß zählt als Tor. Geht der Ball dagegen ohne weiteren Spielerkontakt ins eigene Tor, gibt es einen Eckstoß für den Gegner.

Die zweite Situation wäre etwa denkbar, wenn starker Wind den Ball zurücktreibt. Ein direktes Eigentor aus dieser Spielfortsetzung ist ausgeschlossen. Berührt zwischen Ausführung und Tor jedoch ein weiterer Spieler den Ball, beurteilt man die Szene als normale Spielsituation.

Direkt bedeutet hier: Kein weiterer Spieler hat den Ball unterwegs berührt. Es bedeutet nicht, dass der Ball ohne Bodenberührung bis ins Tor fliegen müsste.

Gibt es beim Abstoß Abseits?

Beim direkten Empfang eines Abstoßes gibt es kein Abseitsvergehen. Ein weit vorgeschobener Mitspieler darf deshalb unmittelbar angespielt werden, auch wenn seine Position bei einem gewöhnlichen Pass problematisch wäre.

Die Ausnahme gilt nur für diesen direkten Empfang. Leitet der erste Empfänger den Ball an einen weiteren Mitspieler weiter, gelten für dieses neue Zuspiel wieder die normalen Abseitsregeln.

Verwechsle das nicht mit einem langen Abschlag aus der Hand während des laufenden Spiels. Dieser ist kein Abstoß, und die Abseitsausnahme gilt dafür nicht.

Welche Fehler führen zur Wiederholung oder zum Freistoß?

Ein falsch platzierter oder noch rollender Ball führt grundsätzlich zur Wiederholung, während eine unerlaubte zweite Berührung nach der Ausführung eine andere Spielfortsetzung auslöst. Entscheidend ist, ob der Fehler beim Neustart oder im bereits laufenden Spiel passiert.

Der Regelstand 2026/27 erlaubt außerdem Vorteil nach einer regelwidrig ausgeführten Spielfortsetzung, wenn der Ball im Spiel ist und die gegnerische Mannschaft davon profitiert. Ein Gegner muss also nicht jedes günstige Abfangen verlieren, nur weil der Abstoß fehlerhaft ausgeführt wurde.

Eine besondere Falle ist ein absichtlicher Trick zur Umgehung der Rückpassregel. Lupft der Torwart den Ball beim Abstoß extra zu einem Mitspieler, damit dieser ihn per Kopf zurückgibt und der Torwart ihn mit den Händen aufnehmen kann, liegt ein verbotenes Umgehungsmanöver vor.

Der Initiator erhält eine Verwarnung, und das Spiel wird mit indirektem Freistoß fortgesetzt. Dafür muss der Torwart den Ball anschließend nicht tatsächlich mit der Hand berühren. Ein normaler Kopfball aus einer normalen Spielsituation ist dagegen nicht automatisch ein solcher Trick.

Wann passt ein kurzer und wann ein langer Abstoß?

Ein kurzer Abstoß passt zu erreichbaren Anspielstationen und einem vorbereiteten Aufbau. Ein langer Ball kann sinnvoll sein, wenn der Gegner hoch presst oder du weiter vorn eine aussichtsreiche Empfangssituation erkennst.

Beim kurzen Aufbau verteilen sich die Verteidiger so, dass der erste Empfänger mehr als nur einen Rückweg zum Torwart hat. Er sollte vor dem Zuspiel sehen, von wo der Druck kommt, und seine Ballannahme zur nächsten Aktion vorbereiten.

Ein sehr kurzer erster Pass gewinnt allein noch keinen Raum. Laufen mehrere Gegner auf diese Zone zu, brauchst du einen freien dritten Spieler, eine andere Seite oder den rechtzeitigen längeren Ball. Prüfe den Gegnerdruck vor dem Abstoß, weil er nach der ersten klaren Bewegung sofort beginnen darf.

Ein langer Abstoß ist ebenfalls mehr als ein möglichst kräftiger Schlag. Suche einen erreichbaren Zielspieler oder freien Raum. Die Mitspieler bereiten sich auf den ersten Kontakt und den möglichen zweiten Ball vor. Stehen alle weit voneinander weg und schauen nur zu, wird selbst ein guter langer Ball schwer nutzbar.

Du kannst die Entscheidung mit zwei Verteidigern und einem zunächst passiven Angreifer üben: Abstoß ausführen, kurz aufbauen und einen freien Ausgang finden. Danach erhöht der Angreifer den Druck, und der längere Pass bleibt als Lösung erlaubt. Die Entfernungen passen zum Können der Spieler. Reine Flugweitenrekorde trainieren diese Entscheidung nicht.

Für die eigentliche Schlagtechnik helfen die Grundlagen des Vollspannstoßes und ein schrittweise gesteigertes Torwarttraining. Der Schlag ist dabei ein Werkzeug im Aufbau, keine Pflichtlösung für jeden Abstoß.

Torwart spielt einen langen Ball zu bereitstehenden Spielern
Ein langer Abstoß braucht ein sinnvolles Ziel und Mitspieler für den nächsten Kontakt.

FAQ: Häufige Fragen zum Abstoß

Muss der Schiedsrichter jeden Abstoß anpfeifen?

Nein, ein gewöhnlicher Abstoß braucht nicht grundsätzlich einen Freigabepfiff. Beim Countdown gehört der Pfiff dagegen ausdrücklich zum Startsignal. Hat der Schiedsrichter die Fortsetzung aus einem anderen Grund angehalten, wartest du natürlich auf seine Freigabe.

Gilt ein Pfostenkontakt als Berührung eines anderen Spielers?

Nein. Pfosten und Latte sind keine Spieler. Prallt ein Ball zurück, darf der ausführende Spieler ihn deshalb nicht vor einem weiteren Spielerkontakt erneut spielen.

Gelten diese Regeln in jedem Kinderfußballformat?

Nein. Bei kleineren Spielformen können andere Neustarts vorgesehen sein, beispielsweise Eindribbeln oder Einkicken. Die DFB-Kinderfußballformate unterscheiden sich nach Spielform und Altersklasse. Prüfe deshalb die geltenden Wettbewerbsbestimmungen, bevor du den Großfeld-Abstoß auf ein Kleinfeldspiel überträgst.

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