Die Nachspielzeit gleicht Spielzeit aus, die während einer Halbzeit durch längere Unterbrechungen verloren gegangen ist. Wie viele Minuten hinzukommen, legt der Schiedsrichter anhand der Verzögerungen fest. Die angezeigte Zahl ist dabei immer eine Mindestdauer: Stehen fünf Minuten auf der Tafel, kann der Abpfiff wegen weiterer Unterbrechungen auch erst nach sechs oder sieben Minuten erfolgen. Eine feste Höchstgrenze gibt es nicht.
Nachspielzeit kann nach jeder Halbzeit anfallen
Die zusätzliche Spielzeit am Ende einer Halbzeit wird auch Zusatzzeit genannt. Die Bezeichnung „Verletzungszeit“ ist ungenau, weil nicht nur Verletzungspausen berücksichtigt werden. Auf Englisch sind „stoppage time“ und „added time“ gebräuchlich.
Nachspielzeit gibt es nicht nur nach der 90. Minute. Auch die erste Halbzeit kann über die 45. Minute hinausgehen. Wird ein K.-o.-Spiel anschließend verlängert, ist zudem nach jeder der beiden 15-minütigen Verlängerungshälften eine Nachspielzeit möglich.
Sie gleicht ausschließlich erhebliche Zeitverluste aus derselben Halbzeit aus. Gab es keine entsprechenden Unterbrechungen, kann die Halbzeit ohne zusätzliche Minute enden.
Wie wird die Nachspielzeit berechnet?
Der Schiedsrichter erfasst die relevanten Zeitverluste einer Halbzeit und legt daraus die Mindestnachspielzeit fest. Zusätzliche Vorgaben können sich je nach Wettbewerb unterscheiden.
Die IFAB-Regeln nennen Gründe, aber keine Pauschale
Das internationale Regelwerk schreibt nicht vor, dass jedes Tor oder jeder Spielerwechsel automatisch überall eine bestimmte Zahl von Sekunden bringt. Entscheidend ist die verlorene Zeit. Eine kurze Unterbrechung wird daher anders bewertet als eine mehrminütige Verletzungspause, eine Rudelbildung oder eine lange Überprüfung durch den VAR.
Deshalb lässt sich die Nachspielzeit von außen nicht immer sekundengenau nachrechnen. Der Schiedsrichter und die übrigen Spieloffiziellen können auch Verzögerungen erfassen, die in der Fernsehübertragung kaum auffallen. Umgekehrt bringt nicht jeder Ball im Aus automatisch zusätzliche Zeit.
Die Bundesliga-Praxis 2025/26 zeigt ein mögliches Verfahren
Wie ein Wettbewerb die Erfassung vereinheitlichen kann, zeigt die für die Saison 2025/26 dokumentierte Praxis in Bundesliga und 2. Bundesliga. Nach Angaben der DFB Schiri GmbH wurden für jedes Tor mit Jubel und jedes Auswechselfenster grundsätzlich 30 Sekunden angesetzt. Wechselten in einem Fenster mehrere Spieler derselben Mannschaft, blieb es bei diesem einen Fenster.
Andere relevante Unterbrechungen – etwa Verletzungen, VAR-Checks, Trinkpausen und außergewöhnliche Verzögerungen – wurden gesondert gemessen. Der zweite Video-Assistent protokollierte die Zeiten im Video-Assist-Center und unterstützte damit den Schiedsrichter bei der Festlegung der Gesamtdauer.
Die 30 Sekunden waren damit keine allgemeine Fußballregel, sondern eine dokumentierte Praxis bestimmter Wettbewerbe. Ob dieses Erfassungsverfahren 2026/27 unverändert fortgeführt wird, ist nicht ausdrücklich bestätigt.
Ein Rechenbeispiel macht sechs Minuten nachvollziehbar
Auf Grundlage des beschriebenen Verfahrens könnte sich eine Nachspielzeit von sechs Minuten beispielsweise so zusammensetzen:
| Ereignis | Angerechnete Zeit im Beispiel |
|---|---|
| Ein Tor mit Jubel | 30 Sekunden |
| Drei Auswechselfenster | 1 Minute 30 Sekunden |
| Eine Verletzungsunterbrechung | 2 Minuten |
| Ein längerer VAR-Check | 1 Minute 20 Sekunden |
| Sonstige relevante Verzögerungen | 40 Sekunden |
| Gesamt | 6 Minuten |
Die tatsächliche Mindestdauer richtet sich dennoch nach den erfassten Unterbrechungen und den Vorgaben des jeweiligen Wettbewerbs.

Diese Unterbrechungen zählen zur Nachspielzeit
Zur Nachspielzeit zählen nach Regel 7 des IFAB Zeitverluste durch Auswechslungen, die Untersuchung oder den Abtransport verletzter Spieler, Zeitspiel, Disziplinarmaßnahmen, erlaubte Trink- und Kühlpausen, Videosichtungen und Videoüberprüfungen, Torjubel sowie andere erhebliche Verzögerungen. Dazu können beispielsweise ein Flitzer, Pyrotechnik, ein Gewitter oder ein technisches Problem gehören.
Nicht jede Sekunde mit ruhendem Ball wird vollständig addiert. Einwürfe, Freistöße, Ab- und Eckstöße sind zunächst normale Bestandteile des Spiels. Nachgespielt wird vor allem, wenn ihre Ausführung übermäßig lange dauert. Bewusstes Verzögern kann zusätzlich eine Gelbe Karte nach sich ziehen.
Der Schiedsrichter entscheidet, der vierte Offizielle zeigt die Zeit nur an
Der Schiedsrichter legt die Dauer fest; die übrigen Spieloffiziellen können Unterbrechungen für ihn mitprotokollieren. Der vierte Offizielle zeigt lediglich am Ende der letzten regulären Minute die festgelegte Mindestdauer auf der elektronischen Tafel an. Gibt es keinen vierten Offiziellen, muss der Schiedsrichter die geplante Zusatzzeit nach den zusätzlichen DFB-Erläuterungen selbst für alle Beteiligten deutlich sichtbar anzeigen.
Auch die Stadion- und Fernsehuhr ist für den Abpfiff nicht maßgeblich. Entscheidend bleibt die Zeitmessung des Schiedsrichters.
Die angezeigte Zahl ist nur die Mindestdauer
Eine Anzeige von fünf Minuten bedeutet, dass mindestens fünf Minuten nachgespielt werden. Der Schiedsrichter darf diese Zeit verlängern, aber nicht nachträglich verkürzen. Fällt in der Nachspielzeit ein Tor, wird ein Spieler behandelt oder verzögert sich eine Spielfortsetzung erheblich, kommt der neue Zeitverlust hinzu.
Das erklärt, warum ein Spiel trotz angezeigter „+5“ erst bei 96:30 endet. Es handelt sich nicht um eine geheime zweite Nachspielzeit, sondern um den Ausgleich für Unterbrechungen innerhalb der bereits laufenden Zusatzzeit. Deshalb kann auch nach Ablauf der ursprünglich angezeigten Mindestzeit noch ein Treffer zählen, sofern der Schiedsrichter zuvor nicht abgepfiffen hat.
Ohne weitere Verzögerung endet die Halbzeit gewöhnlich ungefähr nach Ablauf der angekündigten Minuten. Ein paar Sekunden Abweichung sind dennoch möglich, weil die Anzeige nur volle Minuten nennt und nicht die offizielle Zeitmessung ersetzt.
Für die Nachspielzeit gibt es keine feste Höchstgrenze
Die Fußballregeln begrenzen die Nachspielzeit nicht auf eine bestimmte Minutenzahl. Dauert eine Verletzungsbehandlung lange, fällt die Technik aus oder muss das Spiel aus einem anderen Grund für viele Minuten unterbrochen werden, kann entsprechend lange nachgespielt werden.
Eine ungewöhnlich hohe Zahl ist deshalb nicht automatisch ein Regelfehler. Sie muss sich aber aus den Zeitverlusten der betreffenden Halbzeit ergeben. Einen Messfehler aus der ersten Hälfte darf der Schiedsrichter nicht durch eine längere oder kürzere zweite Halbzeit ausgleichen.
Was war die längste Nachspielzeit in der Bundesliga?
Eine fortlaufend aktualisierte offizielle Liste der längsten angesetzten Nachspielzeiten gibt es nicht. Ältere Übersichten nennen häufig 13 Minuten beim Spiel Köln gegen Hamburg im August 2017. Diese Angabe ist inzwischen überholt: Laut Bundesliga-Statistik zu den spätesten Toren traf Jakub Kamiński am 13. September 2025 bereits in der 14. Minute der Nachspielzeit.
Der Zeitpunkt eines Tores verrät allerdings nicht, wie viele Minuten ursprünglich angezeigt wurden oder wann genau der Schlusspfiff erfolgte. Auch deshalb sind seriöse Aussagen über einen absoluten weltweiten Rekord schwierig.
Darf der Schiedsrichter mitten im Angriff abpfeifen?
Nach Ablauf der erforderlichen Spielzeit muss der Schiedsrichter weder einen laufenden Angriff noch eine bereits zugesprochene Ecke, einen Freistoß oder einen Einwurf abwarten. Das Regelwerk gewährt keiner Mannschaft einen „letzten Angriff“.
Schiedsrichter wählen in der Praxis häufig einen klaren Moment für den Abpfiff, müssen aber weder eine Flanke noch einen Abschluss oder einen Eckstoß abwarten. Mit dem Pfiff ist das Spiel unterbrochen; landet der Ball erst danach im Tor, zählt der Treffer nicht.
Eine ausdrückliche Ausnahme gilt für den Elfmeter. Muss am Ende einer Halbzeit ein Strafstoß noch ausgeführt oder wiederholt werden, wird die Halbzeit bis zu seinem Abschluss verlängert. Danach kann der Schiedsrichter direkt abpfeifen; ein anschließender Anstoß ist nicht erforderlich.
Nachspielzeit und Verlängerung sind nicht dasselbe
Nachspielzeit gleicht verlorene Zeit aus, während eine Verlängerung in bestimmten K.-o.-Spielen einen Sieger ermitteln soll. Beide Begriffe bezeichnen daher unterschiedliche Teile eines Fußballspiels.
| Nachspielzeit | Verlängerung |
|---|---|
| folgt am Ende einer Halbzeit, wenn relevante Zeit verloren ging | folgt nur, wenn der Wettbewerb bei einem Unentschieden eine Entscheidung verlangt |
| hat keine vorher festgelegte Länge | besteht normalerweise aus zweimal 15 Minuten |
| wird vom Schiedsrichter anhand der Unterbrechungen bestimmt | ist ein eigener, fest eingeplanter Spielabschnitt |
Steht es in einem Ligaspiel nach 90 Minuten plus Nachspielzeit unentschieden, endet die Partie normalerweise remis. Eine Verlängerung folgt nur, wenn die Regeln des jeweiligen Wettbewerbs sie vorsehen. In der Champions League, der Europa League und der Conference League kommt eine Verlängerung beispielsweise bei einem ausgeglichenen Gesamtergebnis nach dem K.-o.-Rückspiel infrage.
So sind Angaben wie 45.+2 und 90.+7 zu lesen
Die Angabe 90.+7 bezeichnet die siebte Minute der Nachspielzeit nach der regulären 90. Minute. Die erste Nachspielminute reicht von 90:00 bis 90:59 und wird als 90.+1 geführt. Entsprechend fiel ein Tor in der Minute 90.+7 zwischen 96:00 und 96:59. Für die erste Halbzeit funktioniert die Schreibweise genauso: 45.+2 umfasst den Zeitraum von 46:00 bis 46:59.
Der Eintrag ist kein sekundengenauer Zeitstempel. Zwei Treffer mit der Angabe 90.+7 können fast eine Minute auseinanderliegen. Varianten wie 90+7 oder 90’+7 haben dieselbe Bedeutung.
Die Notation sagt außerdem nicht, wie viele Minuten ursprünglich angezeigt wurden. Ein Tor in der Minute 90.+7 kann auch fallen, obwohl zunächst nur fünf Minuten angekündigt waren und weitere Unterbrechungen den tatsächlichen Abpfiff verzögert haben.
Warum die Uhr weiterläuft und trotzdem genauer nachgespielt wird
Die öffentlich sichtbare Spieluhr läuft bei Unterbrechungen weiter, weil relevante Zeitverluste am Ende der Halbzeit ausgeglichen werden. Anders als bei Sportarten mit reiner Nettospielzeit wird sie nicht bei jedem Ausball, Freistoß oder Wechsel angehalten. Da kurze, übliche Unterbrechungen dennoch zum normalen Ablauf gehören, entstehen keine exakt 90 Minuten Nettospielzeit. Längere Nachspielzeiten kommen heute vor allem dadurch zustande, dass Torjubel, Verletzungen, VAR-Prüfungen und andere Verzögerungen in einigen Wettbewerben konsequenter erfasst werden.
In Bundesliga und 2. Bundesliga wird seit dem 1. Januar 2026 die tatsächlich laufende Nachspielzeit gesondert auf den Stadionanzeigen dargestellt, sofern die technischen Voraussetzungen vorhanden sind. Die reguläre Uhr bleibt bei 45:00 beziehungsweise 90:00 stehen; daneben sehen Zuschauer die bereits gespielte Zusatzzeit und nach Möglichkeit auch die angekündigte Mindestdauer.
Neue Zeitspielregeln ändern die Berechnung der Nachspielzeit nicht
Mehrere neue Regeln sollen Verzögerungen bereits während des Spiels eindämmen. Seit 2025/26 darf ein Torhüter den Ball höchstens acht Sekunden mit Händen oder Armen kontrollieren. Der Schiedsrichter zeigt die letzten fünf Sekunden sichtbar an; läuft die Zeit ab, erhält der Gegner einen Eckstoß.
Seit 2026/27 soll ein auszuwechselnder Spieler das Feld grundsätzlich innerhalb von zehn Sekunden verlassen. Verstreicht die Frist ohne Verletzungs- oder Sicherheitsgrund, darf der Ersatzspieler erst nach einer Minute Spielzeit bei der nächsten Unterbrechung aufs Feld.
Bei einem absichtlich verzögerten Einwurf oder Abstoß kann der Schiedsrichter nach den IFAB-Regeländerungen 2026/27 einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown starten. Nach dessen Ablauf erhält der Gegner einen Einwurf beziehungsweise Eckstoß.
Diese Sanktionen schaffen keine neue Formel für die Nachspielzeit. Geht trotz der Regeln erhebliche Spielzeit verloren, wird sie weiterhin berücksichtigt.