Der Zehnkampf besteht aus zehn Leichtathletik-Disziplinen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Für jede Zeit, Höhe und Weite gibt es Punkte. Wer am Ende die höchste Summe erreicht, gewinnt. Dafür muss niemand alle Einzelwettbewerbe für sich entscheiden. Gefragt ist ein ziemlich vielseitiges Gesamtpaket aus Schnelligkeit, Kraft, Technik und Ausdauer. Hier erfährst du, welche Disziplin wann folgt, wie die Wertung funktioniert und weshalb selbst der schnellste Läufer im abschließenden Rennen nicht automatisch Zehnkampfsieger wird.
Welche Disziplinen gehören zum Zehnkampf?
Zum klassischen Zehnkampf der Männer gehören vier Laufwettbewerbe, drei Sprungdisziplinen sowie Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwurf. Die zehn Wettbewerbe verteilen sich auf zwei Tage mit jeweils fünf Disziplinen. Dabei ist die Reihenfolge festgelegt.
| Reihenfolge | Tag | Disziplin | Was zählt? |
|---|---|---|---|
| 1 | Erster Tag | 100-Meter-Lauf | Laufzeit |
| 2 | Erster Tag | Weitsprung | Bester gültiger Sprung |
| 3 | Erster Tag | Kugelstoßen | Bester gültiger Stoß |
| 4 | Erster Tag | Hochsprung | Größte gültige Höhe |
| 5 | Erster Tag | 400-Meter-Lauf | Laufzeit |
| 6 | Zweiter Tag | 110-Meter-Hürdenlauf | Laufzeit |
| 7 | Zweiter Tag | Diskuswurf | Bester gültiger Wurf |
| 8 | Zweiter Tag | Stabhochsprung | Größte gültige Höhe |
| 9 | Zweiter Tag | Speerwurf | Bester gültiger Wurf |
| 10 | Zweiter Tag | 1.500-Meter-Lauf | Laufzeit |
Nicht dabei sind beispielsweise Dreisprung, Hammerwurf und 200 Meter. Auch eine Staffel gehört nicht zum Zehnkampf. Welche anderen Wettbewerbe es gibt, zeigt die Übersicht der Leichtathletik-Disziplinen.
Der erste Tag endet mit einer schnellen Stadionrunde
Nach den 100 Metern geht es direkt in mehrere technische Wettbewerbe. Beim Weitsprung müssen Tempo und Absprung zusammenpassen. Anschließend verlangt das Kugelstoßen eine andere Bewegung, bevor beim Hochsprung wieder Anlauf, Absprung und Lattenüberquerung gefragt sind.
Die abschließenden 400 Meter sind auf einer normalen Freiluftanlage eine vollständige Stadionrunde. Die Athleten starten versetzt und bleiben in ihrer Bahn. Warum die äußeren Startplätze trotzdem keinen Vorsprung bedeuten, lässt sich an den Maßen einer 400-Meter-Laufbahn gut erklären.
Am zweiten Tag warten Hürden, Würfe und 1.500 Meter
Der zweite Morgen beginnt mit dem Hürdenlauf. Einfach gemütlich wieder in den Wettkampf hineinfinden ist also nicht vorgesehen. Danach folgen Diskuswurf, Stabhochsprung und Speerwurf.
Die 1.500 Meter bilden den Abschluss. Auf einer 400-Meter-Bahn sind das drei volle Runden und weitere 300 Meter. Nach neun Disziplinen muss jeder noch einmal ein hohes Tempo über mehrere Minuten halten. Dabei können sich die Ziele unterscheiden: Einer läuft um eine Medaille, ein anderer um seine persönliche Bestleistung und ein dritter will vor allem seinen ersten vollständigen Zehnkampf beenden.

Wie werden die Punkte im Zehnkampf berechnet?
Die Wertung übersetzt sehr unterschiedliche Leistungen in eine gemeinsame Einheit. Eine Sprintzeit lässt sich schließlich nicht sinnvoll zu einer Sprunghöhe addieren. Elf Sekunden plus zwei Meter ergeben höchstens einen verdutzten Taschenrechner.
Jede Disziplin hat deshalb eine eigene Berechnungsformel mit festgelegten Werten. Bei den Läufen steigt die Punktzahl mit einer kürzeren Zeit. Bei Sprüngen, Würfen und Kugelstoßen bringen größere Höhen oder Weiten mehr Punkte. Die errechneten Werte werden auf ganze Punkte abgerundet und anschließend addiert.
Entscheidend ist die Leistung, nicht der Platz in der Einzeldisziplin. Für dieselbe gewertete Zeit gibt es unter derselben Wertung dieselbe Punktzahl, unabhängig davon, ob der Athlet damit seinen Lauf gewinnt oder Letzter wird. Es existiert kein zusätzlicher Punktebonus für einen Disziplinsieg.
Ein kleines Beispiel macht die Zehnkampfwertung greifbar
Im Männer-Zehnkampf ergeben elektronisch gemessene 11,00 Sekunden über 100 Meter 861 Punkte. Für 7,00 Meter im Weitsprung gibt es 814 Punkte. Zusammen sind das 1.675 Punkte. Die Ergebnisse der übrigen acht Disziplinen kommen noch dazu.
Das Beispiel zeigt auch, warum Meter und Sekunden getrennt umgerechnet werden. Ein Meter mehr im Weitsprung ist nicht dasselbe wie ein Meter mehr im Kugelstoßen. Selbst innerhalb derselben Disziplin bringt eine gleich große Verbesserung nicht an jeder Stelle der Leistungsskala exakt gleich viele Punkte.
Mit dem Mehrkampf-Rechner des Deutschen Leichtathletik-Verbandes kannst du einzelne Leistungen und vollständige Ergebnisse nachvollziehen. Wähle den passenden Mehrkampf aus und achte bei Laufzeiten auf die Einstellung zur elektronischen Zeitnahme.
Sind 1.000 Punkte pro Disziplin das Maximum?
Nein. Die Skala endet nicht bei 1.000 Punkten. Eine entsprechend starke Leistung kann mehr einbringen. Auch 10.000 Gesamtpunkte sind daher keine rechnerische Obergrenze des Zehnkampfs.
Zur Orientierung: 8.000 Punkte bedeuten im Durchschnitt 800 Punkte je Disziplin. Tatsächlich verteilt sich die Summe selten so gleichmäßig. Ein hervorragender Springer kann in den Würfen weniger Punkte sammeln und trotzdem insgesamt weit vorne liegen. Die Wertung verlangt Vielseitigkeit, aber keine zehn identischen Stärken.
Diese Zehnkampf-Regeln unterscheiden sich von Einzelwettbewerben
Grundsätzlich gelten die Regeln der jeweiligen Einzeldisziplin. Für den Mehrkampf gibt es jedoch einige Ausnahmen. Die Internationalen Wettkampfregeln unter TR39 legen unter anderem Versuche, Startregeln und Gesamtwertung fest. Die folgenden Angaben betreffen den regulären Zehnkampf. Nachwuchs-, Masters- und Breitensportformate können davon abweichen.
Beim Weitsprung und Werfen bleiben nur drei Versuche
Im Zehnkampf stehen jedem Athleten beim Weitsprung, Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwurf jeweils drei Versuche zur Verfügung. Es gibt keinen zusätzlichen Finaldurchgang für die besten acht.
Das macht einen sicheren gültigen Versuch wertvoll. Wer zweimal übertritt, hat nur noch eine Gelegenheit, überhaupt eine Leistung in die Wertung zu bringen. Alle drei Ergebnisse zusammenzählen darf man dabei nicht. Nur der beste gültige Versuch zählt.
Im Hoch- und Stabhochsprung ist die Situation anders: Drei aufeinanderfolgende Fehlversuche beenden die jeweilige Sprungdisziplin. Sie können sich auch über verschiedene Höhen verteilen. Die Latte steigt im Zehnkampf beim Hochsprung durchgehend um drei Zentimeter, beim Stabhochsprung um zehn Zentimeter.
Ein Fehlstart bleibt pro Lauf ohne Disqualifikation
Bei den Laufdisziplinen des Zehnkampfs bleibt ein Fehlstart ohne Disqualifikation. Diese Ausnahme gilt einmal für den gesamten Lauf, nicht einmal für jeden Teilnehmer. Wer danach einen weiteren Fehlstart verursacht, wird für diesen Lauf disqualifiziert.
Startet zunächst Athlet A zu früh und beim nächsten Startversuch Athlet B, trifft die Disqualifikation also B. Die genaue Abgrenzung zwischen Startabbruch, Verwarnung und Fehlstart ist deshalb auch für Zuschauer hilfreich.
Null Punkte und Nichtantreten sind verschiedene Dinge
Wer beispielsweise im Weitsprung drei ungültige Versuche produziert, erhält dort keine Punkte, darf den Zehnkampf aber grundsätzlich fortsetzen. Das ist bitter, bedeutet jedoch nicht automatisch das Ende des gesamten Wettkampfs.
Wer dagegen zu einer Disziplin gar nicht antritt oder keinen Versuch ausführt, hat den Mehrkampf aufgegeben. Er darf an den folgenden Disziplinen nicht mehr teilnehmen und erscheint nicht in der Gesamtwertung. Eine ungeliebte Disziplin einfach auszulassen und später wieder einzusteigen funktioniert somit nicht.

Warum der Sieger über 1.500 Meter nicht automatisch gewinnt
Im abschließenden Rennen laufen die Athleten auf Zeit. Ihre Startabstände werden beim klassischen Zehnkampf nicht aus dem vorherigen Punktestand berechnet. Es handelt sich also nicht um ein Verfolgungsrennen, bei dem der Erste im Ziel zwingend auch Gesamtsieger ist.
Ein vereinfachtes Beispiel: Athlet A führt vor dem letzten Lauf mit 100 Punkten. Athlet B erzielt über 1.500 Meter 60 Punkte mehr als A. Dann bleibt A insgesamt mit 40 Punkten vorne, obwohl B schneller gelaufen ist.
Deshalb werden vor dem Finale oft nötige Zeitabstände genannt. Ein Verfolger muss seinen Konkurrenten nicht nur schlagen, sondern genug Zeit herauslaufen, um dessen Punktevorsprung aufzuholen. Wie viele Sekunden nötig sind, hängt von den konkreten Zeiten ab. Eine feste Umrechnung wie „zehn Punkte sind immer eine Sekunde“ wäre falsch.
Für Zuschauer lohnt sich außerdem der Blick auf die noch ausstehenden Disziplinen. Wer nach dem Hochsprung führt, kann seine stärksten Wettbewerbe bereits hinter sich haben. Ein guter Speerwerfer dagegen hat spät im Wettkampf noch eine Gelegenheit, einen größeren Rückstand aufzuholen.
Gibt es Zehnkampf auch für Frauen und Anfänger?
Ja, Frauen können ebenfalls Zehnkampf betreiben. Für sie gibt es auch internationale Zehnkampfregeln. Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ist im Freien allerdings der Siebenkampf der Frauen etabliert, während Männer im Zehnkampf antreten. Die Aussage „Frauen dürfen keinen Zehnkampf machen“ ist deshalb falsch.
Der Frauen-Siebenkampf umfasst 100 Meter Hürden, Hochsprung, Kugelstoßen, 200 Meter, Weitsprung, Speerwurf und 800 Meter. Er ist ein eigener Wettbewerb und nicht einfach der Männer-Zehnkampf mit drei gestrichenen Disziplinen. Unter anderem unterscheiden sich Laufstrecken, Hürden und Geräte.
Wer selbst vielseitig trainieren möchte, findet den sinnvollsten Einstieg in einer Leichtathletikgruppe. Dort lassen sich die Techniken mit passenden Anlagen und unter Anleitung kennenlernen. Ein vollständiger Zehnkampf ist kein spontaner Fitnesstest für den ersten Trainingstag. Besonders Stabhochsprung und Wurfdisziplinen brauchen geeignete Bedingungen.
Für Freizeitsportler gibt es außerdem Jedermann-Zehnkämpfe mit erleichterten Bedingungen. Welche Anpassungen gelten und welche Vorbereitung erwartet wird, steht in der jeweiligen Ausschreibung. Für Kinder und Jugendliche sind altersgerechte Mehrkampfformen vorgesehen. Ein gutes Training muss deshalb nicht sofort alle zehn Erwachsenen-Disziplinen enthalten.
FAQ: Häufige Fragen zum Zehnkampf
Was passiert bei Punktgleichheit?
Erreichen zwei oder mehr Athleten dieselbe Gesamtpunktzahl, bleibt es nach den internationalen Regeln bei einem Gleichstand. Es entscheidet weder automatisch der schnellere 1.500-Meter-Lauf noch die größere Zahl an Disziplinsiegen.
Wie lange dauert ein Zehnkampf pro Tag?
Die fünf Disziplinen verteilen sich meist über viele Stunden. Eine feste Tagesdauer gibt es nicht. Teilnehmerzahl, Zeitplan und Verlauf der Sprungwettbewerbe beeinflussen die Länge. Die Pausen werden außerdem für Erholung, Essen, Umziehen und erneutes Aufwärmen gebraucht.
Was bedeutet Decathlon auf Deutsch?
Decathlon ist die englische beziehungsweise internationale Bezeichnung für Zehnkampf. Der Begriff hat griechische Wurzeln und verbindet „zehn“ mit „Wettkampf“. Bei einer internationalen Ergebnisliste bezeichnet Decathlon also denselben Mehrkampf.
Wie hoch ist der Zehnkampf-Weltrekord?
Der Weltrekord der Männer liegt bei 9.126 Punkten, aufgestellt von Kevin Mayer am 15. und 16. September 2018 in Talence. Der deutsche Rekord beträgt 8.961 Punkte und stammt von Leo Neugebauer aus Eugene am 5. und 6. Juni 2024. Stand dieser Angaben: September 2026.
Gut organisiert durch zwei Wettkampftage
Beim Zehnkampf ist die Sporttasche manchmal fast eine elfte Disziplin. Diese Ergänzungen helfen beim Organisieren und Überbrücken der Pausen. Was du bereits besitzt, muss dafür nicht ersetzt werden.
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